Thomas Bonhoeffer


Vorbereitung des
Universitätsgottesdienstes
in Bochum am 8. November 1992

I. Vorgaben

Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres.
Lieder: Wir warten dein, o Gottes Sohn, EKG 123 oder
Mitten wir im Leben sind 309
Predigttext: Röm 14, 7-9 = Epistel (Christus der Herr im Leben und Sterben)
Lesung: Lk 17, 20-24 = Evangelium
(Reich Gottes mitten unter euch. Unübersehbar eindeutig wird die Erscheinung des Menschensohnes
sein.)
Marginaltexte:
Jer 18, 1-10, (Gott kann, wie ein Töpfer, auch hoffnungsvoll begonnenes Mißratenes vernichten)
Amos 8, 1-3.(4-10), (Gerichtsdrohung über Ausbeuter)
Mt 13, 45-50 (Scheidung der Gerechten fürs Himmelreich von den Ungerechten für die Hölle).

II. Predigt-Vorbereitung
A. Textmeditation

Der Predigttext (vv 7-9) redet von unserer Abhängigkeit von unserm Herrn. Von Sterben ist die Rede
nur als Übergang zum Blick auf das Endgericht.

1. Der Text in seinem Kontext

Er ist eingebettet in einen großen Zusammenhang, der von 14,1 bis 15,12 reicht und vom einander
Annehmen nach Christi Vorbild redet. Konkret geht es um Speisevorschriften und Tagewählerei.
Vv 4-13a handeln vom Problem des Richtens.
Zunächst, vv 4-6 geht es um das (einander und Tage und Speisen) Beurteilen. Jeder wird
entsprechend seiner 'syneidesis' (krinein = phronein = nous) von "seinem eigenen, persönlichen Herrn"
gerichtet werden. Auch der Glaubensschwache dankt Gott für seine Freundlichkeit.
Der Blick wird auf den gemeinsamen Herrn, Christus, gelenkt, der größere Gegensätze verbindet; vor
dessen Sterben und Auferstehen sogar der Unterschied zwischen Tod und Leben verblaßt (Vv 7-9)!
Vv 10-12: Im Namen Gottes zu Scheiden ist Sache des im Namen Gottes Verbindenden; zu richten
ist deshalb Christi Sache. Das wird zuletzt jeder Mensch erkennen. Unsre Sache ist es, Rechenschaft
abzulegen.
Ab 14,13b geht es dann bis zum Ende des Abschnittes (15,12) um das brüderliche Entgegenkommen.

2. Die kerygmatische Dynamik des Textes

Das persönliche evangelische Geschenk, zu dem Christus Paulus befähigt, steckt in v4: 'stathesetai'
(also außerhalb des Predigttextes). Woher nimmt er es? - : Aus dem geistlichen Dankgeschehen (v6),
vor dem Hintergrund unsrer Verbundenheit mit Christus (vv7f). V9: Wo Christus hinkam, in Tod und
Leben, wurde er Herr.

