Thomas Bonhoeffer



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Inhaltsverzeichnis

Wirklichkeit 3

Leben 3

Erkenntnis 3

Vereinfachung 4

Symbolik 4

Existenzsymbolik 4

Religion 4

Schöpfung 5

Christentum 5

Gesellschaft 5

Staat 7

Recht 7

Geld 8

Wirtschaft 8

Solidarität 8

Kultur 8

Individuum 9

Moral 9

Trauer 10

Alter 10

Gegenwart 10

Ausblick 11

Rest 11

Zugeordnet 11

Ungeordnet 12


Wirklichkeit

Wirkliche Stabilitätsbereiche sind mehrdimensional. Jedes mehrdimensionale Wachstum verändert die Proportionen und gefährdet damit Stabilität. Einfachstes Beispiel sind die Proportionen zwischen Durchmesser, Oberfläche und Rauminhalt einer Kugel. (Im Bierglas wachsen die Blasen, bis sie platzen.)

Nur unsere zeitweise nützlichen, immer vereinfachenden Vorstellungen und Weltbilder sind gewiss „abgeschlossene Systeme“.

Alles passt mit allem nur ungefähr zusammen. Das bedingt Spannungen und chaotische Bewegung. Symbolik bildet das ungefähr ab. Die Vernunft vereinfacht und ordnet die Symbolik.

Man wünscht sich nachhaltiges Wachstum. Aber jedes Wachstum gefährdet Stabilität; und Ziele, Zwecke und verlässliche Funktionen gibt es nur in stabilen Systemen.
In unserer chaotischen Welt ereignen sich, zu unserem Glück, stabile Systeme und auch beruhigender Glaube an eine Weltordnung.

Eine Form ist ein Bündel „In-formationen“, wie ein Molekül ein Bündel von Atomen ist.

Die Wirklichkeit ist eine Menge von Mengen von Ereignissen.

Wirkung ist Energie mal Zeit. Nur in dieser Dimension gibt es eine kleinste Einheit, aus der alles Reale zusammengesetzt ist.
Alles Wirkliche ist zeitlich begrenzt. Auf dieser Basis verstehen wir die Wirklichkeit wirklich. Zeit, Energie und Materie sind als leichter handhabbare Abstraktionen zu verstehen.

Leben

Der Übergang/Umschlag von Quantität in Qualität ist ein Beispiel für Emergenz/Fulguration.
„Qualitätssteigerung“ ist ein Übergang von Qualität in Quanität.

Emergenzen chaotisieren die Welt.
Schiller* spottet: „Doch hat Genie und Herz vollbracht, was Lockund Des Cartes nie gedacht, sogleich wird auch von diesen die Möglichkeit bewiesen.“
*
Die Weltweisen.

Der Übergang/Umschlag von Quantität in Qualität ist ein Beispiel für Emergenz/Fulguration.
„Qualitätssteigerung“ ist ein Übergang von Qualität in Quanität.

Emergenzen chaotisieren die Welt.
Schiller* spottet: „Doch hat Genie und Herz
vollbracht, was Lockund Des Cartes nie gedacht, sogleich wird auch von diesen die Möglichkeit bewiesen.“
*
Die Weltweisen.

Wachsende Einheiten zerstören, vornehmlich vermittels ihrer Umwelt, sich selbst.

Leben ist Spielen, παιζειν (~ Kindsein*!), Symbolisieren.
*„So ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen“ (Mt 18,3) – ob schon Jesus das so verstanden hatte wie dann Matthäus, ist mir nicht sicher. Der Ernst (etymol.: Kampf !) des Lebens ist das unverständige, kindliche, naive symbol-geleitete Suchen.

Leben ist Spielen, παιζειν (~ Kindsein*!), Symbolisieren.
*„So ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen“ (Mt 18,3) – ob schon Jesus das so verstanden hatte wie dann Matthäus, ist mir nicht
sicher. Der Ernst (etymol.: Kampf !) des Lebens ist das unverständige, kindliche, naive symbol-geleitete Suchen.

Wachsende Einheiten zerstören, vornehmlich vermittels ihrer Umwelt, sich selbst.

Der Übergang/Umschlag von Quantität in Qualität ist ein Beispiel für Emergenz/Fulguration.
„Qualitätssteigerung“ ist ein Übergang von Qualität in Quanität.

Emergenzen chaotisieren die Welt.
Schiller* spottet: „Doch hat Genie und Herz
vollbracht, was Lockund Des Cartes nie gedacht, sogleich wird auch von diesen die Möglichkeit bewiesen.“
*
Die Weltweisen.

Leben ist Form. In der Generationenfolge konserviert es nicht Materie, sondern modifikationsfähige Form.
In der Fortpflanzung kopiert identifizierbare Form sich in neue Materie.

Eine stabil erscheinende Einheit hat eine Sollbruchstelle zwischen der stabil übertragbaren, verständlichen Form und der Materie, die von dieser zusammengehalten wird. Im Leben ist dieser Bruch der Tod.

Philosophieren ist nicht sinnloser als das Leben.

Erkenntnis

Die ratio setzt setzt jeweils „data“ (= Vor-„gegebenes“), per definitionem Prärationales, Zufälliges („Schöpfung“) voraus. Sie versteht sich selbst als zufälliges Evolutionsprodukt.

Jeder (nicht nur der christliche) Glaube ereignet sich unverfügbar, ubi et quando visum est Deo*.
* Confessio Augustana, Art. 5)

Die menschliche Gesellschaft ist ein Naturprodukt. Die menschliche Vernunft spielt darin eine untergeordnete Rolle. Für die Vernunft ist die Wirklichkeit ein Chaos.
Lebendiger Glaube ist unbegründbar. Er hat immer das letzte Wort; Solidarität in der Ratlosigkeit hat Verständnis dafür.

Begriffe sind konsensual selbstverständliche Annahmen.
Begriffsdefinitionen sind Rückübersetzungen in natürliche Sprache.

Denken ist ein Spiel mit Symbolen.

Man braucht Menschen die mitdenken.

Im Welle-Teilchen-Dualismus geht die aristotelische Unterscheidung von Form von Materie unter.

Eine Form ist ein Bündel von Informationen.

Schallwellen sind eine wesentliche Dimension des menschlichen Daseins, konstitutiv für unser sprachliches Symbolisieren und Denken.

Verstehen ist kein Kontinuum, sondern eine Ereignisfolge. Darauf beruht die Aphoristik – eine in der hippokratischen Medizin entwickelte Literaturform.

Wahrheit ist ein Projekt. (So verstehe ich Plato.)

Dem etymologischen Wortsinn nach, sind Spekulieren* und Reflektieren dasselbe in verschiedener Beleuchtung: Reflektieren ist transitiv, objektbezogen, kreatürlich; Spekulieren ist intransitiv, symbolbezogen, schöpferisch.
*
speculum = Spiegel, von spectare.

Vereinfachung

Vereinfachungen sind zwar unauslotbar bedingt nützlich; aber unverzichtbar. Ideale sind radikale Vereinfachungen; deshalb chaotisieren Ideale. Auch das Gemeinwohl-Ideal chaotisiert.

Vereinf: Jede Genauigkeit ist eine willkürliche Vereinfachung unserer Symbolik für das wirkliche Ungefähr.

Symbolik

Mit dem Machtzuwachs der menschlichen Vernunft in der Natur ist das Naturprodukt Symbolik immer wichtiger geworden. Zeichensysteme und Informatik sind daraus entstanden; der Roboter wird der Menschheit gefährlich.

Symbolik vermittelt all unsere Beziehungen (nicht nur die zwischenmenschlichen). Jeder hat seinen eigenartigen Anteil an der Symbolik. Sie ist die dem (hyperkomplexen) menschlichen Dasein natürliche (deshalb: komplizierte) Vereinfachung.

Denken ist Arbeit an der Symbolik, Anpassung der Vorstellungen ans eigene Gefühl einerseits und an dessen Gegenstände anderseits.

Wir erleben das Emergieren der Symbolik aus der „Wechselwirkung“ des Zusammenlebens, d.h. archaischer Information. Es ergeben sich immer neue Kohärenzen, Wechselwirkungen und Einheiten. In der Informatik hat die Symbolik eine neue Stufe erreicht.

Abbreviaturen (z.B. "ein BMW") beherrschen die heutige Entwicklung der Sprachen in Richtung eines Zerfalls der traditionellen, natürlichen Sprachgemeinschaften in sektorielle, kurzlebige, aber weltweite Subkulturen. Die Abbreviatur verdinglicht voraussetzungsvolle Relationen und verdeckt subkulturell diesen schwankenden Boden.
Rückübersetzung in natürliche Sprache dient der Überprüfung neuer Begriffe.

