Forschung
Aktuelles Forschungsprojekt:
Der Körper des Bergmanns in der Industrialisierung: Biopolitik im Ruhrkohlenbergbau 1890 - 1980.
DFG-Forschungsprojekt, 01.01.2010 31.12.2012
Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mittels eines körperzentrierten methodischen Ansatzes mit der Biopolitik des Ruhrbergbaus von 1890 bis 1980. Das Projekt fragt sowohl nach dem Wandel von Objektivierungs- und Subjektivierungsprozessen, soweit diese bezogen sind auf den Körper des Bergmanns, als auch nach der Formierung biopolitischer Dispositive, die sich in spezifischen Verknüpfungen von Körperkonzepten, Institutionen, Infrastrukturen sowie sozialen, medizinischen und ökonomischen Praktiken im Ruhrkohlenbergbau manifestierten. Der Körper des Bergmanns wird als eine Schnittstelle ökonomischer, politischer und medizinischer Interventionen und Zuschreibungen interpretiert, die ein biopolitisches Beziehungsgeflecht zwischen Machtprozessen, Wissenspraktiken und Subjektivierungsformen sichtbar macht.
Der Dynamik innerhalb des Körperdispositivs im Ruhrbergbau ist dabei insbesondere in drei Hinsichten Rechnung zu tragen:
- im Hinblick auf die Praktiken der Regulierung des bergmännischen Körpers durch Arbeitsplatzgestaltung, hygienische Vorschriften, medizinische Infrastrukturen usw., die direkt im Bergbaubetrieb ihre Wirkung entfalteten und anderseits auch im Hinblick auf diejenigen biopolitischen Praktiken, die jenseits der Zechentore für die Bergleute bedeutsam waren (z.B. Arbeitersport, Wohnverhältnisse und allgemeine hygienische und medizinische Infrastrukturen im Ruhrgebiet).
- im Hinblick auf die Netzwerkstruktur der Akteure: Hier ist nach den Durchsetzungsmöglichkeiten der Interessen der jeweiligen Akteure zu fragen und die innerorganisatorische Beziehungsstruktur zu analysieren. Insbesondere interessieren die Mentalitäten der Akteure (Unternehmer, Mediziner, staatliche Akteure, Bergmänner usw.) insofern sie sich auf die Biopolitik im Bergbau beziehen, wobei ein Hauptaugenmerk auf die Bergleute als Akteure gerichtet wird.
- im Hinblick auf die Entstehung eine Wissens über den bergmännischen Körper und dessen Interaktion mit seiner Umwelt: Die medizinischen Experten objektivierten seit dem Kaiserreich im verstärkten Maße den bergmännischen Körper, oder zugespitzter ausgedrückt: es setzte ein tiefgreifender Prozess der Medikalisierung und Pathologisierung des bergmännischen Körpers ein, der diesen als einen gefährdeten und gefährlichen konstruierte. Gleichzeitig wurde das produzierte Wissen von anwendungsorientierten Disziplinen, z.B. Hygiene und Arbeitsmedizin, für Interventionen am bergmännischen Körper genutzt. Darüber hinaus wirkten die Interventionen der wissenschaftlichen Experten bis hinein in die bergmännische Arbeitspraxis und alltägliche Lebensumwelt.
Ausgehend von den oben formulierten Fragestellungen, die den Schwerpunkt auf das Verhältnis von Diskurs, Politik und Wissen setzen, wird ein methodischer Zugriff gewählt, der sich eng an synthetisch operierende Diskurs- und Gouvernementalitätsstudien (Michel Foucault) anlehnt. Im Februar 2011 fand Im Rahmen des DFG-Forschungsprojektes ein Workshop an der Ruhr-Universität Bochum statt. Informationen dazu finden Sie hier:
Abgeschlossenes Forschungsprojekt:
Vergangenheit und Zukunft sozialer Sicherungssysteme am Beispiel der Bundesknappschaft und ihrer Nachfolger.
Pakt für Forschung und Innovation 2007 - 2009
Die sozialen Sicherungssysteme stehen heute in der Bundesrepublik vor tiefen Umbrüchen, um der sich ändernden wirtschaftlichen Situation (insbesondere ausgelöst durch technischen Fortschritt und internationale Marktöffnung) und dem demographischen Wandel auch zukünftig gerecht werden zu können. So sollte das im Jahr 2010 anstehende 750-jährige Jubiläum der Gründung der ehemaligen Bundesknappschaft, die im Jahre 2005 in die "Deutsche Rentenversicherung Knappschaft - Bahn - See" umgewandelt worden ist, als Chance und Aufforderung begriffen werden, eine der bedeutendsten Institutionen der deutschen Sozialversicherung von ihren Wurzeln her umfassend zu untersuchen und ihre Aufstellung für die Zukunft unter Berücksichtigung der historischen Entwicklung zu analysieren.
Die Gruppe Knappschaft-Bahn-See hat als Besonderheit eigene Klinikbetriebe und ist speziell der Arbeitsmedizin und ihrer Entwicklung verbunden. Die Entstehung, Entwicklung, Aufgaben und historische Bedeutung dieser Einrichtung gilt es, in diesem Teil des Forschungsprojektes, das an der Abteilung für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Ruhr-Universität Bochum angesiedelt ist, zu untersuchen und nachzuzeichnen.
Des Weiteren soll die Einrichtung von Knappschaftskassen und die Einstellung von Knappschaftsärzten ebenso behandelt werden wie die Rolle von Bergwerken als Krankenhaus- und Apothekengründern als Zeichen einer bis dahin nicht existenten Infrastruktur im Gesundheitswesen. Weiteren Raum soll die Behandlung von bergbauspezifischen Krankheiten (z. B. Silikose, Ankylostomiasis, Nystagmus und Tuberkulose) sowie von Rehabilitationsmaßnahmen einnehmen.
Weitere Informationen: http://www.ruhr-uni-bochum.de/kbs