3. Vertiefung

"Herr" ist das zentrale jüdische Gottesprädikat. Es geht in der Christusgeschichte um unsre
Gottesgeschichte. Es geht um das Knechtsein der Lebendigen und der Toten - und das entsprechende
Herrsein Christi, das offenbar werden soll und das den Unterschied zwischen Leben und Tod, wieviel
mehr zwischen Essen oder Nichtessen bestimmter Speisen, relativiert.
Entscheidend ist Dank oder Undank gegen Gott. Paulus redet hier nicht vom Glauben, sondern vom
Dank. Hört man diesen Text im Paulinischen Zusammenhang, so kann der Dank, dem hier
entscheidende Wichtigkeit zuerkannt wird, nicht allein den gekauften Lebensmitteln gelten. Vielmehr
ist der Glaube als Dank für die im alltäglichen Geben und Nehmen Gestalt gewinnende, durch Christus
eindeutig gewordene Gnade Gottes angesprochen. Von der Offenbarung Gottes in Christus kommt die
Freude und der Dank, der "uns" alle vor Gott gleich macht.
Was ist das Erfreuliche an der Offenbarung Gottes in Christus? Es ist die schicksalhafte
Identifikation Gottes mit dem leidenden Jesus. Es ist das radikale "Ende des Gesetzes", das Ende aller
Herrschaft und insbesondere der königlichen Herrschaft Gottes. Gottes geliebter Sohn war keine
Messiaserscheinung, und Gott hat sich in ihm als keine königliche Erscheinung offenbart. Nur als Ende
aller Herrschaft muß seine Herrschaft "Herrschaft" heißen. Das Erfreuliche an der Christusoffenbarung
ist die "Freiheit der Kinder Gottes", die (aus den gleichen Gründen) wieder nur in Anführungsstrichen
"königlich" heißt.
Das Erfreuliche ist die geistliche Freiheit, - die ebenfalls eigentlich nur in Anführungsstrichen
"Freiheit" heißen kann, und zwar deshalb, weil sie trinitarisch eingebunden ist und Verantwortung
bedeutet. Wir sollen im Heiligen Geist Gottes, der uns zugesprochen ist, uns vor Gott verantworten (vv
10.12), dankbar "ein jeglicher seiner Meinung gewiß" (v5).
Dieses Geschenk kommt uns von Jesus Christus; von dieser unsrer Gotteskindschaft her relativiert
sich der Unterschied zwischen Tod und Leben, und umso mehr relativieren sich alle Unterscheidungen,
die wir treffen können.

B. Pastorale Meditation

Diese Gottesdienstgemeinde ist nur eine Augenblickserscheinung und soziologisch keine Gemeinde.
Da ist einerseits die Ortsgemeinde. Da sind anderseits die Studentengemeinde und weitere Leute aus
der Universität, in der Mehrzahl Theologen. Diese heterogene Hörerschaft legt es nahe, gerade die
Heterogeneität als gemeinsames Problem anzusprechen. Die Gottesdienstgemeinde wäre damit ein
Exempel für die Gesamtgesellschaft als "einsame Masse".
Der drittletzte Sonntag des Kirchenjahres steht, wie auch die liturgischen Vorgaben zum Ausdruck
bringen, unter dem Thema Gericht. Tod und Gericht werden gemeinhin gesetzlich verstanden. Das
wäre mit der Rechtfertigung aus Glauben in Beziehung zu bringen.

C. Predigtstruktur
1. Problem

Der Predigttext erinnert an Abkündigungen im Gottesdienst und an Todesanzeigen. Der Predigthörer
legt deshalb im Text den Akzent zunächst auf den Tod. Wichtig ist jedoch vom Text her, daß die
Christusoffenbarung als das Woher der Relativierungen das Übergewicht über das Todesmysterium
bekommt.
Auch muß dem gesetzlichen Verständnis von Gericht und Herrschaft Christi als Todesmacht gegenüber
die Freude und der Dank im Text zur Sprache gebracht werden. Die Thematik Tod und Gericht darf
nicht bagatellisiert, sondern muß ernstgenommen und durchgehalten werden als wesentlicher Teil des
Problems, auf das sich die Christuspredigt des Textes bezieht.
Wer ist meine "liebe Gemeinde", das "Ihr" des Briefs?
Zentralproblem: Haben wir einen Herrn?

2. Ziel

Bekenntnis zum dreieinigen Gott.