Ein Wort ruft Phantasien hervor. Es symbolisiert mehrdeutig (aber nicht beliebig). Es „hat Bedeutungen“; es bedeutet in verschiedenen – sämtlich unterbestimmten – Zusammenhängen verschiedenes.

Symbolik ist eine natürliche, die mütterliche Vorgabe für alle Verständigung und alles Verstehen.

Existenzsymbolik

Redundanz ist ein erstes Ungefähr.

Spielend findet man allerlei Sinn im Dasein – erst im Kleinen, dann im Großen.
Die explizite sog. Sinnfrage taucht auf, beruft zur Kreativität und geht wieder unter.

„Gott ist die Liebe/Solidarität“ (1Joh 4,8); „ihr sollt vollkommen sein, gleich wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!“ (Mt 5,48). Solidarität in der Ratlosigkeit ist unscheinbar schöpferisch – wie Gott.

Religion

Kult ist heiliges Spiel. Hier wird Offenbarung, Neuanfang, Neugeburt gespielt. Es gibt nichts Ernsteres.

Die Gesellschaft wird durch die Globalisierung für den Einzelnen überwältigend groß. Die Folge sind Resignation und, als Reaktion darauf, ein Wiederaufleben von Jenseitsphantasien.

Der Sündenbegriff setzt den Glauben an eine gute Weltordnung voraus. Wir aber leben im Zeitalter der bescheideneren Chaostheorie.

Leben ereignet sich; es spielt (M. Eigen/R.Winkler, 1978). Eine lebendige Religion ist ein symbolisches Spiel in der Welt mit der Welt.

Der Gebetsruf ist eine Beschwörung. Der Adressat wird oft als „lieb“ angesprochen. Wie „Lieber Gott“ auch: „Du liebe Zeit“ oder: „Der Vater, die Mutter, sie gehen vors Hauptmanns Haus: ‚Ach Hauptmann, lieber* (!) Hauptmann, gib unsern Sohn heraus!‘ “
* In allen Versionen des Liedes: O Straßburg, o Straßburg, du wunderschöne Stadt …)

Die Gesellschaft wird durch die Globalisierung für den Einzelnen überwältigend groß. Die Folge sind Resignation und, als Reaktion darauf, ein Wiederaufleben von Jenseitsphantasien.

Schöpfung

Unsere Unterscheidung zwischen Schöpfer und Geschöpf ist problematisch. Der Heilige Geist – spiritus creator – hat doch wohl etwas zu tun mit dem, laut Schöpfungsgeschichte (1Mose 2,7), von Gott selbst dem Menschen (creatura) eingeblasenen (!) Odem.
Die Beziehung Gottes zur Welt ist Liebe/Solidarität (Joh3,16), Gottes Solidarität konstituiert unsere Wirklichkeit. Scharfe Unterscheidungen aber sind Ideale der vereinfachenden Vernunft, die sich mit dem Ungefähr der Wirklichkeit nicht abfinden kann.

Christentum

Das Leben Jesu wurde von vielen als Anbruch der verheißenen Gottesherrschaft empfunden; aber er wurde als Gotteslästerer und Verbrecher exekutiert.
Die Kunde von der österlichen Vision des Petrus überzeugte erstaunlich viele. Der Glaube an Jesus als Sohn Gottes veränderte das Gottesverständnis und den Gottesbegriff und wurde als das Heil empfunden. Mit der Zeit wurde das Abendland christlich.
Das Christentum wurde schon in der Antike nicht nur von der Synagoge als gotteslästerlich empfunden. Luther empfahl im Namen des rechten Glaubens Säkularisierungen; die Bilderstürmer der Reformationszeit empfanden sich als die konsequenten Lutheraner. Aber das besondere an der christlichen Religion ist ihre säkularisierende Tendenz. Dietrich Bonhoeffer ist bekannt und anerkannt als hervorstechendes neues Beispiel.

Jesus war ein Radikalinski.
Im Scheitern des Radikalismus, in letzter Ratlosigkeit, offenbart sich der wahre Gott und leuchtet uns Solidarität auf*. Das ist der Sinn von Ostern.
* Heinrich Weinstock hat das, in Die Tragödie des Humanismus (1953), von Aischylos her beleuchtet.

Das Evangelium rät im Namen des Gottessohnes zu Solidarität in der Ratlosigkeit.

Gesellschaft

Politik erarbeitet Einigungen in Machtkonflikten zwischen Interessengruppen.
Die Problematik der Parteien (im weitesten Sinn) ist ein Vertretungsproblem. Sie vertreten die Interessen einer möglichst großen Zahl natürlich nur ungefähr; da ist eine Symbolik wichtig. Das Ungefähr verlangt solide Führung; das Vertreten geht also weiter und bringt eine innerparteiliche Führungsschicht hervor, – die denn auch ihre eigenen Interessen hat.
Die Gruppen können zur Wahrung und Förderung ihrer Interessen zu klein, aber auch zu groß sein. Das antike römische Reich, das Reich Karls des Großen, das deutsche „Dritte Reich“, und das britische Empire wurden zu groß. Die Vereinigung der Nord- und Südstaaten der USA ist bis heute ein Problem geblieben!

Heinrich Weinstock* plädiert christlich für Plato – gegen das aristotelische Medio tutissimus ibis (den gesunden Menschenverstand, den Glauben an die Gauss‘sche Normalverteilung). Unsere Wirklichkeit versteht er als im Wesentlichen tragisch im Sinne des Aischylos, chaotisch.
Er kämpft, um der Menschlichkeit willen, für Demut vor dem Heiligen, für Glauben an christos (den „Gesalbten“), das Heilige inmitten des saeculum, der Profanität; das Evangelium inmitten der Welt des Gesetzes.
Das Christentum lebt in einem Gott-Mensch-Chaos.
* Die Tragödie des Humanismus, 1953.

Tragik ist die Chaotik der Mitmenschlichkeit.

Den Begriff „Meritokratie“ stammt von Michael D. Young (1958 in seiner Satire The Rise Of The Meritocracy 1870–2033). Da stellen Schulen und Universitäten durch soziale Beziehungen die fürs weitere Leben entscheidenden Weichen in die Oberschicht, – die sich um die Gesellschaft „verdient“ macht, indem sie schlecht und recht regiert.
Der schülerhafte Stolz auf den Erfolg trägt den Glauben an eine invisible hand*, durch deren Fügung sein Egoismus der Allgemeinheit zugute komme. Auch hier ist man legitimiert und durch Schmeichler** betört*** – wie einst der „von Gottes Gnaden Kaiser“.
* Adam Smith hat diese Metapher je einmal in drei verschiedenen seiner Werke in verschiedenen Bedeutungen gebraucht (Emma Rothschild 1994), in ökonomischem Zusammenhang die unbeabsichtigte Nebenwirkung eines Verhaltens gemeint und diese Metapher ironisch gebraucht (E. R., 2001)!
** Höchst erfolgreich Ayn Rand († 1982). Ihre Philosophie des „Objektivismus“ war seinerzeit die amerikanische – ihrerseits vereinfachende – Antithese zur kommunistischen Vereinfachung.
*** „Schwindel“ im ursprünglichen Sinn.

Homo homini lupus“; „good fences make good neighbours“. Gute Abgrenzungen dienen dem Frieden. Liebe hat es nicht einfach; Solidarität muss kreativ sein!

Kooperationen sind spannungsvoll. Sie beruhen auf der vielfach bedingten, instabilen Koïnzidenz des gemeinsamen Interesses mit den Interessen der verschiedenen Akteure.

Herrschaft, und überhaupt Macht, ist, in der Dynamik der Gesellschaft, eine Glaubensfrage.

Es bedarf verschiedenartiger Individuen für eine überlebensfähige Gesellschaft von vermehrungslustigen Individuen in Auseinandersetzung mit einer wechselvollen, nährenden sowie tödlichen Umwelt. Der Kampf ums Dasein bedingt Spannungen und Koordinationsprobleme und diese schaffen Führungsprobleme.
Es bedarf auch dazu verschiedener Begabungen: zum Führen und zum Sich-fügen in allen Bereichen des Zusammenlebens – die denn auch untereinander ihre Koordinationsprobleme haben.

