Fisch Vom Klagen zum Loben



Wir sind Gott ähnlich. Auch unser Denken und Reden ist schöpferisch, kreativ. Es ist eine gute Möglichkeit, Schweres zu verarbeiten, indem man es ausspricht, vor Gott klagt, ohne Zurückhaltung, dann aber nicht stehen bleibt, sondern vom Klagen zum Loben findet, durch Nachdenken unter der Leitung des Heiligen Geistes. Dabei kommt dann vielleicht kein leuchtender Psalm heraus, aber die ganz persönliche Erkenntnis, dass Gott mein Leben geführt und gesegnet hat.
Gott bewahrt nicht vor der Not, aber in der Not.

Jesaja 43,1-3a ... aber trotzdem gibt Gott sein Volk nicht preis (GNB)
1 Jetzt aber sagt der Herr, der dich ins Leben gerufen hat, Volk Israel, du Nachkommenschaft Jakobs:
   "Fürchte dich nicht, ich habe dich befreit!
   Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst mir!
2 Musst du durchs Wasser gehen, so bin ich bei dir;
   auch in reißenden Strömen wirst du nicht ertrinken.
   Musst du durchs Feuer gehen, so bleibst du unversehrt;
   keine Flamme wird dir etwas anhaben können.
3 Denn ich bin der Herr, dein Gott; ich, der heilige Gott Israels, bin dein Retter.

Diese Jesaja-Stelle beziehe ich auf mich. Es ist gut zu wissen, dass Gott mein Leben plant und kennt, dass er es will und beschützt, dass er es segnet und an sein Ziel führt. Das bewahrt mich nicht vor Not, Schmerz und Leid, aber er bewahrt mich in Not, Schmerz und Leid.
Es ist typisch für viele Psalmen. Der Beter klagt Gott seine Not und dass Gott nicht eingreift ihn zu retten. Dann die Wende: Du, Herr, hast mich erhört! Du Herr, hast mich gerettet! Ich will dir danken, dich preisen in der Gemeinde! (Siehe z.B. Psalm 22,22b-27.) Deshalb denke ich nach über mein Leben und rede in der Gemeinde über das Handeln Gottes in meinem Leben. Ich möchte dich damit ermutigen, es auf deine ganz persönliche Weise auch zu tun. Mein Leben will ich sehen und verstehen mit zwei Psalmstellen, zu denen ich mich voll inhaltlich stelle: Psalm 34, 2-9 und Psalm 103,1-5. Ein eigener Psalm mit dem Versuch, zu klagen und vom Klagen zum Danken und Loben zu kommen.

Psalm 34 (GNB):
2 Den HERRN will ich preisen zu jeder Zeit, nie will ich aufhören, ihm zu danken.
3 Was er getan hat, will ich rühmen. Hört es Ihr Unterdrückten, und freut euch!
   (LUT: Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen.)
4 Preist mit mir die Taten des HERRN; lasst uns gemeinsam seinen Namen ehren!
5 Ich wandte mich an den HERRN und er antwortete mir;
   und befreite mich von allen meinen Ängsten.
6 Wenn ihr zum Herrn blickt, dann leuchtet euer Gesicht,
   euer Vertrauen wird nicht enttäuscht.
7 Hier steht einer, der um Hilfe rief.
   Der HERR hat ihn erhört und ihn aus jeder Bedrängnis gerettet. …
9 Erprobt es doch selber und erlebt es. Der HERR ist gütig.
   Wie glücklich sind alle, die bei ihm Zuflucht suchen!

Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen. (Psalm 34,3 LUT) Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts. (Jakobus 1,17a LUT)


Wie war das mit meinen Eltern ? Sie waren gottesfürchtig und fromm, aber mein Vater war wenig anwesend und zeitweise jähzornig; meine Mutter viel beschäftigt, die Familie zu ernähren und die Nöte auch der Verwandten zu lindern. Ich war oft einsam, litt an Hospitalismus (im Bett Wälzen und Bettnässen) und hatte schlimme Alpträume wegen meines Vaters.
Soll ich den Herrn deswegen rühmen ? Ja ! Mutter und Großmutter haben mir vorgelebt, was es bedeutet, aus Glauben zu leben und Schwierigkeiten und Nöte zu überwinden. An meinem Vater habe ich erkannt, dass ich nicht sein muss wie er, auch wenn ich ihm ähnlich bin. Ich habe ihm vergeben und ihn um seinen Segen gebeten. Wir sind versöhnt.

