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WorkshoP 24.-25.02.2011

 

Arbeit – Körper – Rationalisierung:
neue Perspektiven zum historischen Wandel industrieller Arbeitsplätze

English version


Ruhr-Universität Bochum
Mensa, Ebene 01 (Mensafoyer), Raum 2

Die Industrialisierung war geprägt durch eine tiefgreifende Transformation der Arbeitspraxis, die vor allem von der Mechanisierung und Rationalisierung der Arbeitsprozesse gekennzeichnet war. Die industrielle Arbeitspraxis schuf ein neues Regime der Arbeit, welches durch permanente technische und organisatorische Rekonfigurationen des Arbeitsplatzes den Arbeiter/innen entsprechende Anpassungsleistungen abverlangte. Dieser Workshop setzt einen inhaltlichen Schwerpunkt auf die historische Analyse des industriellen Arbeitsplatzes als komplexes Ensemble von Körpern, Maschinen und Arbeitsprozessen, welches neue Körper-, Raum- und Wissensordnungen produzierte. Insbesondere soll im Rahmen des Workshops diskutiert werden, wie innerhalb des industriellen Arbeitsregimes die soziale Kontrolle der Arbeiter und ihrer Körper organisiert und verwirklicht wurde, bzw. welche Subjektivierungsmechanismen tätig wurden. Anschließend an Michel Foucault kann der industrielle Arbeitsplatz also als ein spezifisches Macht-Wissen-Gefüge interpretiert werden, welches sich in der sozialen Praxis der Arbeit manifestierte.
Der Workshop fragt sowohl nach dem Wandel von Objektivierungs- und Subjektivierungsprozessen, soweit diese bezogen sind auf den Körper des Arbeiters und der Arbeiterin, als auch nach der Formierung biopolitischer Dispositive am industriellen Arbeitsplatz, die sich in spezifischen Verknüpfungen von Körperkonzepten, Institutionen, Infrastrukturen sowie sozialen, medizinischen und ökonomischen Praktiken und Diskursen manifestierten.
Der Workshop möchte auch Raum geben für die Diskussion neuer methodischer und konzeptioneller Ansätze der Kultur- und Sozialgeschichte, die z.B. an Positionen der Geschlechtergeschichte, der Diskursanalyse, der Akteur-Netzwerk Theorie (ANT), der Mentalitätengeschichte, der Wissenschafts-, Medizin- und Technikgeschichte sowie der Umweltgeschichte anknüpfen, wobei diese Auflistung andere methodische Zugangsweisen zum Thema des Workshops keineswegs ausschließen soll.

Themenfelder:

  • Kontrolle und Regulierung des arbeitenden Körpers und die Grenzen der Disziplinierung
  • Körperwahrnehmungen und -praktiken in der Industriearbeit
  • Geschlechterverhältnisse und -konstruktionen am Arbeitsplatz
  • Hygienisierung/Medikalisierung des Arbeitsplatzes
  • Risikoregulierung der Arbeit (Berufskrankheiten, Unfälle, soziale Sicherungssysteme)
  • Verwissenschaftlichung der Industriearbeit und des Personalmanagements
  • Anpassungsleistungen des Körpers an den Arbeitsplatz und vice versa
  • Mediale Repräsentationen der Arbeit

 

Programm


Donnerstag, 24.02.2011, 13.00-18.20 Uhr
Bluma, Lars (Bochum): Der Körper des Bergmanns in der Industrialisierung. Biopolitik im Ruhrkohlenbergbau 1890-1980.

Linssen, Wilemijne (Leuven): Adressing the miner`s workplace. A close reading of the engineers` first step to look at the worker`s issue.

Kift, Dagmar (Dortmund): „Die schaffende Menschenkraft bewirtschaften“. Arbeitsschulung, Arbeitserziehung und Mannwerdung im Ruhrbergbau der 1920er Jahre.

Bänziger, Peter-Paul (Wien): Azubi: Körper/Subjektivation jugendlicher Auszubildener im Fordismus ca. 1920 bis 1980.

Bächi, Beat (Bielefeld): Zur Gouvernementalität von Grenzwerten: Der Arbeiterkörper im „Mensch-Maschine-Umwelt-System zwischen Individualität und homme moyen (1955-1980).

Freitag, 25.02.2011, 9.30-15.45 Uhr
Uhl, Karsten (Darmstadt): Schafft Lebensraum in der Fabrik!“ Betriebliche Kantinen und Speiseräume im deutschen Rationalisierungsdiskurs, 1900-1945.

Cole, Mark B. (Columbia): „Kampf gegen Stullen“: Factory canteens, food and bodily efficiency in the Third Reich.

Kleinöder, Nina (Düsseldorf): Risikoregulierung am Arbeitsplatz oder: Sind automatisierte Arbeitsplätze weniger gefährlich? Beispiele aus der Geschichte des Arbeitsschutzes in der Schwerindustrie.

Schramm, Manuel (Chemnitz): Strahlenschutz im Uranbergbau. DDR und Bundesrepublik Deutschland im Vergleich.

Luks, Timo (Chemnitz): Kanalisierte Dynamik: Bewegungsmetaphern, Gesellschaftsordnung und der Industriebetrieb, 1920-1960.

Schnaithmann, Christine (Berlin): Das Schreibtischproblem. Amerikanische Büroorganisation um 1920.

 

Sonstiges

 

Workshop Flyer

Detailliertes Programm

 

Veröffentlichung

 

Die Ergebnisse des Workshops wurden im transcript-Verlag veröffentlicht:
- Bluma, Lars/Uhl, Karsten (Hg.): Kontrollierte Arbeit – disziplinierte Körper? Zur Sozial- und Kulturgeschichte der Industriearbeit im 19. und 20. Jahrhundert, Bielefeld 2012.

 


Organisatoren


Dr. Lars Bluma
Ruhr-Universität Bochum
Abteilung für medizinische Ethik und Geschichte der Medizin
DFG-Projekt „Der Körper des Bergmanns in der Industrialisierung: Biopolitik im Ruhrkohlenbergbau 1890 - 1980“
Markstraße 258a
44799 Bochum
Tel.: +49 (0)234-3228877
lars.bluma@rub.de
http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/Lars.Bluma


Dr. Karsten Uhl
Technische Universität Darmstadt
Technikgeschichte
DFG-Projekt: „Geschlecht, Raum und Technik in der Fabrik: Die ‘rationelle’ Gestaltung industrieller Arbeitsplätze in Deutschland, 1900-1970“
Residenzschloss
64283 Darmstadt
uhl@ifs.tu-darmstadt.de
http://www.geschichte.tu-darmstadt.de/index.php?id=2442


Gefördert durch

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