Auch kollektive Kränkungen führen zu bösen Dummheiten.
Ursprung des „Islamischen Staats“ war die Reaktion eines sunnitischen Widerstandskämpfers (Abu Bakr) gegen die „christliche“ Besatzungsarmee im Irak, – eine Reaktion auf Unrecht, das dieser in dem berüchtigten Gefängnis Abu Graib erlebt hatte.
Die psychische Struktur des unerwartet anwachsenden, von ihm beherrschten „Islamischen Staats“ erinnert an den deutschen „Sturm und Drang“, namentlich Schillers Räuber (geschrieben unter dem Eindruck eines Textes und des Schicksals des Christian F. D. Schubart*.
Auch der deutsche Nazismus war Reaktion auf ein Unrecht – auf den Friedensvertrag von Versailles 1919. (Versailles wiederum war Clemenceaus Reaktion auf Bismarcks Krieg gegen Frankreich 1970/71 mit der anschließenden Kaiserkrönung in Paris und Abtretung des Elsass und Lothringens.)
* Diesen hatte sein skrupelloser Landesherr (den er
beleidigt hatte), unter empörenden Umständen vier Jahre vorher inhaftieren lassen. (Erst sechs Jahre später gab dieser dem allgemeinen Druck nach und ließ Schubart frei.)

Soziologie ist eine Systemtheorie. Die theoretische Physik ist die höchstentwickelte Systemtheorie, eine Fundgrube für vereinfachende, klarer verständliche Vorstellungen, Modelle (Assimilationsschemata). Mathematik stellt einen Teil hiervon – hat aber ihre eigenen Probleme.

Koalitionen haben mehr oder weniger breiten, weichen, zerfallenden oder partikulären, harten, zerbrechenden Konsens (Merkel vs. Trump).Gesellschaft

Staat

Staaten sollen für Gerechtigkeit sorgen und Gerechtigkeit soll dem Frieden dienen. Kriminalität eines Staates in einem fremden Land dispensiert dieses, zugunsten einer angemessenen Strafverfolgung, von der Friedenspflicht.

Politik ist vieldimensionaler als das Geschäftsleben.
Als Firmenchef konnte Trump Geschäftspartner und Mitarbeiter ziemlich frei wählen. Nicht so als Politiker.

Demokratische Politik ist angewandte Massenpsychologie; Verantwortung für die weiteren Folgen ist Ethos, Sache der Ethik.
Demoskopie ist zunächst Werbeberatung, Geschäft. Der Politiker muss der öffentlichen Meinung nicht folgen, aber sie persönlich verantwortlich* berücksichtigen.
Der Vollbürger einer Demokratie ist wesentlich persönlich verantwortlicher Souverän.
* Der Glaube an Gott, den Schöpfer als Person, garantiert dies.

Korea, auf der Grenze zwischen den benachbarten Blöcken, hat böse Erfahrungen mit deren Machtpolitik gemacht! Das gehört zur Erklärung der nordkoreanische Politik.

Recht

Jede „Gesellschaft“ hat ihre spannungsvolle Existenzsymbolik, – die „den Anderen“ nicht gerecht wird.
Armer Leute Kind ist zum unschuldigen Verlierer prädestiniert. Er soll dem verwöhnten Reichen vergeben; sonst wird er gefährlich und muss unschädlich gemacht werden. Früher dachte man: Am sichersten an den Galgen!
Aber damit macht sich die Gesellschaft weiter schuldig; es überzeugte als Justiz immer weniger.

Geld verschärft das Problem „Eigentum“.
Eigentum ist ein juristisch (also strittig) präzisierter Begriff. Er gehört aber eigentlich – wie Freiheit – zur tieferen Problemschicht des sittlichen, lebendigen Ungefährs. Die sittlichen Ansprüche, die Menschen, als Subjekte, an einander haben, sind überkomplex mit einander verwoben.

Fiat iustitia, pereat mundus“ erklärte (laut einer Tagebuch-Aufzeichung des Marino Sanduno) der neugewählte Papst Hadrian IV (aus den burgundischen Niederlanden) im Jahr 1522 in seiner Ablehnung des Gnadengesuchs für einen Mörder aus der römischen Oberschicht. (Dies ist wohl der Ursprung dieses geflügelten Worts.) Mundus meint hier die Struktur der Gesellschaft; diese dürfe nicht zu Lasten der Gerechtigkeit geschützt werden.
Diesem
„… pereat mundusentspricht wohl am ehesten das deutsche: „Und wenn die Hölle platzt!“ – hier mit der konkreten Vorstellung: „… auch wo das eine Revolution auslösen kann!“ Das war aktuell! 1517 war die Reformation angebrochen, 1525 brach über Deutschland der Bauernkrieg herein; der Papst selbst starb, vielleicht vergiftet, ein Jahr nach seinem Verdikt, 1523.

Recht, sowohl als Ideal wie als geltendes Recht, ist eine grobe, aber unentbehrliche Vereinfachung.

Zuviel Ordnung erstarrt, führt zu Revolutionen und kollabiert.

Geld

Geld ist ein „Wert“; Wert ist ein Gut; ein Gut ist gut. Plato dachte darüber nach, was „das Gute“ sei. Das Gute ist eine Wunscherfüllung. Das verlangt nähere Bestimmung: „Gut“ für wen, unter welchen Umständen, für was?
Geld ist ein Tauschmittel, gut zum Tauschen von Besitz. Besitz ist Macht. Besitz ist ein rechtlich gesichertes Gut. Es beruhigt, weil berechtigte Macht durch staatliche Gewalt gesichert ist. Die staatliche Gewalt ist ein soziales Gut – allerdings, inmitten der verunsichernden Chaotik der Mitmenschlichkeit, ein unsicheres.

Die nackte Frage, was ein Mensch wert sei, ist unmenschlich, entwürdigend. Der Markt beantwortet sie – zwar praktisch, aber unbefriedigend – in der Regel mit dem Stunden-, Wochen- oder Monatslohn.

„Geld regiert die Welt“ und sogar die öffentlich-rechtlichen Regierungen. Die Oligarchie des Geldadels sorgt vornehmlich für sich selbst – bis zur nächsten Revolution.

Geld ist Credit-, also Glaubenssache. Lebendiger Glaube ist zwar vielfältig (etwa durch Machtverhältnisse) beeinflussbar, aber unregierbar.

Giralgeld beruht auf Bank-Macht, Bargeld auf staatlicher Gewalt. Geld beruht auf Vertrauen. Geldentwertung beruht auf Misstrauen gegen den Staat, dessen konsensual geregelte Macht von der Wirtschaft abhängig ist.

Wirtschaft

Chrystia Freeland warnt in ihrem Buch Plutocrats (2012), daß die neue weltweite Schicht der Superreichen (die auch die politische Macht an sich reißt) die Wirtschaft abwürgt. Der Niedergang Venedigs sei ein warnendes Beispiel für diesen „Erfolg“.

"Der Markt" ist ein theoretisches Modell, auf das man, verführerisch einfach, sich verständigen kann. Aber "Marktverzerrungen" sind nicht die Ausnahmen, sondern die Regel. Das ist die Tragik der Wirtschaftswissenschaften.

Solidarität

Teilhabe an Freude und Kummer Gottes (den Jesus „Vater“ nannte), des Schöpfers, mit seiner geliebten Welt – das ist das Leben, der Geist, den Gott (laut 1Mose 2,7) dem Adam in die Nase blies, der Geist, den wir heilig halten sollten.

Kultur

In einer erstarrten Hochkultur kommen Barbaren zu Macht – und führen in den Zusammenbruch.

Das heterotrophe (auch das menschliche) Leben ist brutal.
Kultur ist nur zeitweise und lokal stärker als Brutalität. Sie blickt über sich hinaus, entwickelt Religion und stärkt, indem sie integriert.

Die jüdische Intelligenz ist Ergebnis der 2000 Jahre Zuchtwahl seitens der antijudaistischen Gastvölker.

Neuere europäische Geschichte, grob:
Im 18. Jahrhundert erhob sich der Vernunftglaube gegen das
ancien régime.
Im 19. Jahrhundert beherrschte der Kampf der Ideologien die Szene.
Das 20. Jahrhundert war chaotisch.
Das 21. (vielleicht letzte) ist das Jahrhundert der Informatik.

Individuum

Wir Geschöpfe sind zur Weiterentwicklung der Schöpfung genötigt, und stehen also immer wieder im Grunde ratlos vor Entscheidungen.

Luther empfand alten und neuen Bund (testamentum) Gottes mit den Menschen, Gesetz als Wort Gottes und Evangelium als Wort Gottes, Zeit des Gesetzes vs. Zeit des Evangeliums, als existenzielle, theologische Grund-unterscheidung und appellierte dafür ans Gewissen. Der Autor von "Sein und Zeit" hat Luther gelesen.
Das Gewissen betrifft nicht nur unsere „Werke“, unsere Aktivität, sondern auch unsere Aktualität; unser Leben und Erleben ist eine Folge von Ereignissen*.
Gott hat uns zeitweise "gott-loses" Leben unter dem "Gesetz" verordnet.
* Für mich war der quantenphysikalische Begriff des Beobachtungsereignisses (Dimension: Wirkung = Energie mal Zeit) wegweisend.