Mit neun Jahren war ich totkrank. Ich lag 20 Wochen im Krankenhaus mit toxischer Diphtherie, Typhus und einem Lungenabzess. Meine Mutter hat mich in der kritischen Zeit fast jeden Tag besucht. In der Gemeinde wurde für mich gebetet. Ich hatte keine Todesangst und habe überlebt. Alles musste ich neu lernen: Sitzen, Stehen, Gehen.
Ist das Grund Gott zu loben ? Aber ja! Ich bin gesund geworden ohne Spätschäden. Ich weiß, dass Gott mir zum zweiten Mal das Leben gegeben hat und es beschützt. Menschen wollten mich deswegen zu besonderem Dank und Gehorsam Gott gegenüber verpflichten. Das hat mich bedrückt. Aber heute entscheide ich mich immer wieder zu Nachfolge und Gehorsam (Tun, was Jesus will)

Ich war schüchtern, ängstlich, zurückgezogen. Im Schatten meines Zwillingsbruders konnte ich mich kaum entfalten. Ich konnte mein Potenzial zu leiten lange nicht einüben und ausüben.
Ist das Grund zu rühmen ? Warum nicht! Durch bewusste Herausforderungen, die ich zum Teil selbst herbeigeführt habe, bin ich heute ein freier, kaum gehemmter Mann. Erkämpfte Freiheit ist besonders wertvoll.

In meiner Beziehung zu meiner Frau Erika gab es viele Spannungen und Probleme, auch aufgrund ihres Elternhauses, besonders wegen mangelnder Liebe und Anerkennung durch ihre Mutter.
Und was soll daran gut sein ? Zum Ersten habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass ich ohne die Liebe Gottes nicht fähig bin, wirklich zu lieben. Dann die Erfahrung der Liebe Gottes, des Sohnes Jesus, des Vaters und des Heiligen Geistes. Er hat sein Ebenbild in meiner Seele weitgehend wiederhergestellt. Er hat durch den Segen über meine Großmutter und meine Mutter mir ein ganz tiefes Vertrauen zu ihm geschenkt. Er hat mich befähigt Vater zu sein. Das bedeutet für mich Schützen und Segnen. Er hat mich fähig gemacht, mit nicht erfüllten Wünschen ohne Enttäuschung zu leben, auch in meiner Ehe. Ich bin voller Hoffnung, dass sich Erikas seelische und körperliche Gesundheit bessert. Zur Zeit ist sie da auf einem guten Weg.

Unsere Tochter Annette war als Kind sehr schwierig und ängstlich. Erika war überfordert und hatte keinen Mut zu einem zweiten Kind.
Warum sollte ich deswegen den HERRN rühmen ? Denk doch an den Ausgang! Annette ist seit 13 Jahren gut verheiratet mit zwei Kindern. Die Beziehung zur Ganzen Familie ist gut. Unsere Enkel Jonas und Maja bereiten uns viel Freude. Die Liebe von und zu den Enkeln tut vor allem Erika gut. Wir genießen das Großeltern Sein. Auch wenn der Vater Rainer nicht an Gott glaubt, dürfen wir doch den Kindern biblische Geschichten erzählen und mit ihnen beten. Wir dürfen die ganze Familie segnen. Es geht ihnen richtig gut. Viel Grund, meine Seele, den HERRN zu rühmen!

