Fisch Gedichte von Wilhelm Busch

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Selbstkritik


Die Selbstkritik hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich tadle mich:
so hab ich erstens den Gewinn,
dass ich so hübsch bescheiden bin.

Zum zweiten denken sich die Leut':
Der Mann ist lauter Redlichkeit.
Auch schnapp ich drittens diesen Bissen
vorweg den andern Kritiküssen.

Und viertens hoff' ich außerdem
auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
dass ich ein ganz famoses Haus.


Zahnweh

aus Balduin Bählamm, Kapitel acht


Das Zahnweh, subjektiv genommen,
ist ohne Zweifel unwillkommen.
Doch hat's die gute Eigenschaft,
dass sich dabei die Lebenskraft,
die man nach außen oft verschwendet,
auf einen Punkt nach innen wendet
und hier energisch konzentriert.
Kaum wird der erste Stich verspürt,
kaum fühlt man das bekannte Bohren,
das Rucken, Zucken und Rumoren,
und aus ist's mit der Weltgeschichte.
Vergessen sind die Kursberichte,
die Steuern und das Einmaleins.
Kurz, jede Form gewohnten Seins,
die sonst real erscheint und wichtig,
wird plötzlich wesenlos und nichtig.
Ja, selbst die alte Liebe rostet.
Man weiß nicht, was die Butter kostet.
Denn einzig in der engen Höhle
des Backenzahnes weilt die Seele,
und unter Toben und Gesaus
reift der Entschluss: Er muss heraus.


Humor


Es sitzt ein Vogel auf dem Leim.
Er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein böser Kater schleicht herzu,
die Krallen scharf, die Augen gluh,
am Baum hinauf und immer höher,
kommt er dem armen Vogel näher.

Der Vogel denkt: Weil das so ist,
und weil mich doch der Kater frisst,
so will ich keine Zeit verlieren
und noch ein wenig quinquilieren
und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.


gefunden bei http://www.gedichtsuche.de/dichter_ueber.php?id=15.

Abschrift: Manfred Hauenschild, Bochum, 14.10.2005