Stellt die Naturwissenschaft unseren Glauben an
Gott
den Schöpfer in Frage?
Gemeindevortrag in der Matthäusgemeinde Bielefeld
am 1.12.1980 im Rahmen des 2. Examens
Vorbemerkung
3
1. Biblischer Befund 4
1.1 Zur
soteriologischen Funktion von
Schöpfungsmythen 4
1.2. Die pentateuchischen
Schöpfung
7
1.3. Schöpfung
als Befreiung:
Deuterojesaja. Psalmen. Weisheit 15
1.4. Schöpfungsdenken im
Neuen Testament
18
2. Die
Geschichte der Naturwissenschaften
und der Natur 22
2.1. Wissenschaftsgeschichtliche
Grobskizze: Säkularisierung 22
2.2. Die Geschichte
der Natur und
des Menschen 25
3. Konsequenzen
für christliche
Theorie und Praxis 27
3.1. Möglichkeit
von Schöpfungstheologie
heute 27
3.2. Notwendigkeit
von
schöpferischer Befreiungspraxis 36
4. Konzeption des
Gemeindevortrags 38
4.1. Methodische-didaktische
Vorüberlegungen
38
4.2. Stellt die
Naturwissenschaft unseren
Glauben
an Gott den Schöpfer in Frage?
Gemeindevortrag 39
Erste Runde 39
Zweite Runde 41
Gong zur dritten Runde 43
Einläutung der letzten
Runde 45
5. Literatur 48
6. Anmerkungen
Vorbemerkung
Das Thema stellt eine Frage. »Stellt die
Naturwissenschaft...«
Die Fragestellung ist fiktiv. Die Naturwissenschaft gibt es selbst
nicht
im Plural. In jeder Disziplin gibt es Vertreter der unterschiedlichsten
Positionen, wie in der Theologie auch. Sowohl retardierende als auch
innovierende
Hypothesenträger finden sich bei allen Fachbereichen, sowohl
interdisziplinäre
Vermittlungsdenker als auch apologetische Abgrenzungsstrategen. Das hat
einiges mit der mehr oder weniger neurotischen Disposition der
Persönlichkeiten
der Wissenschaftler zu tun. Würde man die im Thema gestellte
Frage
als Naturwissenschaftler, also empirisch, beantworten, so
könnte dabei
herauskommen: Nein, im Wesentlichen nicht. Dem Großteil der
Naturwissenschaftler
heute dürfte »unser« »Glaube an
Gott den Schöpfer«
gar nicht mehr fragwürdig sein. Des Fragens nicht mehr
würdig.
So wenig wie Enuma elisch oder indianische Mythen. Die Antwort
hieße
also: Nein. Und bedeutet: Vor der Naturwissenschaft hat sich
biblisch-kirchlicher
Schöpfungsglaube als primitive klerikale Verdummung
(Westermann) so
sehr diskreditiert, daß jede Infragestellung ihm schon zuviel
Ehre
antun würde.
Wir Theologen und Christen müssen darum erfreut sein, wenn
sich
diese Frage mit Ja beantworten ließe. Das würde
bedeuten, daß
christlicher Glaube als Kommunikationspartner mit eigener Sachkompetenz
ernst genommen würde. Infragestellen ist als Methodikum
interdisziplinärer
Diskurse eine zuhöchst würdigende Verhaltensweise. Es
bleibt
wissenschaftsgeschichtlich zu hoffen, daß der von einer
Handvoll
Forschern geführte Diskurs beiden Seiten Früchte
bringt: der
Theologie eine Erweiterung und Präzisierung ihres
Schöpfungsdenkens
und der Naturwissenschaft eine größere
Sensibilität im
Umgang mit der Natur als Partner des Menschen.
Wenn also die Naturwissenschaft (als Summe ihrer Vertreter) unseren
Schöpfungsglauben endlich einmal in Frage stellen wird, uns
Fragen
stellen wird, uns sachkompetenten Rat abverlangen wird, dann ist ein
bedeutungsvoller
Durchbruch der schiedlich-friedlich-gleichgültigen Koexistenz
gelungen.
Er wird für die orthodoxe Dogmatik sicherlich nicht ohne Opfer
abgehen.
Aber die sind wir nicht den interdisziplinären Partnern
schuldig,
sondern unserem Glauben selbst als vernünftiger
Weltbewältigung
nach Hiroshima und Harrisburg.
1.
Biblischer Befund zurück
1.1 Zur soteriologischen Funktion von Schöpfungsmythen
»Das Alte Testament spricht nicht von einem Glauben an den
Schöpfer,
es gibt hier nicht etwas wie
»Schöpfungsglauben«.(1) Zu
den tragischen, weil zu seiner Unglaubwürdigkeit beitragenden
Selbstmißverständnissen
des christlichen Glaubens, er sich in langer kirchlicher Tradition
manifestiert
hat, gehört die Mißdeutung des Redemodus der
biblischen Schöpfungserzählungen.
Sie wollten niemals positivistische Protokollsätze sein, weder
Ontologie
noch Dogma, weder Physik noch Metaphysik; und zu alledem
mußten sie
und müssen sie vielfach immer noch herhalten im langsamen
Marsch der
abendländischen Geistes- und Glaubensgeschichte. Daß
jahrhundertelang
Schöpfungstheologie sich vor den säkular werdenden
Naturwissenschaften
diskreditierte, verdankt sie ihrer Verkennung der Aussagenlogik und
semiotischen
Struktur von mythischer Rede. Erst ethnologische Untersuchungen
über
Struktur und Funktion von Mythen haben uns ein tieferes
Verständnis
der Intention der biblischen und außerbiblischen
Schöpfungsmythen
eröffnet.(2) In letzter Allgemeinheit sind sie
handlungsleitende Reduktionen
von Weltkomplexität und Angst kompensierende
Kontingenzformeln.(3)
Glauben kann man nur angesichts der Möglichkeit, nicht zu
glauben.
Schöpfungsglaube setzt konkurrierende kosmologische
Alternativhypothesen
voraus; dies war vor der Säkularisierung nicht der Fall: die
Antike
kannte nur im Detail variierende Motivdifferenzen von
Schöpfungsmythen.
Daß die Welt nicht von Gott geschaffen war, war derzeit
undenkbar
und daher nicht bezweifelbar. Glaube setzt Bezweifelbarkeit voraus.(4)
Die Menschen der Antike »brauchten nicht zu glauben,
daß die
Welt von Gott geschaffen ist, weil das eine Voraussetzung ihres Denkens
war.«(5) Schöpfungsdenken war »allgemein
menschliches
Grundwissen(6), herrschendes Weltbild fast ausnahmslos aller Religionen
der Menschheit, nicht nur des Altorients.(7) Die
Schöpfungsmythen
des ganzen Erdballs, teils in Traditionsvererbung, teils ganz
unabhängig
motiv-identisch entstanden, »bringen ein Verständnis
von Welt
und Mensch zum Ausdruck, das in den Hauptzügen den Rassen, den
Völkern,
den Menschengruppen auf der ganzen Erde in einer frühen Epoche
gemeinsam
war.«(8)
Der Sitz im Leben, die Funktion der Schöpfungsmythen war, etwa
in Japan und Ägypten, einerseits die Legitimation der
Aristokratie
oder des Pharaos. Andererseits und vornehmlich, ganz sicher in Indien
und
Babylon, wurden Schöpfungsmythen rezitiert beim
Frühlings- oder
Neujahrsfest. Das Leben agrarischer Kulturen war ungleich intensiver
als
in Kornkammerstaaten jahreszeitabhängig und mußte
jeden Frühling
mit erlöstem Jubel als die Neuschöpfung des Lebens,
der menschlichen
Mitwelt erleben. Angesichts begrenzter Nahrungsmittelressourcen im
Winter
bzw. zur Trockenzeit war das Wiedererwachen der Produktivität
der
Vegetation buchstäblich die Rettung vorm Verhungern. Das
Schöpferlob
ist Doxologie der von Hungerkatastrophen befreiten Menschen
ursprünglich
gewesen; Schöpfungsmythen erzählen die Geschichte von
neuem Leben
der Natur als Rettungsgeschichte der Menschen in ihr.
Sie sind Soteriologie der vom Mangel ökonomisch bedrohten
Stammesverbände.
Daß nicht immer Erntezeit ist, daß Natur periodisch
stirbt,
gibt Rätsel auf, die Schöpfungsmythen ihre Weise in
begreifbaren
Erzählzusammenhang, in vertraute Symbolwelt einholen.
Chaotischer
Naturablauf wird im Mythos in erzählte Ordnung
gefügt; das Unverständliche,
Fremde und Ängstigende des Naturverlaufs mit verstehbarem Sinn
behaftet.
»Das Reden von der Schöpfung hatte den Sinn, in der
gegenwärtigen
Gefährdung von Welt und Mensch den Anfang wiederzuholen...
Verbindung
mit dem Anfang bedeutete Verbindung mit dem Grund der
Welt.«(9) »Die
Schöpfungstheologie hat im Alten Orient wie im Alten Testament
von
Anfang an durchaus »soteriologischen« Charakter,
insofern sie
sich durchweg um die Frage nach der heilen Welt
müht.«(10) In
den Schöpfungsmythen tauchen Motive aus dem
sozioökonomischen
Lebenszusammenhang der mythenschaffenden Gesellschaftsformation auf;
dieser
Horizont entspricht in seiner mehr oder weniger kosmologisch Weite dem
kulturellen Entwicklungsstand der Urheber. Eine Kriegerkultur denkt
Schöpfung
als Kampf gegen Chaosdrachen, d.h. Feinde(11), Agrar-Handwerks-Kulturen
denken den Schöpfer als Töpfer(12) des Menschen nach
göttlichem
Vor-Bild(13), erfahren Weltschöpfung als Weichen der Urflut,
die in
der Regenperiode, als Landüberschwemmung Chaos brachte, das es
nach
Abfließen zu Ordnen gilt.(14) Schließlich kann
Schöpfung
beschrieben werden als Zeugung/Geburt/Geburtenfolge mehrerer
Götter,
worin, wie ich meine, die Dynastiefolge des Herrscherhauses ihr
mythologisches
Analogon erfährt, zumal der Pharao etwa direktes Ebenbild und
Stellvertreter
der Gottheit ist.(15) Man könnte umgekehrt sehr viel
präziser
den Zweck solcher Mythen pointieren: die Gottheit soll Stellvertreter
des
Königs in den Seelen der Gläubigen sein,
Über-Ich oder Überkönig
mit schöpferischer himmlischer Geschlechterfolge. Endlich ist
als
höchstentwickelte Stufe der Kreationstechniken
Schöpfung durch
das hervorrufende (16) oder befehlende Wort(17), in dem sich die
etablierte
Herrschaftsstruktur höher arbeitsteiliger Gesellschaften
spiegelt,
in denen der König nicht mehr, wie noch David, selbst
kämpfen
muß, sondern vom Thronsaal aus per Befehl
»Weltordnung stiftet
und erhält«(18), als Motiv zu nennen.
Charakteristisch ist hierbei,
daß ältere Motive von jüngeren
Wort-Berichten überlagert
werden, in Jerusalem wie Memphis(19), marginal die Frage literarischer
Abhängigkeit angesichts allgemeiner Etablierung der
Könige zu
Schreibtisch-Tätern.
Wird die Frage nach dem Sitz im Leben und der Realkorrespondenz von
mythologischen Motiven über rein kultische Funktionen
ausgeweitet
auf die, welche ein solcher Kultus und Mythos im gesamten, nicht nur
isoliert
religiösen, Lebenszusammenhang einer Gesellschaft einmal
hatte, so
finden wir verblüffende, weil unmittelbar einleuchtende
Korrespondenzen
von Mythos und Produktionsganzem. Sicherlich war nicht der
Töpfergottmythos
zuerst, bevor dann die Menschen auf die Idee zu töpfern kamen.
Tatsächlich
dürfte die Erkenntnisordnung sehr unplatonisch mit der
gesellschaftlichen
Arbeit, mit Zeugung, Kampf und Königsherrschaft begonnen haben
und
von dieser bekannten, vertrauten Lebenswelt her das Unvertraute, Fremde
des Naturzyklus usw. metaphorisiert haben; im Mythos spiegelt sich
gesellschaftlicher
Lebenszusammenhang wieder als rettende Ordnung in einem
ängstigenden
Naturprozeß.
Je nach Diversifikationsgrad einer Gesellschaft gerät ihr
Schöpfungsmythos
dann eher anthropozentrisch (wie J) oder mit kosmologischer Dimension,
worin sich erstes Interesse nach Natur-Wissen-Wollen zum Zwecke
gesellschaftlicher
Naturbeherrschung bekundet; der Objektivationsgrad elaborierter
Kosmogonien
ist höher und brutaler als der von Human-Ätiologien
mit Naturpartnerschaftsmotiven.
Schon mythologiegeschichtlich kann man fortschreitende Distanz des
Menschen
zur Natur eruieren.
1.2. Die
pentateuchischen Schöpfung
zurück
Was J. Laessoe als Entwicklungsfolge des sumerisch-babylonischen
Gottesbildes
geltend macht, die Erfahrung der Götter
a) als Naturelemente/Kräfte, danach
b) als Spiegelbilder der Herrschergestalten, und schließlich
c) als Vorbilder eines guten Herrschers, eines Hirten von Volk und
Land(20), läßt sich ähnlich auch
für die Evolution
des Jahwismus aufzeigen, vom Vulkansprühen über den
Stämmebundkriegsherrn
bis zu Ps 23, den fürsorgenden Hirten.
Hier ist nicht der Ort zu einer eingehenden Exegese der beide
Schöpfungserzählungen
von J und P. Ich beschränke mich auf grobe Grundzüge
im Sinne
der dargestellten soteriologischen Funktion.
Der jahwistische Mythos ist aufgezeichnet im davidisch-salomonischen
Reich und schildert Gott bei der Schöpfung im Trockenland mit
Grundwasserstrom,
wie er den Menschen töpfert und ihm dann einen Garten pflanzt,
zwei
heilige Bäume mit Tabu als Mittelpunkt dieses Kosmos und eine
vierarmigen
Fluß mit Geographieätiologie. Dahinein setzt Gott
den Mensch
zum Bebauen und Bewahren. Zur Gesellschaft macht ihm Gott Tiere und
überläßt
ihm die Benennung als Herrschaftsakt. Weil aber Tiere unpassende
Gehilfen
sind, macht Gott im Tiefschlaf des Menschen aus dessen Rippe die Frau
und
gibt sie dem Menschen zur Gemeinschaft als ein Leib.
Die Kulturlandvorgabe, Gottes handwerklich-gärtnerisches
Schöpfungshandeln
spiegelt Schöpfung als Gabe des Kulturlandes wieder.(21)
Bemerkenswert
ist das anthropomorphe und höchst alltägliche
Einsetzen des Erzählstücks.
Ein kosmo1ogisches Interesse ist ganz ausgeblendet, im Mittelpunkt des
schöpferischen Handelns steht die fürsorgliche
Ausstattung des
Menschen mit Nahrung, Lebensraum, Gemeinschaft und Orientierung
(Bäume
des Lebens und der Erkenntnis). Der Fürsorge Gott, entspricht
der
Bewahrungsauftrag an den Menschen. Das Naturverhältnis des
Menschen
wird als Fürsorge- und Schutzverhältnis
menschlicherseits, als
Hilfeverhältnis natürlicherseits beschrieben. Die
Natur begegnet
als Gesellschaft des Menschen, es herrscht - bis auf die
Benennungsherrschaft
- eine ausgewogene, geradezu partnerschaftliche Symbiose. Gottes
Schöpferhandeln
ist segenswirkendes Ermöglichen von Leben in sehr konkreter,
hautnaher
(Gen 2,24) Form. Gott ambuliert in der Abendkühle im Garten
(3,8)
noch ganz menschlich. Er verhört Adam, ermittelt detektivisch,
nicht
allwissend, daß die schlaue Schlange die Menschen zum
Tabubruch der
Selbstreflexion (3,7) verführt hatte. Die theologisch
hochgespielte
Freiheit des Menschen zur Sünde wäre besser
beschrieben als Unfreiheit
und Labilität des Menschen, der sich so höllisch
leicht verführen
läßt. Daß er nicht aus eigener Idee auf
den Tabubruch
kommt, gibt ihm, verglichen mit der Schlange, etwas reichlich
dümmliches.(22)
Dennoch wird er durch den Apfel etwa5 klüger, so daß
Gott resigniert:
Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner (3,22). Gott bangt um
seine
Göttlichkeit, eine kaum allzu allmächtige Pose, die
ihn zu Fluch
und Exkommunikation des Menschen aus dem Garten nötigt. Gott
ist hier
so menschlich dargestellt, anthropomorph inkarniert, daß von
Rad
das Selbstverständnis, die Innenansicht dieses Mythos genau
trifft
mit dem Bewußtsein der Theomorphie des Menschen.(23) Gott ist
quasi
noch nicht der Ganz-Andere, sondern der zuhöchst
Ganz-Derselbe. Die
narrative Einfalt dieses Mythos weist jedes metaphysisch-kosmologische
Protologieverständnis ab.(24) Der Jahwist erzählt die
Geschichte
der Eröffnung von Lebensmöglichkeit in solidarischer
Symbiose
mit Natur, die durch den Selbsterweiterungsdrang des Menschen, der
Tabus
bricht, zerbrochen wird zum Fluch harter Arbeit unter Leid und
Entbehrung.
Das Zerbrechen der Einheit von Mensch und Natur ist das
kulturgeschichtliche
Geheimthema dieses Mythos.
In der Emanzipation des Menschen wird Theomorphie und Fluch entdeckt.
Genau dieses Janusgesicht fortschreitender gesellschaftlicher
Naturbeherrschung
ist heute aktueller noch als damals; Overkill und Ökokrise
sind der
Fluch der Freiheit.
Im Mythosmotivgehalt findet man den Spiegel ökonomischer
Verhältnisse
Kanaans.(25) Gen 14, 18-20 berichtet die Begegnung Abrahams mit dem
kanaanitischen
EI-Aljon-Priester Melchisedek, also die Konfrontation des
Vätergottes
mit dem kanaanäischen Schöpfergott Himmels und der
Erde El. Der
jahwistische Mythos ist gewissermaßen die Antwort auf die
kanaanäischen
Mythen, die Israeliten bei der davidischen Konsolidierung
allerspätestens
kennengelernt haben werden und allererst dadurch zu einer expliziten
Schöpfungsvorstellung
herausgefordert wurden.(26)
Der Gott, der den Wonnegarten baut(27), ist der, der das
Milch-und-Honigland
verheißen hat. Der Schöpfungsmythos hat a1s Unterton
den Exodus.
Gleich Ez 26 hat J in sehr bestimmter Auswahl von Mythenmotiven die
ursprünglich
eigenständigen Mundtraditionen Gen 2 (Gott töpfert
den Menschen)
und Gen 3 (Tabu, Verfehlung und Paradiesausschluß) ineinander
verschränkt
und daraus eine Geschichte von Schöpfung, Schuld und Strafe
gewoben.(28)
Die Feinsinnigkeit von J(29) zeigt sich in der Darstellung der
Schöpfung
als mißglückten Versuchen Gottes, die Gott zu neuen
Eingriffen
(Rippe!) bewegen.(30) Schöpfung ist ein Prozeß der
allmählichen
und experimentell eruierten Optimierung des Menschen als eines auf die
»letzte und geheimnisvollste aller Wohltaten«, die
Ver-ein-Fleischlichung
von Mann und Frau angelegten Wesens.(31) Schöpfung ist
experimentum
mundi, am experimentum hominis exemplifiziert. Die hierin enthaltene
Weisheit
hat frappante Analogie zu Erkenntnissen der Physik und Biogenetik
über
Entropie. In diesem Welttheater überzeugen weder Mensch noch
Gott;
beide sind erst am Weganfang in eine Geschichte von Schuld und Strafe,
d.h. eine Geschichte von Unvollkommenheit, die einen wirklich offenen
Ausgang
hat. Untergang (Sintflut), Weitergang (Noahbund) oder
Neuschöpfung.
Die Schlange(32) wird als kanaanäische Fruchtbarkeitsgottheit
(Soggin)
gedeutet und bestritten (Phallus). Ich schlage eine andere, faktisch
aber
gleiche Deutung vor, die mir bisher in der Literatur nicht begegnet
ist.
Die Schlange ist der Chaosdrachen(33) und Symbol des Autochthonen
(Eliade).
Aus der Apokalyptik kennen wir die tierische Symbolik für
politische
Größen ein zweites Mal. Dann wäre die
Schlange historisch
Symbol für die Kanaanäer, die real listiger,
kulturell entwickelter
usw. als die invasorischen Israel-Nomaden waren und besonders in der
beginnenden
Königszeit und dem jahwistisch-baalistischen Synkretismus als
Spiegel
der Integration der Nomaden ins Kulturland für den Jahwismus
eine
beständige Verführung waren (Elia usw.). Theologisch
heißt
das: Auch die Kanaanäer sind Geschöpfe Gottes (Gen
3,1), aber
Gott hat ihr einen untergeordneten Platz als Strafe für ihre
Verführung
angewiesen (3,14) und Feindschaft zum Weib gesetzt - eine deutliche
Absage
von J also gegen den Baalismus.
Der Schöpfungsmythos von P entstammt der Konfrontation der
nach
Babylon deportierten Oberschicht mit den babylonischen
Schöpfungsepen,
von denen Enuma elisch nur die Hauptstadtversion ist. In Motiven
sumerisch-babylonischer
Mythologie läßt sich eine strikte Absage an
Astralkulte(34)
erkennen. Die religionsgeschichtliche Beeinflussung wurde im
Babel-Bibel-Streit
für die Exegese als Wissenschaft ziemlich blamabel
geklärt.(35)
Vorläufiges Resümee zieht W. H. Schmidt:
Sumerische(36) babylonische(37),
ägyptische(38), phönizisch-kanaanäische(39)
und griechische(40)
Motive bilden das Material, an dem P sich abgearbeitet hat. Anders als
J oder Enuma elisch liefert P aber keine dramaturgische
Erzählung,
sondern eine monotone Litanei, wie Westermann sagt.(41) Entfernt
erinnerte
Tagwerkstruktur und »Geburten«(Gen 2,4b) an
Göttergenealogien(42),
ist aber entgöttert und im Kontext von Gen 5ff zu verstehen.
In tehom,
Urflut (1,2) klingt entfernt Tiamat aus Enuma elisch an, ist aber
kampflos
geworden.(43) Ein eigentlich achttägiges Schema von in der
Reihenfolge
nahezu mit der tatsächlichen Evolution des Kosmos
übereinstimmenden
Schöpfungswerken wird auf sechs Tage reduziert, damit am
siebten Tag
Gott Ruhen kann, worin eine Sabbat-Ätiologie zum Zug
kommt.(44) Eine
ältere Schicht der Tradition ist in Grundzügen, wenn
auch nicht
exakt, von sekundären und durchschematisierenden
Wort-Schaffens-Einfügungen
abzuheben.(45)
Wie die ältere ptah-Tradition von einer omnipotenter
Vorstellung
der Wortmächtigkeit des Gottes als Spiegel politischen
Machtzuwachses
der Trägerschicht dieses Mythos überlagert ist, so
auch Gen 1.(46)
Ähnlich ist die nicht völlig konsequent
durchgeführte Ablösung
des alten asa durch das abstrakter, unhandwerkliche bara eine
Steigerung
des Schöpfungsgedankens vom konkret-handwerkerartigen
Umgestalten
vorgegebenen Stoffs (wie bei J) zum vorbedingungslosen und perfekten,
mühelosen
Ins-Sein-Bringen, wenn auch nicht wie 2 Makk 7,28 und im traditionellen
Mißverständnis, als creatio ex nihilo.(47) Ist hier
schon Bilderverbot
als aufklärerisches Moment in aller mythischen Konkretheit am
Werk?
