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LEITLINIE "EPIKUTANTEST"
 

* Zutatenliste beachten oder beim Hersteller nachfragen

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit



(modifiziert nach: Hautarzt 1993;44:57-62, Allergo J 1999;4:135-141, Allergologie 2000;23:572-579)


 

Leitlinie "Epikutantest"

Anmeldung:Ambulant: 0234 509 3422 (Frau Bursztyn-Frank)Stationär: Anmeldeformular Allergologie„Zahlen“Zwischen 5% (Männer) und 11% (Frauen) der Allgemeinbevölkerung leiden zu irgendeinem Zeitpunkt eines Jahres an einem Kontaktekzem.Synchrone Reproduzierbarkeit des ECT in Abhängigkeit von Testmethode und Allergen zwischen 60-90%Abrechnungambulant/Kasse: Allergiediagnostik I, EBM Nr. 30110 (1x/Krankheitsfall = 1 Jahr, im selben Quartal nicht neben Allergiediagnostik II)privat: ECT: GOÄ Nr 380 (Test 1-30), 381 (Test 31-50), 382 (Test 51-100) Allergiepaß: GOÄ Nr. 70
ambulant: AAPM, stationär: Dokumentation in Patientenakte

Hinweise vor dem Test:Erhebung einer sorgfältigen Anamnese (u.a. Krankheitsbild, Atopie, Beruf, mögliche Kontaktallergene, Testfähigkeit/Kontraindikationen für ECT)Hautbefund (Testfähigkeit/Kontraindikationen ?)Hinweis, dass Pat. Kontaktstoffe (z.B. eigene Kosmetika incl. Originalverpackung, Gummihandschuhe etc. mitbringen soll)Indikationen:Verdacht auf kontaktallergische Reaktion der Haut oder hautnahen SchleimhäuteVerdacht auf allergisch bedingte Berufsdermatoseätiologisch oder nosologisch ungeklärtes Ekzem zum Ausschluss einer Allergie vom SpättypVerdacht einer Provozierung oder Verschlimmerung einer bestehenden Dermatose (z.B. atopische Dermatitis, Psoriasis)Abklärung von möglicherweise medikamentenbedingten ExanthemenTestung vor Beratung über Alternativprodukte (Kosmetika, Dermatika, Handschuhe etc.)Kontraindikationen und eingeschränkte Testfähigkeit:Bei starker Hautbräunung, die entweder durch Urlaubssonne, durch regelmäßige Solarienbesuche oder durch therapeutische Bestrahlung bedingt ist, muss die Epicutantestung 4 - 6 Wochen verschoben werden. Starke UV-Bestrahlung führt zu einem Rückgang der Langerhanszellen, so dass die allergische Reaktion falsch-negativ ausfallen würde.Floride Ekzeme - Die ekzematösen Hautveränderungen (auch testfern!) sollten optimalerweise 2 Wochen abgeheilt sein.Nach vorausgehender Anwendung kortikoidhaltiger Externa im Testareal muss ein Zeitraum von 7 Tagen abgewartet werden.Bei interner Gabe von Kortikoiden sollte die tägliche Dosis von 20 mg Prednisolon-Äquivalent nicht überschritten werden.Bei einer Cytostatika-Therapie oder bei Anwendung von Cyclosporin-A kann ebenfalls keine Epicutantestung durchgeführt werden. Auch hierbei kann es zu einer falsch-negativen Immunantwort kommen.Infektiöse HauterkrankungenSchwangerschaft (Schwangere könnten prinzipiell getestet werden. Die Menge der auf die Haut aufgebrachten Stoffe ist so minimal, dass selbst bei toxischen Stoffen nicht mit einer Fruchtschädigung zu rechnen ist. Es wird aber empfohlen, die Testung auf einen Zeitpunkt nach der Entbindung zu verschieben, da der durchführende Arzt bei einer eventuellen Missbildung des Kindes beweispflichtig ist!)Nicht näher bekannte mitgebrachte Kontaktstoffe („unbeschriftetes Fläschchen von der Arbeit“)
Hinweis:Kinder sollten in der Regel erst ab dem Schulalter getestet werden, wobei insbesondere aufgrund der Anamnese nur sorgfältig ausgewählte Testsubstanzen zur Anwendung kommen sollten. Der Grund hierfür sind zum einen das noch nicht voll funktionsfähige Immunsystem von Säuglingen und Kleinkindern, zum anderen benötigt eine Kontaktallergie in der Regel einen längeren Zeitraum, um manifest zu werden. Sofern dennoch eine Testung durchgeführt wird, können die üblichen Testallergene verwendet werden.Antihistaminika der "alten" Generation wie Fenistil oder Tavegil können vom Patienten weiterhin eingenommen werden. Sie sind bei Patienten mit Pflasterempfindlichkeit am Vorabend vor Abnahme der Pflaster gegeben sogar hilfreich. Allein durch den Reiz, der bei der Abnahme der Pflaster entsteht, können sie mit einer starken Hautrötung reagieren. Dieses wird durch das unspezifische Ausschütten des Histamins aus den Mastzellen ausgelöst.Die "neue" Generation der H1-Blocker, wie Teldane, Lisino, Zyrtec, Telfast, Aerius, Xusal, wird zum Teil noch kontrovers hinsichtlich der Beeinflussung der Testreaktionen diskutiert.Aufklärung der Pat. über ECT Bitte Patienteninformation/Einwilligung: “Epikutantest” verwendenZweck des ECTDurchführung:vorher nicht eincremen, kein Ölbad4-6 Wochen vorher keine Besonnungkein Wasser an Rücken lassen (d.h. nicht Duschen), kein Sport, keine schmutzige oder körperliche ArbeitPat. soll auch auf Spätreaktionen achten und sich in diesem Fall erneut beim Arzt vorstellenRisiken:allergische Reaktionen