III. Die Predigt

Liebe Gemeinde,
Als Predigttext schlägt uns unsre Kirche vor: drei Verse aus der Römerbriefstelle, die wir vorhin als
Schriftlesung gehört haben, Römer 14, 7-9. Ich lese sie jetzt in der offiziellen Übersetzung unsrer
Kirche.
Denn unser keiner lebt sich selber und keiner stirbt sich selber.
Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, wir leben oder
sterben, so sind wir des Herrn.
Denn dazu ist Christus auch gestorben und auferstanden und wieder lebendig geworden, daß er über
Tote und Lebendige Herr sei.
Wir kennen diese Verse aus traurigen Zusammenhängen; sie werden oft bei der Abkündigung von
Todesfällen in der Gemeinde gesprochen. Nachdem wir aber den weiteren Zusammenhang des Textes
gehört haben, sehen wir, daß die Wichtigkeit des Todes hier verblaßt. Sie verblaßt gegenüber der
Freude und dem Dank gegen den Gott, der uns durch Christus zu selbstverantwortetem Leben und
Sterben bevollmächtigt hat. Die Todesthematik steht hier unter einem besonderen Vorzeichen. Wir
werden uns hauptsächlich auf dieses besinnen müssen.
Gegen Ende des Kirchenjahres sind unsre Gottesdienste der Besinnung auf das Ende des Lebens und
das Ende der Welt gewidmet; so ist die Textwahl auf unsre Verse gefallen, wo vom Tod die Rede ist.
Den heutigen Sonntag stellt unsre Kirche unter das Thema Gericht. So steht auch das Todesthema des
Paulustextes unter das Vorzeichen des endgültigen Gerichts, das unser Herr über uns halten wird. Das
hat Anhalt in unserm Text; in den unmittelbar folgenden Versen, die wir in der Schriftlesung gehört
haben, ist von Rechenschaft vor Gott die Rede.
Aber wenn wir hier den Zusammenhang ruhig ansehen, so erscheint diese weltlich-anschauliche
Vorstellung von Gottes Gericht auf einem seltsamen Hintergrund. Erinnern wir uns: Wenige Verse
vorher redet Paulus uns als einzelne an, und sagt mir über den christlichen Bruder, der nach seinem
eigenen Gewissen eine Frömmigkeitsform praktiziert, die mir falsch erscheint, zuversichtlich: "Er wird
das Gericht bestehen, denn der Herr kann ihm Stand verleihen." Worin besteht hier das Gericht? Nach
welchen Gesetzen wird hier gerichtet? Soll jeder subjektiv nach seiner Façon selig werden? Gibt es
keine objektiven Kriterien für gottgewollte Lebensführung? Schon wir, die wir hier bei einander sind,
halten sehr Verschiedenes für wichtig und führen unser Leben sehr verschieden. Dazu kommen die
verschiedenen Lebensstile der großen Überzahl derer, die zwar durch ihre Kirchensteuer unser
Gemeindeleben finanzieren, die aber jetzt nicht unter uns sind. Ist das recht? Verhält sich der Herr, wie
ihn Paulus hier zeichnet, überhaupt wie ein Herr? Bei der Vorbereitung auf diese Stunde sah ich dieses
Problem und empfinde es noch jetzt als zentral: Haben wir überhaupt einen Herrn - wir, die wir hier bei
einander sind, und die Kirchenmitglieder, die nicht zur Kirche gehen?
Das Wort "Kirche" ist von dem griechischen Wort für Herr abgeleitet; und das Wort Gottes-"dienst"
sagt, daß da einem Herrn gedient wird. In unsrer Rolle als Gottesdienstteilnehmer haben wir also gewiß
einen Herrn. Es gibt darüber hinaus Menschen, die auch sonst bedenkenlos von sich sagen würden, daß
sie allerdings einen Herrn haben, Jesus Christus. Aber das sind sicher nicht alle von uns. Müssen wir
