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Die Causes Célèbres des 19. Jahrhunderts in Frankreich und Deutschland. Narrative Formen und anthropologische Funktionen (gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung, Laufzeit 2015-2017, nach Antrag verlängert bis 2018)

 

Leitung: Prof. Dr. Rudolf Behrens, Prof. Dr. Carsten Zelle
Wiss. MitarbeiterInnen: Amélie Richeux, Ali Zein

 

Das Projekt geht der Frage nach, welche Rolle juristische Fallberichtserzählungen (‚Causes célèbres‘) in Frankreich und Deutschland im Verlauf des 19. Jahrhunderts in anthropologiegeschichtlicher, in literarisch-morphologischer sowie literarisch-funktionaler Hinsicht gespielt haben. In vergleichender Ausrichtung soll das in der Forschung noch weitgehend unbearbeitete Textmaterial strukturiert, kontextualisiert und in seiner Funktion in Bezug auf die breitenwirksame Auseinanderentwicklung von moralischer ‚Normalität‘ des bürgerlichen Subjekts einerseits und Psychiatrisierung des (devianten) Menschen andererseits untersucht werden. Partikularitäten und Gemeinsamkeiten in den beiden Rechts- und Anthropologiekulturen werden dabei ebenso thematisch werden wie Fragen nach der Funktion dieses Diskursfeldes für die (hoch-)literarische Verarbeitung des Verbrechens in der Entwicklung zwischen Romantik über Realismus zum Dekadentismus der Jahrhundertwende. In Bezug auf das literarische Feld verspricht sich das Projekt dabei eine deutliche Profilierung der Fallhaftigkeit erzählender Verbrechensdarstellungen im 19. Jahrhundert und damit die Einsicht in die Konstitution verschiedener Typen von Abwehrbildern, mittels derer sich anthropologische Normalität über den Weg kasusspezifischer Problematisierung psychischer Devianzen eines unterschiedlich konfigurierten Bösen stabilisiert. Das Generalziel des Projekts ist deshalb orientiert an der sukzessiven Ausdifferenzierung eines massiven psychologischen Zugriffs auf die Modellierung anthropologischen Wissens, die sich über den Umweg institutioneller und diskursiv-narrativer Steuerung einer Schattenzone des Anthropologischen vollzieht.

 

Institutionelle Kontexte, erzählerische Darstellungen, anthropologische Funktionen. Internationale Tagung an der Ruhr-Universität Bochum, 10.-12. November 2016