Jeder muss primär für sich selbst sorgen.
Aber der natürliche
Egoismus des Menschen verlangt nicht nur maximales, sondern konsensfähiges Haben und Sein sowie Sicherheit in seiner Umwelt und dazu Selbstzufriedenheit. Da geht es um Symbolik.

Etwas Streitlust gehört zum normalen Menschen. (Man denke an den psychoanalytischen Begriff Todestrieb“ des späten Freud.)

Man weint über das Scheitern guten Willens, das verlorene Gute, wie ein hilfsbedürftiger Säugling.



Moral

Opportunismus chaotisiert die Gesellschaft.

Erst besinn‘s, dann beginn‘s!– nur ist es dann oft fürs Beginnen zu spät, und es bleibt beim „Probehandeln“ (wie S. Freud das Denken nannte).

Guter Rat: Zuversichtlich suchen, an allem etwas gut zu finden.

Für die Fortdauer einer lebendigen Struktur sind Hoffnung, Symbiose, Solidarität, Opferbereitschaft, Lebenswille, Anpassungsfähigkeit im Erbgut und Langsamkeit der Umweltveränderungen günstig.
„Tugend“
ist etymologisch „Tauglichkeit“. Beim Sollen geht es um die Zukunft; englisch: shall!

Die öffentliche Diskussion dreht sich noch heute, am „Ende der Fahnenstange“, ums Wachstum.
Wir brauchen aber immer weniger eine Ethik des Wachstums und immer mehr eine Ethik des Untergangs.

Bosheit kann man nicht ausrotten. Wie der Tod zum Leben, gehört sie zum höheren Leben. Wir können nur großes Böses mit kleinerem Bösen bekämpfen.
Schuld ist nicht einfach Ungehorsam gegen eine gute Weltordnung; alle Schuld ist tragisch. (Hierzu ist höchst beachtlich das wenig beachtete Buch von
Heinrich Weinstock, Die Tragödie des Humanismus, Heidelberg 1953.)

„Ethos im Chaos“* ist Solidarität.
* Thema eines Vortrags von mir (1991), zugänglich auf meiner WebSite.

Moral appelliert an den Einzelnen – auch an ihn als „Stütze der Gesellschaft“. Aber Hauptakteure der Geschichte sind fluktuierende soziale Einheiten. Der Einzelne wird für sein Verhalten in der Welt (der Gesellschaft der Gesellschaften und ihrer natürlichen Umwelt) „verantwortlich“ gemacht; er soll es rechtfertigen können. Aber er ist damit überfordert. Allerdings soll er, menschlich gefragt, menschlich antworten können.

Guter Wille ist, nach I. Kant, „ohne Einschränkung gut“. „Gut“ ist abstrakt ideal; aber auch der gute Wille ist einschränkend, wenn er konkret entscheidet.

Trauer

Ich glaube, dass ich sterblich bin, aufgrund dessen, dass ich mich mit andern Lebewesen identifiziere, deren Sterben ich erlebt habe.

Alter

Ich kann immer weniger mitwirken; man wird mit dem Alter immer abhängiger. Das macht Angst.
Aber das Evangelium von Jesus als Gottes Sohn sagt mir, ich solle getrost sterben: Auch mein Fortleben in der Vielfalt der Welt, die ich persönlich mitgestaltet habe, liegt in Gottes Hand.

Man lernt die Welt kennen; man baut sie im Gehirn nach – und glaubt, dass das so ungefähr stimmt. Im Alter wird die Selbstverständlichkeit brüchig. Weisheit staunt.

Die Erfindung der Schrift hat den Wert der älteren, erfahreneren Menschen für die Jüngeren gemindert, – wenn sie belesen waren allerdings: gesteigert.
Heute, im Zeitalter der Informatik, ist die Erfahrung der Älteren weiter entwertet.

Gegenwart

Das Wirtschaftswachstum ist tückisch: Es produziert zuerst Wohlstand, aber zunehmend Müll, in welchem es die affluent society sachte erstickt.

Bei Informationsüberflutung entsteht Rauschen und unterlaufen mehr Fehler. Hiergegen schützt man sich mit Redundanz, die ihrerseits zu Flüchtigkeit nötigt – ein selbstverstärkender Prozess. Es droht Zusammenbruch der Symbolik der Gesellschaft. Lüge, „alternative Fakten“ werden zur lokalen Rettung eingesetzt – zu Lasten der Kohärenz der globalisierten Gesellschaft.
Das ist heute die Tragik der Gesellschaft. Propheten und Heilige* werden als Hoffnungsträger wieder benötigt und führen in heilige Kriege.
* „Hände falten, Köpfchen senken und an Adolf Hitler denken!“ ersetzte im Dritten Reich in einem Kindergarten die Aufforderung zum Morgengebet.

Die industrielle Fortentwicklung auch der Informatik wächst schneller als die Nachfrage. Die Endverbraucher brauchen individualisierte Hilfe! Aus ihrer Sicht, liefert die Industrie Halbfertig- und unausgereifte Produkte. Darum wird, statt Kauf, das Abonnement die übliche Handelsform. Das ausgereifte Produkt blockiert den Markt.
Gratisangebote finanzieren sich mit unwillkommener Werbung und zunehmend mit freiwilligen Spenden.

Die industrielle Fortentwicklung auch der Informatik wächst schneller als die Nachfrage. Die Endverbraucher brauchen jetzt individualisierte Hilfe! Aus ihrer Sicht, liefert die Industrie Halbfertig- und unausgereifte Produkte. Darum wird, statt Kauf, das Abonnement zur üblichen Handelsform. Das ausgereifte Produkt blockiert dann den Markt.
Gratisangebote finanzieren sich mit unwillkommener Werbung – und zunehmend mit freiwilligen Spenden.

Ausblick

Angriff ist die beste Verteidigung“? Keine Begehrlichkeit Stimulieren ist besser!
Die
heutige Vermehrung der Weltbevölkerung durch die ererbte natürliche Fruchtbarkeit müssen wir solidarisch mittragen und mäßigen.
Dem beängstigenden natürlichen Chaos des Zufalls
müssen wir mehr konsensfähige Normalverteilung abgewinnen!

Phantasien von sustainable development – Vorstellungen von einer Abfolge von Folgen unseres Daseins, Ausblicke auf den Rückblick kommender Generationen auf uns – haben die alten Zukunftsphantasien von Himmel und Hölle ersetzt.

Statt des Himmelreichs phantasiert man heute sustainable development, Vorstellungen von den banalen Folgen unseres Daseins und Ausblick auf den Rückblick späterer Generationen auf uns.

Rest

Zugeordnet

Mor: Umweltschutz verlangt des Einzelnen Selbstverständnis als Stütze der Gesellschaft. Dieses Selbstbild verlangt Anerkennung seiner Person als Vollbürger. Kraft seines (notfalls selbstschädigenden) Störpotenzials kann er diese sogar verlangen.

Ges: Der große Rhythmus der Geschichte ist keine harmonische Welle, sondern langsamer, sich beschleunigender Aufstieg und steiler Absturz.

Leb: Nach Manfred Eigen ist Leben Spiel. Spiel und Arbeit gehen vielfach bruchlos in einander über.

Wirkl: Der κόσμος* ist doch mild chaotisch durchwachsen, und er ist begrenzt. Jenseits seiner Grenze liegt ein Freiraum** für Phantasien, die aus dem Innersten*** des Menschen kommen; für unseren Verstand herrscht da wildes Chaos. Da haben auch Himmelreich und Hölle neben einander Platz.
* Die Welt als schöne Ordnung“ ist ein uraltes (pythagoreisches) Konzept.
**
Man hat diesen, etwas gedankenlos, als „das Jenseits“ substantiviert.
*** Die Tiefenpsychologie studiert die Chaotik des Unbewussten.

ExSy: Jeder schreibt sich, mit unvorhergesehenen Folgen, in die Geschichte ein.
In meinem Ich leben viele weiter, die längst gestorben sind. Meine Gedanken, Worte und Werke sind eine Folge von Folgen von Gedanken, Worten und Werken, mit denen diese Toten persönlich, an ihrem Teil, die Welt verändert haben.