also verzichten auf die Teilhabe an dem "Wir" der alten römischen Gemeinde, mit der Paulus sich
zusammenschließt? Oder handelt es sich hier gerade um so einen Frömmigkeitsunterschied, den wir,
nach Paulus, im Lichte Christi relativieren dürfen?
Das Wort Herr, wenn es mit Betonung gebraucht wird, ist ja sehr altmodisch. Herrschaftsverhältnisse
gibt es auch bei uns; aber sie sehen in modernen Kulturen ganz anders aus als früher. Ein Minister etwa
gilt heute als "oberster Dienstherr" seiner Beamten. Eine Näherbestimmung wie "Dienst-", die die
Herrschaft auf die berufliche Tätigkeit einschränkt, ist wichtig. Heute sind Herrschaftsverhältnisse
meist nicht umfassende personale Abhängigkeiten, sondern "Herr" und "Untergebener" sind auf
bestimmte Lebensbereiche bezogene Rollen. Der Mensch soll mündig werden; Herrschaftsverhältnisse
aber beeinträchtigen die Eigenverantwortlichkeit des Abhängigen. Personale Herrschaftsverhältnisse
sind deshalb aus moralischen Gründen zur Auflösung bestimmt. Ist trotzdem das alte Verständnis
Christi als eines Herrn für uns noch moralisch zu rechtfertigen? Wird Christi Lebensbedeutung für
heute damit zutreffend beschrieben? Ja, war dieser Titel früher ganz unproblematisch?
Ein kleines Zusammenschrecken ist angebracht bei der Beobachtung, daß bei unseren Überlegungen
das Stichwort Mündigkeit nicht auf der Seite der kirchlichen Tradition, sondern auf der Seite der ihr so
gefährlichen Neuzeit auftaucht. Dabei hatte der Aufklärungsphilosoph Immanuel Kant die Pflicht zur
Mündigkeit seinerzeit der christlichen Tradition entnommen, genauer: dem Brief unseres Apostels an
die Galater, wo vom Glauben die Rede ist, der unsrer Unmündigkeit unter dem Gesetz Gottes ein Ende
gemacht hat. Erinnern wir uns aber noch einmal an unsre Schriftlesung aus dem Römerbrief; wir waren
ja auch da einer erstaunlichen Mündigkeitserklärung begegnet. All das wirft ein seltsames Licht auf die
Herrschaft dieses Herrn.
In unserm Predigttext erinnert Paulus nur an Christi Tod und sein "unerwartet eingetretenes jetziges
Leben", - wie ich wörtlich übersetzen möchte. Wollen wir diesen seltsamen, freimachenden
sogenannten "Herrn", Christus, hier näher verstehen lernen, der uns sogar von der Übermacht des
Todes freispricht, müssen wir uns auf dieses zentrale Geschehen besinnen.
Nach neutestamentlichem Zeugnis geht es in der Christusgeschichte um unsre Gottesgeschichte. In
Christus, genauer: in Christi Tod, ist uns Gott offenbart; und zwar offenbart als ein anderer, als die
Juden dachten, ein anderer, als seine Jünger dachten, ein anderer, als noch heute wir, trotz aller
christlicher Lehre, immer wieder denken. Angesichts des Gekreuzigten war es den Seinen nicht mehr
möglich, über Gott weiter so zu denken, wie sie es gelernt hatten, wohl sogar von Jesus gehört hatten
(denn die christliche Kirche redet über Gott anders als Jesus).
Wir können es nicht nachrechnen, warum - nach so viel ungerechtem Leiden in der Welt -
ausgerechnet im Rückblick auf das Leben und Sterben Jesu Juden sich gezwungen sahen, ihr
Gottesverständnis zu revidieren. In den Evangelien finden wir Material, mit dessen Hilfe wir uns
vorstellen können, wie Jesus in ihnen den Keim eines unerhört lebenskräftigen Glaubens gelegt hat.