einhergehend mit Juckreiz, Rötung, Schwellung, Nässenevtl. über Wochen persistierende allergische Reaktionen (z.B. gegen Goldsalze)postinflammatorische Hyper- oder Depigmentierungtoxische Reaktionen mit Brennen, Schmerzen und evtl. Nekrose und Narben- und Keloidbildungpustulöse Reaktionen (v.a. bei Metallsalzen)Granulome (z.B. durch Beryllium, Zirkonium)unspez. Reizung durch PflasterAuslösung einer Druckurticaria bei Testung solider MaterialienVerschmutzung der Haut durch farbige Testsubstanzen, Markierungsstift und PflasterresteVerschmutzung der Kleidung durch Exsudat, farbige Testsubstanz oder Markierungsstift (deshalb altes T-Shirt anziehen)(iatrogene) NeusensibilisierungStreureaktionen bei intensiven ReaktionenAufflammen eines Ekzems („flare-up“)Während der Testung selbst ist das sehr seltene Phänomen der Auslösung einer Typ-I-Allergie zu beachten. Die Kenntnis der Sofortmaßnahmen bei schweren anaphylaktischen Reaktionen (Schock) ist deshalb unabdingbar. In der Literatur finden sich diesbezügliche Hinweise z.B. für die Substanzen Perubalsam, Sorbinsäure, Chloramphenicol, Ampicillin, Gentamicin, Neomycin, Bacitracin, Zimtaldehyd.Köbner-Phänomenbakterielle oder virale InfektionVermerk in die Akte über die erfolgte AufklärungDurchführungStarke Behaarung sollte vorsichtig mit einem Rasierer entfernt werden, wenn möglich 1 bis 2 Tage vor der TestungAm Tag der Testung keine Salbenapplikation (auch keine Pflegesalben!) am Testort. Zur Beseitigung fetter Haut kann diese mit verdünntem Alkohol oder Waschbenzin gereinigt werden. Dieses Vorgehen empfiehlt sich auch, wenn Patienten rückfettende Ölbäder oder andere fettende Körperpflegemittel am Testareal angewendet haben. Bei trockener Haut werden die "lockeren" Hornzellen entfernt. Führt man diese Reinigung der Haut generell durch, ergibt sich daraus der Vorteil der besseren Haftung des Testpflasters.Testtage: montags oder dienstagsTestpflaster: Finn Chambers on Scanpor (FCS) auf Acrylat-BasisAllergene: i.d.R. Hermal, ggf. Chemotechnique, HAL oder BrialLagerung der Allergene: im KühlschrankVehikel: meist Vaseline, ggf. Wasser, Aceton, Ethanol, DMSO etc.Präparation der Testpflaster: durch Arzthelferin/MTABei flüssigen Substanzen Filterpapierscheibchen benutzen, welches mit etwas Vaseline im FCS befestigt wirdAuswahl der Allergene: meist Standardreihe sowie Anamnese-geleitete Auswahl der TestreihenTestreihen: für Interessierte einsehbar unter: http://www.ivdk.gwdg.de/dkg/dkgblo.htmlZusätzliche Fixierung: Fixomull StretchApplikation der Testpflaster: durch Arzthelferin/MTA (Testpflaster zuerst am unteren Ende ankleben, dann
von unten nach oben)Ggf. vorher Tesafilmabriss zur Verdünnung der Hornschicht und evtl. Erhöhung der Sensitivität (nicht unumstrittenes und nur schlecht standardisiertes Verfahren). Einsatz z.B. bei Testung von Augenkosmetika/-med. oder bei zuvor vermutlich falsch-neg. TestreaktionenApplikationsdauer:meist 48 hInsbesondere bei Patienten, die sich körperlich bewegen, unter Hyperhidrosis leiden, bei heißen Temperaturen im Sommer oder wo die große Anzahl von Testpflastern eine starke Belästigung der Patienten bedeutet, sollte die Applikationszeit auf 24 Stunden begrenzt werden. Kinder sollten ebenfalls nur über 24 Stunden "beklebt" werden.Testort:Oberer Rücken, Abstand von Mittellinie 2-4 cm. Die Reaktionsbereitschaft der Haut ist am Rücken am stärksten, wobei diese von oben nach unten abfällt. Als irritativ bekannte Substanzen, z.B. Kaliumdichromat, sollten deshalb eher im unteren Teil des Rückens aufgeklebt werden.Ggf. Oberarmaußenseite oder UnterarminnenseitenDie Anordnung der Pflaster soll mit der Reihenfolge der Dokumentationsbögen übereinstimmenBei zu erwartenden Reaktionen sollte die betreffenden Allergene möglichst weit voneinander entfernt gestestet werden.Entfernung und Markierung der Testpflaster durch Arzthelferin/MTA, hierbei auch auf evtl. unvollständige Okklusion durch Ablösung der Pflaster achtenMarkierung:mit EddingDie Markierung der Testareale ist unbefriedigend. Aufgrund der kontinuierlichen Abschilferung der oberen Hornzellschicht, verblasst eine Markierung Tag für Tag. Zudem werden die meist fettlöslichen und/oder wasserlöslichen Farbstoffe durch Hautfett und Schweiß gelöst. Ein Eindringen in tiefe Hautschichten findet auch bei den Fluoreszenzfarbstoffen nicht statt. Eine Nachmarkierung bei jedem Ablesezeitpunkt ist anzuraten.Ablesungen:durch den Arztnormal nach 48 h (30 min nach Entfernung der Pflaster) und nach 72 Stundenggf. nach 20 min (bei V.a. Kontakturtikaria)ggf. auch nach 96 h, 120 h, 144 h etc. bei sehr verzögerten Reaktionen (z.B. Steroide, Neomycin)nur im Allergielabor, bei guter Beleuchtung, ggf. mit LupeDokumentation: auf Bogen und im PC
Bewertung der Testreaktionen