Ein Blick auf das Binnentagwerksschema
(Einleitung-Befehl-Vollzug-Beurteilung-Einordnung(48))
führt in eine Liturgie, in der Gott mangels Gemeinde quasi
selbst
das »Sehr gut« als hymnischen Lobpreis singen
muß. Zusammen
mit dem Plural in 1, 26 ergibt sich als Hintergrund der babylonische
Götterrat,
in dem thronend Gott herrscht und schafft. Herrschen in diesem Sinn ist
Schaffen par excellance; allerdings fehlen monotheistisch die
Götter.(49)
Als Götter galten Sonne/Mond/Sterne und Erde im sumerischen,
babylonischen
und ägyptischen Mythos allemal» P behält
ihnen, zu Geschöpfen
Gottes degradiert, dennoch eine gewisse Selbständigkeit
vor.(50) Zwar
haben sie als Geschöpfe Gottes keine eigene
Göttlichkeit .mehr,
dafür jedoch haben die Gestirne neben dem Leuchteauftrag den
Herrschaftsauftrag
Über Tag und Nacht(51), die Erde den Auftrag, selbst Pflanzen
hervorzubringen;
in der nicht mehr funktional anthropoutilischen Folge der
Gattungsklassifikation
der Pflanzen ist dabei Übrigens ein erstes
naturwissenschaftliches
Interesse bekundet, sowohl in der Reihenfolge als auch im Gedanken
einer
selbstständigen Evolution der Vegetation.(52)
Ähnliches gilt
von Wasser-, Flug und Landtieren(53), wobei hier sowie beim Menschen
der
Segen als Fruchtbarkeitsverheißung hinzutritt.(54) Der Segen
verbindet
Tier und Mensch. Als ein weiteres solidarisierendes und von der
Tradition
beständig unterdrücktes Moment kommt der
»Tierfriede«
oder der vegetarische Speisep1an Gottes in 1,29 dazu.(55)
»Die Menschen
der Schöpfung essen noch kein Fleisch. Der 'Tierfriede'
besteht zwischen
Mensch und Tier und zwischen den Tieren untereinander.«(56)
Bei aller
Freude unserer Steakfanatiker über dessen Aufhebung in Gen 9,3
wäre
dennoch dieser »status integritatis im Licht der Hoffnung auf
den
neuen Himmel und die neue Erde als Utopie festzuhalten.(57) zurück
Eingeschränkt wird die Kreaturensolidarität durch den
Unterdrückungsauftrag
Gen 1, 28.(58) »0hne Rücksicht auf die Unterschiede
wird die
Welt dem Menschen untertan... Das Erwachen des Subjekts wird erkauft
durch
die Anerkennung der Macht als des Prinzips aller Beziehungen... Die
Gottesebenbildlichkeit
des Menschen besteht in der Souveränität
Übers Dasein, im
Blick des Herrn, im Kommando.«(59) Der Terrorismus gegen die
Natur
wäre im Blick auf Rm 8,18ff und die Ökokrise heute
aufs allerheftigste
zu bestreiten! Hier schlägt in der sonst sehr
entgötternden Haltung
des P eine 0mnipotenzphantasie der sozialen 0berschicht hindurch, die
wohl
.eher aus exilischer Realohnmacht als aus tatsächlicher
dominium-Erfahrung
resultieren mag. Die viel umstrittene imago-dei-Lehre als theologischem
Kernstück erfreut sich weniger eines sachlichen Anhalts am
Text Gen
1, 26 als eher einer hohen Beliebtheit unter Gläubigen.(60)
Indessen
ist sie kaum mehr als Kopie ägyptischer
Königsideologie.(61)
Die Legitimationsformel von Pharao und Babylons König(62) als
Gottes
Sohn, Ebenbild und Stellvertreter(63) hebt die Menschen
gegenüber
dem Rest der Erde in Königsstatus. »Das
Stellvertreteramt, das
der Mensch als 'Bild Gottes' innehat, übt er auch in der
Schöpfung
aus. Als Gottes Stellvertreter auf Erden ist er auch Gottes Statthalter
auf Erden. Das Verhältnis zu Gott zeigt sich in dem
Verhältnis
des Menschen zu seiner Umwelt.«(64) Es ist gestört.
Die zerstörte
Umwelt wird auch den Menschen zerstören; darin zeigt sich das
gestörte
Gottesverhältnis einer Kultur, die Gott je nur als
Boß und nicht
als Freund und Partner erleben konnte, weil ihr Kirche auf dieser
Ideologie
insistierte.(65) Weder Design noch Geist, weder Sein noch Tun des
Menschen(66)
machen seine Gottesebenbildlichkeit aus, sondern nur seine
Möglichkeit
zur Kommunikation mit Gott als ganzer Mensch.(67) imago dei als die
kommunikative
Kompetenz des Menschen bestimmt, erübrigt die Frage ihres
postlapsarischen
Verlustes, die immerhin in der 'Stellvertreter-Theorie'(68)
problematisch
wird und zur Frage der Theodizee massiv drängt, wo etwa W. H.
Schmidt
gegen die Intention von P folgert: »Der Mensch
repräsentiert,
bezeugt Gott auf Erden... so erscheint Gott dort, wo der Mensch
erscheint.«(69)
Welcher Gott erschien da in Auschwitz? Sieht so seine Herrschaft aus,
ist dies der Herrschaftsauftrag Gen 1, 28 Einzig theologisch
verantwortbar
zu deuten ist 1,26 von den vielen religionsgeschichtlichen Parallelen,
in denen Götter Menschen ihnen entsprechend schaffen, wie der
Sohn
etwa Gen 5,3 Ebenbild des Vaters ist, oder wie ein Künstler
Plastiken
bis Kruzifixe menschengleich formt.(70) Die Exilserfahrung von P
ließ
als mä} als Götzenbild semantisch vertraut werden;
von da ab
dringt das Wort ins AT ein.(71) Dann bedeutet Gen 1,26 eine klare
Absage
an die Bilderkulte aller Religionen der Umwelt. Das Bilderverbot
würde
dann gegen die altorientalische Königsideologie auch die
Sonderstellung
des Königs bestreiten und universalisieren auf die Menschheit
schlechthin.(72)
Die kritische Spitze läge damit nicht in der für die
theologische
Anthropologie so wichtigen Analogie von Gott und Mensch, sondern in der
Entzauberung der Könige und der anthropomorphen
Götterkulte des
Altorients. Positiv zu sagen bleibt nur, was die Konjunktion von Gen
1,26
mit 1,27f eh schon aussagt und was weder konditional noch final,
sondern
explikativ angefügt ist: »Als Abbild von Gottwesen
hat der Mensch
teil an der diesen gegebenen Machtfülle.«(73)
Durch das hebephrene Mißverständnis von Gen 1-3 im
Sinne
von kosmologisch-ontologisch-anthropologischen Protokollsätzen
in
der kirchlichen Tradition wurden Erzählstücke eines
großangelegten
Gesamtwerkes kontext-isoliert gelesen und ihrem ursprünglichen
Sinn
und Sitz im Leben entfremdet. Nur der religionsgeschichtliche Vergleich
konnte die kritischen Spitzen der Entzauberung des Kosmos
herausarbeiten,
dessen Prozesse nicht mehr angstvoll gefürchtet werden
mußten,
sondern der Bearbeitung durch den Menschen freigesetzt wurden. Die
Tradition
kam durch Trennung von Gen 1-3 von 4-11 zu einem individualistischen
Sündenverständnis,
einem konservativ-agrarfixierten Arbeitsethos und der Reduktion des
geschichtlich
mitgehenden, erhaltenden und bewahrenden Gottes zu einer prima causa
der
Welt.(74) »Vom Schöpfer reden heißt vom
Ganzen reden«,
so lautet Westermanns Grund-Satz.(75)
Wird Gen 1-3 durch Darwin/Haeckel in Frage gestellt? Ja, dem mythischen
Inhalt nach, positivistisch als Faktenbericht gelesen. Gen 1-3
»ist
nach seiner naturwissenschaftlichen Seite hin schlechterdings
veraltet«.(76)
Aber eine »Reduktion des Mythos um des Glaubens
willen«(77)
bedeutet unweigerlich den Substanzverlust, die innere Zersetzung
dessen,
was die mythische Struktur und Semiotik transportieren konnte.
»Ist
für uns das 'Wie' nicht mehr nachvollziehbar und bleibt nur
das 'Daß',
so folgen wir damit aber gerade einer Intention des Textes selbst, der
in einer langen Überlieferungsgeschichte das (mythische)
Wissen immer
stärker auf das dem Glauben wesentliche
beschränkte«(78),
so W. H. Schmidt; aber wäre nicht analog zur Entstehung der
Quantentheorie
aus klassischer Mechanik die Reduktion aufs nackte Daß
Bultmanns,
auf das bilderlose hrb von P, auf die nackte Formel 'Gott schuf Welt
und
Mensch' eine derart unvorstellbare und durch Erfahrung nicht einholbare
Abstraktion, daß sie informationslos und darum sinnlos wird,
weil
sie nicht, wie die Quantentheorie, die ja übrigens selbst
deutungsbedürftig
wegen ihrer Abstraktheit ist, durch experimentelle Erfahrung
falsifizierbar
ist. Wäre dann nicht letzte Konsequenz, die Rede von
Schöpfung
als nichtssagend, inhaltslos und darum soteriologisch funktionslos -
bis
auf Psychostabilisation durch vertrautes Wortmaterial - aufzugeben?
Entmythologisierung
ist selbstdestruktiv und endet in einer Eskalation von Sinnlosigkeit.
Sinn
aber will gerade der Schöpfungsmythos herstellen.(79)
Noch einmal: Mythos und Aufklärung. »Die
entmythisierende
Tendenz bei P bewirkt, daß Himmel und Erde radikal
entgöttert
werden. Himmel und Erde werden darin für das menschliche
Forschen
und Fragen zugänglich, daß ihnen jeder
mythisch-göttliche
Charakter abgesprochen wird. So zeigt sich denn bei P schon deutlich
eine
Richtung auf naturwissenschaftliche Denken hin.«(80) Das aber
ist
nicht Originalität von P, sondern Entwicklungsgesetz des
Mythos. »Aber
die Mythen, die der Aufklärung zum Opfer fallen, waren selbst
schon
deren eigenes Produkt... Der Mythos geht in die Aufklärung
über
und die Natur in bloße Objektivität. Die Menschen
bezahlen die
Vermehrung ihrer Macht mit der Entfremdung von dem, worüber
sie die
Macht ausüben.«(81) »Die Mythologie selbst
hat den endlosen
Prozeß der Aufklärung ins Spiel gesetzt, in dem mit
unausweichlicher
Notwendigkeit immer wieder jede bestimmte theoretische Ansicht der
vernichtenden
Kritik verfällt, nur ein Glaube zu sein, bis selbst noch die
Begriffe
des Geistes, der Wahrheit, ja der Aufklärung zum animistischen
Zauber
geworden sind... Wie die Mythen schon Aufklärung vollziehen,
so verstrickt
Aufklärung mit jedem ihrer Schritte tiefer sich in Mythologie.
Allen
Stoff empfängt sie von den Mythen, um sie zu
zerstören, und als
Richtende gerät sie in den mythischen Bann.«(82)
Nicht soll dem Mythos als der bewußten Unwahrheit hier Wort
geredet
werden, wohl aber die politischen (Auschwitz),ökonomischen
(3.Welt)
und ökologischen Folgen einer naturwissenschaftlichen
Aufklärung
kritisiert werden, deren Dialektik darin besteht, daß nach
Wegfall
des Tabu vorm Objekt die einst emanzipative Wirkung für die
Menschen
in ihr krassestes Gegenteil umschlug: nie zuvor in der Ära
blutiger
Menschenopfer wurde je so bestialisch millionenfach Menschenleben den
partikularen
Interessen einer mächtigen Minderheit geopfert wie im
Zeitalter von
Gaskammern, Massengräbern und Hiroshima/Nagasaki. Nicht daher
scheint
mir das aufklärende Element der Schöpfungsmythen das
heilsgeschichtlich
fortschrittliche zu sein, sondern gerade das, was P begann zu
eskamotieren:
die erlebte Fülle und Mannigfaltigkeit des Lebens, der
sinnliche Reichtum
der erfahrenen Welt. Wie P den alten Tatbericht ehrfürchtig
stehen
ließ und nur weiterspann nach seinem Wissen, so wäre
unsere
Aufgabe eher, die Schöpfungsgeschichte weiterzufabulieren nach
dem
Stand fortgeschrittensten Wissens sowohl als der sinnlichen
Mannigfaltigkeit
unseren Lebens heute.
1.3.
Schöpfung als Befreiung: Deuterojesaja.
Psalmen. Weisheit zurück
G. von Rad hat 1936 einen entscheidenden Neuansatz zur Bedeutung des
alttestamentlichen
Schöpfungsdenkens vorgelegt. Er geht von dem Sprachspiel Dtjes
(40,26ff.
42,5ff; 44,23ff; 45,7-13), Amos (4,13; 5,8f. 9,5f) und einiger Psalmen
(136, 148, 33, 89, 74, 19, 104, 8) aus.(83) Dtjes will in der Endphase
des Exils Mut und Hoffnung wecken auf einen Neubeginn, einen neuen
Exodus.
Aus Babylon kennt er Marduks Drachenkampf und Stadtplanung als
Schöpfungsakte
und Zeichen seiner Macht. Und nun überträgt er die
mythischen
Motive auf die konkrete geschichtliche Zukunftserwartung der Exulanten:
Jahwe, Schöpfer, Drachentöter, Meeresteiler (Ex 14!)
hat Schöpfung
schon damals als Befreiung seiner Moseschaar (Drache Symbol der
unterdrückerischen
Feindesmacht Ägypten wie Babylon!) vollzogen und wird den
Exulanten
einen neuen Exodus schaffen.(84)
Der Synkretismus, zu dem die interkulturelle Exilslage wie auch die
Konsolisierung in Kanaan zwang und die Israel mit der Identifikation
Jahwes
mit der Macht und dem Handeln der 0rtsgötter beantwortete,
führt
bei Dtjes zu einer kreativen Metaphorisierung. Der babylonische Mythos
wird als Gleichnis für die Macht Jahwes, des Erlösers
der Exulanten,
benutzt. Er bekommt eine soteriologische Funktion in einer anderen
Religion.
Schöpfungsdenken der Fremdkulte wird schöpferisch
übertragen
auf die Gegenwart. es wird der Mythos der ewigen Wiederkehr (Eliade)
historisiert;
periodische Erneuerung des Kosmos wird umfunktioniert zur Beschreibung
eines irreversiblen Befreiungsgeschehens, dem neuen Exodus, dem
Wiederaufbau
der Städte Israels.(85) Der Schöpfer ist der
Erlöser.(86)
Wird in Ps 74 und 89 Schöpfung als eine Heilstat vor anderen
aufgelistet,
additiv interpretiert als Schöpfung im Anfang, so entwickelt
Dtjes
45,7 ein implikatives Schöpfungsdenken: Jahwe schafft in der
Geschichte,
schafft Heil und Unheil.(87)
Hat Enuma elisch Realhistorie ritualisiert, mythologisiert und
enthistorisiert,
so tut Dtjes das Gegenstück. Er betreibt mit dem
Schöpfungsmythos
eine kreative metaphorische Rehistorisierung. Genau dies Verhalten
hätte
heutige Rede von Schöpfung als historisch gebotene Aufgabe.
Die Rede
von Jahwe als Schöpfer betont die Macht Jahwes, die
stärker als
die Marduks den neuen Exodus schaffen wird. Sie ist Soteriologie im
Kampf
gegen die Resignation.(88)
Ps 8 entspricht Gen 1,26ff und verbindet Schöpfung mit dem
Heilswillen
Jahwes.(89) Ps 19, ein jahwisierter Sonnengotthymnus mit entzauberter
Sonne,
zeugt von Kontakten zur Nildynastie, ist
Ȋgyptisches Anschauungsgut,
das Israel durch weitgereiste Weisheitslehrer vermittelt
wurde«(90),
ähnlich Ps 104. Drachenkampfmotive als
Baalsübertragung finden
sich in Ps 74 und 89.(91) Ps 139 begreift den Menschen als Wunderwerk
Gottes.
Ps 95f schließlich führen in den Bereich der
Jahwe-ist-König-Psalmen.(92)
Wenn auch V. Maag Jahwe als geschichtlich Mitgehenden und nicht als
Metropolenhauptgott
pointiert(93), setzt doch schon die Abgrenzungsaussage »Jahwe
und
kein anderer ist König« Wissen um Königsein
und dessen
Rituale voraus. Ist der König im Altorient
Repräsentant Gottes,
inkarnierte Gottheit, und spielt im Neujahrsritual die
Schöpferrolle
distanzlos, so ist schon in der Königsideologie die Verbindung
von
Schöpfer und König erfolgt(94): der König
ist der Schöpfer,
läßt Städte bauen, kämpft gegen
den Feindesdrachen,
organisiert die Landbewirtschaftung nach der
Jahresüberschwemmung,
schafft Recht und zeugt neue éGottessöhne.(95)
»Israel
hat mit der Übernahme des Königstitels auf Jahwe
diesem die Stelle
zugewiesen, die im kan. Pantheon... der oberste Gott El
einnahm.«(96)
In dieser Übernahme liegt eine kritische Spitze gegen jede
Königsideologie.
Schließlich reden Prov 8, Hi 28, 38 und Sir 24 von der
Weisheit
als Person, die Gott als erstes Schöpfungswerk geschaffen habe
und
die nach der Mustervorlage der ägyptischen 0rdnungs- und
Weisheitsgöttin
Maat als Tochter vor den Augen des Schöpfers zu dessen
Entzücken
und als dessen 'Liebling'(??) ihr Spiel treibt.(97) Hat hier die kluge,
wohlerzogene Pharaonentochter mit
Öffentlichkeitsausschluß durch
ihren Harem Pate gestanden?(98) Wie dem auch sei, die Weisheit
missioniert
»in der profansten Öffentlichkeit«(99) und
liebt die Menschen
heiß und innig.(100) Sie hat eine Menge zu bieten, genau wie
die
Paradiesschlange: Reichtum, Ehre, Führung und
Geborgenheit.(101) Sie
ist also, pointiert gesagt, bourgeoiser Geheimtip für
gutbestallte
Weisheitslehrer auf Hofe des Pharao, Herrschaftswissen
ägyptischer
Naturwissenschaftler, die genug Bildungsprivilegien hatten, um in der
Naturschöpfung
deren Selbstoffenbarung vernehmen zu können, die mit
sonnenhaftem
Auge die Sonne sehen und missionierend-lehrend die jerusalemer
Halbnomaden
mit Wissen versorgen.
Prophetische und weisheitliche Element verbinden sich in der
Apokalyptik.
Ez und Dtjes reden bereits vom neuen Exodus und von neuer
Schöpfung.
M.E. hängt die Entwicklung der Apokalyptik vom gleichen
Prinzip ab
wie die der Schöpfungsmythen. Der Kosmos von J besteht aus
Wüste
und Garten, der von P schon aus mesopothamischer Tiefebene. Es findet
in
der Entwicklung des Schöpfungsdenkens eine
Entprovinzialisierung oder
Horizontvergrößerung statt; räumlich vom
Garten zum Kosmos
mit Planetaraussicht, zeitlich vom unbestimmt »als Gott
schuf«
(J) zum »im Anfang«(P), technologisch vom
»machen«
zum »schaffen«. Ähnlich sensibilisiert die
Weisheit von
der Wahrnehmung Jahwes im Menschengeschick zum Schöpferlob des
in
seiner Mannigfaltigkeit wunderbaren Kosmos. Eben diese
Dimensionserweiterung
weg vom Anthropozentrismus motiviert auch die Apokalyptik. Ausstehende
Verheißung wird als Determination der Zukunft aufgenommen und
als
Anbruch einer neuen Weltzeit terminiert. »In solcher
langfristigen
göttlichen Vorhersage erscheint Geschichte als schon von weit
her
im göttlichen Plan determiniert. Sie rollt nun nach festem
Plan ab...
Der Apokalyptiker denkt universalistisch.«(102) Prophetisches
Wort
vom Heil wird dabei immer weiter rückdatiert bis zum
Weltanfang und
schließlich mit dem Schöpfungswort
identifiziert.(103) Gleichzeitig
wird das Ausmaß des verheißenen Heils in kosmisch
umwälzende
Dimensionen gesteigert. Tritojesajas neuer Himmel und neue Erde(104)
mit
universalem Gericht und universaler Schöpfung von sozialer
Gerechtigkeit(105)
und Tierfrieden als kosmischer Heilsrealität(106), ja sogar
Totenbelebung
als Zeichen der Schöpfermacht(107) fabulieren mit den Bildern
der
Schöpfung im Anfang und den Mythen des El-Pantheons(108) den
kosmologischen
Anbruch der Heilszeit - unter der Erfahrung aktuellen politischen
Unheils,
welches in dieser eschatologischen Hoffnung zu ertragen und auszuharren
aufgerufen wird, ob unter Antiochus Epiphanes oder Diokletian.(109)
Schöpfung
der Endzeit im NT ist vorbereitet in der Apokalyptik des AT.
1.4.
Schöpfungsdenken im Neuen Testament zurück
Intention dieser exegetischen Untersuchung ist der Versuch einer
(groblinigen)
Darstellung eines Spannungsbogens der biblischen Glaubensgeschichte in
Sachen Schöpfung. Weil das AT selbst geschichtlich denkt, ist
dies
angemessen. Tendenz dieser Glaubensgeschichte ist m.E. zunehmende
Entprovinzialisierung,
wachsende Komp1exität und vertieftes Interesse am
natürlichen
Kosmos als Schöpferzeugnis. Zeit wird irreversibel erfahren
und Geschichte
teleologisch mit Tendenz. In dieser Entwicklung ist soteriologisches
Interesse
treibende Kraft: dasselbe Interesse, unter dem einst
Naturwissenschaften
angetreten sind.
Von Schöpfung redet das NT fast nur implizit;
Schöpfung bestimmt
den Horizont des Wahrnehmens.(110) Die Lilien auf dem Feld, vom
Schöpfer
versorgt(111), Legitimation der Ehemoral(112), Allgegenwart Gottes(113)
und Deismus(114) wurzeln in jüdischer
Torafrömmigkeit. Stärkere
Spuren hat die Weisheit hinterlassen. In die Larve der vor Gott
während
des Schöpfungswerkes spielenden Maat-Weisheit hat der Kol
Christus
eingesetzt(115) als Ursprung und Ziel der Schöpfung
(Christogenese
Teilhards!), der Eph das Evangelium(116), die Apk Christus(117).
Sachlich
gehört Joh 1 und Phil 2,5ff mit dem präexistenten
Logos/Erlöser
auch in diese Bildergruppe. Im weisheitlichen Rahmen der
Schöpfungsselbstoffenbarung(118)
steht Rm 1,20, die unzureichende Basis der scholastischen revelatio
generalis.
Im Zeichen der Apokalyptik wird die Macht des Schöpfers
betont,
der als Kosmokrator im Stil des kan. Pantheon Herr ist(119)
über Götzenbilder
und Kaisergeschöpfe(120). Seine Macht im
Schöpfungsanfang ist
Garantie für das Kommen des (verzögerten)
Gerichts.(121) Neuschöpfung
schließlich als apokalyptische Zukunftserwartung ist das
beherrschende
Thema der Rede von Schöpfung im NT.(122) Nicht grundlos redet
das
letzte Bibelkapitel in Schöpfungsdimensionen wie das erste
auch. Neuer
Himmel, neue Erde, das Wohnen Gottes unter uns und Abwischen aller
Tränen
ist die restitutio in integrum.(123) Die Apokalyptik sieht
Schöpfung
als geschlossenes System von Schöpfung im Anfang, Fall und
berechenbar
determinierter Endzeit mit Wiederherstellung des Anfangs, letztlich
noch
verhaftet im Mythos der ewigen Wiederkehr. Mit Christus ist die neue
Schöpfung
der Endzeit schon angebrochen und darum kann sie protologisiert (Kol 1,
15) und teleologisiert (Kol 1, 19f) werden, weil die soteriologische
Überbietung
der Machtsymbole Gottes Gegenwart als Vergangenheit, Zukunftshoffnung
als
in der Vergangenheit verheißene Ansage ausdrückt.