Ggw: Pankaj Mishra, Age of Anger. A history of the present (dt. Das Zeitalter des Zorns. Eine Geschichte der Gegenwart), 2017, ist eine breit fundierter*, apokalyptisch gestimmter Aufruf zum Umdenken. Das Buch führt die gefährliche heutige globalgesellschaftliche Situation zurück auf den Zusammenbruch der euphorischen** Säkularisierung der mancherlei Hoffnungen auf das Reich Gottes***. Es artikuliert die herrschende, aber allgemein verleugnete und vielfältig maskierte Ratlosigkeit.
* 32 Seiten „Weiterführende Literatur“!
** Es erinnert an das, was die Psychiatrie manisch-depressives Irresein nennt. Die moderne Gewalttätigkeit (etwa des „Islamischen Staats“ weltweit und der Chaoten vom G20-Gipfel 2017 in Hamburg) ist ein Depressionssymptom.
*** Genauer: auf das 1000jährige Reich des millenarism/Chiliasmus (nach Offb 20, 1ff).

Sy: „Erst denken, dann reden!“ lehrt man, zurechtweisend, die Kinder.
In der Psychoanalyse lernt man hinzu: „Erst reden lassen (auch sich selbst!), und dann bedenken!“

Kult: Auch P. Mishra konstatiert in seinem gründlichen Buch über unsere Gegenwart (Das Zeitalter des Zorns) eine apokalyptische Stimmung.
Es lohnt sich, die neutestamentliche Apokalypse, die Offenbarung des Johannes in diesem Licht wieder zu lesen! Sie bringt den prä-tragischen* Rachedurst der Märtyrer zur Sprache und malt das Jüngste Gericht über die Menschheit aus. Diese Wut gilt der ganzen Welt, die da vom Unrecht profitiert.
* Heinrich Weinstock, Die Tragödie des Humanismus, 1953, war für mich erhellend.
** Gericht natürlich nach ihren Werken! Nicht von Glauben (der das Gericht an Jesus vollzogen sieht – vergleichbar mit der Verwandlung der Erynnien in die Eumeniden bei Aischylos), aber von Götzendienst ist viel die Rede.

Ges: Die menschliche Gesellschaft ist überkomplex und hat mehrere Machtstrukturen zugleich, die in mehreren Dimensionen konkurrieren. Klassisch: Priestertum und Königtum, Staat und Kirche; Legislative/Exekutive/Judikative (Montesquieu*); heute: Politik und Wirtschaft.
* De l‘esprit des lois, 1748 in Genf herausgebracht, 1751 auf den Index librorum prohibitorum der Inquisition gesetzt.

Ges: Die πόλις (archetypisch: Athen), gerade in ihrer Zerbrechlichkeit, war, nach Heinrich Weinstock, der Horizont der menschlichen Tragik im Sinne des Aischylos. Globalisierung überfordert die Menschlichkeit – schon im antiken Römischen Reich.
Kreuz und Auferstehung Jesu radikalisieren und globalisieren die Tragik. Der „Neue Bund“ Gottes mit den Menschen, „Evangelium gegen Gesetz“ (Paulus, Luther), sprengt, mit der jüdischen „Polis“, die Tragik als Grundstruktur der Menschlichkeit.
Luthers Fassung der (Augustinischen) Zwei-Reiche-Lehre ist im klassischen Sinne tragisch!

Ges: Die inoffizielle, „außerparlamentarische“ Opposition gegen die allzu selbstsichere (früher die politische, heute die wirtschaftliche ) Machtelite ist gleitender Übergang zum „Welt- Bürgerkrieg“* am Rande der Gesellschaft – bedenklich bis gefährlich.
* Hans Magnus Enzensberger.

Recht und Unrecht werden in der Bibel radikalisiert*, von Epikur** relativiert.
* Bis zum stellvertretenden Kreuzestod des Gottessohnes!
** Heinrich Weinstock nimmt ihn gebührend ernst.

Geld: Kapitalismus wurde und wird verschieden, meist kritisch definiert. Im Zentrum des allgemeinen Sprachgebrauchs steht zinstragendes Kapital. Es geht um das natürliche Wachstum des Geldwertes von Vermögen*.
Natürlicherweise wächst Kapital exponentiell, also das größte am schnellsten. Damit wachsen natürlich auch die sozialen Spannungen exponentiell. Jedes** partielle Wachstum ändert die Proportionen und endet in einem Zusammenbruch des Subsystems, in dem es stattfand; und dieser Zusammenbruch führt zu Umstrukturierung des Gesamtsystems. Das Misstrauen gegenüber dem Kapital ist deshalb wohlbegründet.
Kapitalismus setzt dem entgegen, dass Kapital normalerweise Ergebnis von Tüchtigkeit sei. Aber die Erfahrung hat dem Wort „Geschäftstüchtigkeit“ einen ironischen Sinn eingetragen.
Die Abstraktheit des Geldes als "Wert" schützt dessen Eigendynamik vor der konkreten, lokalisierbaren Störung durch seine soziale Relevanz; seine Gesichtslosigkeit schützt vor der Störung durch persönliche*** Verantwortung.
* Abzüglich der Wertgegenstände, die (als Absicherung gegen Wertverlust des Geldes) zum Vermögen gehören.
** Lebendige Organismen sind in der Welt seltene, langsam entwickelte Systeme, die ihr Wachstum, lange vor dem Abbruch, stabilisierend zum Stehen bringen.
***„Werft ihn hinaus! Er bricht mir das Herz!“ ruft der Unternehmer, in dessen Zimmer ein um Hilfe flehender Ausgebeuteter vorgelassen wurde (in einem Dürrenmatt-Schauspiel?).

Ggw: Die Ausschreitungen in Hamburg habe die G20 überblendet.
Der Boden, auf dem diese „neue Qualität von Gewalt“ wachsen konnten, war gedüngt mit der neuen Qualität von Betrug seitens der Oberschicht wie die Abgasmanipulationen bei VW. Diese hat dem Ruf Deutschlands viel mehr geschadet als die Krawalle! Darum hätten sich die Stützen der Gesellschaft* in CDU und FDP, die jetzt (Juli 2017) nach härterer Bestrafung für Randalierer rufen, in erster Linie kümmern sollen. Die blendende Publizität der Zerstörung ruft zur Besinnung**.
*
Henrik Ibsen 1877.
**
Richtungweisend Pankaj Mishra, Age of Anger. A history of the present (dt. Das Zeitalter des Zorns. Eine Geschichte der Gegenwart), 2017.

Einf: Besserwisserei gehört in die Tragik, die Chaotik der Menschlichkeit.

Ind: Das menschliche Leben ist besonders vielfältig verwoben in die Umwelt: nicht nur durch den Stoffwechsel, sondern durch die vielen (einseitigen und wechselseitigen) Identifikationen und Vorstellungen, – die dann auch, ohne eigenes Zutun des Betroffenen, fusionieren und, in neuen Kontexten, selbstständig Neues bewirken. Das wohl eklatanteste Beispiel ist der „auferstandene“ Jesus! „Wir werden alle verwandelt werden“, schreibt Paulus (1Kor 15, 51).
Das mir bevorstehende Irgendwie des Sterbens und der sichere Tod machen mir Angst. Aber der Tod hat nicht das letzte Wort!

Leb: Das Gewohnte, das Zuhause, die Heimat, hat man liebgewonnen; aber es wird bisweilen langweilig. Das Ungewohnte, das Fremde ist bedrohlich; aber es lockt! Wir sind für Wechsel ausgelegt. Im Diesseits phantasieren Menschen ein Jenseits.

Leb: Lebenslang sind wir unfertig, und wir sterben als Fragmente*, – die dann als solche jeden Überlebenden persönlich ansprechen! (Das erlebt man, auch ohne Bekanntschaft, auf dem Friedhof.)
* Dietrich Bonhoeffer sah sein Leben ein Fragment bleiben.

Rel: Epikur entdeckte die psychotherapeutische Wirkung von Lehrsätzen als in der Angst beruhigenden Halt, Glaubenssymbole*.
Zu dieser Hilfe hinzu gehört die (bis zur Vergottung gehende!) Verehrung für den Meister, der einem geholfen hat, den eigenen existenziellen Lehrsatz zu finden.
Für Epikur selbst war Freundschaft (so etwas wie die christliche Liebe) das Lebenselement. Die ‚
hedonè‘, die Lust, war hier so etwas wie „Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Röm 14,17).
* H. Weinstock erinnert dazu an den Apotheker Emile Coué, der beobachtet hatte, dass Medikamente besser halfen, wenn er sie dem Patienten persönlich empfohlen hatte, und, zur Autonomie berufend,
mit ungeheurem Erfolg die Autosuggestion auf den Leuchter stellte.