Symbol Morphe Bedeutung



NT
nicht getestetes Allergen

- keine Reaktion negativ

? nur Erythem, kein Infiltrat fragliche Reaktion

+ Erythem, Infiltrat, evtl. diskrete Papeln einfach positive allerg. Reaktion

++ Erythem, Infiltrat, Papeln, Vesikel zweifach positive allerg. Reaktion

+++ Erythem, Infiltrat, konfluierende Vesikel dreifach positive allerg. Reaktion

IR verschieden irritative Reaktion
(Seifeneffekt, Erythem und Papeln in follikulärer
Verteilung, Petechien, Pusteln, Blase, Nekrose)

Zusätzliche Kommentare:PflasterreizungAngry back bei Reaktionen gegen mind. 5 nicht verwandte AllergeneSog. „Edge effect“: ringförmige Testreaktion als Ausdruck einer irritativen Reaktion (wahrscheinlich durch höhere Testkonzentration im Randbereich)Allergische Hautreaktionen

Über die Beurteilungskriterien hinaus gibt es zur weiteren Abgrenzung ergänzende Merkmale einer allergischen Reaktion. In der Regel sind allergische Reaktionen in ihrem Rand nicht scharf begrenzt, sondern sie neigen zur Spreitung über den Testkammerbereich hinaus. Eine Crescendo-Reaktion (die zwischen 48 Stunden und 72 Stunden weiter an Stärke zunimmt) oder ein Plateau-Verlauf sprechen eher für eine allergische Reaktion.

Neusensibilisierung („iatrogene“ Sensibilisierung)

Bei Spätreaktionen, die etwa 10-14 Tage nach Applikation des ECT erstmalig auftreten, ist an eine iatrogene Sensibilisierung durch den Test zu denken (Beispiele u.a. p-Phenylendiamin*, Primin). Beim folgenden ECT erfolgt die Reaktion dann bereits nach 72 h. Das Risiko einer Neusensibilisierung ist jedoch bei den meisten Testallergenen nur sehr gering, so dass die Vorteile des ECT gegenüber diesem Risiko überwiegen. Ein unbedachtes Testen nichtekzematischer Personen z.B. vor Beginn einer Ausbildung oder eines Berufes wird jedoch abgelehnt.

*Die DKG führt eine Untersuchung über Spätreaktionen auf einzelne Allergene durch. Dabei haben sich Hinweise darauf ergeben, dass durch den Epikutantest mit p-Phenylendiamin (PPD, Testkonzentration 1 % Vas.) bei mehr als 1 % der Getesteten aktiv Sensibilisierungen induziert werden können. Die DKG hat daraufhin beschlossen, die routinemäßige Testung mit PPD in der Standardreihe bis zur Findung einer für die Diagnostik geeigneten, aber nicht sensibilisierenden Testkonzentration auszusetzen. PPD sollte vorerst nur indikationsbezogen getestet werden, also insbesondere bei Verdacht auf Kontaktallergie gegen Haarfarben.

Irritative/Toxische Testreaktionen

Die irritative/toxische Hautreaktion kann sich in mannigfacher Ausprägung präsentieren. Sie reicht vom schwachen Erythem über follikuläre pustulöse Reaktionen bis hin zur Blasenbildung. Allen diesen Hautreaktionen aber ist in der Regel gemeinsam, dass sie scharf auf das Testfeld begrenzt sind und meist mit einer Abnahme der Intensität (Decrescendo-Reaktion) auffallen.

Gruppenallergie (Kreuzallergie)

Allergische Hautreaktionen auf chemisch verwandte Substanzen sind häufig in ihrer Bedeutung relevant. Patienten haben sich in der Regel durch einen Stoff sensibilisiert. Die Ekzemreaktion wird aber durch die verschiedensten Substanzen ausgelöst. Als bedeutendste Gruppe zählen hierzu die "Para-Stoffe". Hauptvertreter sind: 4-Phenylendiamin und seine Derivate sowie 4-Aminobenzoesäure und ihre Derivate wie Lokalanästhetika, Sulfonamide, Parabene.

Kopplungsallergie

Bei einer Kopplungsallergie kommt es zur gleichzeitigen Auslösung positiver Epicutanteste auch bei solchen Substanzen, die chemisch nicht verwandt sind. Der Patient hat sich durch die Anwendung, z.B. eines Medikamentes, zum gleichen Zeitpunkt mit den in Kombination verabreichten Substanzen sensibilisiert. Auffällig ist eine solche Kopplungsallergie bei Patienten mit Unterschenkelekzemen oder bei bestimmten Berufsgruppen. Bei Unterschenkelekzem-Patienten findet man häufig eine kombinierte oder gekoppelte Allergie gegen Neomycin, Lanolin und Parabene. Als Beispiel einer gekoppelten Arbeitsstoff-Allergie sind Chromat und Kobalt zu nennen.

Compound-Allergie

Von einer Compound-Allergie wird gesprochen, wenn es ausschließlich zu einer allergischen Reaktion gegen ein Allergengemisch (z.B. kosmetisches Produkt), nicht jedoch zu Reaktionen gegen die einzelnen Bestandteile des Gemisches kommt. Erklärungsversuche für dieses Phänomen sind: Irritation durch das Gemisch oder Reaktion auf im Gemisch entstandene Reaktionsprodukte oder zu niedrige Testkonzentration der Einzelallergene in Vaseline.

