Fisch Erinnerungen 1958 - 1968 an Begegnungen mit Willi Abke


Meine erste mir bewusste Begegnung mit Willi Abke war nach dem Himmelfahrtsgottesdienst am 15.Mai 1958 im Uhlenburger Wald. Da hat er mich zu seiner Jungmännerbibelstunde samstags in Siemshof eingeladen.

Das war nach Realschule und Schreinerlehre bei Fa. Hartmann in Löhne (In Westfalen sagt man Tischerlehre, aber Schreiner gefällt mir besser.), vor meinem Maurer- und Betonwerker-Praktikum bei Fa. Hartwig in Gohfeld (erste Arbeit: Treppe Einschalen der Empore in der Evang. Kirche Gohfeld).

Die Bibelstunde ist mir schnell zur geistlichen Heimat geworden und Willi zum geistlichen Vater. Er hat mich durch viele persönliche Gespräche auch bei ihm zu Hause sehr gefördert. Er hatte einen starken Einfluss auf mich. In einem mitternächtlichen Gespräch am 30. August 1958 hat er massiv in mein Leben hinein gesprochen. "Es ist Gottes Wille für dich, dass du Theologie studierst." hat er gesagt.

Ich konnte das damals nicht als Willis Meinung beseite schieben, zumal er es ja ausdrücklich als Gottes Willen gekennzeichnet hat. Da ich Gott gehorchen wollte, hatte ich keine andere Wahl. Meine Begabungen und Interessen lagen zwar im handwerklichen und naturwissenschaftlichen Bereich und eine Amtsperson zu werden, war überhaupt nicht mein Ziel. Aber wenn Gott geredet hat: Er wird wissen, wozu das gut ist.

Was ist aus dieser "Berufung" geworden ? Zunächst einmal musste ich das Abitur nachholen und Sprachen lernen. Kollegschulen gab es in NRW damals nur eine in Oberhausen, aber in Düsseldorf sollte eine eröffnet werden. In Düsseldorf und an der Kirchlichen Hochschule Bethel habe ich dann Hochschulreife und Sprachkenntnisse erworben (April 1959 bis Juli 1962). Das waren sehr anstrengende Jahre. Im Studium habe ich gute und gläubige Lehrer gehabt (Bethel, Heidelberg und Bonn Oktober 1961 bis Oktober 1967). Die Methoden der Bultmann Schüler habe ich durchschaut: die historisch-kritische Forschung mit der existentiale Interpretation, die das eigene existentiale Erkennen und Begreifen zum Maß der Wirklichkeit machten. Ich habe gelernt, meine kindliche Entwicklung und meine Beziehung zu meinem Vater zu verstehen und mich anzunehmen. Meine Bedenken, ob der Beruf des Pfarrers für mich der richtige ist, sind geblieben. Ich wollte das aber von der Praxis her entscheiden.

In der Bibelstunde habe ich weiter mitgearbeitet, soweit ich zu Hause zu Besuch war. Ich habe Aufzeichnungen aus den Jahren 1961-1964. Ich glaube, Willi hat meine Mitarbeit als wirkliche Hilfe gesehen. Meine Beziehung zu Willi hat einen Knacks bekommen, als er mir 1966 bei einem Besuch in Bonn erzählte, dass er seinen Beruf als Schreiner gewechselt hat und nun Versicherungsvertreter geworden ist. Ich war immer davon ausgegangen, dass er bei einem Wechsel Diakon werden würde. Ich habe die Konsequenz der Nachfolge, die er mir abverlangte, in seiner Entscheidung nicht gefunden. Ich will das aber nicht beurteilen.