Universalisierung
ist soteriologische Überbietung leidvoller Gegenwart durch den
Rahmen
der Heilsgeschichte Gottes mit seiner gesamten Schöpfung.(124)
In Jesu Wundern und Sättigungen, Heilungen und seiner
Auferstehung
beginnt die neue Schöpfung, Neuschöpfung als
Heilmachen des Unheils.(125)
Daher kann er als neuer Adam sozusagen die neue Runde im Ring
einleuten.(126)
Darum kann Rm 4, 17ff den Schöpfer den Totenauferwecker
nennen(127)
und »den, der Jesus erweckt hat« zum neuen
Gottesnamen propagieren.(128)
Und darum schließlich kann das Anziehen des neuen Menschen (
Eph
4, 24) durch Hingabe der Leiber im neuen Gehorsam Partizipation an der
eschatologischen Neuschöpfung sein: »Weil und sofern
der Christusleib
als Bereich eschatologisch verwirklichter Christusherrschaft auf Erden
die neue Welt und Schöpfung ist, weil und sofern der Christus
mit
seiner Gabe jedes seiner Glieder zur nova oboedientia ruft, lebendig
macht,
und zum Dienst und Leiden in der geistlichen Waffenrüstung
aktiviert...,
darum und insofern kann tatsächlich verkündigt
werden, daß
er das All mit seiner Auferstehungsmacht erfülle.
«(129)
War die schöpfungstheologische Ethik von P das dominium
terrae,
so ist es hier der neue Gehorsam in geistlicher Waffenrüstung
statt
Niedertrampe1n und Versklaven der Natur! Wie das konkret aussieht,
zeigt,
und hier kommen wir zum Höhepunkt der
Schöpfungstheologie, zum
kompetenten Gegenstück zu P, Paulus in Rm 8, 18ff. In der
Beschreibung
der eschatologischen Existenz der Christen im Geist spricht Paulus von
Sohnschaft Gottes adoptianistisch (8, 14ff). Dahinter steht
universalisierte
Königsideologie, die schon zur Gottesebenbildlichkeit in Gen
1,26
gedient hatte und dort wie hier mit der Identität von Sohn-
und Ebenbildsein
die Partizipation an der väterlichen Machtfülle
meinte. Von Offenbarenden
der Sohnschaft, d.h. des imago dei des Menschen, kann Paulus nur als
restitutio
reden (19f). »Paulus führt also im Stile
rabbinischer und apokalyptischer
Theologie den Zustand ,der Schöpfung auf die Schuld des
Menschen zurück.«(130)
»Weder Satan... noch Adam... haben die Schöpfung...
in den menschlichen
Fall verwickelt. Gott hat sie ohne ihr eigenes Zutun zugleich mit dem
Menschen
der Nichtigkeit unterworfen... Die Knechtschaft unter der
Vergänglichkeit...
ist... ihre Wirklichkeit.«(131) Dabei ist unter
Schöpfung hier
die »gesamte Kreatur unter Einschluß des Menschen
(zu) verstehen,
ohne scharfe Grenzen zu ziehen.«(132) Denn der
»Mensch ist
immer schon als Glied der Schöpfung, die in sein Geschick mit
verstrickt
ist, verstanden.(133)
Während Gen 9, 1-7 von der Angst der Kreaturen redet,
überbietet
Paulus diese Haltung durch Sehnsucht und Harren auf die restitutio der
Gottesebenbildlichkeit.(134) »Wenn die gesamte Natur sich zum
Menschen
hindrängt, so gibt sie dadurch zu verstehen, daß er
zu ihrer
Erlösung vom Fluch des Tierlebens nötig ist... wo
hört das
Tier auf, wo fängt der Mensch an? ... Wir kommen für
gewöhnlich
aus der Tierheit nicht heraus, wir selbst sind die Tiere, die sinnlos
zu
leiden scheinen.«(135) Paulus führt die Klimax des
Leidens Über
die Natur (19-22) zur Gemeinde (23-25) bis hin zum Leiden des die
Gemeinde
vertretenden Geistes (26f).(136) »Diese Leiden markieren den
Zusammenprall
der Heillosigkeit dieser Welt mit dem Heil Gottes und verweisen deshalb
auf die kommende Herrlichkeit.«(137) »Erfuhr die
Schöpfung
aber selbst ihre Vergänglichkeit als Knechtung, so
erfährt sie
auch die Partizipation an der Herrlichkeit der Endgemeinde selbst als
Befreiung«(Hervorheb.
v.Vf.).(138)
Die Natur wird als Subjekt gesehen! Weil die Christen ihre innere Natur
in all ihrem glossolalischen Schreien zulassen, haben sie auch ein Ohr
für die Schreie der äußeren Natur und
können ihr Seufzen
als stellvertretendes für die Natur vor Gott bringen.
»In gottesdienstlicher
Glossolalie ertönt... der Schrei nach eschatologischer
Freiheit, in
welchem die Christen zu Repräsentanten aller
gequälten Kreatur
werden. Darin bekundet sich der Geist als Interzessor der Gemeinde vor
Gott... Durch ihre ekstatischen Schreie wird Fürbitte
für alle
vergewaltigte Schöpfung eingelegt. Die Interzession des
erhöhten
Christus findet zur Rechten Gottes statt. Der Geist ist jedoch die
irdische
Präsenz des erhöhten Herrn und treibt dessen Werk im
Raum und
durch den Dienst der Gemeinde, also auch die
Interzession.«(139)
An die Stelle des dominium terrae als Ethik der Gottesebenbildlichkeit
tritt bei Paulus die solidarische Fürbitte für die
Natur, die
der Christ kraft seiner eigenen inneren Natur zum schreienden Ausdruck
bringt. »An der Art, wie wir mit dem Leiden umgehen, zeigt
sich der
Schöpfung, wie es um ihre Hoffnung bestellt ist... Wenn wir in
Solidarität
mit Natur und Mitmensch Leiden verringern, dann erwacht die Hoffnung
der
Schöpfung zu neuem Leben.«(140)
Für eine jede christliche Schöpfungslehre der Zukunft
muß
dies das Thema werden: Solidarität mit der Schöpfung
im Konflikt.
2.
Die Geschichte der Naturwissenschaften
und der Natur zurück
2.1. Wissenschaftsgeschichtliche Grobskizze: Säkularisierung
Nur plakativ gerät in diesem Rahmen die Schilderung der
langsamen
und kirchlich restringierten Entwicklung der Naturwissenschaft aus
ihren
vorsokratisch-materialistischen und christlich-deistischen
Vorgaben»
Als Strukturgesetz dieser Entwicklung kann man mit Kuhn von der
Konkurrenz
neuer Paradigmen mit alten und der Durchsetzung des
leistungsfähigeren
Paradigmas sprechen, wobei unter Paradigma nicht nur einzelne
Hypothesen,
sondern ein gesamtes Weltbild zu verstehen ist.(141) Die
Aufklärung
der ionischen Naturphilosophie hat, speziell bei Empedokles,
Anaxagoras,
Leukipp und Demokrit, schon einen Materiebegriff ausgearbeitet, dem der
Einheitsbegriff der Eleaten ungefähr korrespondiert.(142)
Auch Plato, sonst Ethiker und Logistiker, wendet sich im Timaios
demiurgischer
Kosmogonie zu.(143) Aristoteles Doppelheit von unbewegtem Beweger als
prima
causa und pantheistischer Teleologie komprimiert sich im
Substanzbegriff
(ousia) als Subjekt-0bjekt von Entwicklung, etwa eines Samens zum
Apfelbaum.(144)
Naturwissen ist für ihn Inbegriff bürgerlicher
Freiheit.(145)
Stoische Kosmosbewunderung weiß sich im Vertrauen auf die
Gelöstheit
aller lebenswichtigen Naturerkenntnisse getragen.(146) Epikur,
Atomistenschüler,
ging von einer ungeschaffenen 0rdnung des Kosmos aus, deren
naturwissenschaftliche
Kenntnis Seelenruhe bewirke ; Selbstbeschränkung der
Erkenntnis ist
Folge befriedigten Wissensdranges.(147)
Die Alexandrinische Schule hat eine recht hochentwickelte Astronomie,
Medizin, éLinguistik und Geometrie, verbunden mit den Namen
Euklid
und Ptolomäus; hier wurden Einsichten über den Kosmos
gewonnen,
die erst von Kopernikus und Kepler aufgegriffen wurden.(148) Mit Philos
Verdikt über Naturwissenschaft als Einmischung ins
Schöpfungsgeheimnis
Gottes und Ablenkung von der wesentlichen Beziehung zu Gott selbst,
durch
Ambrosius von Mailand an Augustin vermittelt und dort in Aufnahme der
,jahwistischen
Sündenfallgeschichte radikalisiert zum Tabu, begann sich der
jüdisch-christliche
Einfluß aufs Abendland geltend zu machen.(149)
Tertullian(150) und
Laktanz(151) sind bloße Exemplare einer Institution, die
naturwissenschaftliche
Neugier als Verführung , Laster und Geheimniseinmischung in
demiurgische
Sachen diskreditierte, obwohl sie Geometrie und Astronomie
obligatorisch
im Lehrplan der freien Künste mitzuführen
begann.(152)
Erst die durch Boethius forcierte Wiedereinführung des
Aristoteles
via Averroes rehabilitierte den Status der Naturwissenschaft als
möglicher
revelatio generalis mit Rm 1,20ff.(153) Doch ist zugleich bei Thomas
auch
Neugier als Gottseinwollen verteufelt: das Faustmotiv entsteht.(154)
Ockhams
Diastase von Glaube und Vernunft leisten nominalistisch einer Trennung
von Theologie und Naturforschung Vorschub.(155) Der Cusaner mit der
Theorie
möglicher unendlicher Approximation menschlicher Erkenntnis an
Gottes
unerreichbare begreift Welt als Selbstbeschränkung Gottes;
eine Epochenschwelle
nach Blumenberg.(156)
1543 erscheint »De revolutionibus orbium
coelestium« von
Kopernikus und leitet mit der Bestreitung der Erde als Weltmittelpunkt
und der Annahme selbstrotierender Sonnenumkreisung der Erde eine
kritische
Destruktion des mittelalterliche Weltbildes ein.(157) Die elliptische
Form
der Umlaufbahnen hat an Marsstudien jedoch erst Kepler entdeckt, dessen
künstlerische Mathematik einer harmonia mundi, in
weisheitlicher Tradition
des AT, Nachdenken der göttlichen Schöpfungsordnung
sein wollte,
also Schöpferlob, wenn auch naturwissenschaftlich nicht exakt
gelungen.(158)
Giordano Bruno übernahm die kopernikanische Theorie,
erweiterte sie
um die in Aufnahme von Epikurs Unendlichkeitsbegriff entwickelte
Theorie
der Fixsterne als je eigener Sonnensysteme und betrachtete die Welt als
Materie, in deren Formgestaltung sich Gott selbst inkarniert als sich
verwirklichende
Möglichkeit und darin als Schöpfer sich
»erschöpft«.
Dabei greift er auf die Eigendynamik der Erde in Gen 1,11
zurück.(159)
Er wird in Rom verbrannt.
Galilei, 1615 und 1633 unter Folterdrohung in der Inquisition,
demonstriert
mit dem gerade erfundenen Fernrohr Kirchenmännern Kopernikus'
Erkenntnisse,
bekommt deren Status als Hypothese, nicht Wahrheit bescheinigt und
vertritt,
wiederum weisheitlich, die Natur neben der Bibel als gleichwertige
Erkenntnisquelle
der Offenbarung des Schöpfers.(160) Gassendi(161) und
Descartes(162)
entwickelten unter diplomatischer Konzession der dogmatisierten
Schöpfung
im Anfang und 'hypothetischem' Status der kopernikanischen Theorie
diese
weiter.
Descartes nahm einen kontinuierlichen Materiegürtel in
wirbelnder
Umkreisung der Sonne an, in dem die ,Planeten wie im Strudel
umhergeschleudert
werden, womit er deren elliptische Bahn erklärt zu haben
glaubte.
Er entwickelte gleichfalls eine Vorform des thermodynamischen
Energieerhaltungsgesetz
geschlossener Systeme. Auf dem Hintergrund von Gen 1,2S sieht er den
Menschen
als »maître et possesseur de la nature«
und die Natur
als res extensa vom Schöpferzeugen degradiert zum
bloßen Objekt
der menschlichen Bedürfnisse, wobei die Naturwissenschaften
Sinn als
Theorie optimaler Ausbeutungspraxis gewinnen.(163) Sie treten in den
Dienst
der Technik, des technischen Fortschritts.(164)
Newton entwickelt mit dem Trägheits- und dem
Gravitationsgesetz
die Grundlage der klassischen Mechanik, die Descartes' Wirbeltheorie
aufhob.
Ungelöst blieb darin die Frage, wie die Gestirne in Bewegung
gekommen
sind. Newton machte in alter aristotelisch-thomistischer Tradition Gott
dafür verantwortlich, woraus Bischof Benthley, in halb
pannenbergscher
Manier einen deistisch-kosmologischen Gottesbeweis
erhärtete.(165)
Überhaupt hat der Deismus allererst Naturgesetze denkbar
gemacht.(166)
Leibnitz kritisierte Newtons Kategorien von absolutem Raum und
absoluter
Zeit als Basis mechanistischer Objektivität und, begriff die
vorfindliche
Weltordnung als beste aller Gott in Schöpfungsakt
möglich gewesenen
Welten, mit Theodizeeeffekt zwar, aber immerhin: relativ beste.(167)
Das
Thema Möglichkeit und Notwendigkeit deutet sich im beginnenden
Kausalitätsdenken
an. zurück
Kant übernimmt zunächst noch Newtons Deismus der
göttlichen
Institution von Kausalität zwecks Vermeidung der Konzession
blinder
Notwendigkeit. Seine Theorie der Himmelskörper
erklärt die Entstehung
der Sonnensysteme aus Spiralnebeln und deutet die Milchstraße
als
große Scheibe. Seine logische Destruktion der Gottesbeweise
im Anti~omienkapite1
der Kritik der reinen Vernunft beendet Jegliche Möglichkeit
deistischer
Hilfshypothesen, die bislang noch Schöpfungsglauben und
Naturwissenschaften
hatten verbinden können.(168)
War bislang Naturwissenschaft an Schöpfungsglauben als
Lückenbüßer
unzureichender Hypothesenbildung gebunden gewesen, so ist nun Gott
weltlich
nicht mehr notwendig(169) und die Möglichkeit eines
atheistischen
naturwissenschaftlichen Materialismus vorbereitet. Fortan war die
deistische
Diastase von Gott und Welt, die immerhin auch weisheitliches Erbe ist,
verunmöglicht und lediglich noch im Residuum
nicht-natürlicher
Offenbarungstheologie glaubhaft. Naturwissenschaftlich vertretbar blieb
lediglich, beim Cusaner, Nolaner, Spinoza ein pantheistischer
Materialismus,
den Hegel als Selbstentäußerungsprozeß
Gottes in der Weltgeschichte
in eine Dialektik von Geist und Materie bringt.(170) Kant
überwies
damit die Theologie aus der Wissenschaft in die Moralität und
Innerlichkeit,
die protestantische Theologie seither nicht mehr verlassen hat.
Bis auf wenige Ausnahmen (K. Heim, W. Pannenberg, J. Moltmann u.a.)
hat sich unser Glaube an Gott den Schöpfer seitdem den Fragen
der
Naturwissenschaften nicht mehr stellen können: die hlstorische
Diastase
war besiegelt. Schöpfungsglaube war besiegt durch den
endgültig
habilitierten Materialismus der säkularisierten
Naturwissenschaft.
Daß im christlich-marxistischen Dialog (bzw. Nicht-Dialog!)
ausgerechnet
dem Kommunismus der Materialismus vorgeworfen wird, der im Westen Basis
aller exakten Forschung ist, bescheinigt nur die Betriebsblindheit
westlichen
Geschichtsbewußtseins.
2.2.
Die Geschichte der Natur und des
Menschen zurück
Für Nichtphysiker sind spezielle und allgemeine
Relativitätstheorie,
Planksches Wirkungsquantum, Heisenbergsche Unschärferelation,
Kopenhagener
Quantentheoriedeutung, Theorie der Elementarteilchen, der Urobjekte und
Bohrs Komplementarität im Korpuskel-Welle-Dualismus
wahrscheinlich
nur in einer für Physiker haarsträubenden
Banalität zu verstehen.
Die Erkenntnisse sind schwindelerregend(171) und lassen die
Dimensionen,
in denen Jahwe im Garten Eden wandelte oder den palästinischen
Himmel
ausspannte, zur Puppenstubenspielerei geraten angesichts der vermuteten
3 Milliarden Lichtjahre Kosmosradius.(172) Ob der Kosmosraum in sich
gekrümmt
ist, sodaß ein geradlinig , abgeschossener Pfei1 theoretisch
nach
Jahrmilliarden von der Gegenrichtung aus wiederkäme - so
vereinfacht
Einsteins allgemeine Relativitätstheorie über die
nichtmetrische
Raumstruktur mit Gravitationszentren - , sei dahingestellt, weil noch
nicht
geklärt.(173) Was vor dem Urknall war, ob es da
überhaupt Raum
und Zeit und Materie gab, und wie sie sich bewegte, ist nur spekulativ
phantasierbar, nicht empirisch und nach uns bekanntem Materieverhalten
erschließbar.(174) Die Frage der Unendlichkeit des Kosmos ist
umstritten.(175)
Dirac und Jordan vertreten die Theorie eines einzigen
weltanfänglichen
Neutronenzwillings, aus dem sich Materie (und damit Raumzeit) expansiv
entwickelte.(176) In der Tat darf man aus der Rotverschiebung im
Spiralnebelspektrum
schließen, daß die uns einsehbare Metagalaxie in
ständiger
Explosion mit einer Geschwindigkeit bei den
äußersten und schnellsten
Galaxienebeln von ca. einem Lichtjahr begriffen ist.(177) Rechnet man
diese
Bewegung zurück, kommt man, von anderen Ergebnissen
bestätigt,
auf ein Alter des Kosmos seit dem Beginn der Expansion von etwa 5
Milliarden
Jahren, nach den neuesten Zahl vielleicht auch 10 - 15 Milliarden.(178)
Die Theorien über die Sternbildung gehen von Ambarzumjans
»Protostern«-These
(ein Stern mit kleinem Radius und großer Dichte schleudert in
birnenhalsförmigen
Fortsätzen gesammelt abfallende Materie ab, woraus sich
Planeten bilden)(179)
über die Bildung aus ständig neuentstehenden
Atomen(180) bis
zu Weizsäckers Verdichtungsthese (Abfolge von Wolkennebeln aus
Gas
und Staub, Verdichtung zu Rotationsfiguren durch Gravitation
(Spiralnebel
etc.) bis zur kompakten Kugel (Sonnen), die in ständiger
Kernreation
Energie abstrahlen und immer dichter werden (Weiße Zwerge)
und quasi
ausglühen).(181)
Es gibt die 'roten und gelben Riesen', so groß, daß
in
sie die Erde und Sonne hineinpassen und die Erde ihren Sonnenumlauf
machen
könnte, und es gibt Hauptreihensterne, innen glühend
mit ca.20
Millionen Grad, die größten und hellsten 30 Mal
schwerer als
die Sonne, die kleinsten ein viertel Sonnenmasse, und eben die
'Weißen
Zwerge', von denen 1 qcm schon mehr als ein Doppelzentner wiegt.(182)
Unsere
Milchstraße als eine von ca.100 Millionen anderen und oft
viel größeren
Galaxiesystemen besteht aus etwa 100 Milliarden Sternen von der Art der
Sonne, die aus interstellarem Gas und Staub durch Gravitation
verdichtet
sind.(183)
Wir haben noch nicht gelernt, mit solchen Dimensionen geistige
Vorstellungen
zu verbinden, es ist uns so abstrakt wie 6 Millionen Juden. Eine
angemessene
Vorstellung des Kosmos dürfte im Gegensatz zum
Abrahamsegenshinweis
ein atemraubendes, rauschähnliches Transzendenzerlebnis
hervorrufen.
M.E. ist daher die drogenhafte Attraktion unserer Science-Fiction-Filme
zu verstehen. Nach dem 2. Thermodynamischen Hauptsatz ist die Expansion
den Kosmos und alle übrigen Prozesse der Materie irreversibel
und
die Entropie wächst, also die Systemkomplexität.(184)
Unwahrscheinlichere
Zustände werden durch wahrscheinlichere, d.h. ungeordnetere,
abgelöst.
Nach dem 2. Hauptsatz der Nichtrückumsetzbarkeit von
Wärme in
Bewegung ohne Restenergie ist der Wärmetod des Kosmos das
wahrscheinliche
Ende der Galaxiefluchten.(185) Der Kosmos hat demnach eine einmalig
ablaufende
Geschichte mit einem Ende. Aus verdichtetem Sonnennebel (Kuiper) oder
kondensiertem
Staub des Nebels (Weizsäcker) haben sich unsere Planeten
gebildet.(186)
Durch Messung der Halbwertzeit des Uran ist man neben anderen Methoden
auf ein Erdalter von ca. 4 Milliarden Jahren gekommen.(187)
Die Entstehung von hochkomplexen Formen der Materie ist durch Manfred
Eigens Theorie der Selbstorganisation der Materie zu einem
autokatalytischen
System mit Stoffwechsel, Vermehrung und Mutation als
grundsätzlich
unabwendbares Ereignis(188) gegen die Auffassung seines Freundes J.
Monod
vom nichtnotwendigen, zufälligen und sinnlosen Versehen der
Natur(189)
erhärtet worden. Das, was wir Leben nennen, ist kein Sprung
der Natur,
sondern Produkt kontinuierlicher Entwicklung.(190)
Die jeweiligen Formen des Lebens sind aus einem Gemisch von Selektion,
Mutation und Zufall in jeweils komplexere Formen übergegangen;
Darwins
Selektionstheorie und Haeckels Abstammungsmorphologie, beide mit
pantheistischem
Einschlag(191), werden damit bestätigt.(192) Es bleibt bei
alldem
die Frage, ob die klassischen philosophischen Kategorien von
Kausalität,
Notwendigkeit, Kontingenz, Zufall als entscheidbare Alternativen
überhaupt
angemessen sind oder nicht vielmehr durch eine quantentheoretische
Logik
zeitlicher Aussagen(193) die Kategorie der Wahrscheinlichkeit als
relativer
Häufigkeit von Ereignisverläufen kompetenter
wäre.
Wir Theologen hätten uns im Denken mit Wahrscheinlichkeit
vermutlich
erst zu schulen. Daß Kausalität deistisch zur
Garantie Gottes
(und umgekehrt! ) gemacht wurde, Kontingenz in mieser Abwehr von
Theodizeefragen
zum Signum der Freiheit Gottes gemacht werden konnte, zeigt die
Beliebigkeit
von Modalaussagen für die prinzipielle Möglichkeit
von Theologie.
Im Übergangsfeld traditioneller Logik hätte einzig
negative Dialektik
noch Sinn in der Vernetzung beider Modi.(194)
3.