Excited skin syndrome, "Angry back"

Die Epicutantestung wird in der Regel mit einer großen Zahl von Substanzen zur gleichen Zeit durchgeführt. Es kann dabei zu einer überschießenden Reaktion mit vermehrt positiven Testergebnissen kommen, die keine klinische Relevanz besitzen. Hierbei sind heftige Ekzemreaktionen auf allen Testfeldern möglich, aber bereits mehr als 5 positive (nicht verwandte) Reaktionen sollten hier eingeordnet werden. Ein Status derart erhöhter Irritabilität der Haut wird meist bei nicht hauterscheinungsfreiem Zustand (auch an testfernen Stellen) gefunden. Zudem können sehr starke Reaktionen im ECT zu irritativen Begleitreaktionen in der Nachbarschaft führen.Auch eine starke Irritation durch Pflaster kann zu einem angry back führen.Zur weiteren Abklärung sollten die auffälligen Allergene später (s.u.) einzeln nacheinander erneut getestet werden, insbesondere bei ubiquitären, nur schwer meidbaren Allergenen (z.B. Konservierungsstoffe wie Parabene oder Formaldehyd, Vehikel wie Wollwachsalkohole, Duftstoffe, Gummiinhaltstoffe) oder speziellen Fragestellungen (Jobwechsel, Gutachten etc.).
Auf eine Nachtestung bestimmter Allergene kann ggf. verzichtet werden, wenn die erneut und gezielt erhobene Anamnese diesbezüglich leer ist oder das Allergen sehr einfach zu meiden ist.

Relevanz von Testergebnissen

Stets ist die Bewertung der klinischen Relevanz der allergischen Testreaktionen notwendig:

keine Relevanz oder fragliche Relevanzklinische Relevanz: - möglich, wahrscheinlich oder gesichert
- aktuell (für das jetzige allergische Kontaktekzem) oder früher
- privat oder beruflich

Eine positive Hautreaktion im Epicutantest muss nicht in jedem Fall eine klinische Relevanz, also Bedeutung, für das derzeitige Krankheitsgeschehen des Patienten haben. Hierzu zählen u.a. die häufigen Reaktionen gegen Duftstoff-Mix und früher Thiomersal.
Wenn keine schlüssigen Erklärungen nach nochmaliger eingehender Befragung des Patienten und/oder der Begutachtung des Arbeitsplatzes gefunden werden konnten und auch das Vorliegen einer gruppenallergischen Reaktion ausgeschlossen werden konnte, sollte zur Vermeidung unnötiger psychischer Belastungen des Patienten die Bedeutung der Testreaktion für das zukünftige Verhalten eingehend mit ihm diskutiert werden.
Hilfreich kann auch die Durchführung des sogenannten Gebrauchstestes sein (s.u.), der im positiven Fall dem Patienten die Auswirkungen deutlich vor Augen führt, im negativen Fall die Verwendung spezieller Produkte weitgehend sicher erlaubt.

Falsch-negative Testreaktionen

Mögliche Ursachen für falsch-negative Testreaktionen sind:relevantes Allergen nicht getestetungenügende Penetration des Allergenszu niedrige Testkonzentrationdie Testsubstanz wird vom Vehikel nicht freigegeben oder verbleibt im Filterpapierscheibchenzu geringe Befüllung der Testkammernicht ausreichende Okklusionunzureichende Applikationsdauernicht optimale Testregionverfallene Allergene (Haltbarkeitsdatum)keine frische Zubereitung der Testpflasterkeine ausreichende Nachahmung der Begleitumstände des Ekzems (Schweiß, Druck, Reibung, ulzerierte oder ekzematöse Haut etc.)Allergen ist nicht in aktiver Formzu frühe AblesungKontraindikationen/eingeschränkte TestfähigkeitCompound-Allergie (s.o.)
Hinweise: Ein negativer ECT schließt die Bedeutung einer Kontaktallergie für das aktuelle Kontaktekzem nicht 100%ig aus!Bei einem eindeutigen Verdacht sollte die Testung mit diesem Testallergen nach Anwendung der Tesafilm-Abrissmethode oder mit Finn Chambers on Scanpor Large 12 mm wiederholt werden.Falsch-positive Testreaktionen

Falsch-positive Testreaktionen sind in der Regel irritativer/toxischer Natur. Derartige Hautreaktionen können durch noch bestehende Ekzemherde oder durch Testung in besonders reaktiven Arealen (oberer Rücken) ausgelöst sein. Man findet sie auch beim sog. angry back. Ebenfalls können Reizungen durch das Abziehen des Testpflasters, aber auch durch eine schlechte Verteilung der Substanz im Testvehikel provoziert werden.

Des weiteren ist bekannt, dass auch einige der Testallergene in der geprüften und empfohlenen Testkonzentration irritative Hautreaktionen auslösen können. Hierzu zählen z.B. aus der Standardreihe Kaliumdichromat, Kobaltchlorid, Formaldehyd, Duftstoff-Mix. Ferner müssen Goldverbindungen (Natriumthiosulfatoaurat), Quecksilbersalze (Phenylquecksilber, -acetat), Palladiumchlorid, Benzoylperoxid, Cocamidopropylbetain und Glutaraldehyd genannt werden.
Generell sollten Reaktionen auf Metallsalze bei Atopikern sehr kritisch begutachtet werden, da es sich häufig um unspezifische, follikuläre Reizungen handelt.
Artefakte sind ebenfalls auszuschließen. Bei Verdacht auf Artefakte empfiehlt sich eine Testung der Allergene in zufälliger Reihenfolge mit eingestreuten Leer- und Vehikeltestungen.
Bei einer sehr seltenen Sensibilisierung gegen Aluminium (z.B. i.R. einer Hyposensibilisierung mit Depotpräparaten erworben) Reaktion auf die Testkammern selbst. In diesem Fall Testung mit Plastikkammern.