Mein Glaube wurde dadurch stark geschwächt, dass ich weitgehend verlernt hatte, die Bibel als lebendige Anrede Gottes an mich zu begreifen. Das habe ich rückblickend erkannt. Die Evang. Kirche von Westfalen hat dann meine Frau Erika und mich ab November 1967 zum Vikariat nach Bochum in die Altstadtgemeinde geschickt. Der Eindruck von der Großgemeinde mit sieben Pfarrern und vier Kirchen war, dass sich die Pfarrer als Konkurrenten sehen und einander den Erfolg nicht gönnen und dass die Beziehungen zum kirchlichen Personal sehr gespannt waren. Wir wollten nicht unglaubwürdig Pastoren werden in einer Gemeinde, in der von der gegenseitigen Liebe, die ja das Kennzeichen der Jünger Jesu sein soll, kaum etwas zu spüren war. Wir haben uns beide zu einem Berufswechsel entschlossen. Ich begann im April 1968 mit dem Physik- und Mathematik- Studium an der Uni Bochum. Carl Friedrich von Weizsäcker war damals mein Vorbild. Die Krise, die uns der Wechsel gebracht hat, war tiefer, als wir zunächst ahnten. Zehn Jahre habe wir nach einer glaubwürdigen Gemeinschaft gesucht und sie dann im Marburger Kreis, einer missionarischen Laienbewegung, gefunden. Zwanzig Jahre Mitarbeit haben mich geprägt. Ich bin nebenberuflich stark in einen Lehrer- und Hirtendienst hineingewachsen und habe es als Freiheit empfunden, nicht Erwartungen an einen Pfarrer erfüllen und damit mein Brot verdienen zu müssen.

Rückblickend sehe ich Willis Weisung als massiven Eingriff in mein Leben. Ich bin nicht sicher, dass er das im Auftrag und in der Autorität Gottes getan hat. Trotzdem habe ich mich damit ausgesöhnt und sehe auch diese Phase meines Lebens als von Gott geführt. Sie war der Anfang eines nur vom Zeugnis der Bibel und des Geistes Gottes abhängigen Fragens nach der Offenbarung Gottes in Jesus. Die Enttäuschungen über Menschen (mein Vater, Willi und Theologen) waren notwendig, schmerzlich und heilsam. Mit Vater und Willi bin ich inzwischen voll versöhnt, mit den Theologen nicht. Denn ich erkenne immer deutlicher, wie sehr kirchliche Lehrer die Lehren Jesu und der Bibel verfälscht haben. In dieser Erkenntnis war leider auch die Reformtion nicht konsequent. Kirchliche Lehre war oft mehr ein Kampf um Macht und Einfluss als ein Ringen um Erkenntnis Gottes.


Zum Schluss noch Aufzeichnungen zu einem Sonder-Bruderabend
am Karfreitag, 27. März 1964 in Siemshof: Gedanken zur Bruderschaft.

Unsere Bruderschaft hat einen so schönen, lebendigen Anfang gemacht.
Wo ist heute die brüderliche Liebe, die Gemeinschaft, der gemeinsame Dienst ?
Was hindert bei uns den Segen Gottes, bei mir als einzelnem, bei uns als Bruderschaft ?
Spannungen in Siemshof. Nach einem Gespräch mit Willi ist mir klar, dass die Dinge bereinigt werden müssen.
Darüber in der Bruderschaft zu sprechen, ist die Zeit heute noch nicht reif.

Was können wir als Bruderschaft tun ?
Uns neu unter das Wort Gottes stellen und neu hören.
Unsere gemeinsame Aufgabe: Besprechen der Fragen,
die bei den einzelnen in ihrem Dienst entstehen,
gegenseitige Stärkung durch Gemeinschaft, Bibelarbeit
und Gebet, evtl. nach der Art des Marburger Kreises.
Wir könnten es heute einmal versuchen.

Wie steht es mit der Jugendarbeit in Siemshof,
Mennighüffen, Gohfeld, Mahnen, Löhne, Obernbeck ?
Meine Aufgabe sehe ich als Helfer in theologischen Fragen.

Willi sieht als Ziel:
Unsere Bruderschaft soll ein Kreis Gleichgesinnter sein,
denen es um Neuerweckung im Ravensberger Land geht.
Dann müssen wir auch organisatorisch einiges ändern.
Sind wir dazu bereit ? Was ist unser Weg ?




  Autor:   Manfred Hauenschild,    E-Mail: hauenmfg@rub.de                     22.08.2003
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