Konsequenzen für christliche
Theorie und Praxis zurück
3.1. Möglichkeit von Schöpfungstheologie heute
Mittelalterliche Naturwissenschaft hat sich nahezu ausnahmslos als
Schöpfungstheologie formuliert. Kaum anders zeigen heute
Dirac, Jordan,
Heisenberg, Bohr, Planck, Weizsäcker, Müller, Altner,
Illies,
Howe u.a. eine überraschende Offenheit für die
prinzipielle Möglichkeit
von Schöpfungstheologie. Gott als
Lückenbüßer noch
ungeklärter Hypothesen zuzulassen, ist von theologischer Seite
- Bonhoeffer
- aus bestritten worden um Gottes willen.(195) Demgegenüber
hat sich
die vermeintlich 'Dialektische' Theologie in agostizistischer Weise mit
dem Vorwand arbeitsteiliger Freigabe der Naturwissenschaften dem
interdisziplinären
Diskurs verweigert, zu dem Günther Howe mit seinen
jahrzehntelangen
Physiker-Theologen-Gesprächen eindringlich geworben
hatte.(196)
So sehr dabei etwa Barths Ansatz gegenseitiger Bedingung von
Schöpfung
und Bund mit der Konsequenz einer Einheit von Schöpfung und
Erlösung
und dem nur glaubbaren Sinn von Schöpfung als Wohltat
gegenüber
der Brunnerschen Schöpfungsordnungstheologie befreiende
Wirkung haben
mag, so wenig verdient er Beachtung für
interdisziplinär offene
Diskussion, weil Barth selbst sich sowohl guten Willens wie auch
nötiger
Kompetenz entschlagen zu müssen glaubte.(197) Freilich kann
eine der
analogia fidei nachdenkende Ohristologisierung der Welt keinen Blick
mehr
haben für Naturwissenschaften, noch weniger für Natur
selbst,
und am wenigsten für das sog. Nichtige in ihr, welches dank
Kreuz
Ohristi seinen seinerseits nichtigen Sitz im System zugewiesen bekommt
und - zumindest im supralapsarischen Höhenflug des Glaubens -
erledigt
wird.(198) Weil Barth sich von den Naturwissenschaften nicht in Frage
stellen
läßt, verdient er nicht, befragt zu werden!(199)
Als Vorreiter der Synthese von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen
und Theologie kann Karl Heim gelten, wenn auch bei ihm die Auswahl
berücksichtigter
Physik und Biogenetik recht eklektisch und weniger
integrativ-konsequent
durchgeführt wird und es oft den Anschein einer Garnierung von
Theologie
mit physikalischer Terminologie hat.(200)
Methodisch sauber hat als erster wohl Wolfhart Pannenberg anhand der
Weizsäckerschen Geschichte der Natur
Schöpfungstheologie reflektiert.
Er geht von der Alternative: Weltgeschichte
notwendig-kausal-determinierte
oder kontingente Abfolge? aus und spricht auch Jahwe beide Momente
zu.(201)
Die Rettung der Kontingenz um Jahwes
Schöpferspontanität will,
läuft über den Griff in die metaphysische Trickkiste:
Daß
überhaupt Kausalität herrscht, ist reiner Zufall; auf
theologisch:
freie Schöpfertat Gottes.(202) Damit ist die physikalische
Frage nach
dem Gemisch von Zufall und Notwendigkeit eben doch verkannt und auf
Heideggersch
gemodelt: Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?
Der
»Charakter der schaffenden Liebe gibt dem
anfänglichen (!) kontingenten
Akt Dauer und Verbindung mit Gesetzlichkeit.(203)
Ich halte es für fragwürdig, in der Explosion des
All, den
Jahrmilliarden unbelebter Glutmaterie nach Art der Atombombe Gottes
schaffende
Liebe zu entziffern. Dieser Teil der Naturgeschichte ist vom Menschen
aus
weder als Wohltat noch als Liebe, sondern eher als schauerlich und
grauenvoll
wahrzunehmen. Mit der Präsupposition von Kontingenz vor
Kausalität
postuliert aber Pannenberg implizit einen absoluten Anfang des Kosmos
und
die Berechtigung dazu gibt höchstens die strittige und dem
Energie-Materie-Erhaltungsgesetz
widersprechende Uratomhypothese mit der Annahme einer
tatsächlichen
creatio ex nihilo.(204) Eine etwaige, mit einem
Expansions-Kontraktions-Modell
(Bonnor) begründbare Unendlichkeit des Kosmos würde
dennoch die
Geschöpflichkeit gegenüber Gott nicht verlieren
müssen,
weil es zwei verschiedene Arten von Unendlichkeit geben könne,
deren
eine der anderen gegenüber noch einmal vergleichsweise endlich
sein
könnte.(205) So stellt Pannenberg Gottes Ewigkeit als eine Art
Metazeit
dar, als 5. Dimension einer weiterfabulierten
Relativitätstheorie.(206)
Aus Gottes ewiger Zeit als Summe aller Zeit in einem Zeitpunkt
fließt
schöpferisch die jeweilige Gegenwart; Emanation, nicht
Relativitätstheorie,
die über Metazeit gar keine Aussagen
zuläßt, steht hier
Pate. Partizipation der Wissenschaft an dieser Ewigkeit durch Wissen um
Zuvor und Danach(207) verrät eher Weisheitstheologie des AT
oder szientivischen
Wunderglauben als nüchterne Sicht der Begrenzthei t unseres
Wissens.
Pannenberg will also der Gefahr der Unendlichkeit der Welt und ihrer
Bedrohung
des Schöpfers entkommen durch ein
übergeschichtliches, in Geschichte
einwirkendes Sein Gottes. Solches einwirkendes Sein wäre nur
durch
den Erweis einer Evolution und teleologischen Geschlossenheit des
Systems
Welt zu widerlegen.(208) Jede nur auffindbare Kontingenz wird
für
Pannenberg zum Gottesbeweis! Falls irgend die Rede von menschlicher
Freiheit
Sinn haben sollte, wären hier Kontingenzfaktoren notwendig;
gerade
sie müßten dann als Gottes geschichtliches Handeln
aufgefaßt
werden: was dem Jahwisten Grundbedingung zur Sünde war, wird
hier
zur Gottesgarantie.
»Erst mit der Entstehung des Menschen und mit der Aneignung
der
Natur durch den Menschen erlangt der Weltprozeß als ganzer,
rückwirkend
vom Menschen her, seinen Zusammenhang in sich selbst. Das geschieht
durch
die menschliche Erkenntnis der Natur ebenso wie durch die damit
zusammenhangende
Herrschaft über sie. In diesem Sinne läßt
sich... von einer
Geschichte der Natur auf den Menschen hin sprechen.«(209) Sie
ist
erst vom Ende her vollständig zu erkennen.(210) Pannenbergs
Programm
einer Universalgeschichte auf den Menschen hin mag gute Hegelmanier des
im Menschen zu sich selbst als Bewußtsein kommendeu
Weltgeistes sein,
doch ist im Kosmos ein Planet, auf dem Leben entsteht, die
große
Ausnahme des Materieverhaltens, also zugegeben kontingenter als
Sonnenevolutionen.
Aber das berechtigt nicht dazu, Leben als den inneren Zusammenhang der
Galaxien anthropozentristisch zu postulieren. Eine
evolutionäre Ausnahme
Planet kann nicht Ziel einer Regel sein, die die Ausnahme zwar duldet,
aber auch nicht erkennbar auszeichnet. Naturwissenschaftlich kann der
Mensch
wohl als Produkt, eher Nebenprodukt des Kosmos (um Monods
»Panne
zu umgehen) evolutionär hergeleitet werde, nicht aber als
Hauptziel
und Krönung. Es fragt sich weiter, wie jemals das dominium
terrae
auf das gesamte All übertragen werden kann und ob dies nicht
unweigerlich
die Katastrophe der Erdbevölkerung wäre, weil ja
schon unsere
jetzige bescheidene Mondfahrt soviel Ressourcen verschlingt,
daß
mit ihnen das hungernde Menschheitsdrittel gesättigt werden
könnte.
Pannenberg verfällt, in Abwehr von Pantheismus, der crux
hegelscher
Geschichtstheodizee: »Dieser Weg hat seine Einheit erst recht
nur
unter der Voraussetzung Gottes, der die kontingente Abfolge der
Gestalten
auf den Menschen hin geordnet hat, sodaß sie von ihm her
rückwärts
als sinnvoller Geschehenszusammenhang erfaßbar wird und durch
sein
Erkennen und Handeln gestaltet und vollendet wird.«(211) zurück
Pannenberg verschweigt Entropie und Wärmetod. Ist das die
Vollendung?
Der Begriff Vollendung und jegliche Apokalyptik dürften
naturwissenschaftlich
als sehr unwahrscheinliche Zustände gelten. »Die
Behauptung
eines in der Geschichte sich manifestierenden und sie zusammenfassenden
Weltplans zum Besseren wäre nach den Katastrophen und im
Angesicht
der künftigen zynisch... Keine Universalgeschichte
führt vom
Wilden zur Humanität, sehr wohl eine von der Steinschleuder
zur Megabombe.«(212)
Die Crux der Geschichte als bisher mißlungener
Schalomgeschichte
und äußerst labiler Schöpfungsbewahrung
durch den erhaltenden
Schöpfer sieht Ebeling auch sehr deutlich. Er bezweifelt die
rechte
soteriologische Wirkung einer progredierenden Offenbarung Gottes in der
Geschichte als retrospektiver Erweis von auch anfänglicher
Schöpfermacht
und Erhalterfürsorge. Universalgeschichte stellt (als
Geschichte universalen
perennierenden Leidens) vor das Problem der »Eliminierung des
Bösen«.
»Sie wäre überdies ein recht
fragwürdiger Trost für
den, der sich über seine eigene Sünde und sein
verfehltes Leben
durch ein universalgeschichtliche Antizipation hinweghelfen lassen
soll.«(213)
Mit Bewahrung der Schöpfung durch den Schöpfer ist
sicherlich
mehr intendiert gewesen in den biblischen Bundesschlüssen
Gottes mit
seinem Volk als Schalomabsenz und auf Dauer gestellte Prolepse eines
gerade
nicht auf Dauer gestellten Heils der Endzeit - nicht auf Dauer, weil
Endzeit
das Nicht-Weitergehen von Geschichte bedeutet. Demgegenüber
verdunkelt
Welterfahrung, nicht nur das Beben von Lissabon, die
allmächtige Schöpfergüte
zum unheimlich geheimnisvollen Janusgesicht Jahwes: »Wenn
Gott ernst
genommen wird, so muß sein Zusammensein mit der Geschichte
lückenlos
als sein Wirken aufgefaßt werden. Man darf sich auch nicht
scheuen,
die schrecklichsten, schauderhaftesten Aspekte der Geschichte auf Gott
zurückzuführen, wenn auch umso
erschrockener.«(214) Biblischen
Anhalt hat diese Integration der Theodizeefrage in die unheimliche
Geheimnishaftigkeit
Gottes an Israels Jahweerfahrung, die Amos zu der merkwürdig
anmutenden
Kombination »Unheil schaffen«(215) verdichtet.
Ebenso - soll man es als analogia entis auslegen? - ambivalent, als
Lebensschützerin mit Segen und als Bedrohung, ist menschliche
Naturerfahrung.(216)
Die entzaubernde Wirkung des Herrschaftsauftrags von P (Gen 1,28), die
dem Menschen Natur als bloße Materie zur Ausbeutung
überantwortete,
hat, in den krönenden Erfolgen der objektivierenden
Naturwissenschaften,
in letzter Konsequenz endlich zu einer Entzauberung der menschlichen
Ausbeuterherrlichkeit
geführt »Und wenn sich der Mensch auch noch so sehr
der Natur
entfremdet und von ihr entfernt, entläßt sie ihn,
den vermeintlichen
Herrscher über sie, doch keinen Augenblick aus ihrer Gewalt
und fügt
ihn sich wieder ein als Staub zum Staube.«(217) Die nukleare
Zer-Stäubung
des Menschengeschlechts würde vielleicht alles Leben hier
vernichten,
im Gesamtkosmos jedoch völlig irrelevant sein.(218) Die
atomare Vernichtung
der höheren Lebewesen würde, nach Monods Diktum, eh
nur eine
Art Versehen der Natur rückgängig machen.
Soweit ich absehe, hat alle durch Gen 1 zur mittelalterlichen
dominium-terrae-Ideologie
inspirierte Entzauberung und Entmythologisierung der Natur, die sich
heute
bis in Unschärferelation und Komplementarität des
widersprüchlichen,
sich gegenseitig ausschließenden Korpuskel-Welle-Dualismus
und der
Entdeckung von Information in Molkularstrukturen fortsetzt,
für eine
Art Erkennbarkeit oder Ableitbarkeit des Schöpferseins Gottes
aus
der Natur bestenfalls die weltliche Nichtnotwendigkeit Gottes(219) oder
schlechterenfalls die Schädlichkeit der Faktizität
der Welt für
die Glaubwürdigkeit der Schöpfergüte(220)
Gottes erwiesen:
»Eine Theologie der Natur, die Gott im unmittelbaren oder
wissenschaftlich-technischen
Umgang mit Natur zu erfahren und von dieser Erfahrung her Natur recht
wahrzunehmen
versucht, erfährt Entfremdung, Rätsel, Zwiespalt,
Fraglichkeit
und darin allenfalls den abwesenden, den verborgenen
Gott.«(221)
Gott ist weltlich nicht notwendig, also kein
Lückenbüßer,
nicht einmal für das, was uns heute im begrenzten Stand
unseres Wissens
als kontingent erscheint; es käme darauf an, zu sehen, wie
kontingent
es ist und wie es kontingent ist, also: hin zu den Sachen, konkret
zeigen,
wo Kontingenzfaktoren liegen, vom Tier-Mensch-Übergang bie zum
Erdbeben
in Süditalien. Gott ist für die Geschichte nicht
notwendig. Daß
Naturgeschichte mit einer sowieso vermutlich nur relativ kurzen
Eskapade
einer Menschengeschichte auf dem P1aneten Erde im Sonnensystem in der
Milchstraße
in der Metagalaxie irgendwo im milliardenjährigen Kosmos sehr
gut
auch ohne jede Sekunde Heilsgeschichte auskäme, darf man
unbeschritten
hinnehmen. Gott ist weltlich nicht notwendig im Sinne der Verborgenheit
als Geheimnis der Welt, also nicht Rätsel, was ja
wissenschaftlich
lösbar wäre.(222)
Gottes weltliche Nichtnotwendigkeit ist Zeichen seiner Freiheit
gegenüber
der Welt und ihren Bedingungen; aber schon Hegel nannte als Kehrseite
absoluter
Freiheit den Schrecken. Damit ist die von Physikotheologen wie Kepler
adaptierte
alttestamentliche Selbstoffenbarung der Schöpfung durch
Weisheit ins
rechte Licht eines dubiosen Herrschaftswissens gerückt, in
welchem
es für sehende Augen immer schon schien. Wie es Evolution nur
als
Vernetzung von Kausalität und Kontingenz gibt, die angemessen
wohl
am ehesten von einer informationstheoretischen Kybernetik der Wahrheit
beschrieben wird, so ließe sich das erhaltende
Schöpferhandeln
Gottes in der Geschichte nur als Heil und Unheil wirkendes Tun (Jes
45,7)
im Sinne von Dtjes und Amos beschreiben.(223)
Es dürfte deutlich geworden sein, daß
Schöpfung »kein
einmaliges Ereignis«(224), sondern, in Einheit von Gen 1-3
mit Gen
4-11, nur die Ouvertüre, mit der »der Prospekt der
Geschichte
eröffnet« wird(225), der äußere
Grund des Bundes(226)
einer Geschichte ist, in der Gott unablässig neu schafft, wie
Luther
sagt.(227) »Der Schöpfer behält die Welt in
seinen Händen.«(228)
zurück
Erhaltung und Bewahrung ist die zeitliche Transformation des
Schöpfungsbegriffs.(229)
Die Geschichtlichkeit des Schöpfungsprozesses,
naturwissenschaftlich
durch den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik und die Rotverschiebung
im
Spiralnebelspektrum, biogenetisch durch Eigens
Selbstorganisationstheorie
makromolekularer Materie erhärtet, wird theologisch in der
Lehre vom
Fall begriffen. Man wird von der billigen Klischeebildung der
Sünde
als Verletzung einer objektiven göttlichen Ordnung abgehen
müssen
mit Tillichs dialektischem Hinweis, daß Sünde sich
konsequent
aus dieser Ordnung entwickelt hat: »Vollkommen entfaltete
Geschöpflichkeit
ist gefallene Geschöpflichkeit. Das Geschöpf hat
seine Freiheit
verwirklicht, insofern es außerhalb des
schöpferischen Grundes
göttlichen Lebens lebt.«(230)
»Kreatürliche Freiheit
ist der Punkt, an dem Schöpfung und Sündenfall
zusammenfallen.«(231)
Religionsgeschichtlich sind die Schöpfungsmythen selbst die
entzaubernde
Trennung vom paradiesischen Einssein mit der Natur. Ihre
aufklärerische
Objektivationstendenz der Natur gegenüber ist
philosophiegeschichtlich
Motor moderner Naturbeherrschung gewesen. Damit bildet die auf Gen
1,26ff
basierende Schöpfungstheologie alter Zeit selbst ein Moment
der Sünde
als einem Entfremdungsprozeß innerhalb der Geschichte. Was
Gen 3
und 4 exemplarisiert vereinmaligen, meint faktisch die dunkle Seite der
Evolution des menschlichen Kulturbetriebs. Dialektik der
Aufklärung
schlägt um in Barbarei.
In noch so objektivierter Naturbeherrschung schlägt das Objekt
- Natur - als beherrschen Macht auf der Subjektseite durch. Das Grauen,
dem Technik und Wissenschaft als Ideologie heute meinen, beigekommen zu
sein, reproduziert seine blinden Zwänge in der Eigendynamik
von Wissenschaftsbetrieb,
Technologiewettrüsten und frei (von wenigen gelenktem)
marktwirtschaftlichem
Verwertungsprozeß von Geld und zur Materie degradierten Waren
der
Spezifikation »Arbeitskraft«.
»Aufklärung ist mehr
als Aufklärung, Natur, die in ihrer Entfremdung vernehmbar
wird...
Naturverfallenheit besteht in der Naturbeherrschung, ohne die Geist
nicht
existiert.«(232) »Im Fortschritt der
Industriegesellschaft,
die doch das von ihr selbst gezeitigte Gesetz der Verelendung
hinweggezaubert
haben soll, wird nun der Begriff zuschanden, durch den das Ganze sich
rechtfertigte:
der Mensch als Person, als Träger der Vernunft. Die Dialektik
der
Aufklärung schlägt objektiv in der Wahnsinn
um.«(233)
Der Jahwist ist entgegen der monotonen priesterlichen Leier des
»Es
war gut« realistisch: Er erzählt die
Schöpfung, wenn auch
in heute kunstgewerblich netter Kulisse, als Geschichte eines
zunächst
mißlungenen Versuohs Gottes, dem Menschen eine
erfüllende Existenz
zu geben, die, wo sie endlich mit der prachvollen Eva gelungen ist,
sich
gegen Gott kehrt. Hier ist Schöpfung als experimentum mundi et
hominis
in seiner ganzen Zweideutigkeit verstanden worden: Schöpfung
kann
mißlingen, prinzipiell gegens Princeps sich kehren. Naiver
Fortschrittsoptimismus
der priesterlichen Affirmation »Sehr gut«
fällt hier völlig
weg.
Eben diese optimistische Naivität kennzeichnet - bei aller
Versiertheit
eines Paläanthropologen - die sakramentalistische
Evolutionstheologie
des Jesuiten Pierre Teilhard de Chardin. So ausgemacht die
Möglichkeit
eines Punktes Alpha, Kosmogenese der Geosphäre, Biogenese der
Biosphäre
und Noogenese der Noosphäre sein mögen - die
Konvergenz dieser
Entwicklung hat eben keine auszumachende Notwendigkeit einer
eschatologisch
vergeschichtlichten Christogenese zum Punkt Omega in sich. So offen
Teilhard
gegenüber nicht individualistisch verengten
Gesellschaftsformen marxistischer
Prägung ist, so blind ist er fär die
totalitäre Allmacht
folternder Kollektive, sei es dominikanische Inquisition oder
amerikanischer
Atombombenabwurf in Japan.(234)
Im Sinne der Vermeidung der Glorifikation einer in sich eben nicht
eindeutig teleologischen Hominisierung und Humanisierung führt
die
amerikanische Prozeßtheologie, ähnlich wie Tillich,
Gott als
»letzte Begrenzung, für die kein Grund angegeben
werden kann«(235),
also als kritisches Prinzip, in den Prozeß der
Verwissenschaftlichung
der modernen Welt ein. »Gott ist nicht konkret, aber er ist
der Grund
der konkreten Wirklichkeit.«(236) Als »Grundlage
aller Vernunft«
ist er zugleich »letzte Irrationalität«.
(237) »Wird
Gott aber als die höchste Ursache der Begrenzung
aufgefaßt,
so liegt es gerade in Seiner Natur, das Gute vom Bösen zu
scheiden
und die Vernunft als `Herrscherin im höchsten Reich'
einzusetzen.«(238)
So kann Whitehead Religion im Aufklärungsprozeß eine
kritisch-avantgardistische
Befreiungsfunktion zuerkennen, die quasi das antiszientivistische
Programm
negativer Dialektik voll durchhält: »Die Religion
ist in die
menschliche Erfahrun eingedrungen, vermischt mit den rohesten
Vorstellungen
barbarischer Phantasien. Stufenweise, langsam, stetig kehrt die Vision
im Lauf der Geschichte in edlerer Form und mit klarerem Ausdruck
wieder.«(239)
So transzendieren Bloch und Moltmann mit dem Satz
grundsätzlicher
Vereitelbarkeit der Hoffnung sowohl den thomistischen bis Bultmannschen
Ansatz kreisförmig verlaufender Geschichte, in der - analog
dem Mythos
ewiger Wiederkehr (Eliade) - das Ende Neuauflage des Anfangs,
restitutio
in integrum ist.(240) Schöpfung ist protologisierte, ist
Eschatologie
in Spiegelschrift: Als Anfang wird beschrieben, was vom Ende erhofft
wird.
Darin besteht die soteriologische Funktion der
Schöpfungsmythen. Die
Vision von Jahwe, der mit Adam im Garten spazieren geht (Gen 3), ist
Symbol
eschatologischer Symbiose von Gott und Mensch: im himmlischen
Jerusalem,
im neugeschaffenen Himmel und Erde wohnt Gott unter uns wie in Eden,
ist
alles in allem (Apk 21,3-28), werden Herrschaft, Obrigkeit, Gewalt, Tod
und Tränen weggewischt, geht Gott mit uns Hand in Hand wie in
der
Mitte der Zeit, in Jesus, dem Freund der Kinder, Frauen, Armen und
Beladenen.
Bloch: »Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am
Ende...
so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und
worin
noch niemand war: Heimat.«(241) zurück
Moltmann greift die informationskybernetisch gefaßte
Entropie(242)
geschlossener Systeme auf: »Weil verschlossene Systeme aber
nur durch
erneute Kommunikation mit anderen (J.M.) geöffnet werden
können,
ohne zerstört zu werden, geschieht die Öffnung zu
Gott durch
das Leiden Gottes an der Verschlossenheit.«(243) Wie Jesu Tod
als
Leiden an der zur Inhumanität erstarrten jüdischen
Gesellschaft
in Form des provozierten und provozierenden Auferstehungskerygmas Grund
legt für die Bildung eines neuen, kreativen
Lebenszusammenhanges,
den Lukas als urchristlichen Kommunismus beschreibt, so hat jeder
schöpferische
Prozeß die dialektische Kategorie aufgehobenen Leidens in
sich bewahrt
- Zentralnerv von Adornos Ästhetik.