Allergiepaß (nach Empfehlungen der DKG)automatisch durch das Allergielabor (Formular „Allergiepass“, fortlaufende Numerierung)wird– bis auf Ausnahmen –am Tag der Testbeendigung des ECT erstelltDokumentation der nach 72 h od. später als +, ++ od. +++ beurteilten u. somit als allergisch gewerteten ReaktionenBeurteilung der klinischen RelevanzEinlegeblätter zum Vorkommen der AllergeneAufklärung der Patienten nach Abschluss des ECTim Allergielaborüber Testreaktionen, Allergene, klinische Relevanz, Kreuzallergien, AllergiepassKontrolle patienteneigener Kontaktstoffe hinsichtlich Allergenexpositionggf. Informationsmaterial für Patienten, Beratung über Alternativen (z.B. allergenfreie Materialien)Testwiederholungbei falsch-positiven (z.B. bei angry back) oder falsch-negativen Reaktionenbei sehr späten, nicht mehr zuzuordnenden Reaktionenggf. bei unvollständiger oder nicht adäquater externer VortestungCave: um Gefahr der Neusensibilisierung zu mindern, Intervall von etwa 2 Monaten anstrebenCave: bei gesicherten Allergien (z.B. in Nachbegutachtungen) Testwiederholungen ganz vermeidenGebrauchstest (ROAT: repeated open application test)

Diese Art der Testung wird in der Regel ergänzend zum Epicutantest durchgeführt, um die Relevanz positiver oder fraglicher oder vermeintlich falsch-negativer Testergebnisse zu bestätigen. In der Regel wird es sich um Fragestellungen handeln, die durch die Verwendung topischer Arzneimittel oder Kosmetika gegeben sind.
Für den Anwendungstest werden die Präparate zweimal täglich i.d.R. auf den Unterarm, am besten in die Ellenbeuge, eingerieben (0,1 ml für ein 5 x 5 cm großes Areal, 0,5 ml für ein 10 x 10 cm großes Areal). Die Testzeit sollte sieben Tage betragen, sofern nicht vorher eine Ekzemreaktion am Testort auftritt. Bei einem negativen Testbefund ist die klinische Relevanz des Allergens als sehr gering einzuschätzen.

Offener Epicutantest

Die offene Epicutantestung wird dann durchgeführt, wenn eine sehr starke Sensibilisierung des Patienten vorausgesetzt werden kann. In der Regel werden die Substanzen auch auf dem Rücken oder auf der Außenseite des Oberarms aufgebracht, aber nicht okklusiv mit einem Testpflaster abgedeckt.
Die Ablesung und Bewertung erfolgt wie bei der normalen (geschlossenen) Epicutantestung. Ein negatives Testergebnis kann dann durch die Wiederholung unter Okklusion bestätigt werden.
Die offene Epicutantestung wird z.B. auch bei Haarsprays oder anderen leicht flüchtigen Fertigpräparaten oder bei aceton- und alkoholhaltigen Lösungen durchgeführt. Sie ist auch angezeigt bei der Testung unbekannter Berufsstoffe.
Wenn mit einer Kontakturtikaria oder einer nicht-immunologisch bedingten erhöhten Bereitschaft zur Histaminfreisetzung gerechnet wird, muss ebenfalls ein offener Epicutantest durchgeführt werden. Allerdings sollte die Applikationszeit dann 20 Minuten betragen und die Ablesung unmittelbar danach erfolgen.

Testung nichtstandardisierter Proben

Hilfsmittel


Häufig ist es erforderlich, Materialien, die der Patient in die Praxis mitbringt, so aufzubereiten, dass sie für die Epicutantestung eingesetzt werden können. Berufsstoffe können nur sehr selten pur getestet werden. Um ein qualitativ einwandfreies Testpräparat herstellen zu können, sollten folgende Hilfsmittel im Allergielabor verfügbar sein:Reibschalen mit PistillSchere, Hobel, Feile oder Reibe, scharfer LöffelEppendorf-Pipetten, Einmal-Pipettenspitzen (Alternative: Insulin-Einmalspritzen)Eppendorf-ReaktionsgefäßeWaagepH-Indikatorstäbchen Universalindikator pH 0-14 (Merck, Art. Nr. 9535)Holzzahnstocher
Als Lösungsmittel ist zum Verdünnen von wasserlöslichen Substanzen wie Pulvern, manchen Farben oder Kosmetika destilliertes Wasser Mittel der Wahl. Besser allerdings verwendet man z.B. Pufferlösung pH 5,5 RN DAB10. Die Einstellung des für die Testung geeigneten pH-Wertes ist besser realisierbar.

Rezeptur der Pufferlösung pH 5,5 RN DAB 10

Citronensäure-Monohydrat R 9,054 g
Natriummonohydrogenphosphat R 40,796 g
Gereinigtes Wasser ad 1000,00 ml

Zum Verdünnen von technischen Stoffen eignen sich Aceton oder Olivenöl. Zur Anreibung von Feststoffen, festeren öllöslichen Substanzen oder kleinen Mengen öliger Zubereitungen eignet sich weißes Vaselin. Dieses ist ebenfalls zur Verreibung von Pflanzenteilen sehr gut geeignet.

