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Das verspätete und gefährdete Glück


Margarete, wie eine Rose so schön,
umschwärmt von Männern, ihr werdet es seh'n,
hat ein freundliches Wesen und ist charmant,
hochbegabt und fleißig, schon früh anerkannt.

Das Examen mit sehr gut, Promotion mit Bravour,
doch der großen Liebe kommt sie nicht auf die Spur.
Verehrer im Fülle, das freut sie sehr,
doch nur einem Ja sagen, fällt ihr unsagbar schwer.

Dabei hat sie auf einer Freizeit vor Jahren
den Traummann gefunden, den einzigen, wahren.
Sie liebt ihn und er sie. Doch wo bleibt das Glück?
Es hält sich Jahr um Jahr zurück.

Die Schwester Juliane hat dem Partner für's Leben,
ein klares und festes Ja gegeben.
Das Veto der Eltern kann sie nicht schrecken.
Seine guten Seiten werden sie noch entdecken.

Margarete denkt - doch das ist verkehrt - :
Schön ist, wenn mich nicht nur einer verehrt.
So wagt sie kein Nein, nur ein halbherzig Jein.
Auch ihr Ja ist ein Jein. Wer soll es denn sein?

Die Ausdauer ihrer Verehrer ist groß.
Keinem jedoch fällt das Glück in den Schoß.
Ihr Herz liebt den einen, den Traummann für's Leben.
Doch das Veto der Eltern steht hart daneben.

Der Mark hat es schwer, bis sie fasst sich ein Herz,
ihm ihr Ja gibt trotz der Eltern Schmerz.
Auch das Nein, das notwendige, wird ihr schwer,
denn die Verschmähten leiden sehr.

Warum nur hat es Gott so gegeben,
dass nur einen Mann sie soll lieben im Leben?
Ihre Unschlüssigkeit aber wird ihr zur Falle.
Sie muss enttäuschen die Verehrer, fast alle.

Endlich, gereift durch viel Schmerzen und Pein,
sagt sie: Der Mark nur soll es sein!
Der ist erleichtert, beglückt und beschwingt,
der Ausdauer Lohn, die Traumfrau, ihm winkt.

Die Hochzeit geplant wird auf Andechs Schloss,
das Glück kann nun kommen, die Freude wird groß.
Auch die Eltern akzeptieren den Mark nun sehr,
weil die Tochter ihn liebt. Gelernt nur schwer.

Die Ehe beginnt, der Weg zu zweit.
Das Ja zueinander haben nie sie bereut.
Fast wäre das Glück geworden vollkommen,
hätte der Mark nicht zugenommen.

Groß und schlank, wie er war, so will sie ihn sehn.
Nur essen aus Lust findet gar nicht sie schön.
Im Prinzip sieht er's ein: neunzig Kilo die Schranke.
Dann lockt ihn das Essen, will nicht weg der Gedanke.

So wechseln Erfolg und Niederlage.
Margarete aber schaut streng auf die Waage:
Was wiegst du, mein Lieber? Sag es genau!
Nur bis neunzig Kilo liebt dich deine Frau.

Ist das mühsam errungene Glück in Gefahr?
Ein paar Kilo zuviel, und die Liebe wird rar?
In Freiheit nur, denk' ich, kann ihm es gelingen,
den Wunsch nach Essen ihr zu lieb zu bezwingen.

Wahre Liebe erzwingt nicht, was er noch nicht kann.
Wahre Liebe macht starkt, führt zur Reife den Mann.
Wahre Liebe springt über jede Hürde,
sieht trotz der Kritik auch des Partners Würde.

Ein praktischer Rat, meine Tochter im Herrn:
Gib dem Mark eine Chance, dann folgt er dir gern.
Setz die Schranke so hoch, dass er kann bestehn.
Nur ein Kilo pro Monat darf nach unten sie gehn.

Den Erfolg dann belohne, mit dem, was ihn freut.
Der Verzicht auf viel Essen tut ihm dann nicht mehr leid.
Verzagt nicht, wenn einmal ein Schritt mißlingt,
einander verzeiht, macht euch Mut unbedingt.

Geh' ihm nur voran, nicht mit ihm ins Gericht,
so wächst eure Liebe, nicht euer Gewicht.
Tragt gemeinsam die Schwächen, in großer Geduld.
Ihr könnt nur gewinnen durch Gottes Huld.

Dann dankt für einander dem Vater der Liebe,
dass euch mehr nicht drückt in des Lebens Getriebe.
Seht, was er geschenkt hat, Liebe und Leben,
das die Waage nicht wiegt, und nur er euch kann geben.

Gebt die Liebe, die er gibt, an andere weiter,
tragt deren Lasten gemeinsam und heiter.
Dann wird eure Last bescheiden und klein.
Jesus, euer Meister, wird stets bei euch sein.

Autor: Manfred Hauenschild, Bochum, 01.11.1999