Damit ist Schöpfung nun christologisch eingeholt (auch ohne
Barth)
in die Friedensutopien der eschatologischen Neuschöpfung in
Dtjes
und den Paulinen bis zu Apk 21. Das Leiden der Schöpfung
beantwortet
der Schöpfer mit seinem eigenen Leiden. Der Tod Jesu als
Antwort auf
das Leiden der Welt und das Leidenmachen der Menschen ist in alle
Negativität
Ausdruck von Gottes neuer Position: In seinem Leiden wird er
solidarisch
mit der leidenden Schöpfung. Man kann diese abstrakten
Wortübungen
mühelos darlegen an fast jeder Evangelienperikope.
Die Zentralstelle ist jedoch Rm 8, in der die pneumatologische
Solidarität
Gottes mit der unter der Entfremdung Adams vom Urgrund leidenden und
gequälten
Natur gottesdienstlich erfahren und vermittelt wird. Die Christen, und
damit sind wir bei schöpfungsethischen Konsequenzen, sind
beschrieben
als Teilnehmer am Prozeß der Solidarität Gottes mit
der leidenden
Kreatur. Als Interzessoren haben sie ein doppeltes Stellvertreteramt,
welches
die neue Füllung des gottesebenbildlichen Herrschaftsauftrags
von
Gen 1,26ff bildet: Mit ihren glossolalischen Schreien bitten sie vor
Gott
für die Schöpfung, mit ihrem neuen Gehorsam treten
sie vor der
Schöpfung für die Solidarität Gottes mit
dieser ein.(244)
Während diese Dimension eine kreative Gegenperspektive gegen
die
bisherige tatsächliche kulturelle Entwicklung des Systems
Schöpfung
ist, bringt Moltmann die biblischen Friedensbilder der erhofften
Weltvollendung
mit Entropiesatz und Futurologie in Korrelation: »Weil jede
Realisierung
von Möglichkeit durch offene Systeme neue Offenheit
für Möglichkeit
schafft und keineswegs nur Möglichkeiten verwirklicht und
Zukunft
in Vergangenheit überführt, kann man sich das Reich
der Herrlichkeit,
das den Schöpfungsprozeß durch die Einwohnung Gottes
vollendet,
nicht als endlich zum Abschluß gebrachtes und also
geschlossenes
System vorstellen, sondern als die Offenheit aller endlichen
Lebenssysteme
für die Unendlichkeit, Das schließt allerdings ein,
daß
man das Sein Gottes nicht mehr als die höchste Wirklichkeit
für
alle verwirklichten Möglichkeiten, sondern die die
transzendente Ermöglichung
aller möglichen Wirklichkeiten denkt.«(245)
In die Zukunft wachsende Entropie läßt also den
informationstheoretisch-kybernetischen
Schluß zu, daß die Vollendung, von der die
Apokalyptik phantasiert
in mächtigen Bildern, gerade keine Definition, sondern eine
Infinition
ist. Mit wachsender Fülle der Seinsmöglichkeiten
nehmen aber
auch die menschlichen Möglichkeiten zur Katastrophe zu. Darum
ist
die Zukunft, auch und gerade mit Schalom als optimal-optimistischer
latenten
Prozeßtendenz, grundsätzlich unausgemacht. Wo das
Rettende wächst,
gedeiht auch das Grauen. Darum kann mag an den Sieg des Friedens
Gottes,
ans Gelingen der neuen Schöpfung, nur glauben. zurück
3.2.
Notwendigkeit von
schöpferischer Befreiungspraxis
Die Möglichkeit mehrfacher Vernichtung allen Lebens auf der
Erde lauert
in den bisher vorhandenen Nuklearwaffen. Es werden unentwegt mehr
gebaut.
Von dem dafür investierten Geld könnte man
müheloe in kürzester
Zeit den Hunger der größeren Welthälfte
strukturell beseitigen.
Dies geschieht nicht. Die satte Mehrheit der satten kleineren
Welthälfte
hat sich entschieden, vom Frieden und von Gerechtigkeit zu reden und
flir
die egoistischen, familiären oder nationalen
weltinnenpolitisch partikularen
, Sicherheits-Interessen zu sorgen. Die natürliche
Schöpfung
iet gemäß Gen 1, 28 niedergetrampelt. Für
die Herrentiere
der Rasse Mensch beginnt sich die gegen sie selbst gerichtete Dialektik
dieser Naturbeherrschung langsam auszuwirken. Es gehört zur
inneren
Logik der krampfhaft aus Gen 1,26 deduzierten
Geringerschätzung des
Tierreichs, daß sie kulturell imitiert wird: Dem Zerfall des
profanen
Schlachtetabus, der serienmäßigen Fleischproduktion
entspricht
die staatlich-bürokratisch verwaltete Betreibung von
Menschenschlachthäusern
der SS-Eliten. Die Christen haben dazu mehr gregorianisch gesungen als
für die Juden geschrien.
Die Unterdrückung, die an den Tieren eingeübt wurden,
haben
die Herren an den Knechten ausgeübt. Darum sind solidarische
Partnerschaften
zwischen Mensch und Mitmensch nicht ohne die Solidarität mit
der Natur
möglich. Denn der Mensch ist Natur. Moltmann betont,
daß nach
biologischen Erkenntnissen Symbiosen eine größere
Überlebenskraft
haben.(246) Tillich stellt mit Paracelsius, Böhme und
Schelling die
Frage nach »gegenseitige(r) Partizipation von Mensch und
Natur«(247)
und fordert, »daß das Element der Partizipation in
der Polarität
von Individualität und Partizipation viel ernsthafter
erörtert
werden muß im Hinblick auf die gegenseitige Partizipation von
Natur
und Mensch.«(248) zurück
Die cartesische Objektivation von Natur als res extensa, von der der
Mensch mit Gen 1,26ff als »maître et possesseur de
la nature«
im Dienste eigener Bedürfnisse nutznießen soll mit
Hilfe der
Naturwissenschaften, zeigt noch einen
»unaufgeklärte(n) Glaube(n)
an den Nutzen der wissenschaftlichen Weltbeherrschung.«(249)
»Der
Bau der Atombombe hat deutlich gemacht, daß in der Welt, in
der wir
leben, die Laboratorien und Institute ihrem Selbstverständnis
nach
unpolitischer Wissenschaftler zu Zentren einer planetarischen
Revolution
geworden sind, deren Auswirkung und deren Tiefgang alles, was man
bisher
Revolution genannt hat, hinter sich lassen.«(250) Nach dem
Fall Oppenheimer
gilt es, »jene blinde Irrationalität, die heute die
Evolution
der Wissenschaft bestimmt, zu durchbrechen und menschlicher
Verantwortung
eine Sphäre zu öffnen, die sich bisher der
Verantwortung entzogen
hatte.«(251)
Opas Chemiestube ist tot. Moderne Großforschungsprojekte
erfordern
Milliarden Staatssummen. Darum fällt vor allem auf die
Gremien, die
solche Projekte vergeben, Verantwortung.(252) Howe hat
unermüdlich
die Kirche zur Verantwortung aufgerufen - ohne Erfolg(253), denn sie
»ist
aus Mangel an gegründetem Sachverstand vollends nicht
qualifiziert,
sich zu Entscheidungen zu äußern, in denen
über die Zukunft
von ganzen Völkern verfügt wird.«(254) Das
muß sioh
ändern!
Überleben, A. M. K.Müllers Zentralthema(255), ist die
»durchaus
adäquate Kennzeichnung der globalen Zielsetzung heutiger
Wissenschaft.«(256)
Trotz des Fortbestehens vom »Reich der
Notwendigkeit«, mit
seinem Zwang zur Naturausbeutung(257) äußert A.
Schmidt die
Hoffnung, »daß die Menschen, wenn sie einmal durch
ihre Gesellschaftsform
nicht länger dazu gehalten sind, einander primär
unter dem Aspekt
ökonomischer Nutznießung zu betrachten, auch den
äußeren
Dingen etwas von ihrer Eigenständigkeit, von ihrer
Realität zu
lassen vermögen.«(258)
N. Bohr hat den Gedanken cartesisch-kantischer Aseität des
Objekts
angesiohts des unausrottbaren Subjektanteils mikrokosmischer
Experimente
(Korpuskel-Welle ale Frage der Versuchsanordnung, d.h. des
Beobachtersubjekts;
Konsequenz komplementärer Aussagen) für
überholt erklärt.
(259) Dingliche Objektivation versagt.(260) In Erfahrung liegt immer
eine
(bestimmbare: Heisenberg) Unschärfe. Das involviert den
Hegel-Schelling-Gedanken
möglicher Subjektivität der Natur, den Bloch betont
aufgreift(261)
und in die marxsche Frühutopie von Resurrektion der Natur,
Naturalisierung
des Menschen, Humanisierung der Natur als möglicher
Versöhnung
einfügt.(262)
Erst diese neue Perspektive der Natur als Partner des Menschen
über
Schoßhund und Tierschutz bis zum möglichen Verzicht
auf Fleischproduktion
(Soja-Ersatz!) stellt die volle naturwissenschaftliche Wahrheit dar.
Jes
11 war damit weiter als wir. Ist die Natur unser Partner, so verleitet
ihr Leiden uns zur Sympathie, zum Mit-Leiden um der Aufhebung des
Objekts(263)
willen. Das ist in Rm 8, 18ff von Paulus reflektiert im Rahmen
gottesdienstlicher
Praxis. Pauli Erkenntnisfortschritt ist die Wahrnehmung der Natur als
Leidender(264),
als Subjekt. Wir müssen heute über gottesdienstliche
Glossolalie
und reine Fürbitte hinauskommen zu einer antiszientivistischen
und
umweltfreundlichen Solidarität mit der
Schöpfung.(265)
Sie findet Ausdruck im Verzicht auf Fleisch als biologisch nicht
notwendiger
Luxusnahrung, in sanfter Technologie (gerade für die 3. Welt
optimal!)
mit Sonnenkollektoren, Windrädern, Wärmepumpen,
Wärmeisolierung
der Häuser, Verzicht auf Tiefkühltruhen und
energieaufwendige
Geräte, Umsatteln auf öffentlichen Verkehr oder
Fahrrad, Stopp
der Rüstungsproduktion, Verzicht auf Kernkraftwerke, solange
nicht
mögliche Unfallquellen restlos bezeitigt sind.
Wenn es Zeichen des Glaubens gibt, dann gehört ein solches
Verhalten
als Ziel zum heutig sachgerechten Ausdruck des Glaubens an Gott den
Schöpfer,
der seine Gemeinde in den neuen Gehorsam berufen hat, und der nicht
will,
daß wir uns und unsere Mitgeschöpfe töten.
4. Konzeption
des Gemeindevortrags
4.1. Methodische-didaktische Vorüberlegungen zurück
Die Bielefelder Matthäusgemeinde ist es gewohnt,
während ihrer
Sozialseminare im Saal verteilt in Kleingruppen um Tische je
für sich
geschaart zu sitzen. Ich greife diese Form auf. Eine Schwierigkeit
traditioneller
Vorträge, besonders in nicht intellektuell geschulten Kreisen,
ist
die Konzentrationknappheit. Um eine Rede nicht nur duschregenartig
über
sich ergehen zu lassen, sondern sie produktiv und kreativ (gerade bei
Rede
über creatio!) zu apperzipieren, halte ich die von Stollberg
erprobte
Kombination von Vortrag und Themenzentrierter Interaktion für
besonders
geeignet, die lernpsychologische Vertiefung der Thematik zu erreichen.
Ich werde darum in 4 Blöcken zu etwa je 10 min. die Sachlage
aus meiner
Sicht darstellen und mit einer zur Beantwortung vorgeschlagenen Frage
abschließen,
die den Kleinguppen als möglicher, nicht notwendiger Leitfaden
dienen
können. Ich werde den Gruppen empfehlen, in ihren auf je auch
etwa
10-15 min. begrenzten Diskussionsgängen Verbindungen zwischen
dem
von mir Gehörten und ihrer Lebenssituation herzustellen, wo es
möglich
ist. Den Abschluß der Diskussionsteile sollte je ein etwa
dreisätziger
Kurzbericht aus jeder der Gruppen ans Plenum sein, in dem u.U. auch
Fragen
an mich gestellt werden können, wenn sie nicht schon
während
des Vortrags direkt kommen, wie bei uns üblich. Intention
plenarer
Diskussion, die nach der 4. Kleingruppenphase vorgeschlagen wird, ist
eine
Horizontalisierung der Gesprächsbeziehungen. Ich
möchte vermeiden,
die Diskussion auf mich zu konzentrieren. Ich kann voraussetzen,
daß
das religionsgeschichtliche und quellengeschichtliche Problem der
Genesiserzählungen
vertraut ist. Dr. Lenhardt hat vor nicht allzu langer Zeit einen
Textvergleich
mit Enuma elisch vorgelegt. Die Gemeinde ist durch ihre aktive
Teilnahme
am Sennetreffen 1979 mit dem Thema: Der Mensch - Geschöpf
Gottes,
für die ökologische Dimension der
Schöpfungslehre sensibilisiert.
Intention des Vortrages ist deren Vertiefung.
4.2.
Stellt die Naturwissenschaft unseren
Glauben an Gott den Schöpfer in Frage?
Gemeindevortrag zurück
Meine Damen und Herren, liebe Freunde!
Ich möchte Ihnen einen Vorschlag machen, wie wir vielleicht
sinnvoll
vorgehen könnten. Ich habe meinen Vortrag in vier Teile
gegliedert.
Nach jedem Teil möchte ich Ihnen eine Frage stellen und Sie
bitten,
sich in Gruppen, wie sie am Tisch sitzen, darüber
auszutauschen. Das
könnte jeweils 10-15 min. dauern und mit einem Kurzbericht aus
jeder
Gruppe abrunden. Ich werde zuerst über
Schöpfungsmythen in der
Bibel und anderswo sprechen, in der zweiten Runde über
Ergebnisse
der Naturwissenschaft zur Entstehung der Welt und des Lebens, im
dritten
Durchgang dann etwas zur Möglichkeit sagen, angesichts dieser
naturwissenschaftlichen
Befunde noch von Gott als Schöpfer zu reden. In der letzten
Runde
möchte ich auf die praktischen Konsequenzen für unser
Leben hinweisen.
Ich beginne nun die erste Runde.
Im Jahre 1855 schreibt der rote Indianerhäuptling Seatl an den
'Weißen Vater' in Washington einen Brief(266), in dem er sich
zur
Wehr setzt gegen die stetige Verdrängung der
Indianerstämme aus
ihren Lebensgebieten durch neue Einwanderer, die im Land der
unbegrenzten
Möglichkeiten möglichst unbegrenzt sich ausgebreitet
haben. Die
Indianer wurden von der weißen Regierung vor die Alternative
gestellt:
Entweder ihr verkauft freiwillig euer Land an uns, oder wir vertreiben
euch mit Waffengewalt.
Seathl schreibt: »Wie kann man den Himmel kaufen oder
verkaufen
wie die Wärme des Landes? Diese Idee scheint uns sehr
merkwürdig.
Wir besitzen auch die Frische der Luft und das Glitzern des Wasser
nicht!
Wie könnt ihr sie da von uns kaufen?
Jedes Stück dieses Bodens ist meinem Volk heilig. Jede
schimmernde
Kiefernnadel, jedes sonnige Ufer, der zarte Dunst in der Dunkelheit der
Wälder. Jede Lichtung und jedes summende Insekt ist der
Erinnerung
und dem Erleben meines Volkes heilig. Wir wissen, daß der
weiße
Mann unsere Art und Weise nicht versteht. Das Schicksal seines Landes
ist
ihm egal wie das eines anderen, da er in der Nacht kommt und vom Lande
nimmt, was immer er braucht. Die Erde ist nicht sein Bruder, sondern
sein
Feind. Wenn er den Grund erobert hat, zieht er weiter.
Er läßt die Gräber seiner Väter
zurück und
zerstört rücksichtslos den Boden für seine
Kinder. Sein
Appetit wird die Erde zerschlingen und nur eine Wüste
zurücklassen.
Der Anblick eurer Städte schmerzt die Augen der
Rothäute, eber
vielleicht nur deshalb, weil der Rote Mann nur ein Wilder ist und nioht
versteht...«
Mich macht dieser Brief betroffen. Wir alle kennen von Karl May her
die Geschichte des Sterbens der Indianerkultur - und selbst daraus hat
der Weiße Mann noch ein Riesengeschäft gemacht,
indem er die
Winnetou-Filme zum großen Hit gemacht hat. Es sind zwei
Dinge, die
ioh Ihnen an diesem Brief zeigen will:
Einmal: Auch die Indianer treiben Theologie. Sie verstehen ihre Welt
als Gottes Schöpfung und darum gehen sie mit ihr liebevoll und
behutsam
um. Und sie haben diese Theologie nioht von christlichen Missionaren,
sondern
in ihrer eigenen Tradition. Ich lese, um dies zu verdeutlichen, noch
eine
Passage aus dem Brief: »Eines wissen wir, und der
Weiße Mann
wird es vielleicht eines Tages auch entdecken: Unser Gott ist derselbe
Gott. Ihr mögt jetzt denken, daß ihr ihn so besitzt,
wie ihr
auch das Land besitzen wollt. Aber das könnt ihr nicht. Er ist
Gott
für alle Menschen. Und sein Mitleid für die
weißen und
die roten Menschen ist dasselbe. Ihm ist die Erde wertvoll, und die
Erde
zu verletzen heißt, Verachtung auf den Sohöpfer zu
häufen.
Macht weiter, euer Bett zu beschmutzen, und eines Nachts werdet ihr in
eurem eigenen Müll ersticken..« Der Brief endetmit
diesem Satz:
»Eines wissen wir: Unser Gott ist derselbe Gott. Die Erde ist
ihm
wertvoll.«
Die Indianer verstehen daß Verhältnis des
Sohöpfers
zu seiner Sohöpfung als ein Schutzverhä1tnis. Der
Sohöpfer
liebt die Erde, die Steine, daß Wasser, die Tiere und die
Menschen.
Er will sie behüten und bewahren. Und genau wie der
Sohöpfer
handeln auch die Indianer selbst. Er ist ihr Vorbild, sie sein Abbild.
Sie lieben die Sohöpfung, lieben die Pferde, di e
Büffel, das
Präriegras und den Sohmetterling mit derselben Zartheit und
Wärme
wie der, der sie gemacht hat, der Wunderwerke vollbracht hat. Die
Indianer
sehen in der Schöpfung die Wunder. Sie sind bezaubert vom
Anblick
des kleinen Singvogels und ihre Namen für die Tiere strahlen
schon
akustisoh Wohlgefallen, Hingabe aus. Die Indianer lieben ihre
natürliche
Umwelt, weil sie vom Schöpfer gemacht ist. Daß
zweite, was ich
Ihnen an diesem Brief zeigen wollte, ist der Kontrast zu unserem
christlichen
Verhältnis zu Gottes Sohöpfung. Die Indianer haben
b1utig erfahren,
wie die Weißen kamen und die Büffel vom Zug aus aus
reiner Jägerfreude
abgeknallt haben, ohne jeden Sinn. zurück
Ohne jeden Sinn - damit habe ioh zugleioh etwas über den Sinn
des Schöpfungsglaubens gesagt. Der Sohöpfer ist
Schützer,
Sohirmherr seiner Welt. Und besohützen soll auch der Glaube an
den
Schöpfer. Der Schöpfungsglaube beschützt die
Menschen davor,
ihre Umwelt als reines Material, als bloßes Objekt ohne
Gefühle
und Lebensrecht zu betrachten. Er beschützt davor,
daß Menschen
Natur wie Dreck behandeln und dadurch ihre Umwelt zerstören.
Wir wissen,
das die zerstörte Umwelt sich rächt. Sie
zerstört nämlich
letztlich uns selbst, weil wir ein Teil der Natur sind und ohne Wasser,
gesunde Luft und fruchtbares Land nioht leben können. In
letzter Linie
schützt darum der Schöpfungsglauben uns selbst. Er
regelt unser
Verhältnis zur Umwelt.Und da sehen wir ja krasseste
Gegensätze
zwischen der Behutsamkeit der Indianer zu ihrer Lebenswelt und dem
ersten
Kapitel unserer Bibel, wo es heißt: Macht euch die Erde
untertan,
trampelt sie nieder, macht sie zu eurem Sklaven. Sie wissen vielleicht
noch von Herrn Lenhardt, daß es nach dem wuchtigen klobrigen
ersten
Schöpfungsbericht einen ganz anderen und sehr viel
älteren zweiten
Schöpfungsbericht - oder besser: eine
Schöpfungserzählung,
denn sie erzählt ja ähnlich wie im Märchen
eine Geschichte
und nicht wie im Polizeibericht den Hergang eines Verbrechens - also
eine
ganz anders geartete Erzählung von der Schöpfung
gibt, wo Gott
mit dem Töpfern eines Menschen anfängt, dann ihm
einen schönen
Garten macht und ihm Tiere als Gefährten dazugibt. Aber Adam
scheint
nicht so recht zufrieden, und so macht ihm Gott eine Eva, die sich
gewaschen
hat. In dieser Geschichte kommt ganz ähnlich wie in dem
Indianerbrief
etwas von der besorgten Liebe Gottes zum Ausdruck, der will,
daß
seine Geschöpfe glücklich sind, daß es
ihnen gut geht,
daß sie sich auch sexuell lieben dürfen zum
Wohlgefallen Gottes
an seiner Schöpfung. Ich habe aus den biblischen Geschichten
einseitig
eine Passage herausgeholt, die sie vielleicht wundern mag. Warum gerade
diese? Warum nicht die Litanei der sieben Tage, in denen Gott Himmel,
Erde,
Licht, Wasser, Sterne, Pflanzen, Tiere und dann die Krone, den
Menschen,
schafft. Ich mache mich dafür stark zu sagen, daß
unsere Tradition
der Kirche den ersten, den Siebentage-Bericht einseitig hochgespielt
hat
und die andere Geschichte einfach totgeschwiegen hat. Was denken Sie
darüber?
Warum geschah das wohl, wenn ich richtig liegen sollte?
Zweite Runde. zurück
Ich darf vielleicht noch zum ersten Punkt hinzufügen,
daß es
auf dem gesamten Erdball, in jedem Winkel, wo Menschen ein
Stückchen
weit gemeinsam leben und sich ihrer Lebenszusammenhänge in
ihrer Religion
vergewissern, daß es überall
Schöpfungsmythen gibt. Unsere
biblischen Erzählungen, das hat Ihnen Dr. Lehnhardt ja schon
genau
an Textvergleichen gezeigt, sind sozusagen abgepinnt von einer ganzen
Menge
verschiedener Schöpfungsgeschichten.
Schöpfungsgeschichten verzaubern die Welt. Das ist meine eine
wichtige These, die ich hier aufstellen will. Sie lassen,
ähnlich
wie in Andersens Märchen, die Welt als beseelt erscheinen,
werfen
ein Licht auf die Dinge der Welt, in dem man bezaubert ist vom
Fließen
des Flusses, dem Summen der Biene, dem zauberhaften Scheinen des
Mondes.
Schöpfungsmythen sind wie Poesie.
Wir haben das bewältigt. Die Zeiten sind vorbei, wo Goethe im
Mondschein Liebesgedichte schrieb, oder gar, wo ein Wilder von der
magischen
Macht des Mondes gebannt in Extase fällt. Wir wissen es
besser. Der
Mond ist ein toter Steinhaufen.
Wir sehen ihn im Fernsehen, ab und zu, wenn wieder Amerikaner darauf
herumlaufen und die halbe Welt ihnen von hier aus durchs Fernsehen
zuguckt.