Aber die neue Einsicht traf sie dann nach seinem Tode doch wie ein Blitz; sie hatten Visionen vom
verherrlichten Jesus. Die neue Schöpfung war in ihnen angebrochen.
Sie begannen, eine in den Ohren ihres Volkes lästerliche Gotteslehre zu entwickeln, nach welcher
Gott die königliche Herrlichkeit den Königen überlassen hatte und sich stattdessen anschaulich
offenbart hatte in jener ungereimten Menschengestalt Jesus von Nazareth. Jesus stand vor ihren Augen
als Gottes geliebter Sohn - in einem so intensiven Sinne, daß man von einer vollen Identifikation
Gottes mit dem sterblichen Menschen Jesus sprechen möchte. In Jesus hat Gott gelitten. In Jesus hat
Gott gelebt. Und so ist Jesus nach seinem Tode neu ins Leben eingetreten. Das ist der Sinn der
Auferstehungsbotschaft. Gott ist Jesu Tod gestorben; Jesus lebt Gottes Leben. Was ist Gottes Leben?
Was ist Gottes Tod? Was ist Gottes Leiden? Indem wir davon sprechen, gehen wir über unsre Grenzen
hinaus und bringen das tiefste Geheimnis unsres eigenen Lebens zur Sprache. Auch das Geheimnis
unsres Todes ist darin enthalten.
Die Fleischwerdung Gottes in Christus bedeutet, so wird weiter gelehrt, daß auch wir in unsrer
Menschlichkeit zu Gottes Leben berufen sind; das ist die Ausgießung des Heiligen Geistes. Wir
müssen verantwortlich leben, zur Verantwortung bereit gegenüber allen ernsthaften Menschen.
Insofern ich jedem ernsthaften Menschen gegenüber zur Verantwortung bereit sein muß, ist jeder mein
Herr. Unser Gewissen bezeugt, daß wir zutiefst Jesus gegenüber verantwortlich sind. Das Evangelium
ruft uns zu mündiger Verantwortung vor Jesus, unsrem göttlichen Herrn, und vor das menschliche
Gericht Gottes, des Vaters. Denn die zugesprochene Mündigkeit hebt die Verantwortung nicht auf,
sondern macht uns allererst voll verantwortlich! Das Evangelium spricht uns somit einen konkret
bestimmten, bescheidenen Platz zu.
Unser Platz im Leben ist unter anderm bestimmt durch die christliche und durch die mitmenschliche
Bruderschaft, wo, wie Luther einmal etwas ungeschützt sagt, wir "einer des andern Christus sein"
sollen. Unsre geistliche Ortsbestimmung ermöglicht eine bescheidene Einstellung zu den
Glaubensvorstellungen der Brüder und Schwestern. Sie stellen uns in Frage und erinnern uns an unsre
eigene Verantwortlichkeit. Sie können uns verunsichern, ja, ängstlich machen, - aber in aller Angst
nicht die Freiheit nehmen, zu der Christus uns berufen hat. Bietet das Evangelium doch sogar Beistand
in der Angst vor der letzten Verlassenheit.
Auch im Tod ist Gott! Der Tod ist in das Geheimnis Gottes verschlungen. Das können wir am Tode
Jesu immer wieder studieren. Zu unserm Heil ist er neu ins Leben eingetreten.
Kehren wir zurück zu unsrer Frage: Haben wir einen Herrn? Ja, wir haben einen Herrn, auch wenn
wir selten an ihn denken - und immer wieder vergessen, welche Bedeutung er für uns hat; daß nämlich
er unserm Leben ewige Bedeutung verleiht. Er ist der wahre Herr: der nämlich seine Herrschaft gerade
darin vollendet, daß er uns mündig macht. - Dank sei dir, Herr Jesus, für deinen Gehorsam gegen Gott!
Amen.
"Wir glauben all an einen Gott". Wir singen von dem Lied 132 alle drei Strophen. Glaubenslied
Abkündigungen durch Presbyter.