Informationsquellen

Informationen über chemische und/oder toxische Eigenschaften zu den Berufsstoffen sind häufig schwierig zu erhalten. Hilfestellung geben können in der Regel der zuständige Arbeitsmediziner oder der Gewerbearzt. Der Patient selbst kann über seinen zuständigen Sicherheitsbeauftragten ein Sicherheitsdatenblatt besorgen. Diese Datenblätter müssen seitens der Hersteller für jeden Berufsstoff vorliegen. Sie enthalten neben den Hinweisen zur Chemie und Löslichkeit auch Angaben für persönliche Schutzmaßnahmen beim Umgang mit dieser Substanz.
Wenn diese Informationsquellen nicht zugänglich sind, kann die Kennzeichnung auf den Gefäßen weiterhelfen. Nach der Gefahrstoff-Verordnung werden unterschiedliche Symbole zur Kennzeichnung verwendet. Im Sicherheitsdatenblatt findet man diesen Hinweis unter Punkt 4. Zur Herstellung von Testallergenen eignen sich ohne weitere Kenntnisse über den jeweiligen Stoff nur solche Substanzen, die mit den Symbolen Xn (Mindergiftig) oder Xi (Reizend) gekennzeichnet sind.

Testkonzentrationen

Ist die geeignete Testkonzentration für die Substanz unbekannt, sollten immer zwei Verdünnungsstufen zur besseren Beurteilung der Testreaktionen geprüft werden.
Beginnen sollte man dann mit 1 : 10000 und 1 : 1000. Bleiben Hautreaktionen aus, können die nächst niedrigeren Verdünnungsstufen gewählt werden. Verdünnungen mit einer Konzentration von 1 : 100.000 (0,001 %) werden wahrscheinlich keine allergische Hautreaktion mehr auslösen.
Bei unbekannten und/oder reizenden Stoffen kann eine offene Vortestung über 24 Stunden sinnvoll sein.

Herstellung von Verdünnungsreihen

Bei der Testung von Fertigprodukten, insbesondere aus dem Bereich der Berufsstoffe, muss zur Vermeidung starker Hautschädigungen durch toxische Reaktionen eine Verdünnungsreihe angefertigt werden. Unverdünnt sollten möglichst nur solche Substanzen getestet werden, die auch für einen längeren Verbleib auf der Haut gedacht sind, oder solche, von denen eine gute Hautverträglichkeit bekannt ist.
Hierbei muss immer zwischen wasserlöslichen bzw. wassermischbaren und wasserunverträglichen Produkten oder Stoffen unterschieden werden.

Bei wässrigen Zubereitungen ist der 1. Schritt die Messung des pH-Wertes. Für die Testung ist ein pH-Wert von 5 - 8 wünschenswert. pH-Werte von 4 bzw. 9 können akzeptiert werden. Sofern durch die Verdünnung und die Verwendung der Pufferlösung (s.o.) dieser pH-Wert-Bereich nicht eingestellt werden kann, sollte die Testung unterbleiben.
Wegen der einfachen Handhabung ist zur pH-Bestimmung der pH-Universalindikator pH 0-14, Merck, Art.-Nr. 9535 zu empfehlen.

Es hat sich bewährt, Verdünnungen in den folgenden Konzentrationen herzustellen:

10 % 1 : 10
1% 1 : 100
0,1 % 1 : 1000

Hierbei ist es wichtig zu bedenken, dass die Verdünnung mit der "Annahme" hergestellt wird, dass die Ausgangslösung 100%ig ist. Diese Annahme ist jedoch für die Einzelsubstanzen real falsch. Meistens sind die Substanzen in niedrigerer Konzentration in die Produkte eingearbeitet. Bedeutung kommt dieser Tatsache insbesondere bei Substanzen zu, die in geringer Konzentration in der Ausgangslösung vorhanden sind. Dieses sind z.B. Farbstoffe, Konservierungsstoffe, Duftstoffe. Solche Stoffe werden bei größeren Verdünnungen ab 1 : 100 somit allergologisch keine Auswirkung mehr haben. Der Hauttest bleibt negativ.

Bei der Herstellung von Verdünnungsreihen empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

In ein geeignetes Gefäß, z.B. ein Eppendorf-Reaktionsgefäß, werden 0,9 ml der Verdünnungslösung vorgelegt. Mit der Eppendorf-Pipette oder der Insulin-Einmalspritze werden dann 0,1 ml der zu prüfenden Zubereitung hinzugefügt. Nach kräftigem Schütteln ist diese erste Verdünnung Stufe 1 : 10 fertiggestellt.
0,1 ml dieser Verdünnung werden entnommen und wiederum zu 0,9 ml Lösungsmittel hinzugegeben. Diese 1 : 100 Verdünnung wird erneut kräftig geschüttelt und entsprechend weiterverdünnt.

Bei Anreibungen mit Vaselin, die besonders für Feststoffe und wasserunlösliche Produkte geeignet sind, empfiehlt sich, das Material abzuwiegen und mit 0,9 g Vaselin zu verreiben. Die weiteren Schritte entsprechen denen, wie sie bei der Verdünnung mit Lösungsmitteln angegeben sind.


Beispiele zur Vorgehensweise

Berufsstoffe

Technische Öle/Kühlschmiermittel

Bei den Kühlschmiermitteln unterscheidet man zwischen solchen, die wassermischbar sind, und solchen, die nicht wassermischbar sind. In der Industrie werden wassermischbare Kühlschmiermittel üblicherweise in einer Gebrauchskonzentration von 5 % der Ausgangslösung (Konzentrat) eingesetzt.