Wir sind aufklärt. Der Mond ist auch schon langsam
aufgeklärt,
wir wissen bescheid. Wir haben gelernt, die Bahn der Sterne zu
beobachten
und auf Karten festzuhalten. Das haben schon die Griechen zu der Zeit
gemacht,
bevor Jesus lebte. Die Kirche hat das dann lange Zeit nicht gerne
gesehen,
daß die Philosophen und Astronomen immer nach den Sternen
schauten
und Zahlen aufkritzelten und Theorien aufstellten. Der Kirchenvater
Augustin
und viele andere waren der Meinung, das lenke alles nur von der inneren
seelischen Beziehung zu Gott ab. Als dann die ersten
Universitäten
in Europa entstanden, Paris und Köln etwa, lehrte man
Astronomie als
Paukfach im Bereich Kunst. Bis dann, und damit brach eine Welt
zusammen,
Nikolaus Kopernikus und nach ihm Kepler und Galilei die These
aufgestellt
haben, nicht etwa die Sonne und alle anderen Sterne drehten sich,
gemäß
1. Mose 1 als Himmelsbeleuchtung unserer Erde um uns, sondern
umgekehrt:
die Erde dreht sich um die Sonne! Wir sind nicht mehr Mittelpunkt der
Welt,
nicht mehr Krone der Schöpfung, sondern sitzen lediglich im
Zug, in
einer Umlaufbahn um die Sonne. Da hat es dann schon mal etwas
Folterdrohung
für den Galilei gegeben, damit er nicht den Leute den Kopf
verdreht
mit seinen neuartigen Ansichten.
Nun, er hatte wirklich eine neue Ansicht, nämlich durch das
Fernrohr.
Und dieses Gerät ist dann immer feiner und mit immer
größerer
Reichweite entwickelt worden bis heute und jedesmal entdecken wir
neuen,
weiteren Raum, neue Galaxien in dem riesigen Weltraum. Seit Newton
wissen
wir, weshalb sich die Sterne umeinander drehen: Massen ziehen sich
gegenseitig
an. Man hat sich dann natürlich immer gefragt, wie kommt denn
das
alles ins Kreisen oder genauer, in die elliptischen Bahnen. Und Kant,
der
nicht nur ein guter Philosoph war, sondern auch ein guter Astronom, kam
auf die Idee, daß sich die Planeten vielleicht aus einer
Gaswolke
gebildet haben könnten, die sich anfangs um die Sonne gedreht
hat
und dann sozusagen klumpig geworden ist und diese Klumpen sind dann
unsere
Planeten geworden.
Es gibt eine ganze Menge von Sternsystemen im Weltraum, die ungeheuer
weit von uns weg sind und fast genau so eine Gestalt haben, wie Kant es
sich von unserem Sonnensystem vorgestellt hat. Riesige Gasmassen,
vermischt
mit Staub verschiedenster chemischer Zusammensetzung, wirbeln mehr oder
weniger ordentlich umeinander herum, drehen sich ineinander, kugeln si
ch zusammen, bilden einen sozusagen harten Kern und das
Gas-Staubgemisch
außen herum wird flockig, wird wie
Schokoladensträußel
und rund und fester und fester. Die Temperatur dieser Sonnen ist oft
bis
zu 20 Millionen Grad - unvorstellbar. Und innendrin herrscht ein
riesiger
Druck, weil sich da die Gasmassen zusammenballen. Und die chemische
Reaktion,
die dabei passiert, ist ganz ähnlich wie eine
Atombombenexplosion,
nur ständig und in noch viel größerem
Ausmaß, als
wir es uns vorstellen können. Sie glühen also und
strahlen Wärme
ab, und Wärme ist ja Energie. Und mit dieser Energie werden
wiederum
Bewegungen ausgelöst - eine fortwährende
Kettenreaktion.
Man kann dann Spektralanalysen von dem Licht machen, was uns diese
Spiralnebel, so nennt man solche sonnenhaft brennenden Galaxien, was
uns
die Spiralnebel zustrahlen. Und hat dabei durch eine Rotverschiebung
festgestellt,
daß diese Nebel teilweise mit Lichtgeschwindigkeit von uns
wegrasen.
Daß heißt: das Weltall explodiert ständig.
Und wenn man
diese Bewegung in die Vergangenheit zurückrechnet, kommt man
zu dem
Schluß, daß es vor etwa 5-10 Milliarden Jahren eine
Explosion
gegeben haben muß, durch die jetzt und für
Milliarden Jahre
nach uns das Weltall immer weiter auseinanderfliegt, sich sozusagen von
innen her aufpustet wie ein Luftballon. Einstein hat in seiner
allgemeinen
Relativitätstheorie ausgerechnet, daß der Raum
gekrümmt
ist, daß also ein kerzengerade hochgeschossener Pfeil, wenn
er milliardenfach
schneller als Licht fliegen könnte, um die Kurve fliegen
müßte
und, obwohl er nie seine Geradeausrichtung ändert, vom andern
Ende
der Welt wieder auf uns zufliegen müßte. Die
Theorien hierüber
und über den sogenannten Urknall sind zum Teil noch in Arbeit,
werden
ständig verfeinert, neu überprüft, weil wir
eben längst
noch nicht alles erkannt haben, was es im Weltall sozusagen zu sehen
gibt,
wenn man nur das entsprechende Superriesenteleskop und wer
weiß was
für technische Geräte dazu noch hätte.
Nun aber wieder auf die Erde herunter, die vermutlich aus dem Staub
entstanden ist, der im Gaenebel um die Sonne flog. Auf Erden ist es
vergleichsweise
kühl, oder besser: gerade richtig, damit unter bestimmten
Klimaschwankungen
aus ganz bestimmten Elementen, die es hier gibt, sehr große
Moleküle
entstehen konnten. Und der Schritt war dann bald auch ni cht mehr
allzuweit,
daß sich aus diesen Molekülriesen kleine Zellen,
amöbenartige,
gebildet haben und die haben sich dann irgendwann geteilt zu
mehrzelligen
Gebilden und die haben dann irgendwann statt einem Innensack zur
Nahrungsaufnahme
einen Tunnel gekriegt, vorn rein, hinten raus und so weiter und so
weiter.
Bis schließlich aus einem Mittelding zwischen Mensch und Affe
sich einerseits die Affen, andererseits die Menschen entwickelt haben.
Wo liegt der Übergang vom Mensch zum Tier, besser, richtiger
natürlich
umgekehrt gefragt? Er ist doppelt fließend. Einerseits
betrachten
die Verhaltensforscher den Menschen in einer Linie mit den Tieren, um
Unterschiede
und Ähnlichkeiten herauszustellen. Andererseits behandeln sich
die
Menschen untereinander ja auch wie Tiere. Sie lieben sich, sie haben
ein
Sprachsystem, wie primitiv auch immer, und sie nennen sich Schweine,
Ungeziefer
und wer weiß was noch, bevor sie gegeneinander
kämpfen und sich
umbringen. Sind Menschen noch eine Idee grausamer als Tiere? Was
trägt
das schon aus, wenn es so wäre! Wir sind enttäuscht,
daß
wir im Licht der Wissenschaften nur noch Tiere sind, hochentwickelte,
mit
Kultur statt Instinkt, immerhin, aber wir benehmen uns ja wirklich
nicht
wie Menschen. Oder finden Sie die Menschenschlachthäuser von
Auschwitz
human?
Gong zur
dritten Runde. zurück
Wir haben a1so durch die Naturwissenschaften gelernt: Der Mensch ist
nicht
getöpfert und mit Gottes Atem in die Nase gepustet worden, die
Welt
ist nicht in sieben Tagen entstanden und außerdem etwas
größer
als es sich die Menschen der Bibel vorstellen konnen. Wir sind also
nicht
im Unterschied zum Tier geschaffen worden, um über die gesamte
Natur
zu herrschen, sondern die Tiere haben uns sozusagen in einer
millionenjährigen
Evolution, in der sich immer kompliziertere Formen gebildet haben und
immer
noch bilden, aus ihren langen Stammbaumreihen hervorgebracht. Das macht
uns nichts, wir fressen sie trotzdem, wir fressen sie sogar, obwohl in
der ersten Schöpfungsgeschichte steht, die Menschen sollen
Getreide
essen und die Tiere Gras. Wir halten uns also sozusagen an das
»Macht
euch die Erde zum Sklaven«, aber nicht an das
»Eßt Getreide«.
Wir sind eben Tiere und da frißt eins das andere, da wirft
eins
der Stein auf die Schädeldecke des anderen, daß es
richtig kracht,
da erfindet eines, kaum hat man Metall entdeckt, ein Schwert und
hält
seinen Gott für einen Krieger, der die Feinde besiegen kann.
Und da
entdeckt ein Tier namens Otto Hahn die Kernspaltung und ein anderes
Tier
namens Robert Oppenheimer baut fix eine Bombe und die
schmeißen die
Tiere, die sich Amerikaner nennen, den Tieren, die sich Japaer nennen,
auf den Kopf. Und das knallt und glüht und die Tiere
glühen und
ihre radioaktiven Moleküle fegen durch die Luft.
Verstehen Sie, was ich Ihnen hiermit sagen will? Unbestreitbar hat
die Evolutionstheorie recht mit ihrer Herleitung der Welt, des Lebens
und
der Entstehung des Menschen. Aber die derart begriffene Welt
läßt
uns mit einem leeren Gefühl, einer grenzenlosen Verlassenheit
und
Trostlosigkeit zurück, sodaß Camus, der
französische Existentialist,
als einzig logisches Verhalten den Selbstmord ansieht. Auch der
wäre
nicht ungewöhnlich für Tiere: Arabische Jungen setzen
gern zum
Spaß einen Skorpion in einen Flammenkreis: er wird sich
selbst in
der Kopf stechen, ehe er verbrennt.
Die Evolutionstheorie hat recht, und um nichts in der Welt
ließe
sich mit den selben stringenten und exakten Methoden, deren sich die
Wissenschaft
bedient, die Existenz Gottes beweisen. Ich sehe zur Zeit nur eine
Lösung,
und ich weiß nicht, ob sie zufriedenstellend sein wird.
Manbraucht
Gott nicht zur Erklärung der Welt. Und man kann nicht Gott nur
aus
lauter Trostlosigkeit postulieren, damit man irgendetwas hat, an was
man
sich ha1ten kann.
Es gibt - und darauf lege ich wert - keinen plausiblen Grund, aus dem
Gott notwendig für die Welt wäre. Ich sage das um
Gottes willen.
Kein Mensch würde allemale allen Ernstes behaupten, ohne Jesus
wäre
die Welt nicht weitergelaufen oder ohne Jesus wären wir heute
nicht
so schön zivilisiert. Der Tod Jesu war nicht der letzte, wie
viele
damals hofften, sondern nach ihm ging das Morden und Foltern und Leiden
genauso oder schlimmer oder ganz schlimm - nämlich
ausgerechnet in
seinem Namen - weiter. Gott ist wie Jesus also nicht notwendig. Was
kann
er dann sein? Ich würde sagen: eine Zutat.
Niels Bohr hat bei Laborversuchen, in denen er an seinem Atommodell
forschte, sie wissen es vielleicht, es kann wie eine Sonne mit Planeten
auf den Umlaufbahnen beschrieben werden und im Kern sind Protonen und
Neutronen,
außen herum sausen die Elektronen als kleinste Teilchen, die
die
Materie überhaupt haben kann. Bohr hat also untersucht, ob
diese Elektronen
feste Materieteilchen sind, vorstellbar wie winzige
Sandkörnchen,
oder ob es eher Kraftfelder ähnlich wie die Strahlen einer
Infrarotlampe
sind, die doch keine erkennbaren Sandkörnchen auf uns
abschießt.
Und es kam raus: ein Elektron ist beides, sowohl Festkörper
als auch
Welle.
Und doch schließen beide Möglichkeiten sich logisch
aus.
Bohr nennt das Komplementarität: eine Sache ist nur
vollständig
zu beschreiber durch zwei Definitionen, die sich aber gegenseitig
ausschließen.
Man könnte ebensogut mit einer einzigen Definition auskommen
und damit
befriedigende Ergebnisse der Forschung erzielen. Aber erst beides
zusammen
ergibt die ganze, gegenwärtig erkennbare Wahrheit.
Ähnlich denke
ich, kommt man sehr gut aus mit der Evolutionstheorie und dem Menschen
als etwas unzivilisiertem Tier - und es gehört zum Mut und zur
Zivilcourage
dazu, mit dieser Trostlosigkeit durchzukommen.
Aber vielleicht ist ja die Idee Gottes des Schöpfers die
komplementäre
Wahrheit, also die mit der Evolution in Klinsch liegende andere
Hälfte
der vollen Wahrheit. Und Wahrheit wird euch freimachen, sagt Johannes.
Ich kann mir vorstellen, daß Schöpfungsgeschichten
als phantasievolle,
poetische Verzauberungen der tristen Welt der entzaubernden Evolution
bei
den Menschen Saiten zu klingen bringen können, mit denen
allein sie
erst fähig werden, ein ganz bestimmtes Stück zu
spielen. Und
dieses Stück hat den Titel - ja, wie würden Sie es
nennen?
Einläutung
der letzten Runde. zurück
Ich gebrauchte in der dritten Runde das Bild von der neu hinzutretenden
Saite, die für ein bestimmtes Musikstück
nötig ist. Und
wir haben uns gemeinsam bemüht, den Titel dieses
Stücke zu finden.
Ich möchte auf der Suche nach dem Titel noch etwas verweilen.
Im Klartext
meint das ja, was würde sich ändern, wenn wir glauben
würden,
daß Gott Schöpfer ist, daß er Macht ist
und hat, den Menschen
Atem in die Nase zu blasen, den Menschen Garten, Gefährten und
die
Wonne gegenseitiger Hingabe in der Liebe zu bereiten. Was
würde sich
ändern, wenn wir glauben würden, daß Gott
es uns schön
machen will, daß er, wie Jesus ihn zärtlich nennt,
Abba, ein
liebender Vater ist. Oder lassen wir ruhig das Vater weg, weil wir
nicht
gezwungen sind, Gott menschengestaltig zu denken, wir sollen uns ja gar
kein Bild von ihm machen, weil wir selbst sein Bild sind! - sagen wir
recht
abstrakt und einfach: Gott ist Liebe.
Ich wiederhole also meine Anfangsfrage dieser Runde mit neuer Substanz:
Was würde sich ändern an dem Stück, welches
wir auf der
harten wissenschaftlichen Saite, nach der wir eine im Weltall
völlig
nebensächliche Form von Materie mit komplexem Aufbau sind,
spielen,
was würde sich ändern, wenn wir eine Saite zum
Klingen bekommen,
die singen würde: Gott ist Liebe?
Ich bin skeptisch, ob dieser Ansatz fruchtbar ist. Es haben schon
zuviele
imNamen der Liebe gefoltert. Und viele Christen halten
Aufrüstung,
ja selbst Todesstrafe, für unabdingbar. Das heißt:
es gibt keine
Garantiekarte dafür, daß sich irgendetwas in der
Welt ändert,
wenn wir einmal probeweise annehmen würden, es gebe Gott den
Schöpfer.
Das war jetzt gewissermaßen die Nagelprobe auf den Satz,
daß
Gott nicht notwendig ist.
Bloch, der Tübinger Philosoph sagte dazu immer: Hoffnung ist
grundsätzlich
vereitelbar, ist ohne Erfolgsnotwendigkeit. Aber - und jetzt kommt die
Trickkiste, wenn sie so wollen - not-wendig im Sinne von einziger
Möglichkeit,
die Not unseres vergifteten, verhungernden Bombenerdballs zur Wendung
zu
bringen. Ohne Hoffnung keine Möglichkeit der Verwirklichung -
unserer
Hoffnungen.
Die Schöpfungsgeschichten erzählen - nicht alle, aber
die
guten - uns die Geschichte von einem Gott, der uns liebt, der uns
Lebensmöglichkeiten
eröffnet, die über reine Materie hinausgehen, der uns
frei macht
von Knechtschaft - und ich denke dabei daran, wie Deuterojesaja, der
Prophet
in der babylonischen Gefangenschaft, die
Schöpfertätigkeit Gottes
ausmahlt als Befreiung von der Gefangenschaft, als neue
Wüstenwanderung
heim ins Land, in dem so noch nie einer war, als Umkehr in ein - neues
Land.
Mit dieser Paradoxie habe ich eine Beobachtung festgehalten, die die
Zeit der Schöpfung betrifft. Wir müssen uns
freimachen von der
alten Priesterleier, daß Schöpfung nur etwas am
Anfang der Zeit
sei. Die Schöpfung, von der Deuterojesaja, einige Psalmen und
vor
allem Paulus in Römer 8 reden, meint die Schöpfung
von neuer
Zukunft. Der Schöpfer kommt erst noch auf uns zu. Und damit
bin ich
beim letzten Kapitel der Bibel, welches in ganz bewußtem
Bezug aufs
erste Kapitel weiter und schöpferisch neu erzählt,
wie Gott der
Schöpfer zu erleben sei.
»Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der
erste Himmel und die erste Erde sind verschwunden, und das Meer ist
nicht
mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her
aus
dem Himmel herabkommend, gerüstet wie eine Braut... Und ich
hörte
eine laute Stimme vom Thron her sagen: Siehe da, die Hütte
Gottes
bei den Menschen; und er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk
sein und Gott selbst wird bei ihnen sein. Und er wird alle
Tränen
abwischen von ihren Augen...«
Ich breche hier ab. Ich interpretiere in Bildern: die erste, vergehende
Welt, ist die Welt der fortschreitenden Aufklärung, der
radikalen
Entgötterung und Entzauberung der Welt. Die neue Welt ist die
Zutat
des Zaubers, den die Hoffnung auf eine endli ch einmal
tränenlose
Welt in uns bewirkt. Es geht mir um eine erneute Verzauberung der Welt,
ich möchte heraus aus dem babylonischen Gefängnis
einer Wissenschaftlichkeit,
die die Liebe zweier Menschen nur als Hormonangelegenheit fassen will,
die den Bombenabwurf über Hiroshima als technischen
Fortschritt gefeiert
hat, die sich anschickt, nach Frankensteinmanier künstlich
Leben zu
erzeugen und die vor allem - und dies am allerbesten - versteht,
künstlich
Leben zu vernichtet, ja sie hat es darin zu großer Kunst
gebracht.
Entzaubertes Leben ist tödlich.
Leben ist der Inbegriff des Zaubers. Und Gottes zauberhafte Zutat,
genauer: seine Zukunft mit der Fülle neuer zauberhafter und
schöpferischer
Möglichkeiten für uns, halte ich für
glaubwürdig in
dem Sinne, daß Glaube an Gottes Zukunft als Schöpfer
allererst
unsere Würde als Menschen verbürgt, die mehr sind als
bloße
Materie, die mehr sind als quälende und gequälte
Tiere, und die,
weil ihnen im Glauben verbürgt ist, daß sie mehr
sind, die darum
eben auch ertragen können, daß sie wirklich Materie
sind und
nicht aus Götterblut fabriziert sind.
Ich kehre zum Anfang zurück. Der Zauber, in dem die Indianer
ihre
Umwelt sehen, tut mir gut, ist genau der Ton, der neben der harten
Saite
der Wissenschaft bisheriger Prägung für meine
Würde sorgt,
weil es der Ton der Fürsorge überhaupt ist. Die
Indianer haben
ein fürsorgliches Verhältnis zur Natur, genauer:
eines gegenseitiger
Fürsorge. Man könnte auch von Symbiose reden.
Fürsorge ist auch Thema von Römer 8. Die Kreatur
harrt auf
Erlösung von ihrer Unterdrückung. Auch die Christen
erleben,
wie sie, in einer Linie mit aller Kreatur, auf die Herrlichkeit Gottes,
auf die neue Fülle der Friedensmög1ichkeiten Gottes
warten und
vor Gott mit Schreien ohne Worte nach der Friedensfülle rufen.
Natur
und Gemeinde sind hier solidarisch. Die Gemeinde bittet für
die unerlöste
Schöpfung vor Gott. Ich denke mir, daß dies die
Konsequenz eines
wirklich die Bibel ausschöpfenden Glaubens an Gott den
Schöpfer
sein dürfte, nämlich: aus diesem Glauben für
die Erlösung
der Natur von der Unterdrückung zu sorgen, die Adams Fall oder
der
Mensch als neugieriger Wissenschaftler, als Apfelpflücker von
den
diversen Bäumen der Erkenntnis, ausgelöst hat.
Fürsorge und Solidarität mit der Schöpfung
ist also
etwas sehr konkretes. Es geht los mit Umweltschutz, Tierschutz, ja es
fragt
sich überhaupt, ob man nicht auf Fleisch verzichten sollte -
daß
man es vom biologischen her kann, ist da keine Frage.
Solidarität
mit der Schöpfung heißt ferner, die Atomenergie
sieben mal siebzig
Mal zu überdenken, ehe man sich Bomben ins Nest legt, die auf
Jahrtausende
Umwelt zerstören.Das heißt dann also, alternative
Energiequellen,
Sonne, Wind, Erdwärme, Methangas aus Kuhmist und soweiter zu
erschließen.
Solche Forschungsprogramme müßte der Staat ganz
andere fördern
als bisher. Dazu müßten ihn die Christen ermahnen,
wollen sie
Solidarität nicht nur als fromme Phrase benutzen. Ich erhebe
keinen
Anspruch auf Vollstandigkeit. Bitte machen Sie jetzt diese Liste in
ihren
Gruppen weiter. Ich danke Ihnen fürs geduldige
Zuhören.
5.
Liturverzeichnis und Siglenverzeichniszurück
Die Anmerkungen zitieren nach den hier unterstrichenen Teilen des
Titels.
Abkürzungen nach RGG3
Th. W. Adorno, Negative Dialektik, Frankfurt 1966
G. Altner, Charles Darwin und Ernst Haeckel. Ein Vergleich nach
theologischen
Aspekten, Theol. Studien 85, Zürich 1966
G. Altner, Schöpfung im Abgrund. Die Theologie vor der
Umweltfrage,
Neukirchen Vluyn 1974
G. Altner, Zwischen Natur und Menschengeschichte. Anthropologische,
biologische und ethische Perspektiven für eine neue
Schöpfungstheologie,
München 1915
G. Altner, Die Trennung der Liebenden - Variationen über den
Ursprung
des Lebens, in: EvTheol 31 (1971), So 69-91
J. L. Austin, Zur Theorie der Sprechakte, Stuttgart 1972
H. E. Bahr/ Marianne Gronemeier (Hrsg. ), Anders leben -
überleben,
in: fischer alternativ, Magazin Brennpunkte 10, Frankfurt 1978
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der Neuzeit III, Neuau6gabe, Frankfurt 1973
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in Ver. mit C. Colpe, Göttingen, I (1971), II (1972) und III
(1974)
- Die Autoren der Artikel können aus Platzgründen
nicht zitiert
werden.
R. Rendtorff, Die theologische Stellung des Schöpfungsglaubens
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H. H. Schmid, Schöpfung, Gerechtigkeit und Heil.
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als Gesamthorizont biblischer Theologie, in: ZThK 70 (1973), S. 1-19
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C. F. von Weizsäcker, Die Geschichte der Natur,
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C. Westermann, Der Schöpfungsbericht vom Anfang der Bibel. Vom
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A. N. Whitehead, Wissenschaft und moderne Welt, Zürich 1949
H. Wildberger, Art. Abbild, in: THAT II, Sp. 556-563.
W. Zimmerli, Grundriß der alttestamentlichen Theologie,
Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz2
1975
(1) Westermann Genesis 240; Westermann Schöpfung 14:
»Niemals
wird im Alten Testament vom Glauben an den Schöpfer
gesprochen.«
(Ioh zitiere nach den im Literaturverzeichnis unterstrichenen
Titelkürzeln
ohne Kommatrennung, folgend die Seitenzahl.)