IV. Der Gottesdienst

Vor dem Gottesdienst Lied "Wir glauben all' an einen Gott" (132, 1-3) üben.
10 Uhr: Gruß: Wir feiern den drittletzten Sonntag des Kirchenjahres im Namen Gottes, des Vaters, des
Sohnes und des Heiligen Geistes. Gemeinde: Amen.
Unsre Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde: der Himmel und Erde gemacht hat.
Introitus (Verlorenheit in Sünde: Hiob 14, 1-3): Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und
ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht. Und du
tust deine Augen über einen solchen auf, daß du mich vor dir ins Gericht ziehest. Gemeinde: Ehre sei
dem Vater... Ewigkeit.Amen.
Sündenbekenntnis: Herr Christus, du richtest uns, jeden einzelnen, nach seinem Tun und Lassen.
Auf manches, was ich getan habe, bin ich stolz; mit vielem, was ich getan habe, bin ich zufrieden. Für
anderes aber, Taten und Unterlassungen, schäme ich mich; ich kann nicht akzeptieren, was diese über
mich zu sagen haben. Lieber spiegele ich mich in meinen andern Taten. So weiß ich nicht, wer ich in
Wahrheit bin. Wir wissen nicht, was wir in Wahrheit sind. Wir möchten alle zusammen uns selbst
betrügen. Verstrickt in gemeinsamen Selbstbetrug kommen wir als Sünder vor Dich, Herr. Im
Vertrauen auf dich laß uns aus der Lüge zur Wahrheit finden. Amen.
Kyrie eleison ... (Singen im Wechsel mit
Gemeinde "...über uns.")
Gnadenzusage: Jesus Christus, der unsre Sünde getragen und unsre Schande erduldet hat, spricht:
"Das Reich Gottes ist mitten unter euch". (Das Evangelium des Sonntags)
Gloria (Singen, auf selbem Ton beginnen wie Schluß des Kyrie): Ehre sei Gott in der Höhe.
Gemeinde: "und auf Erden Fried..All Fehd' hat nun ein Ende."
Kollekte
Singen (auf demselben Ton weiter): Der Herr sei mit euch.
Gemeinde: Und mit deinem Geist.
Unbegreiflicher Gott! Du hast Wohlgefallen an uns. Ohne viel zu denken, stimmen wir ein und singen
es mit. Lehre uns glauben, was wir gesungen haben, lehre uns verstehen, was uns zugesprochen ist,
daß schon jetzt großer Friede herrscht und alle Fehde ein Ende hat, durch unsern Herrn Jesus
Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Gemeinde: Amen.
Lesung (ich selbst): Röm 14, 1-12 (statt des vorgeschlagenen Evangeliums Lk 17, 20-24):
Wir hören als Schriftlesung ein Stück aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom, und
zwar aus Kapitel 14 die Verse 1-12. Gegen Ende dieses großen Briefes ermahnt Paulus die römische
Gemeinde, daß sie Gegensätze zwischen den Frömmigkeitsformen der verschiedenen Gemeindgruppen
nicht zu wichtig nehmen sollen, sondern einander als Christen gelten lassen. Ich lese jetzt aus diesem
großen Abschnitt nur den näheren Zusammenhang vor, dem wiederum der Predigttext des heutigen
Sonntages entnommen ist. Ich übersetze folgendermaßen:
"Wenn einer schwach im Glauben ist, laßt ihn ohne Diskussionen trotzdem bei euch dazugehören!
Man kann ja, zum Beispiel, wenn man Fleisch einkauft, nicht immer wissen, ob es vielleicht bei der
Schlachtung einer Gottheit geweiht wurde. Einer kümmert sich nicht darum und hat die
Glaubensfreiheit, auch solches Fleisch zu kaufen und zu essen; ein anderer ist ängstlich und verzichtet
sogar lieber ganz auf Fleisch. Wer es ißt, der soll den, der es nicht ißt, nicht verachten; und der
Verzichtende soll den Essenden nicht verurteilen, denn Gott hat ihn akzeptiert. Wer bist denn du, daß
du den Dienst von jemandem beurteilst, der gar nicht dein Knecht ist; dieser steht und fällt als Knecht
seines eigenen Herrn. Er wird aber stehen; denn der Herr kann machen, daß er steht.
Oder irgendwelche Verhaltensvorschriften für bestimmte Kalendertage - einer beachtet sie, dem
andern gelten alle Tage gleich.
Niemand soll bei seiner Entscheidung ein schlechtes Gewissen haben. Wer die Tage beachtet, beachtet
sie um des Herrn willen; und wer ißt, ißt im Gehorsam gegen den Herrn, denn er dankt ja Gott. Und
wer nicht ißt, der ißt im Gehorsam des Herrn nicht, und dankt Gott.
Denn keiner von uns lebt für sich selbst; ja, es stirbt auch keiner allein. Wenn wir leben, leben wir dem
Herrn, und auch wenn wir sterben, sterben wir dem Herrn: Sowohl, wenn wir leben, wie auch, wenn
wir sterben, gehören wir dem Herrn. Denn Christus ist gestorben und neu ins Leben eingetreten, um
über Tote und Lebendige Herr zu werden.
Du aber, was urteilst du über deinen Bruder; oder auch du, was verachtest du deinen Bruder. Wo wir
doch alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden; es steht ja geschrieben: 'So wahr ich lebe,
spricht der Herr, vor mir wird sich jedes Knie beugen, und jede Zunge wird vor Gott Bekenntnis
ablegen.' Jeder von uns wird also für sich selbst Gott Rechenschaft ablegen."
Halleluja! Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die so ihn fürchten.
Halleluja!
Gemeinde: dreimal Halleluja.
Lied: Mitten wir im Leben sind, 309, 1-3. (Statt des Apostolikum hier - "Die Reihen fest geschlossen"
gegen die Ketzer - das Glaubenslied nach der Predigt.)