Das Theologiestudium, zu dem ein Jugendleiter mich mit den Hinweis auf den Willen Gottes für mich gedrängt hatte, war für mich eine Wüstenwanderung mit wenigen Oasen. Die ersten Gemeindeerfahrungen waren entmutigend besonders wegen der Konkurrenz der Pastoren. Wir haben beide den Beruf gewechselt
Was soll ich da rühmen ? Dass der Berufswechsel bei beiden gelang und dass wir stabile Beschäftigungsverhältnisse hatten (Lehrerin und Mathematiker am Uni-Rechenzentrum), ausreichende Bezahlung und ausreichende Altersversorgung.

Hier will ich für heute aufhören. Es gibt noch viel zu bedenken wie Gelingen und Angriffe bei der Mitarbeit im Marburger Kreis, Schwierigkeiten, in Gemeinden mitarbeiten zu dürfen, und beginnende Arthrose und Altersdiabetes. In allen will ich den HERRN rühmen: "In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet."

Ich schließe mit Psalm 103, 1-5 (GNB), der für mich voll zutrifft:
1 Von David. Auf, mein Herz, preise den Herrn!
   Alles in mir soll den heiligen Gott rühmen!
2 Auf, mein Herz, preise den Herrn
   und vergiss nie, was er für mich getan hat!
3 Meine ganze Schuld hat er mir vergeben,
   von aller Krankheit hat er mich geheilt,
4 dem Grab hat er mich entrissen,
   hat mich mit Güte und Erbarmen überschüttet.
5 Mit guten Gaben erhält er mein Leben,
   täglich erneuert er meine Kraft
   und ich bleibe jung und stark wie ein Adler

Einige Nachträge aus 2014:

Im November 2010 wurde nach einer starken Erkältung Asthma Bronchiale diagnostiziert, was ich als Spätfolge des Lungenabzesses erkannt habe. Nach einer Behandlung mit Inhalieren und Cortisonspray habe ich aber keinerlei Beschwerden mehr.

Meine Frau Erika weiß seit Nov. 2013, dass der 1993 behandelte Brustkrebs wieder aktiv ist mit Lungenmetastasen. Sie will keine Therapien wie Chemo- oder Strahlentherapie. Sie rechnet mit nur geringer Lebensverlängerung, aber mit massiver Qualitätsminderung. Einem Sauerstoffkonzentrator und einem Lungenkatheter hat sie zugestimmt. Sie kennt das Ziel ihres Lebens: ganz bei Gott zu sein. Wir sind in großem Frieden und beten für ein gnädiges Ende. Unsere Grundstimmung ist Dank besonders für die letzten 20 Jahre, die letzten drei Jahre ganz in der Nähe unserer Tochter und der zwei Enkel.

Seit März 2014 gehe ich zur Mannschaft in Frankfurt - Preungesheim, nur 2 km entfernt. Die Bezirksleiterin heißt mich herzlich willkommen. Auf dem OASE - Wochenende des Bezirks im Mai 2014 habe ein einen Workshop genau zu diesen Thema vom Klagen zum Loben angeboten. Ich habe während der Zeit auch eine Erfahrung in meinem Leben vor Gott ausgebreitet.

Warum ist es mir in den letzten Jahren nicht gelungen, in einer Gemeinde in den (erweiterten) Kreis der Gemeindeleitung zu kommen ? (In der Landeskirche wäre das durch eine Kandidatur und Wahl zum Presbyter leicht möglich gewesen.)

Als Antwort, auch auf die Frage, warum ich nicht Pastor geworden bin, habe ich gehört: Dein Aktionsradius ist der Einzelne bzw. die Kleingruppe (max. 20 Personen) bzw. ein Kurs mit max. 50 Personen. Ich habe diese Antwort schon in meinem Herzen gehabt. Sie gefällt mir nicht, aber als Antwort Gottes will ich sie annehmen und Gott für seine Liebe und Treue danken. Die Beschränkung ist gut für mich!

Im Austausch hat mir eine Teilnehmerin massiv widersprochen:
Such deinen Wirkungskreis nicht in einer Gemeinde. Gott will dir mehr geben, als du erwartest.
Nun lebe ich mit diesen zwei Antworten und warte, welche Türen Gott mir öffnet.

Autor: Manfred Hauenschild, Bochum, 28.08.2010, Frankfurt 02.06.2014