(2) Levi-Strauss Anthropologie 226-264, bes. 254:
»Vielleicht
werden wir eines Tages entdecken, daß im mythischen und im
wissenschaftliohen
Denken dieselbe Logik am Werke ist und daß der Mensch
allezeit gleich
gut gedacht hat.« Levi-Strauss stellte unmittelbare
Korrelationen
zwischen Verwandtschaftsverhältnissen eines Stammes und der
Struktur
seiner Mythen fest, vgl. 68ff. Mythen strukturieren Erfahrung und
Verhalten:»Es
wird also dort der Anfang einer Ordnung eingeführt, wo vorher
Chaos
herrschte.«( 246) Mythen funktionieren als
lokutionärer Teil
im Sprechakt des Rituals, sind quasi Liturgie in einem Sprachspiel
Kultus.
Strukturierendes Wort (Mythos) und ordnende Tat (Ritual:
illokutionär-performativer
Aspekt) ermöglichen, »Erfahrung in geordneter und
verständlicher
Form zu erleben«.(217) Vgl. dazu Austin Sprechakte. Der
Schamane
etwa versucht »mit Milfe des Mythos einen Platz in einem
Ganzen...,
in dem alles sinnvoll aufeinander abgestimmt ist« (217), den
Schmerzen
des Kranken zuzuweisen. Vgl. Malinowsky Kultur 26ff,102ff,160ff
(3) Luhmann Sinn 75ff; Luhmann Dogmatik 21: »Auf
der letzten
Funktionsebene sozialer Systeme muß deshalb unbestimmte in
bestimmte
oder doch bestimmbare Komplexität transformiert werden...
Kulturelle
Strukturen mit genau diesem Funktionsbezug sind Religionen. Die
Funktion
der Religion bezieht sich auf die Bestimmbarkeit der Welt.«
(4) Schmidt Mythos und Glaube; Ebeling Dogmatik 1 297
unterscheidet
ebenfalls Schöpfungsmythos und -glauben
(5) Westermann Schöpfung 14 zurück
(6) Schmid 15
(7) Westermann Schöpfung 17ff; vgl.
ausführliche Literaturauflistung
in Westermann Genesis 97-101. M. Eliade, Gefüge und Funktion
der Schöpfungsmythen,
in: Schöpfungsmythen 9-34 zeigt, wie lebenswichtig die
rituell-mythische
Strukturierung des Lebensraums eines Stammes war; Himmelrichtung,
kosmische
Weltachsen durch sakrale Bäume/Pfähle stellen eine
wahrhafte
»Schöpfung der Welt« dar(15).
»Der Mythos hilft...,
sich in neuen Situationen zurechtzufinden, indem er... eine
beispielhafte
Lösung anbietet, die in jeder Sachlage gültig
ist«(17).
Jedes Dorf ist mikrokosmisches imago mundi(18). Sich »in
einem Land
niederlassen, bedeutet soviel wie eine Welt gründen ... der
Mensch
besetzt allmählich immer weitere Zonen des Planeten und
'kosmisiert'
sie nach dem Musterbeispiel, das der kosmogonische Mythos geoffenbart
hat.
Dank diesem Mythos wird auch der Mensch zu einem
Schöpfer.«(19)
In vielen Urflutmythen meint Schöpfung die »Rettung
der Welt
vor einem Unheil (Überschwemmung, Dürre), durch das
sie ins Chaos
zurückzufallen droht«(25). Chaos als unkosmisiertes,
unstrukturiertes
Weltganzes wird als Weltei, Meerungeheuer, Urriesenmensch, Urflut
symbo1isiert
(20f); Schöpfung als Strukturierung von Lebensraum geschieht
durch
Zerstückelung des Urwesens in Himmel und Erde (21).
»Als Symbol
des Präformalen wird der Drache als der wahre 'Meister des
Ortes'
betrachtet, als der Autochtone par exce11ence, gegen den die Eroberer
kämpfen
müssen, bevor sie ein Gebiet besetzen«.(27)
»Indem man
ein Land erobert, 'erschafft' man es wieder, da man ihm eine neue
'Form'
gibt.«(27) Hinter vielen Mythen von Schöpfung durch
Kampf (mit
Chaosdrachen) stehen reale historische Erfahrungen Eroberung von
Lebensraum
ist ein Schöpfungsakt. Dies ist der innere Grund für
G. von Rads
Verknüpfung von Exodus und Schöpfung, vgl. von Rad
Problem 142ff.
- »Daß Himmel und Erde von einem Gott geschaffen
sind, ist
insofern auch eine allgemeinmenschliche Betrachtung und international
bezeugt«(Religionsgeschichte
II 141). Schöpfungsmythen werden u.a. dargestellt in:
Religionsgeschichte
I 192 finnisch-ugrisch, 294 altiranisch 328 zoroastrisch, II 311f,
407f,
414, 421, 423, 459 indisch, III 32, 34, 38 Tao, 58 Neokonfuzianismus,
265,
267, 273, 277 Gnostizismus/Mysterien, 312, 321-23 Mandäer,
342ff Manichäer,
374, 380f, 404, 431 Islam. Vgl. weiter Lit. unter Anm. 8-19.
(8) Westermann Schöpfung 22
(9) Westermann Schöpfung 25; vgl. Westermann Genesis
28ff,
Religionsgeschichte 1 67 nordaustralischer Narakult, 109 Regenkult der
Zuni-Indianer, 399f Schöpfungsre-aktualisierung im
ägyptischen
Tempelmorgenritual, II 312 Indischer Kultus
(10) Schmid 8 Anm. 21; vgl. Westermann Genesis 30; Westermann
Schöpfungsbericht 17; von Rad Problem 138, 142
(11) Schmid 3; Westermann Schöpfung 21f, 58;
Westermann
Genesis 39-46, von Rad Problem 146; von Rad Theologie I 164; Zimmerli
30;
Religionsgeschichte I 33ff Indianischer Kosmos, 308ff Germanischer
Riese
Ymir wird zerstückelt, 442f, 449f, 502-521
sumerisch-babylonisch:
Marduk spaltet Tiamat, II 294, 306-312, 407ff, 414, 421, 423, 459
indisch
(altiranisch): Deva Indra tötet die Schlange Vritra und
spaltet den
Berg auf der Urflut, III 207f orphisches Weltenei.
(12) von Rad Theologie I 149f; Westermann Schöpfung
21f:Töpfergott,
58 ; Westermnnn Genesis 46-52. Religionsgeschichte 1 395
Ägyptens
Ptah töpfert, 454 Gilgamesch verschreinert den Weltenbaum, 487
sumerischer
Enki macht Menschen aus Lehm
(13) Westermann Genesis 51f. Religionsgeschichte I 395 Ptah
hat
Menschengestalt, 400 Menschen als Vieh, Abbilder und Kinder der
Gottheit,
488 Menschen als Sklaven der Götter
(14) Schmidt Priesterschrift 29: Der ganze alte 0rient
glaubt,
damals an ein Urmeer, das die Erde bedeckte, und an eine Trennung von
Himmel
und Erde, die ja durch den Regen verbunden sind. Schöpfung als
Naturerwachen
vollzieht sich nach Abfluß des Regenwassers. Vgl. Westermann
Schöpfung
21f; Religionsgeschichte I 398 Ägypten, 452ff sumerische
Urflut
(15) Westermann Schöpfung 58f; Westermann Genesis
36-39,
besonders in Ägypten und griechischer Theogonie. Schmidt
Priesterschrift
139: »Der Pharao heißt 'Ebenbild' als
Stellvertreter des Gottes
auf Erden.« Vgl. 137-140; Religionsgeschichte I 395, 400
Pharao,
520 Babylonischer König wird rituell mit Marduk identifiziert.
- Zur
Geburtenfolge: Religionsgeschichte I 109 Zuni-Regenkult mit
Sonne-Meer-'Ehe',
398 Heliopolitanischer Neungötterkreis, 456 sumerische
Himmel-Erde-Hochzeit,
I 466 Quellwasser als Sperma, III 79 japanisch, 207f griechisch
(16) Westermann Schöpfung 21, 58; Westermann Genesis
52-57,
bes. 54 afrikanisches Hervorrufen eines Menschen aus dem Schilf
(17) Westermann Schöpfung 21, 58; Westermann Genesis
52-57;
Religionsgeschichte 1 396 memphitische Theologie, 489 sumerische
Wissenschaft
als Partizipation am Gotteslogos
(18) vgl. Schmid 4: Naturordnung, Staats- und Rechtsordnung
sind
nur verschiedene Aspekte der Schöpfungsordnung.
Religionsgeschichte
I 502-521: Beim babylon. Neujahrsfest spielt der König im
Ritual den
Marduk, der Karriere vom kleinen Stadtgott zum Weltschöpfer
mit der
politischen Konsolidierung Babylons zugleich machte.
(19) Westermann Genesis 55; Schmidt Priesterschrift 173-177;
von Rad Theologie I 156f; Religionsgeschichte I 397; Koch Wort
(20) Religionsgeschichte I 508
(21) Zimmerli 25; von Rad Theo1ogie I 162f. vgl. Anm. 7
(22) Bloch Atheismus 38, 80; Bloch Subjekt-0bjekt 331-335;
Westermann
Schöpfung 130-134
(23) von Rad Theologie I 159f. Westermann Genesis 368-372
(24) von Rad Theologie I 165
(25) Zimmerli 25; von Rad Theologie 162f. Westermann Genesis
272: »Eine Welt also, die der des Bauern in
Palästina entspricht.«
(26) Zimmerli 25; von Rad Problem 146 ; von Rad Theologie I
149
(27) von Rad Theologie I 162; Zimmerli 25
(28) Westermann Genesis 255-267. Westermann
Schöpfung 95ff
(29) von Rad Theologie I 154
(30) Westermann Genesis 261
(31) von Rad Theologie I 163; Westermann Schöpfung
123-126
(32) Westermann Genesis 322-325. Westermann
Schöpfung 131f
(33) siehe Anm. 7 und 11
(34) Westermann Schöpfung 64. Westermann Genesis
176-179,
243; Zimmerli 26
(35) Westermann Genesis 112; Westermann Schöpfung 19
(36) Schmidt Priesterschrift 21; vgl. Religionsgeschichte I 452-458:
Urmeer zeugt Himmel und Erde, Himmelvater und Erdmutter, Sturmgott
überm
Wasser. Schöpfungsmythen 103f
(37) Sohmidt Priesterschrift 22ff; vgl. Religionsgeschiehte I
502-521; Westermann Schöpfungsbericht 17-20: Enuma elisch:
Marduk
spaltet Meer-Drachen Tiamat, 0bere Hälfte Himmel, Untere Erde.
Dann
schafft er Gestirne und Zeit, Mond, Sonne, Getreide und Pflanzen. Ea
schafft
aus Götterblut Menschen als Göttersklaven. von Rad
Theo1ogie
I 156:Marduk schafft durchs Wort; Zimmerli 26-28:Laßt uns
Menschen
machen = baby1onischer Götterrat; Schöpfungsmythen
121-150. Liegt
dem Neujahrsritual beim Menschenschaffen aus dem geschlachteten
Aufruhrgott
Kingu ein Menschenopfer zugrunde?. Schöpfungsmythen 140.
Eindeutig
ist Marduk Kopie des Königs am babylonischen Hofe,
anthropomorphe
Projektion
(38) Schmidt Priesterschrift 24ff, 139ff; Religionsgeschichte I
395-400;
von Rad Theologie I 156f. Atum, der Schöpfer, trennt Himmel
und Erde,
Urgewässer (= Nilüberschwemmung), Amun schwebende
Luft überm
Urwasser. Schöpfungsmythen 37ff
(39) Schmidt Priesterschrift 27f; Religionsgeschichte II
39ff,
44,47f,571 ; Zimmerli 26: Sanchunjatons Chaosschilderung; Baal
kämpft
mit dem Chaosdrachen Lotan bzw. dem Meer Jam. Schöpfergott El.
Im
Jahwismus verschmelzen Baal und El zu einer Größe.
Schöpfungsmythen
175-181
(40) Schmidt Priesterschrift 28f; Religionsgeschichte III
207f:
Homer: 0keanos als Götterzeuger, Hesiods Theogonie
(41) Westermann Schöpfungsbericht 10 ;
Westermann
Genesis 111f;Westermann Schöpfung 61
(42) vgl. Anm. 15; Westermann Genesis 112f
(43) Westermann Genesis 145f; Westermann
Schöpfungsbericht
17
(44) Zimmerli 26 ; Westermann Genesis 119ff. Westermann
Schöpfung
60ff; von Rad Theologie I 161. - Auch das Ruhen Gottes ist nicht neu
von
P: Westermann Genesis 57f, 230-237
(45) Schmidt Priesterschrift 161 rechnet zum alten
Tat-Bericht
1, 2.4b.7.9LXX.12.16.21.25.26-27a; 2, 2f. Westermann
Schöpfungsbericht
16; Westermann Genesis 54f. Koch Wort; Schöpfungsmythen 85ff;
Schmidt
Priesterschrift 173-177; bestritten von Steck,
Schöpfungsgeschichte
4
(46) Westermann Genesis 115f; Zimmerli 27
(47) Westermann Genesis 120f, 136-139; Schmidt 130f, 164-167.
Zimmerli 27; Schmidt Art.hrb; Gegen von Rad Theologie I 156
(48) Westermann Genesis 117. Westermann
Schöpfungsbericht
10; Westermann Schöpfung 61
(49) Zimmerli 28 ; Schmidt Priesterschrift 127ff:
Verständniswandel
A) Polytheismus B) Hofstaat C) pl. deliberationis; von Rad Theologie I
158 ; Westermann Genesis 200 ebenfalls für pl. deliberationis,
räumt
gleichwohl aber ein (201): »Die Vorstellung eines himmlischen
Hofstaates
mag im Hintergrund stehen.« vgl. I Kön 22,11; Hi
1,6; 2,lff;
Jes 6,1
(50) Religionsgeschichte I 109, 398-400, 416, 452ff
u.ö.;Zimmerli
27
(51) Westermann Genesis 175-186; Westermann
Schöpfung 63-65;
Westermann Schöpfungsbericht 20f
(52) Westermann Genesis 170-175; Westermann
Schöpfungsbericht
19f; Westermann Schöpfung 65f. Vegetation
»gegliedertes Ganzes«.
Anders Schmidt Priesterschrift 190
(53) Westermann Genesis 186-197; Westermann
Schöpfungsbericht
22; Westermann Schöpfung 66f. Von naturwissenschaftlicher
Seite dazu:
Illies Mensch 19ff. Liedke Bauch 126-130; Steck
Schöpfungsgeschichte
199-222, bes. 206 und 211 rekonstruiert folgende 0rdnung nach
Lebensbereichen
und Lebewesen:1. Himmel (6-8) Gestirne als Lebewesen! (14-16) 2. Meer
(9f)
Wassertiere (20-22) 3. Luftraum (9f) Flugtiere (20-22) 4. Erdvegetation
(llf) Landtiere (24f) und Mensch (26-28)
(54) Westermann Genesis 192f
(55) Westermann Genesis 223-228; Von Rad Theologie I
160;Liedke
Bauch 130-146, bes. 144f weist auf die Achtung des Lebens noch bei der
Schächtung als möglichst sanfter Tötung hin,
verglichen
mit Erwürgen
(56) Schmidt Priesterschrift 150ff. Barth KD 111/1, 235:
»Die
dem Menschen übertragene Hoheit über das Tier ist
keine Herrschaft
über Leben und Tod.«
(57) Benz Endzeiterwartung 206ff; Gen 2,16-31; Jes 11,1-9;
Jes
65,25; Hos 2,20; Ez 34,25; Lev 26,3f
(58) Schmidt Priesterschrift 189: »Dem Menschen
wird tatsächlich
eine uneingeschränkte Herrschaft über die Erde
verliehen.«
(Xbk = niedertreten, Gewalt antun, versklaven, hdr = hartes
schonungsloses
Unterjochen.(Schmidt aa0) Westermann Genesis 218-222. Zimmerli 29; von
Rad Theologie 1, 160; Barth KD 111/1, 231; Liedke Bauch 130ff
(59) Horkheimer/Adorno Aufklärung 11f
(60) Westermann Genesis 214 spricht von Denkzwang!, vgl.
203ff
(61) Schmidt Priesterschrift 132-144; kritisch dazu
Westermann
Genesis 209ff
(62) So H. Wildberger, dargestellt in Westermann Genesis
209ff,
vgl. Wildberger Art. Mä}
(63) Schmidt Priesterschrift 137-139
(64) Schmidt Priesterschrift 142
(65) Barth KD 111/1, 204-233 redet von Partnerschaft und
analogia
relationis (219) zwischen Mensch und Gott, ebenso auch Jüngel
Geheimnis
526 und Moltmann Mensch 157 z.St. Zur trad. Dogmatik vgl. Augustin, De
corr. 12,33: »potuit non peccare primus homo«, dazu
Dinkler
Augustin; Luther, Predigt vom 12.4.1523 über Gen 1,27 (WA
14,110ff)
gegen Augustin(?): »Aus Gottes Ebenbild ist des Teufels
Ebenbild
geworden.« Brunner Lehre 67ff; Tillich Systematische
Theologie I
297ff:Vernunft ist analog zu Gottes Logos. Er reduziert imago auf
Eigenschaft.
Ebeling Dogmatik I 376-414, bes. 392: Entsprechung, 404ff Darstellung
der
Tradition, gute Zusf
(66) Westermann Genesis 205-208 stellt die Positionen da
(67) Westermann Genesis 208, 217f. Barth KD 111/1, 222f; auch
J.J. Stamm, F. Horst u.a., zit. bei Westermann aaO
(68) Westermann Genesis 209ff. Schmidt Priesterschrift
142-144.
von Rad und H. Wildberger zit. in Westermann aaOzurück
(69)
(70) Schmidt Priesterschrift 144; Ebeling Dogmatik I 364
redet
von Präsenz Gottes im Menschen; kritisch Westermann Genesis
211ff
(71) Wildberger Art. Mä} 556 ; vgl. Ebeling Dogmatik
I 382f
(72) Moltmann Mensch 159
(73) Wildberger Art. Mä} 562
(74) Westermann Schöpfung 32-37, 171; Westermann
Genesis
798ff. Zur Sünde gehören Gen 3 und 4, zur Arbeit 2,
15 und 4,17-26,
zur Schöpfung im Anfang der gesamte Pentateuch.
(75) Westermann Schöpfung 37 = Westermann Genesis
601 u.ö.
(76) von Rad Schöpfungsglaube 36
(77) Schmidt Priesterschrift 181
(78) Schmidt Priesterschrift 182, vgl. 180: »Der
Glaube
findet das mythische Weltverständnis vor; wo er es aufnimmt,
um sich
auszusprechen, sucht er es zu überwinden... Der Mythos
weiß
zu viel, der Glaube streicht die mythischen Erzählungen auf
das ihm
Notwendige zusammen.« Wohl weniger 'der Glaube', als eher
Prof. W.H.
Schmidt, vgl. Schmidt Mythos und Glaube
(79) Habermas Legitimationgprobleme 99f; Westermann
Schöpfung
12 und 24f
(80) Westermann Genesis 243, vgl. 801f
(81) Horkheimer/Adorno Aufklärung 11f
(82) Horkheimer/Adorno Aufklärung 14
(83) von Rad Problem 138, 141, 143, 146
(84) Jes 51,9f. dazu Zimmerli 29f, 188 (zu Ez 20), 192,
194f.Dtjes
ist Ezechiel-Erbe
(85) Eliade, in: Schöpfungsmythen 33; Jes 44,23ff;
45,12f;
51,9f; Zimmerli 30; Rendtorff Stellung 7,9, 13
(86) Jes 54,5; 44,24; 45,8; 41,20. 48,7. von Rad Problem 141;
Zimmerli 30, 194f. Westermann Umstrittene Bibel 84: »Es ist
derselbe
Gott, der seinen Sohn zum Heil der Menschheit gesandt hat und der die
Lilien
auf dem Felde kleidet.« Rendtorff Stellung 13
(87) Besonders Amos führt die Schöpfermacht
Jahwes
als Macht zum Gerichtmachen an. Dieser Traditionsstrom setzt sich in
der
Apokalyptik fort.
(88) von Rad Problem 138: »Vom Protologischen zum
Soteriologischen.«
142 »Und dieses soteriologische Verständnis des
Schöpfungswerkes...
halten wir für die ursprünglichste
Äußerung des Jahweglaubens
über Jahwe, den Schöpfer der Welt.« Vgl.
von Rad Theologie
I 151. Der Schöpfungsglaube hat eine
»dienende« Funktion
für den Heilsglauben (Problem 139). Schmid 11f hat von Rad
nicht verstanden,
wo er daraus eine zeitliche Abfolge stipuliert, gegen die er (mit von
Rad)
zu Recht Einwände vorbringt. Rendtorff Stellung 13 stimmt von
Rad
völlig zu.
(89) von Rad Prob1em 146. Zimmerli 30
(90) von Rad Problem 145. Zimmerli 30
(91) von Rad Prob1em 146 ; von Rad Theologie I 164; Zimmerli
30
(92) Zimmerli 31f; ~SS 29, 47, 93, 95, 96, 99
(93) so dargestellt bei Zimmerli 32
(94) vgl. Anm. 68-70
(95) Schmid 3-5
(96) Zimmerli 33
(97) Prov 8,22ff; Hi 28, 25-28; 38,4ff; Sir 24,7-11; von Rad
Weisheit 189ff, bes. 196, 199, 204f. Zimmerli 30 und 140f
(98) von Rad Weisheit 194: Weisheit als
Schöpfungsgeheimnis
nur Gott, nicht den Menschen bekannt. Zimmerli 141
(99) von Rad Weisheit 206: Prov 1,20f
(100) von Rad Weisheit 217: Prov 9,1-5; 1,20ff. 8,lff;
Zimmerli
140; dazu auch Luther WA 18, 164 Zeile 25...
(101) Prov 8,15-18-21; 1,33f; 2,9ff. 4,6; 6,22. 7,4f. von Rad
Weisheit 215: Weisheit als Herrschaftswissen
(102) Zimmerli 203; Liedke Bauch 153ff
(103) Zimmerli 207. Der Mechanismus der 'Proto1ogisierung'
könnte
u.U. Schlüssel zum Verständnis der gesamten
Schöpfungstheologie
sein! so Köhler Theologie 71: Die
»Schöpfung Gen 1,1 -
2,4a ist nichht eine Aussage, sondern eine Ansage.«
72:»Schöpfung
ist in der Theologie des Alten Testaments ein eschatologischer
Begriff.«(Hervorh.
v.Vf.)
(104) Jes 65,17. 66,22; siehe dann im NT: 2 Pt 3,13; Apk 21
(105) Jes 66,15ff; 65,18ff
(106) Jes 65,25 nimmt Jes 11,6-9 auf. Vgl. Anm. 57
(107) Dan 12. Ez 37. Jes 66,14a
(108) Dan 7. Zimmerli 205ff
(109) Zimmerli 210f; l Pt 2,13; 4,19. 2 Pt 3,4ff. Apk 4,11;
5,13
(110) Schmid 13f
(111) Mt 6,25ff. Westermann Umstrittene Bibel 79;
Schöpferlobpreisung
auch I Tim 4,3-4
(112) Mt 19,4 par. Mk l0,6; I Kor 11,9. Jesus
frauenfreundlich,
Pau1us chauvinistisch in der Gen-Rezeption!
(113) Heb 4,13
(114) Jak 1,18
(115) Kol 1,15-23, 26f. Schweizer Kolosser 44ff, l00-l04,
215ff;
Liedke Bauch 158-161. Gegenwart der Vers5hnung des All in Christus als
Leitgedanke von Kol 1
(116) Eph 3,9. Der Eph entwickelt (2,l0ff) eine
Prädestinationslehre,
nimmt das Ein-Fleisch-Motiv von Gen 2,24 als Bild interkultureller
Ökumene
durch Christus. Diesen 'neuen Menschen' gilt es anzuziehen (4,24).