Ungeordnet

Die Menschheit hat sich so zunehmend innovativ* entwickelt, dass sie sich wahrscheinlich durch vielfach partielles, unausgewogenes Wachstum selbst zugrunde richten wird**.
Die Apokalyptik setzt starre Ordnung als gottgewollt voraus, versteht also solches Wachstum als Sünde, und symbolisiert sein Ende prägnant im Bilde des „jüngsten Gerichts“.
* „Der Mensch ist das noch nicht definierte Tier.“ (Nietzsche?)
** Robert Merton‘s Anomie-Theorie (1938) weist in diese Richtung.

So etwas wie eine Rechtsordnung ist ein kollektives Überlebensbedürfnis jeder Spezies von „animal sociale“. Aber die Rechtsgeschichte zeigt: ordentliches Recht versteift die Gesellschaft und kann umständebedingt verhängnisvoll sein. Zu Zeiten chaotisiert nicht so sehr Kriminalität wie, ausgerechnet, das Rechtsideal.

Es ist mehr Geld im Umlauf, denn als Tauschmittel gebraucht wird. Trotzdem wird von der Europäischen Zentralbank die Geldmenge vermehrt (und dadurch entwertet), um, durch Förderung des Handels, die Nachfrage und dadurch die Produktion von nicht benötigten Produkten zu fördern (die sich nur die Wohlsituierten leisten können) und dadurch mehr Arbeit zu beschaffen. Das verschärft Luxus und Ungleichverteilung.

Das „höchst Gebot“, das sogenannte Liebesgebot, war Gottes schöpferischer Rat. In göttlicher Bescheidenheit schafft Solidarität unscheinbar Rat inmitten aller Ratlosigkeit.
Mein Weg zu dieser Überzeugung ist hier dokumentiert.
Das (von Christian Mlynarek ausgearbeitete) Absatz-Suchprogramm hilft jedem Interessenten, in dieser (chronologisch und sachlich nur grob gegliederten) Menge von Notizen sich seinen ganz eigenen Überblick und Durchblick zu verschaffen.

„Nachfolge Jesu“ im Geist des Schöpfers ist Solidarität mit Gott.

Wir haben uns beschleunigt vermehrt. Die meisten Menschen finden die meisten Menschen überflüssig.
Das ist für die jeweils anderen – also für alle – kränkend, produziert Hass auf die Globalgesellschaft und chaotisiert sie gefährlich.

„Leben ist Fressen und Gefressenwerden“, im Einzelnen und im Ganzen ein kompliziertes Ereignis mit Anfang und Ende und bedeutungsvollen Unendlichkeitsphantasien.

Intraspezifische Aggression gibt es bei vielen Tierarten. Aber die haben keine Massenvernichtungswaffen entwickelt, die die Gefährlichkeit des Einzelnen so hoch multiplizieren, daß Auslöschung der Spezies durch sich selbst möglich ist.

Symboliken und Symbole sind prärationale Vereinfachungen zwecks Verständigung über die Wirklichkeit – auch mit sich selbst. Sie sind also konstitutiv für das Selbst. Das Selbst ist durch (mehr oder weniger idiosynkratische) Symbolik mit sich selbst vermittelt.

Auch alle religiösen Bekenntnisse und Gottesbilder sind Vereinfachungen.

Beobachtungsereignisse bilden den Horizont unseres Realismus. Das unmittelbare Ende eines Ereignisses ist Ratlosigkeit. Neubesinnung ist nötig.

Klar und genau sind nur Vereinfachungen.

Auch Determinismus ist eine Vereinfachung. Das deterministische Chaos ist eine Vereinfachung der chaotischen Grenze zwischen Wirklichkeit und Vereinfachungen.

Schmerzende Trauer hält in Bewegung. Bewegung ist immer unbefriedigt.

Reale Bewegung (Bewegung von Masse) ist eine Dimension von Wirkung, gequantelt in minimale Differenzenquotienten.

In den quantifizierenden, „exakten“ Wissenschaften, gibt es reale unteilbare Einheiten nur in der Dimension Wirkung . Im natürlichen Denken entspricht dem das Ereignis (subjektiv: Erlebnis).

Wirk: „Realität“ ist ein objektivierender Begriff, „Wirklichkeit“ ein Existenzsymbol.

Geld: Vermögen dient dem Sicherheitsbedürfnis des Einzelnen in der milden Zufälligkeit des Lebens.

Erk: Der Arzt soll, solidarisch mit dem Kranken, helfen wollen. Solidarität ist zunächst ratlos, skeptisch gegenüber Ratschlägen. In der Ratlosigkeit ist die Solidarität unscheinbar schöpferisch. Die Skepsis als Philosophie begann (Pyrrhon von Elis) nicht, aber wurde in ärztlichem Milieu (Sextus empiricus!) gepflegt und von hier aus verbreitet.

Ges: Scharfmacher haben in Parteien Erfolg bei den Denkfaulen – auf Kosten nicht nur der Gegner, sondern der Umwelt.

Wachs: Dem Volk ging der Fortschritt zu schnell; so wählte es Trump.

Ausbl: Der Mensch mit Zukunft ist Stolz auf Selbstbeschränkung!

Geld: Vermögen ist Familiensache.

Keyser Friderich [III.], Keyser Maximilianus‘ vatter, hatt ein Sprichwort gehabt, das einem Fürsten wol gezimpt: „Qui nescit dissimulare nescit imperare, Wer nit kan lassen für oren vnd augen geen vnd durch die finger sehen, der kann auch nit regiern.“ (Luthers Sprichwörtersammlung, hg. Thiele, Weimar 1900.)

Dinosaurier und Mammuts sind ausgestorben! „Fest, wie der Erde Rund, gegen des Schicksals Macht steht mir des Hauses Pracht“, sagt bei Schiller (Das Lied von der Glocke) der Bauer, bevor der Blitz einschlägt und ihn ruiniert.

Rechtspflege ist Pflege der Symbolik, die die Gesellschaft ungefähr zusammenhält.

Nationalismus vs. Globalisierung ist Präferenz für vielen, kleineren Unsinn gegen gemeingefährlich großen Unsinn.

Die Lutherische Zwei-Reiche-Lehre ist Unterscheidung zwischen Poesie und Prosa.

Leben ist Sterben; gottgeschaffen in Gott hineinwachsen und in Gott aufgelöst werden.

Sterben ist – oft qualvolle – Auflösung des gottgewollten partikularen Ich zurück in die göttliche Identität.
Paulus artikuliert das (1. Kor. 15), in der Tradition der Ostervision des Petrus, apokalyptisch (v. 28: „ … auf dass Gott sei alles in allem“).

Luther unterschied zwischen Zeit des Gesetzes und Zeit der Gnade sowie, Augustin umdeutend, zwischen Reich Gottes zur Rechten und Reich Gottes zur Linken.
Ich möchte fortsetzen: Auch zwischen Poesie und Prosa ist zu unterscheiden. Poesie war ja ursprünglich Religion*. Beides hat seine Zeit und seine Unzeit; keines von beiden ist uns jederzeit erlaubt!
* Goethe als Dichter im Tasso: "Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide!"

Die leibliche Nähe wird immer unwichtiger; elektronische Kontakte werden immer wichtiger. Das wirkt sich auch auf das Gemeindeleben aus.

Wir leben in einerseits immer zahlreicheren, anderseits immer dünneren, zusammenhangslosen Kontakten. Soziale und psychische Kohärenzen werden durch Informations-Kohärenzen verdrängt.

Alternative Fakten“ haben in der menschlichen Gesellschaft schon immer eine große Rolle gespielt. Mose, Jesus und Mohammed wurde schon im Mittelalter, im Untergrund der Gesellschaft, als tres impostores gesehen. Der Vatikan hatte seit 1622 seine Sacra congregatio de propaganda fide, deren Tätigkeit der Vokabel ihre bleibende Färbung verlieh. Ludwig XIV. institutionalisierte der staatliche Propaganda. Die Informationstechnik macht dergleichen zunehmend gefährlich.

Wir sind eingeladen zu meditieren: „… ἵνα ᾖ ὁ θεὸς πάντα ἐν πᾶσιν” / „auf dass Gott sein alles in allem(1Kor 15,28) mit der Paulinisch-apokalyptischen Vorgeschichte (vv. 20ff.). Chaotische Auflösung (Mitteilungen, Zerfall der Autonomie, des Körpers) in Gott.

Die biblischen Apokalypsen artikulieren Hoffnung; sie alle sehen jede einen gottgewollten Weg durchs Chaos vor.

Kinder erwarten von uns Führung, Sprache, eine angstlösende, aussichtsreiche Symbolik.