wassermischbare (wasserlösliche) KühlschmiermittelGebrauchslösung (pH 5 bis pH 8) ® Testung: purAndere ® 1 : 20 bzw. 1 : 25 mit Pufferlösung (pH 5 - pH 8) nicht-wassermischbare (ölige) KühlschmiermittelTestung: Verdünnung 1 : 1 bzw. 1 : 10Medium: Olivenöl, Vaselin, Glycerin oder Paraffinum liquidumHydrauliköleTestung: Achtung! höchstens 1 : 100 verdünntMedium: Olivenöl, Vaselin, Glycerin oder Paraffinum liquidumFarben und LackeWand-/Deckenfarben (sogenannte Umweltfarben)Testung: unverdünnt, offen (pH 5 bis pH 8)Wand-/Deckenfarben (andere)Testung: Verdünnung 1 : 10 mit Pufferlösung evtl. unverdünnt offen (pH 5 bis pH 8)wasserlösliche Lacke (Umweltengel)Testung: Verdünnung 1 : 100 bzw. 1 : 1000 mit Pufferlösung (pH 5 bis pH 8)wasserunlösliche LackeTestung: Verdünnung 1 : 100 bzw. 1 : 1000 mit AcetonCave: Aceton greift Kunststoff an, daher niemals Aceton-Verdünnungen in Kunststoffgefäßen ansetzen.Alternative für Lacke: Testung wie Nagellack (s.u.)Holz

Am geeignetsten sind Holzstäube. Bitten Sie den Patienten, solche mitzubringen. Der Patient sollte die Sägebank saubermachen und anschließend die erste Holzart (z.B. Fichte) sägen. Den feinen Staub füllt er in ein Gefäß (Plastikbeutel). Danach wird die Bank wieder gereinigt und die nächste Holzart gesägt (z.B. Kirsche), usw.

Testung: Staub mit etwas destilliertem Wasser oder Vaselin verreiben.Bäckereistoffe

Diese Stoffe führen überwiegend zu Typ-I-Reaktionen (Kontakturticaria). (Ablesung nach 20 - 30 Minuten)

Mehle: anfeuchten mit H2ONougat oder Caramel: 1 : 1 in VaselinNüsse (Haselnüsse, Mandeln, Erdnüsse): mahlen oder frisch mörsern - anfeuchten mit H2OSamen (Sonnenblumenkerne, Hirse, Sesam): mahlen oder frisch mörsern - anfeuchten mit H2Oalpha-Amylase (Aspergillus oryzeae): 1 %ige LösungPflanzen

Kontaktallergische Hauterscheinungen können neben den üblichen Läsionen an Händen und Unterarmen auch zu aerogen ausgelösten Ekzemen an unbedeckten Körperarealen führen. Neben der kontaktallergischen Reaktion muss bei Pflanzen auch an photoallergische sowie irritative Reaktionen gedacht werden. In der folgenden Übersicht sind einige Pflanzen aufgelistet, bei denen eine Nutzen-/Risiko-Abschätzung der Testung erfolgen sollte.aktive Sensibilisierung Alstromeria = Inkalilie BecherprimelTulpeLilieIrisChicoreeIrritative ReaktionHyazintheNarzisse (Osterglocke)EfeuKüchenzwiebelKnoblauchBärenklau (phototoxisch)
Besser nicht getestet werden sollte der Milchsaft von z.B. Weihnachtsstern und "Croton".
Für die beliebte Zimmerpflanze Ficus benjamina sind Soforttyp-Reaktionen beschrieben. Zudem wird eine Kreuzreaktion mit Latex diskutiert.
Die einzelnen Teile einer Pflanze – Blüte, Blätter, Stiel, Wurzel/Zwiebel – sollten grundsätzlich getrennt zur Testung aufbereitet werden.
Klein geschnittene Pflanzenteile werden in einer Reibschale mit Pistill zerrieben; im Verhältnis 1:1 Vaselin zugeben. An der gleichmäßigen Verfärbung des Vaselins (Chlorophyll, Blütenfarbstoff) erkennt man die homogene Verteilung.
Pflanzen können mit Pflanzenschutzmitteln behandelt worden sein. Blumenzwiebeln werden vor und während der Lagerung oft mit Fungiziden besprüht. Patienten, insbesondere Gärtner, Floristen und Obst-/Blumenverkäufer, können sich somit auch gegen diese Stoffe sensibilisiert haben.

ArbeitshandschuhefTextilien

Bei der Testung von Arbeitshandschuhen und Textilien muss ein mindestens 3 x 3 cm großes Teilstück sowohl der Innen- als auch der Außenseite aufgelegt werden. Bei Textilien wird empfohlen, wenn möglich jede verarbeitete Stoffart und Farbregion als Probe zu überprüfen. Zur Simulierung von Arbeitsbedingungen bei Handschuhen ist es ratsam, zusätzlich jeweils zwei weitere Proben angefeuchtet zu testen. Die Fixierung kann mit jedem Pflastermaterial erfolgen.

Latexhandschuhe können eine Kontakturtikaria auslösen, die in der Regel auf Latexproteine zurückzuführen ist oder auf Proteine der Puder. Zur Abklärung eignet sich ein Reibtest mit dem Handschuhmaterial oder der modifizierte Epicutantest. Für Pricktest-Untersuchungen kann der Latexhandschuh klein geschnitten und mit Kochsalzlösung oder destilliertem Wasser bedeckt werden. Mit dem Überstand kann nach 2 Stunden ein Pricktest durchgeführt werden.

Arzneimittel

Die Epicutantestung von Arzneimitteln ist in der Regel nur für solche Präparate sinnvoll, die auf der Haut angewendet wurden. Für alle anderen sollten modifizierte Teste oder solche zum Nachweis einer Typ-I-Allergie verwendet werden. Ausnahmen hierzu könnten Krankenschwestern sein, die Arzneimittel für Patienten bereitstellen, und ein Kontakt an den Händen stattfinden kann.