(117) Apk 3,14
(118) von Rad Weisheit 210ff. vgl. Pss 19,2; 97,6; 145,l0;
148;
Hi 12,7-9: Himmel und Erde preisen Jahwe.
(119) Apk 4,11 und 5,13
(120) Rm 1,25 und 1 Pt 2,13; 4,19
(121) Apk l0,6; 2 Pt 3,4ff; Mk 13,19
(122) Schmid 18 meint, »daß im Laufe der
biblischen
Glaubensgeschichte die Gerechtigkeit immer konsequenter eschatologisch
gefaßt wird, allmählich aus der Verbindung mit der
Weltschöpfung
am Anfang der Zeit losge1öst und immer enger mit dem Thema der
eschatologischen
Neuschöpfung verbunden wurde.« Das ist die eine
Seite! Sie würde
konsequent bei Marcions Demiurg-Verwerfung enden. Dagegen gilt:
»Von
'neuer Schöpfung' kann im NT nur geredet werden, weil Gott der
Schöpfer
bleibt.« (Westermann Genesis 243)
(123) Apk 21: restitutio ist Leitbegriff thomistischer
Eschatologie,
bis hin zu Bultmann ( siehe unten). Das Ende ist der wiederhergestellte
Anfang. Gott kommt von Gott.
(124) Luz Geschichtsverständnis 369ff zu Rm 8, 18ff
(125) Westermann Umstrittene Bibel 77; Liedke Bauch 157f
(126) Rm 5, 12ff Adam als Weltspielverderber, Christus als
Erneuerer
der prälapsarischen Gottesnähe. Käsemann
Römer 137:Christi
Schöpfungsmittlerschaft Weisheitserbe. Im Denken von
schicksalwirkender
Tatsphäre und restitutio sieht Schmid 13 »Jesu
Sühnetod
als Wiederherstellung der verletzten Ordnung« und findet es
»alles
andere als Zufall, daß er [Paulus; M.L.] das
Rechtfertigungsgeschehen
u.a. auch als neues Schöpfungsgeschehen beschreiben kann (2
Kor 5,17.
Gal 6,15 u5.).«
(127) Schwantes 56; Käsemann Römer 115ff, bes. 117
urteilt,
»daß hier Schöpfung, Auferweckung und
Rechtfertigung faktisch
dasselbe göttliche Handeln bekunden.« Und
»daß Rechtfertigung
als Restitution der Schöpfung und als im Stande der Anfechtung
vorweggenommene
Auferweckung das entscheidende Motiv paulinischer
Soteriologie« ist.
(128) Käsemann Amt und Gemeinde 116
(129) Käsemann Amt und Gemeinde 116
(130) Balz Heilsvertrauen 44; vgl. 4.Esra 7,11f; ApkBar
15,32f
(131) Käsemann Römer 227
(132) Käsemann Römer 225
(133) Luz Geschichtsverständnis 379
(134) Liedke Bauch 162
(135) Barth Römerbrief 291 zitiert einen seiner
bemühtesten
Gewährsmänner. Die Reduktion von Natur auf die innere
Natur des
Menschen ist das typisch bürgerliche
Mißverständnis, unter
dem die gesamte Tradition kt[si' verstanden hat, vgl. Käsemann
Römer
225. Auch Jüngel Thesen 487 (6./7.) verfällt dem.
(136) Liedke Bauch l62
(137) Liedke Bauch 162
(138) Balz Heilsvertrauen 50
(139) Käsemann Römer 233
(140) Liedke Bauch 163
(141) Kuhn Struktur 151ff. Blumenberg
Säkularisierung 240ff;
Blumenberg Epochenschwelle 7ff benutzt den Begriff 'Epochenschwelle'.
Pannenberg
Wissenschaftstheorie 74ff, 185-224. Die Erlanger Schule (Lorenzen,
Kambartel,
Mittelstraß und Kamlah) leiten wissenschaftliche Rede als
Prädikation
in einem zeitoffenen Dialog im Blick auf gesellschaftliches Handeln als
Wissenschaftspolitik ab.
(142) Weizsäcker Schöpfung 53ff;
Weizsäcker Einheit
466ff; Blumenberg Neugierde 23ff; Lange Materialismus 7-41
(143) Weizsäcker Schöpfung 62-73.
Blumenberg Neugierde
29ff ;Lange Materialismus 42-73
(144) Weizsäcker Schöpfung 139ff.
Weizsäcker Einheit
428ff;Lange Materialismus 64ff
(145) Blumenberg Neugierde 38ff
(146) Blumenberg Neugierde 42ff; Lange Materialismus 75ff
(147) Blumenberg Neugierde 49ff Lange Materialismus 76ff
(148) Lange Materialismus 80ff
(149) Blumenberg Neugierde 71ff, 103ff, bes. 113ff; Lange
Materialismus
l51ff
(150) Blumenberg Neugierde 91ff
(151) Blumenberg Neugierde 96ffzurück
(152) Blumenberg Neugierde 123
(153) Blumenberg Neugierde 123ff. Lange Materialismus 167ff
(154) Blumenberg Neugierde 135ff; Lange Materialismus 163ff
(155) Blumenberg Neugierde 150ff; Lange Materialismus 163ff;
Howe Gott 54
(156) Blumenberg Neugierde 160ff; Blumenberg Epochenschwelle
34-106; Howe Gott 55
(157) Weizsäcker Schöpfung
96-104; Blumenberg
Neugierde 166ff; Lange Materialismus 188ff, bes. 199ff
(158) Weizsäcker Schöpfung 104ff;
Blumenberg Neugierde
201ff; Howe Gott 55
(159) Blumenberg Epochenschwelle l09ff; Lange Materialismus
200ff
(160) Blumenberg Neugierde 180ff; 203ff; Weizsäcker
Schöpfung
111ff; Howe Gott 56
(161) Lange Materialismus 235ff
(162) Weizsäcker Schöpfung 119ff, 201ff;
Blumenberg
Neugierde 210ff; Lange Materialismus 207ff; Howe Gott 60f; Blumenberg,
Säkularisierung 240ff; Jüngel Geheimnis 146ff
(163) Moltmann Schöpfung 135; Picht Gott 62
(164) Howe Gott 62ff
(165) Weizsäcker Schöpfung 123ff; Lange
Materialismus
272ff; Howe Gott 56
(166) Weizsäcker Schöpfung 126
(167) Weizsäcker Schöpfung 126ff; Lange
Materialismus
406ff
(168) Weizsäcker Schöpfung 131ff. Lange
Materialismus
453ff; Blumenberg Neugierde 247ff; Weizsäcker Einheit 169ff,
363ff,
405ff
(169) Jüngel Geheimnis lff
(170) Jüngel Geheimnis 63ff. Bloch Subjekt-Objekt;
Adorno,
Negative Dialektik 293ff; Weizsäcker Einheit 312ff
(171) Weizsäcker Einheit 226; Müller Zeit
296
(172) Weizsäcker Geschichte 31
(173) K1aus/Buhr Wörterbuch 936-939 (Art.
Relativitätstheorie)
;Weizsäcker Schöpfung 156, 161; Weizsäcker
Geschichte 31;
Weizsäcker Einheit 147ff, 237ff; Müller Zeit 344ff;
Bavink Weltschöpfung
63
(174) Weizsäcker Geschichte 31-52;
Weizsäcker Schöpfung
163-172; K1aus/Buhr Wörterbuch 606f (Art. Kosmogonie), 607ff
(Art.
Kosmologie)
(175) Weizsäcker Geschichte 43ff;
Weizsäcker Schöpfung
163ff; K1aus/Buhr Wörterbuch 606-610; Pannenberg Kontingenz
52ff
(176) Bavink Weltschöpfung 102ff;
Weizsäcker Einheit
275ff, 342ff; Weizsäcker Geschichte 54ff; K1aus/Buhr
Wörterbuch
611f (Art. kosmologischer Postulat); Pannenberg Kontingenz 52ff. Die
Vertreter
dieser Entstehung von Materie aus Nichts sind Lemaîre, Bondi
(steady
state), Gold und Eddington.zurück
(177) Weizsäcker Geschichte 29ff,34f,53;
Schöpfung
161; Weizsäcker Einheit 237ff; K1aus/Buhr Wörterbuch
964f (Art.
Rotverschiebung)
(178) Weizsäcker Schöpfung 160;
Weizsäcker Geschichte
32f; Bavink Weltschöpfung 59; Ebeling Dogmatik I 296
(179) K1aus/Buhr Wörterbuch 606f (Art. Kosmogonie)
(180) Bondi, Gold, Hoyle; vgl. Weizsäcker
Geschichte
54
(181) Weizsäcker Geschichte 55-71;
Weizsäcker Schöpfung
157
(182) Weizsäcker Geschichte 55-72
(183) Weizsäcker Schöpfung 156
(184) Weizsäcker Geschichte 37ff;
Weizsäcker Einheit
172-166, 241-249; Müller Zeit 266ff, 312ff
(185) Weizsäcker Geschichte 37ff, 65
(186) Weizsäcker Geschichte 75ff;
Weizsäcker Schöpfung
154
(187) Weizsäcker Geschichte 20ff, 33;
Weizsäcker Schöpfung
155; Ebeling Dogmatik I 298
(188) Eigen 520ff. Müller Zeit 349ff, 406, 494f,
636ff;
Hirsch 21ff; Weizsäcker Schöpfung 135-146;
Weizsäcker Einheit
312-366 ; Weizsäcker Geschichte 79-91
(189) Monod Zufall, bes. 211; Müller Zeit 394,493,
637;
Hirsch 21; Altner Natur 33ff
(190) Gegen K1aus/Buhr Wörterbuch 646f (Art. Leben),
399ff
(Art. Genetik) und 346f (Art. Evolutionismus); vgl. auch Ebeling
Dogmatik
I 298f
(191) Altner Darwin und Haeckel 26ff und 86ff
(192) Weizsäcker Schöpfung 143;
Weizsäcker Geschichte
63ff; Weizsäcker Einheit 265f, 312ff; Müller Zeit
202, 349, 394,
412, 607; Altner Natur 33ff; Hirsch 21ff
(193) Weizsäcker Einheit 223-275, bes. 241ff;
Müller
Zeit 291-316, 322f, 390, 493ff, 636ff; Howe Mensch 64-74; Howe Gott
76-66;
Ebeling Dogmatik 296f. Altner Natur 43ff; Altner Darwin und Haeckel 76f
(194) Adorno Negative Dialektik 261ff u.ö. Mir ist
bewußt,
daß hier phrasenhaft ein Programm formuliert ist, welches
keine Aufgabe
eines Gemeindevortrags sein kann, sondern eine kategoriale Aufgabe
für
Jahrzehnte theologischen Wissenschaftsbetriebs. Auch bei Pannenberg
Kontingenz
(s.u.) wird sich das Versagen qualitativ-intensionaler theologischer
Begriffe
bei nur quantitativ faßlichen Phänomenen erweisen.
Soweit ich
sehe, hat bisher lediglich Altner (Natur 33ff u.ö.) als
Theologe den
quantifizierenden Gebrauch durchgehalten. Es scheint mir nicht
stichhaltig,
Theologie von Naturwissenschaften gerade durch die ihr angeblich
wesentliche
Form der Qualifikation quantitativer Prozesse zu unterscheiden, so
E.Jüngel
1973 im persönlichen Gespräch.
(195) Bonhoeffer Widerstand 155, 159, 177, 191
(196) Howe Christenheit 16ff,45ff,110ff,323ff, bes. 342ff; W.
Häfele, Vorwort in: Müller Zeit 9ff. Howe Gott 197ff;
Howe Mensch76ff,
97ff, 117ff; Pannenberg Kontingenz 34-37; Müller Zeit 488ff. -
Theologischer
Agnostizismus z.B. bei: Bultmann GuV II 77 und III 165 ; Gogarten
Mensch
319; Barth KD 111/1 Vorwortzurück
(197) Barth KD 111/1 261f (Bund-Schöpfung), 378ff
(Wohltat),
207ff ( analogia fidei), Vorwort (Naturwissenschaft irrelevant) vgl.
auch
Barth Römerbrief 290 (Naturwissenschaftskritik, sehr
unsachlich).
Dazu weiter: Prenter Einheit 21: »Von einem gewissen
Schöpfungsdoketismus
kann man auch die Schöpfungslehre Barths kaum
freisprechen.«
Vgl. auch Moltmann Schöpfung 137 Anm. 3. - Dennoch hat Howe
(Christenheit
75ff) unentwegt versucht, an Barth anzuknüpfen. - Zu Brunners
Naturkonstanten
siehe Brunner Lehre 31ff
(198) Barth KD 111/1 430f, vgl. Prenter Einheit 21-23
(199) Gegen Howe Christenheit 75ff, den Barths Verhalten auf
seine Einladungen zutiefst gekränkt hatte! Vgl. Howe
Christenheit
342ff. Die Arroganz, mit der ich hier urteile, ist der Barthschen
ebenbürtig,
also angemessen!
(200) Heim Gottesglaube 136 etwa reduziert das Raumproblem
zur
Subjektanschauung mit Hilfe unzulässiger
Überverallgemeinerung
von Heisenbergs Unschärferelation auf mittlere und
makrokosmische
Räume. Vgl. auch Pannenberg Kontingenz 37, dort weitere
Heim-Literatur...
(201) Pannenberg Kontingenz 58
(202) Pannenberg Kontingenz 58; auch Ebeling Dogmatik I 300
glaubt
in Kontingenz Analogien zu Gen 1 zu sehen.
(203) Pannenberg Kontingenz 58
(204) Vgl. Anm. 175. Pannenberg Kontingenz 52ff adaptiert
gerade
besonders Bondi, Jordan und Dirac und weitet (50) Weizsäckers
Urknall
zum »absoluten Wunder« aus.
(205) Pannenberg Kontingenz 60, vgl. 55, 59f; auch Anm. 174
(206) aa0 60f
(207) aa0 61
(208) aa0 62
(209) aa0 71
(210) ebd
(211) ebd
(212) Adorno Negative Dialektik 312. Von katholischer Seite
hat
E. Schi11ebeeckx 1971 erstmals eine 'negative Dialektik' entwickelt,
vgl.
Pannenberg Wissenschaftstheorie 267-291. Zur Universalgeschichte vgl.
Moltmanns
Kritik (Theologie der Hoffnung 31-64) und Tillich: »Die
falsche Auffassung
von der geschichtlichen Vorsehung, die der Erfüllung der
Geschichte
innerhalb der Geschichte selbst erwartet, ist utopisch.« (
Systematische
Theologie I 309) Wo aber soll Erfüllung sonst zu erwarten
sein!?
(213) Ebeling Dogmatik I 269zurück
(214) Ebeling Dogmatik I 293
(215) Amos 4,13; 5,6f; 9,5f
(216) Ebeling Dogmatik I 276
(217) aa0 277; vgl. Liedke Bauch 35-64; Altner
Schöpfung
35-85
(218) Ebeling Dogmatik I 271 ; von hier aus wäre
Jüngels
Zusammendenken Gottes mit der Vergänglichkeit in erschreckend
neuem
Licht zu verstehen, vgl. Geheimnis 246-306
(219) Jüngel Geheimnis 19-24, 26, 29, 37, 63, 206;
Moltmann
Freigelassenen 22 zitiert E. Fink, Spiel als Weltsymbol, Stuttgart
1960,
237: »Die Welt ist grundlos.« Moltmann aa0 23f:
»Wäre
die Schöpfung für Gott selbst notwendig, so
wäre Gott nicht
ihr 'freier Schöpfer'. Wäre sie hingegen nur ein
Zufall oder
ein Unfall aus der Ewigkeit, so wäre der freie
Schöpfer nicht
Gott, sondern ein launischer Dämon.« Moltmann
führt dies
weiter unter einer Abblendung realer Leidensgeschichte, die gleich nah
an Doxologie wie Zynismus liegt: »Darum ist die
Schöpfung ein
Spiel Gottes... Sie ist selbst der Spielraum für Gottes
Machtentfa1tung.«(24)
Hoffentlich heißt das Spiel nicht Katz und Maus: "Der freien
Schöpfung
aus dem Wohlgefallen Gottes als Weltsymbol entspricht die
Gotteskindschaft
als Menschensymbol.« - Tillich Systematische Theologie I 291
vermeidet
Pannenbergs Panne der Identifikation der Macht Gottes mit der
Geschehenskontingenz
durch ein 'weder notwendig noch zufällig' als Ausdruck der
Aseität
Gottes. Teilhard de Chardin fällt ins andere Extrem: Er leitet
Gottes
Macht gerade aus vermeintlichen Kausalitäten der Evolution ab.
s.u.
(220) Luther, Predigt über Mk 7,31-37: Die
fröhliche
Erkenntnis der Fürsorge Gottes, WA 46, 493ff
(221) Dembowski Umrisse 37
(222) Jüngel Geheimnis 334ff, 514ff
(223) Moltmann Schöpfung 127 bezeichnet ebenfalls
die Schöpfung
im Anfang als creatio mutabilis, offen für Heil und Unheil.
Besonders
Amos führt die Schöpfermacht Jahwes als Macht zum
Gerichtmachen
an. Dieser Traditionsstrom setzt sich in der Apokalyptik fort.
(224) Tillich Systematische Theologie I 291
(225) von Rad Theologie I (l.Aufl. 1956, S. 143), zit. bei
Moltmann
Schöpfung 125
(226) Barth KD 11/1 Leitsätze, ausgeführt
u.a. etwa
261f
(227) Luther, Predigt über Gen 1,14ff, WA 24, 37-40;
Vgl.Löfgren
Schöpfung bei Luther 25ff, 37ff
(228) Westermann Genesis 603 und 606 stellt diesen Leitsatz
der
Einheit von Schöpfung und Bewahrung auf. Schmidt
Priesterschrift 167:
»Heißt von der Schöpfung zu sprechen
nicht, von der Natur,
der Welt als Geschichte zu sprechen?« zurück
(229) Tillich Systematische Theologie I 296f redet von
Schöpfung
mit der Zeit: »Zeit zugleich mit der Welt
geschaffen.« »Das
göttliche Leben schließt Zeitlichkeit ein, ist ihr
aber nicht
unterworfen.« Und 302: »Der Glaube an Gottes
erhaltende Schöpfermacht
ist der Glaube an die ununterbrochene Dauer der Wirklichkeitsstruktur
als
der Basis für Sein und Handeln... Gott ist
wesensmäßig
schöpferisch, und darum ist er schöpferisch in jedem
Augenblick
zeitlicher Existenz.« Ähnlich Ebeling Dogmatik I
325f (creatio
continua), der aber 327 das Recht einer Unterscheidung von
Schöpfung
und Erhaltung aus der gestörten Beziehung zwischen Mensch,
Gott und
Natur ableitet. Ähnlich unterscheidet auch Moltmann
Schöpfung
126f:Die Schöpfungen der Geschichte sind heilsame Aufsprengung
der
geschlossenen Systeme 'homo incurvatus in se' und 'societas incurvata
in
se'.
(230) Tillich Systematische Theologie I 294
(231) aa0 295
(232) Horkheimer/ Adorno Aufklärung 39
(233) aa0 163
(234) Benz Endzeiterwartung 250ff erwähnt Teilhards
Freude
über Hiroshima als Demonstration des 'wissenschaftlichen
Fortschritts',
der nun einmal auch seine 'unvermeidlichen Opfer' erfordere. Hier ist
die
Henkermentalität dessen, der für die Evolution
über Leichen
geht. Welche tiefenpsycho1ogischen Analogien mag sie haben zu Teilhards
Urbild von Christifizierung, der sakramentalen priesterlichen Opferung
des Herrn in der Eucharistie? Weil die Opferung Christi in der
katholischen
Abendmahlslehre perenniert, ist die psychologische Hemmschwelle zur
Opferung
des Mitmenschen und der Natur als 'heilsgeschichtlicher Notwendigkeit'
sehr niedrig; bezeichnend auch das Eintreten vieler Katholiken
für
Todesstrafe.
(235) Whitehead Wissenschaft 232. Whitehead hat die
Quantentheorie
als Verfeinerung wissenschaftlicher Erkenntnis rezipiert.
(236) ebd
(237) ebd
(238) aa0 233
(239) aa0 249
(240) Bloch Prinzip Hoffnung 356-364, 1616ff; Moltmann Theologie der
Hoffnung 120ff, 243ff, 299ff, 331ff; Moltmann Sch~pfung 123ff; Thomas
summa
theologiae I 90, 3 ad 2: «Finis verum respondet principio.
Deus enim
principium et fini s verum.« I . Sent. d. 14 q2 a2:
»In exitu
creaturam a primo principio attenditur quaedam circulatio vel
regiratio,
eo quod omnia revertuntur sicut in finem in id, a quo sicut principio
prodierunt.
Et ideo oportet, ut per eadem quibus est exitus in principio, et
reditus
in finem attendatur.« Bultmann GuV III 26: Gottes
Gerechtigkeit,
die Vergebung der Sünden »besteht darin,
daß das ursprüngliche
Schöpfungsverhä1tnis wiederhergestellt
wird«.
(241) Bloch Prinzip Hoffnung 1624
(242) Weizsäcker Einheit 39-60, 346ff;
Müller Zeit
333-374
(243) Moltmann Schöpfung 130; vgl. Moltmann Neuer
Lebensstil
100-114
(244) siehe Seite 16f. Damit sind nun alle relevanten
Grundzüg
des 1. Teils dieser Arbeit in den 3. Teil aufgenommen.
(245) Moltmann Schöpfung 134
(246) Moltmann Schöpfung 136; Käsemann
Römer 225:
unlösliche Einheit von Mensch und Natur
(247) Tillich Systematische Theologie I 300; Stock
Partizipation
26-29
(248) Tillich aa0 301
(249) Picht Gott 82 zu Decartes' Discours de la
méthode
VI
(250) Picht Gott 85
(251) Picht Gott 73
(252) Picht Gott 87-103; Müller Zeit 550-604; Howe
Gott
114ff
(253) Howe Gott 160ff, 170ff, 197ff, 221ff; Howe Mensch 7ff,
54ff, 76ff, 97ff, 117ff; Howe Christenheit 61ff, 124ff, 144ff, 236ff,
270ff;
Westermann Genesis 804: Kain, wo bist du?
(254) Picht Gott 103
(255) Müller Zeit 25-178
(256) Picht Gott 98
(257) Marx, Das Kapital III, MEW 25,888; A. Schmidt Natur 136
(258) Schmidt Natur 162
(259) Müller Zeit 294-305; Howe Gott 77
(260) Weizsäckers Formulierung, vgl. Howe Gott 77;
Müller
Zeit 302
(261) Bloch Prinzip Hoffnung 259,264,786,802ff;
Müller Zeit
392-402,642ff. Liedke Bauch 101ff; Hübner
Schöpfungsglaube 63ff
(262) Bloch aa0 1602ff
(263) Bloch Subjekt-Objekt 99 u.ö.
(264) Das Leiden der Schöpfung aktualisieren: Altner
Natur
161f; Altner Schöpfung 35ff, 55ff, 120ff, 154ff; Moltmann
Neuer Lebensstil
96ff, bes. 110ff!
(265) Liedke Bauch 101-108, 176-208; Moltmann Neuer
Lebensstil
9-19, 32-50, 110-113, 130-136; Altner Schöpfung 154-181;
Altner Trennung
82; Hübner Schöpfungsg1aube 66ff; Dembowski Umrisse
46f; Meyer-Abich
Begriff 5-11, 16f, 19f; Müller Zeit 420f; R. Junk (149-158)
und H.E.
Bahr in: Bahr/Gronemeyer Anders leben 27-52
(266) Abgedruckt auf einer Beilage zur Schallplatte
»Keine
Macht für Niemand« von Ton, Steine, Scherben,
April-Records
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