Seit es den Kommunismus nicht mehr gibt, gibt es auch „den Westen“ nicht mehr.
Es gibt konkurrierende Ordnungsmächte, Staaten, Konzerne und fluktuierende Bündnisse, die gewaltbereit mit Halbwahrheiten gegen immer neue Halbwahrheiten wüten. Das Chaos ist überwältigend erfinderisch und ordnet sich um.

Der Realismus wird im Alter wieder fadenscheinig. „Es könnte doch alles auch anders sein!“
Paulinische, synoptische und johanneische Apokalyptik deuten die Ostervision des Petrus. Diese deutet, ereignisweise evident, Gotteskindschaft als Auflösung in die Identität Gottes, des Schöpfers.

Ende ist traurig, hilfsbedürftig, ratlos, Demütigung fürs realistische Pars pro toto als Gotteserfahrung.

Osterbotschaft für skeptische Mäuse: Zwei Mäuse fallen in einen Milchtopf. Die eine sieht die Lage als hoffnungslos geht unter. Die andere sagt: „Man kann nie wissen!“ und strampelt die ganz Nacht. Morgens sitzt sie auf einem Butterkloß und springt hinaus. (Das erzählte man sich im Widerstand gegen Hitler.)

Per definitionem ist Gottes Wille das wohlverstandene Gemeinwohl. Nur: Wer „versteht wohl“? Da kommen die Propheten, jeder mit seiner fulminanten Halbwahrheit.

Für den sozialen Frieden benötigt die menschliche Gesellschaft heute Arbeitsplätze.

Lieber als sich jetzt schon gegenseitig totzuprügeln, steuert die Politik einig, langsam und umsichtig in den Abgrund.

Mundus vult decipi, die Welt will betrogen sein (Sebastian Brant, in Das Narrenschiff) nach Ulpian*.
* Corpus Iuris Civilis, Digesta 50.16,49 (Ulpian) nach Plinius d.J., Briefe 7,9,15; "Mundus vult decipi, ergo decipiatur.“

Das sog. Jenseits ist der Raum für Größenphantasien*. Hierfür bieten institutionalisierte Religionen eine fertige Symbolik.
* Salman Ramadan Abedi, the recent Manchester Arena suicide bomber, was a regular party-goer who drank vodka and smoked marijuana, according to reports from his friends. You could argue that this helped him cope with a sense of cultural displacement as a disconnected, second generation, European immigrant; a feeling that he was not Libyan enough, nor British enough. You could also deduce that coming as he did from a religious family, drink and drugs paradoxically pacified and amplified his feelings of shame. (Leena Al Olaimy, in: World Economic Forum, 27 Juli 2017.

Viele internationale Unternehmen ziehen ein "stabiles autoritäres Regime" einer "chaotischen Demokratie" vor!

Überbevölkerung ohne inklusiven kollektiven Optimismus ist kränkend für jeden Einzelnen. Sie senkt die Erwartung für seinen Wert für die Gesellschaft.
Im Namen der Gerechtigkeit mörderische Massenbewegungen wie der Islamische Staat rekrutieren sich aus Gekränkten. (Die Hitlerei war eine Frucht der Kränkung von Versailles.)

Der soziale Verteilungskampf zwischen den Reichen ist ein Gesellschaftsspiel, aber im Grunde eine Anspielung auf den Kampf um die knappen Güter, dein Kampf des Lebens ums Weiterleben, eine naturwüchsige Sozialstruktur.

Die Mehrdeutigkeit des Wortes „Verdienst“ verdeckt den ungelösten sozialen Normenkonflikt zwischen Eigennutz und Gemeinwohl.

Im exakten, wissenschaftlichen Sinn sind „imaginär“ Objekte die unser Verstehen von Realem postuliert, die also nur in unserem Verstehen real sind.

Abstraktionen sind wesentlich zeitlos. Ewigkeit ist Eigenschaft eines imaginären Objekts, einer Vorstellung von einer Abstraktion.
Die Vorstellungen von einem ewigen Gott sind Vereinfachungen, mit denen der Mensch Ereignis
abfolgen handhaben kann.

Ohne das angeborene, ererbte Weiterleben-Wollen gäbe es uns erst gar nicht.
Der Wille zum Wollen, nicht nur das Wünschen, ist uns angeboren, selbstverständlich.

Wir sind schließlich nicht zum Zugucken da, sondern zum Mitleben (inklusive Mitsterben).

Emergenz“ (G.H. Lewes*), „Fulguration“ (Konrad Lorenz), ist unvorhersehbar, schöpferisch.
Zu dieser Unberechenbarkeit der Natur muss nicht ein Macher hinzu phantasiert werden; es geht nur um die Grenze der Leistungsfähigkeit unserer Vernunft als Anpassungsorgan an die äußere Realität.
*
1875, bezüglich der Entstehung des Bewusstseins.

Unberechenbar und uninstitutionalisierbar, erleben wir Gott als Ereignis.
Gott begleitet uns solidarisch durch die menschliche Verlassenheit in der Welt.
Die Trinitätslehre vergegenständlicht Gott; Orthodoxie ist, als solche, unchristlich.

Die Solidarität Gottes ist die Wirklichkeit des Ideals.

Zeit ist, vereinfacht, ein Kontinuum, konkret aber einer Menge von Reihen von Ereignissen.

Die Technik, als Multiplikator der Macht jedes Einzelnen, sprengt die bislang stabilisierenden Sozialformen.

Stabilisierung fördert Wachstum und führt auf diesem Wege zu Destabilisierung.
Das ist die Struktur von auch komplexen Ereignissen – dem wesentlich im einzelnen unberechenbar zufälligen Wellengang der Geschichte.

Die relativ natürliche Sozialform des Territorialstaates ist von den flexibleren Tauschstrukturen des sog. Kapitalismus überwältigt.

Märkte sind Inseln milder Chaotik – im Meer der wilderen, die die Märkte „verzerrt“.

Die Bohème hatte das Ende der Neuzeit eingeläutet. Die lost generation um Gertrude Stein in Paris* war eine marginale, für jene Umbruchszeit repräsentative Subkultur. Sie hält uns, in unserer heutigen Ratlosigkeit, drogiert-prophetisch einen Spiegel vor.
* Es folgte die „beat [niedergeschlagene] generation“ (Selbstbezeichnung!).

Luthers Lehre von Gottes Wort als „Gesetz* und Evangelium ( = Botschaft von der Auferstehung des gekreuzigten Jesus)“ ist das m. W. erste Beispiel für das (modern-ontologisch bescheidene) „Verständnis“ des Lebens als nicht eines Stückchens Ewigkeit, sondern als temporalen Ereignisses. Diese Bescheidenheit ist heute Conditio sine qua non der Theologie.
* Im Geist der (idealistisch ideologisierten) abendländischen Schuldkultur, radikalisiert im usus theologicus (Gegenbegriff zu usus civilis).

Solidarität ist unterbestimmte Identifikation.

Öffentliche Meinung“ im Singular meint eine vorherrschende Meinung.

Der Sinn des Lebens im petit train train zwischen Trauer und Hoffnung ist die Sinnsuche.

In den Vereinigten Staaten stemmt sich ideologischer Konservatismus gegen den chaotischen Fortschritt.

Meine Notizen sind Versuche, zwecks besserer Orientierung und genauerer Verständigung, Zusammenhänge zwischen gebräuchlichen Begriffen zu präzisieren.

Vereinfachend als objektiv vorgestellte Ereignisse sind doch nur unauslotbar bedingt genaue Koinzidenzen.

Die eine Wahrheit hat mindestens zwei Aspekte: religiös, regressiv integrativ und analytisch säkular.

Es mag immer wieder einmal das Vernünftigste sein, Gold „auf die hohe Kante“ (ins Safe oder unter die Matratze) zu legen. Aber Geld ist ein Tauschmittel, und auf der hohen Kante ist es zweckentfremdet.

Nachtgedanken dienen der Selbstverständigung.

Das Fragen des Sokrates auf dem Markt in Athen störte die Polis. Er starb – rechtskräftig zum Tode verurteilt. Sein Fragen aber blieb lebendig und machte Schule. Auch sein treuer Anhänger Platon störte und fand Anhänger.
Als Liebhaberwert wird Philosophie (sich artikulierende „Liebe zur Weisheit“) schulbildend, wird Schulwissen und bekommt dann sogar Marktwert. Darüber wird dann ihr Ursprung in der Ratlosigkeit vergessen.

In der Ökonomisierung der Medizin geht es um den Marktwert von Menschenleben. Dessen Unterhaltskosten steigen mit dem Alter; der kollektive Liebhaberwert des Einzelnen sinkt mit seiner Rentabilität. Die mittlere Generation, die für sich selbst, ihre Eltern und für ihre Kinder zu sorgen hat, muss den Tauschwert abwägen.