Predigt

Glaubenslied 132, 1-3: "Wir glauben all' an einen Gott" als Antwort auf das gepredigte Evangelium.
Abkündigungen durch Presbyter.
Großes Kirchengebet
Wir sammeln unsre Gedanken mit der ganzen Christenheit auf Erden im Gebet.
Allmächtiger Gott, barmherziger Vater,
Du hast uns wunderbar geschaffen
in einer wunderbaren, herrlichen und schrecklichen Welt,
die uns trägt, die uns zu verschlingen droht,
und die wir doch lieben.
Du hast uns geboten, verantwortlich darin zu leben.
Wir haben uns in Sünde verloren.
Du aber hast in Jesus unsre Sünde auf dich genommen.
Immer wieder verlieren wir uns in Sünde;
aber Du hast uns deinen Geist gegeben, der uns ermutigt,
in deinem Namen weiter zu leben und zu kämpfen,
deinen Geist, der uns mitten im Kampf Frieden schenkt
und einst in deinem Frieden sterben läßt.
Wir danken dir für dieses unser Leben,
für alle Ordnung, in deren Schutz wir leben können;
für die Natur, die uns trägt und erquickt,
für alle Menschen, deren Freundlichkeit unser Leben erhellt, vertraute und unbekannte,
für alle Leistung und alle Arbeit, deren Früchte wir genießen.
Wir bitten dich für alles, was wir liebhaben, in unserm Besitz und in unsrer Umwelt:
erhalte es uns zum Segen, daß wir es dankbar und frei
genießen und, wenn es denn sein muß, auch darauf
verzichten können;
Wir bitten dich für alle Armen, Kranken und Trauernden
Segne und behüte sie und tröste sie.
Wo uns Angst oder Feindschaft Fürbitte unmöglich macht,
in unsern Verwirrungen
bitten wir dich, unseren Schöpfer, Erlöser und Versöhner,
du Quelle des Lebens:
Laß uns deine göttliche Klarheit nicht vergessen.
Wo wir fliehen, bleibst du auf dem Platz.
In unsern Kämpfen laß siegen deinen Segen.
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute;
und vergib uns unsre Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die
Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Gemeinde "Verleih uns Frieden"
Aaronitischer Segen
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
und sei dir gnädig
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Gemeinde Amen. Orgel.