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Hausgemeinde - was neumodisches ?

Im Gegenteil! Die Hausgemeinde ist das älteste Modell christlicher Gemeinde. Sie wird beschrieben z.B. in der Apostelgeschichte des Lukas, Kapitel 2,41-47: (alle Bibelstellen aus Gute Nachricht, rev. 1997)

Sie alle widmeten sich eifrig dem, was für sie als Gemeinde wichtig war: Sie ließen sich von den Aposteln unterweisen, sie hielten in gegenseitiger Liebe zusammen, sie feierten das Mahl des Herrn, und sie beteten gemeinsam. Durch die Apostel geschahen viele staunenswerte Wundertaten, und alle in Jerusalem spürten, dass hier wirklich Gott am Werk war. Alle, die zum Glauben gekommen waren, bildeten eine enge Gemeinschaft und taten ihren ganzen Besitz zusammen. Von Fall zu Fall verkauften sie Grundstücke und Wertgegenstände und verteilten den Erlös unter die Bedürftigen der Gemeinde. Tag für Tag versammelten sie sich einmütig im Tempel, und in ihren Häusern hielten sie das Mahl des Herrn und aßen gemeinsam, mit jubelnder Freude und reinem Herzen. Sie priesen Gott und wurden vom ganzen Volk geachtet. Der Herr aber führte ihnen jeden Tag weitere Menschen zu, die gerettet werden sollten.


Das ist ja gar nicht möglich, so zu leben, selbst wenn wir es wollten. So werden die meisten von euch denken. Da war eine andere Zeit, eine andere Kultur, eine andere Begeisterung und vor allem die Erwartung, Jesus würde noch zu ihren Lebzeiten wiederkommen. Die Kirchen haben auch Jahrhunderte lang so argumentiert: Das alles galt nur für die erste Generation. Sie haben die Kraft Gottes und das Wirken des Geistes Gottes weder erwartet noch erbeten. Sie haben sich selbst organisiert, um die wahre Lehre gestritten, sich Ordnungen gegeben und anders Glaubende als Ketzer verfolgt und getötet. Ich will diesen Weg nicht mitgehen und will von den Aussagen der Bibel nichts wegstreichen. Es bleibt mein vielleicht utopisches Ziel, und ich will darauf zugehen und herausfinden, wieweit dieses Ziel heute, hier, unter uns realisierbar ist. Und ich suche nach Christen, die die Bibel neu lesen und verstehen, die sich neu begeistern lassen und in der Kraft Gottes zu leben wagen, was er als Modell der Gemeinde Jesu uns vorgestellt hat. Es gibt dazu heute viele ermutigende Beispiele vor allem in China und Korea, einige auch in Deutschland.

"Hausgemeinden" nenne ich dieses Modell. Meist spricht man heute von "Hauskirchen". Aber das Wort "Kirche" (kuriakon) meint das Gott geweihte, speziell für religiöse Zwecke gebaute und genutzte Gebäude und die Organisation religiöser Gemeinschaften. Im Neuen Testament ist nur von "Gemeinde" (ekklesia) die Rede. So wurde vorher z.B. die Versammlung der mündigen Bürger eines griechischen Stadtstaates bezeichnet. In seinem Buch "Häuser, die die Welt verändern" hat Wolfgang Simson (ISBN 3-928093-12-6) sehr gut und ausführlich beschrieben, wie die Hausgemeinden gelebt haben und was in der Kirchengeschichte daraus geworden ist. Jedem, den dieses Thema interessiert, empfehle ich dieses Buch als Einstiegslektüre. Ich zitiere einen Satz: Diese Gemeinde, so träumte ich, ist wie eine geistliche Großfamilie - organisch, nicht organisiert; beziehungsorientiert, nicht formell.

Ich habe durch diese Sicht von Gemeinde eine Reihe von biblischen Aussagen ganz neu verstanden. Ziel ist, dass Gemeinde weitgehend da gelebt wird, wo das Leben auch sonst stattfindet, in den Wohnhäusern. Soweit möglich, sollen die Mitglieder der Hausgemeinden in Nachbarschaft wohnen. Sie werden von Ältesten geleitet und bilden die erste von drei Säulen der Gemeinde Jesu.

Die zweite Säule ist die Zusammenkunft der Hausgemeinden einer Stadt oder Region. Sie treffen sich in angemieteten großen Räumen der Stadt oder auch im Freien um Gott zu ehren mit Liedern, Gebeten und Zeugnissen, um sein Wort zu hören und um sich gegenseitig zu stärken und zu ermutigen. Die dritte Säule ist ein Netzwerk, das Hausgemeinden und Feiergemeinde durch einen übergemeindlichen Dienst verbindet, wie er z.B. von Paulus im Epheserbrief, Kapitel 4 beschrieben wird (Vers 7 und 11-12): Jeder und jede von uns hat einen eigenen Anteil an den Gaben erhalten, die Christus in seiner Gnade ausgeteilt hat. ... Und auch die versprochenen Gaben hat er ausgeteilt: Er hat die einen zu Aposteln gemacht, andere zu Propheten, andere zu Evangelisten, wieder andere zu Hirten und Lehrern der Gemeinde. Deren Aufgabe ist es, die Glaubenden zum Dienst bereitzumachen, damit die Gemeinde, der Leib von Christus, aufgebaut wird.

Diese Dienste sollen den Hausgemeinden helfen, sich gesund zu entwickeln, zu wachsen und sich zu teilen. Jeder Nachfolger Jesu soll also zu einer Hausgemeinde gehören, und Ziel des Wachstums ist nicht die Megagemeinde, sondern die wachsende Zahl der Hausgemeinden. Jeder Christ und jede Gemeinde kann Schritte auf dieses Ziel hin gehen. Am Anfang wird stehen, Gott nach seinen Zielen und Wegen für mich und unsere Gemeinde unvoreingenommen zu fragen, ihn um Liebe und Begeisterung zu bitten und Hauskreise als Hausgemeinden zu bilden und zu fördern. Das ist ein Lernprozess und es muss wachsen, organisch, nicht organisiert. Gemeindeleitungen lernen, die Hausgemeinden in ihrer eigenen Verantwortung zu achten und zu unterstützen. Jede Hausgemeinde ist wie jeder Mensch ein originales Werk Gottes.

Denominationen, Konfessionen und Kirchen werden zweitrangig. Leitung heißt dann nicht Bestimmen, sondern Fördern und Dienen, so wie es Jesus z.B. im Lukasevangelium, Kapitel 22,24-26 und 27b beschreibt:

Die Könige der Welt unterdrücken ihre Völker, und die Tyrannen lassen sich Wohltäter des Volkes nennen. Bei euch muss es anders sein! Der Größte unter euch muss wie der Geringste werden und der Führende wie einer der dient. ... ich bin unter euch wie der Diener
.

Alle Christen einer Stadt und Region werden einander mit Achtung und Liebe begegnen und die Gemeinde Jesu auch global sehen als die Vereinigung aller Nachfolger Jesu, an allen Orten und zu allen Zeiten. Und die gelebte Gemeinschaft, angefangen in den Hausgemeinden, wird ein starkes Zeugnis und eine herzliche Einladung sein, die Gemeinde Jesu kennenzulernen und dazuzugehören. Mich hat dies Urmodell von Gemeinde begeistert und ich möchte mit vielen darüber ins Gespräch kommen und zu Schritten in diese Richtung ermutigen.

   
Autor: Manfred Hauenschild           Mail,     Bochum, 30.01.2002