Die negativen Gefühlsreaktionen sind bewährte Schutzmechanismen für Lebewesen.

Komplexe Systeme sind, wie ihre einfachen Bausteine (letztlich „Wirkungsquanten“) in Wirklichkeit beschränkt dauerhaft.

Ordnung ist Form – als Information in anderer Materie abbildbar.

Identität von stabilen Strukturen/Formen verbraucht durch „Stoff-wechsel“ Energie. Sie erhält Ordnung durch Chaotisierung der Umwelt.

Die Evolution der Formen ging, über chemische Autokatalyse hinaus, weiter zum Leben, zum Menschen, zur Informationstechnik.

Totaler Krieg der vereinfachenden Halbwahrheiten, die je die ganze Wahrheit repräsentieren wollen.

Dank und Ehre den rechtschaffenen Armen! Sie sind die Träger des sozialen Friedens.
Profit ist meist mehr Glück* als Verdienst**.
* Fortuna schenkt fortune!
** Von „Dienen“!

Glaube ist ein Ereignis von Existenzsymbolik. Institutionalisiert, ist „Glaube“ nur noch Symbol für ein Ereignis.

Witz befreit, indem er die Vieldeutigkeit des bedrückenden Realen ins Spiel bringt.

Nicht böse werden, sondern schöpferisch für das Gute kämpfen!
Schöpfung hat allerdings auch eine böse Seite und ein Ende. (Die Bibel spricht vom jüngsten Gericht.)

Natürliche Hoffnungsträger der Alten sind Kinder, der Kinder: die Alten. Deren Resignation gehört zu ihrer lebenstüchtigen Weisheit.

Vergib dem Schöpfer!

Solidarität vergibt.

Die Vorstellung vom Schöpfer ist schöpferisch!

Ds Geld verliert seinen Wert. Die Europäische Zentralbank entwertet das Geld, um Wirtschaft, Austausch, Kooperation zu beleben, Verbrauch zu beschleunigen, Kapital in Sachwerte umzuschichten und damit den Finanzsektor zu schwächen.
Das Subsystem Menschheit, dessen Macht exponentiell wächst, bricht zusammen. Das Ökosystem ändert sich. Unsere natürlichen Wünsch verlieren ihren Sinn.
Die Ratlosigkeit ist schwer erträglich und führt zu Protesten, die den Untergang beschleunigen. Von der Moral bleibt nur die Nächstenliebe.

Finalität ist eine auch dem Menschen angeborene Struktur. Sie hat sich bewährt in vielen Kreisprozessen auch des menschlichen Überlebens.
Sie gehört zu den Gottesvorstellungen der monotheistischen Religionen.

Eine Gottesvorstellung integriert personal. Säkulares Denken differenziert und objektiviert.

Nicht Macht, sondern Verzicht auf Macht adelt den Menschen.

Das Christentum und die islamische Schia haben einen Märtyrer als zentralen Gottesrepräsentanten.

Große, einfache Zahlen, die wir aus unserer Lebenswelt extrapolieren, stehen für Unendlichkeit.
Sustainable development/„nachhaltiges Wachstum“ meint: „Bewahrung der Schöpfung“ (C.F. v. Weizsäcker).

Wirkliche Skepsis gilt auch der Skepsis selbst.

Leben ist (meist übermütiges) Sterben.

Wir verstehen das Weltgeschehen nur andeutungsweise, als Chaos. Diesem Rechtsordnung abzugewinnen, ist ein Gebot der menschlichen Natur.

Sowohl die Form des Aphorismus (Hippokrates) wie die Skepsis (Sextus Empiricus) stammen aus dem Milieu, dem auch unsere Medizin entstammt.

Der Weg ist das Ziel“ – unsere symbolisch andeutend ahnungsvolle Teilhabe am imaginären Ziel.

Der sog. „hippokratische Eid“, mit seiner Absage an Tötung (auch auf Verlangen) durch Gift und Abtreibung, stammt aus dem Milieu der „Asklepiaden“ (priesterliche Ärzte), ist vor-hippokratisch und hat mit dem hippokratisch-wissenschaftlichen Empirizismus nichts zu tun.

Aphoristik“, ist abgeleitet von ὁρισμὸς/ὁρίζειν/abgrenzen.
Die klassischen, unter dem Namen des Hippokrates bekannten Aphorismen (übersetzt als „Lehrsätze“)
definieren ausgrenzbare, sich immer wieder zeigende Zusammenhänge in der medizinischen Praxis; sie unterscheiden hier Wesentliches von Unwesentlichem. (Warnend steht am Anfang diese kleinen Sammlung, was zum geflügelten Wort geworden ist: Ars longa, vita brevis!) In diesem Sinne haben Platon* und Aristoteles** weitergearbeitet.
Die verschlungenen Wege der Forschung führten vom Aphorismus weiter zu umfangreicheren, mehr theoretischen Vermutungen zu Gesellschaft Sitte und Moral und deren Zusammenhängen, formal zum Essai (Montaigne). Pascals Pensées sowie später Wittgensteins Philosophische Untersuchungen sind Vorarbeiten zu Buchprojekten.
*
Unter seinem Namen war eine Sammlung Definitiones im Umlauf.
** Das Buch
Δ seiner Metaphysik ist eine Sammlung von Definitionen.

Mit dem Fortschritt der Technik drohen zunehmend Unglücksfälle durch minime Fehlhandlungen, für die die Rechtsordnung ein fast schuldloses Subjekt haftbar macht*. Das Urteil muss dem Frieden dienen. Fahrerflucht wird bestraft.
*
Die Technik chaotisiert: Kleine Ursachen – große Wirkungen.

Auch die Menschheit geht sichtlich auf ihr Ende zu. Hat uns das doch etwas zu bedeuten?

Der Fortschritt schiebt uns heute schneller aufs Altenteil ab.

Quantitative führt zu qualitativer Veränderung; Evolution führt zu Revolution.

Vereinfachungen integrieren – und sie kollidieren entsprechend.

Unter überlastendem „Diesseits“ entwickeln sich Jenseitsphantasien. Diese können dem Menschen wichtiger werden als das Diesseits.

Gewisse jüdische Kreise im babylonischen Exil reagierten auf das Ende der Reiches der Davididen in Jerusalem paranoid. Es entstand die Apokalyptik, ein Wahnsystem, in dem die alten Gottesvolkstraditionen als Verheißungen konserviert wurden.
In Johannes‘ des Täufers Naherwartung des Endes (und im Neuen Testament) lebten sie wieder auf.
Jesus ließ sich von ihm taufen. Er glaubte an die Gegenwart Gottes und man ahnte bei ihm und seinen Jüngern ein friedenbringendes Jenseits im aussichtslosen Diesseits.

Durch Institutionalisierung verdinglichte und verselbständigte Symbolik vereint.

Liederliche Sprache setzt Gemeinschaft als selbstverständlich voraus, aber setzt sie aufs Spiel und nutzt sie ab. Verantwortungsvoller Sprachgebrauch integriert.

Dauerhafte Schicksalsgemeinschaften wie Völker entwickeln Systeme von Existenzsymbolik, die zu Wahnsystemen ausarten können.

Goethe hat bis zuletzt an seinem Faust-Tragödie als der Existenzsymbolik gearbeitet, mit deren Hilfe er, reifend, lebenslang seine eigenen alten Teufeleien abbüßte.
„Der Faust“ endet mit einer Art Apokalypse und ist ein heilsames Wahnsystem.

Im Aphorismus wird ein komplexes Beobachtungsereignis festgehalten, das nur ungenau, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, wiederholbar ist.

Nur Gott sucht Gott. Der Heilige Geist ist Gott selbst.

Nachdenken ist Vorarbeit.

Der Krieg muss nicht nur moralisch, sondern anthropologisch wieder ernster genommen werden.

Globalisierung ist auch Verödung. Vereinfachung der Syntax, Umstrukturierungen zugunsten kurzlebiger neuer Zusammenhänge, überwältigende Vermehrung der Signifikate/Begriffe (Potenzmenge!), wachsende Fachidiotie, abstrakte Subkulturen, Vereinzelung der Subjekte in unzusammenhängenden Zusammenhängen. Schwache Identifikation mit der niedrigdimensional und schwach strukturierten Gesellschaft.

Trump redet den Verlierern des schnellen Fortschritts (der Basis der Republikaner) nach dem Munde und legitimiert ihre Biertisch-Sprache. Er investiert in Organisation der reaktionären Masse. Diese müsste jetzt, anno 2017, schnell lernen, das sozial spaltende Tempo des Fortschritts zu bremsen – statt trumpisch zu blockieren.