Tabletten können zerstoßen und mit destilliertem Wasser verrieben werden. Diese Mischung kann dann zur Pricktestung eingesetzt werden. Eine einfachere Methode besteht im Durchbrechen der Tablette. Die Bruchstelle wird angefeuchtet und ein Reibtest durchgeführt.Bei Kapseln kann mit dem Kapselinhalt entsprechend verfahren werden.Injektionslösungen können ohne weitere Aufbereitung für die üblichen Untersuchungsverfahren zur Ermittlung einer Arzneimittel-Unverträglichkeit eingesetzt werden.Mit Ausnahme der Präparate, die auch reinigende Eigenschaften haben, können Arzneimittel zur Anwendung auf der Haut pur getestet werden.Bei Augentropfen und Augensalben wird z.T. empfohlen, die Testareale zu "strippen". Hierdurch wird die Verdünnung der Hornschicht erreicht.Kosmetika

Die Vielzahl der kosmetischen Einsatzbereiche und Produkte erfordert eine Einteilung.

Produkte, die auf der Haut bleiben (Cremes, Lotionen, Salben, Make-up)Grundsätzlich können diese Präparate pur getestet werden.Produkte, die abgewaschen werden (Masken, Waschemulsionen, -lotionen, -cremes, Produkte zur Rasur, Spülungen)Reinigungszubereitungen enthalten einen hohen Anteil an Emulgatoren (Tensiden). Diese Stoffe sind in der Regel in den eingesetzten Konzentrationen unter Okklusion hautunverträglich. Deshalb ist es ratsam, solche Präparate zu verdünnen. Eine Verdünnung von 1 : 10 wird in der Mehrzahl der Fälle geeignet sein. Zur besseren Beurteilung unklarer Testreaktionen sollte zusätzlich bei allen Testungen mit Verdünnungen die nächst niedrigere Konzentration mitgetestet werden. Es ist hierbei zu beachten, dass Inhaltsstoffe mit geringer Konzentration - Farbstoffe, Duftstoffe, Konservierungsstoffe - bei dieser Verdünnungsstufe bereits" herausverdünnt" wurden.Sprays (mit Treibmittel): Haarspray, Deodorants, ParfümsTreibmittel können hautreizende Wirkung haben. Deshalb sollten diese Präparate offen getestet werden. Hierzu besprüht man einen Tupfer, der dann mit einem üblichen Klebeband befestigt wird, oder man besprüht ein reguläres Pflaster, z.B. Hansamed. Aufgrund eines hohen Gehalts an Alkohol werden zudem Parfüms in dieser Form getestet sowie Produkte, die festigende, klebende Eigenschaften haben (Haarpflege-Produkte).SchäumeSchäume sind wässrige Zubereitungen, die mit Luft "aufgeblasen" werden. Füllt man den Schaum in ein kleines Gefäß, setzt sich nach einigen Minuten die Flüssigkeit ab und kann problemlos zur Testung verwendet werden.Augenkosmetik: Lidschatten, Maskara, Kajalstifte, AugenfaltencremesWie bei den Arzneimitteln sollten alle Zubereitungen, die im Augenbereich angewendet werden, ggf. auf "gestrippter" Haut getestet werden.Lidschatten, Rouge und andere Puder lassen sich besser in ein Testpflaster einfüllen, wenn diese vorher auf einer gesonderten Fläche (Papier, Folie) mit etwas Vaselin verrieben werden (1 : 1). Es ist ferner darauf zu achten, dass alle farblich unterschiedlichen Produkte einer Sorte getestet werden.Nagellacke / Künstliche NägelIn der Mehrzahl der Fälle werden Kontaktekzeme auf Nagellacke nicht am Nagelbett oder an den Fingern ausgelöst. Auffälligste Lokalisationen sind das Dekollete, das Gesicht, wobei die Wangen im Vordergrund stehen, und die seitlichen Halspartien.Nagellacke können pur getestet werden, allerdings sollten sie dann bereits angetrocknet sein.Tip: Sie sollten als erste Substanzen in das Testpflaster eingefüllt werden.Materialien zum Kleben künstlicher Fingernägel sollten erst nach negativen Ergebnissen der handelsüblichen Methacrylat-Reihe selbst zubereitet werden. Es besteht die Gefahr der aktiven Sensibilisierung.SonnenschutzmittelDie in Sonnenschutzmitteln verwendeten Filter gegen die UV-Strahlen können neben einer Kontaktallergie auch photoallergische Kontaktekzeme auslösen. Deshalb ist es notwendig, diese Zubereitungen oder die UV-Filter im Photopatch-Test zu überprüfen.Mundwasser, ZahnpastaDiese Pflegeprodukte werden üblicherweise gleichzeitig mit Wasser verwendet. Deshalb sind Testungen in der Verdünnung von 1 : 10 sinnvoll. Zahnpasta kann in Wasser gelöst werden. Es ist unwahrscheinlich, dass der unlösliche Anteil für die Unverträglichkeit in Frage kommt. Die Testung des Überstandes reicht deshalb aus.Sinnvoll kann zudem bei Kosmetika der Gebrauchstest (RAOT) sein.

Hinweis: Bei Testung nicht standardisierter Testsubstanzen sollten im Fall einer positiven Reaktion beim Patienten irritative Reaktionen an einem Kontrollkollektiv (mind. 10 Personen) ausgeschlossen werden.

LiteraturMatthies C (1997) Die Diagnostik der Kontaktallergie. HermalRietschel, L.R., Fowler, J.S. (1995): Fisher’s Contact dermatitis. Fourth Edition, Williams and Wilkins BaltimoreRycroft, R.J.G., Menné, T. Frosch, P.J. (1995) Textbook of contact Dermatitis. Springer, BerlinSchnuch A, Aberer W, Agathos M, Brasch J, Frosch PJ, Fuchs T, Richter G (2002) Durchführung des Epikutantestes mit Kontakt-Allergenen. Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI). Allergo J 11:242-245


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