Klinik für Anästhesiologie

Notfall-Simulator-Training

St. Josef Hospital - Klinikum der Ruhr-Universität Bochum

 

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Die Behandlung von Patienten bei kritischen Notfällen ist immer eine Herausforderung außerhalb der klinischen Routine.

Durch Verbesserungen in Ausbildung und Technik gelten Allgemeinanästhesien heute als sichere und komplikationsarme Verfahren in der Medizin. Das ist hinsichtlich der Patientensicherheit begrüßenswert. Aber schwere Zwischenfälle sind im Alltag selten, so dass die Weiterbildung von Anästhesisten im OP meistens nicht die praktische Beherrschung des kompletten Spektrums an Komplikationen umfasst. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass eine Allgemeinanästhesie nach wie vor die Überwachung und Übernahme der Vitalfunktionen des Patienten beinhaltet. Der Anästhesist muß während der Operation einen technisch anspruchsvollen Arbeitsplatz beherrschen, gleichzeitig  ist er in eine komplexe Kommunikationsstruktur eingebunden. Fehlerquellen mit einem erheblichen Gefährdungspotential sind latent stets vorhanden. Ca. 70% der morbiditäts- und mortalitätsverursachenden Zwischenfälle in der Anästhesie sollen derzeit durch menschliches Versagen bedingt sein. Eine Reduktion dieser Fehlerquelle lässt sich unabhängig vom persönlichen Ausbildungsstand durch gezieltes Training erreichen. Dazu wurden Anästhesiesimulatoren entwickelt, die das Arbeitsfeld realitätsnah wiedergeben und eine Schulung der technischen und kommunikativen Fähigkeiten zur Beherrschung häufiger und seltener Komplikationen ermöglichen. Da mit Hilfe des Simulators Aufgaben aller Schwierigkeitsgrade vorgegeben werden können, profitieren von solchen Trainingseinheiten alle, vom Studierenden über Berufsanfänger, Fortgeschrittene bis zum langjährig Erfahrenen. Neben der Schulung im OP-Bereich werden Simulatoren auch in der Notfall- und Intensivmedizin eingesetzt.

 

 Vor drei Jahren startete die Deutsche Gesellschaft für Anästhesie und Intensivmedizin (DGAI) eine Initiative zur Verbesserung der studentischen Lehre im Fach Anästhesiologie mit Hilfe von Anästhesiesimulatoren. Dieser Schritt erschien sinnvoll, da das Fach nun als Pflichtveranstaltung in der neuen Approbationsordnung aufgeführt wird. Dank dieser Initiative der DGAI stehen nun allen Universitätskliniken in Deutschland Anästhesiesimulatoren zur Verfügung. Seit August 2005 besitzt auch die Klinik für Anästhesie des St. Josef-Hospitals, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, einen Anästhesie- und Notfallsimulator der Firma Medical Technologies, Inc. (METI). Es handelt sich um einen Emergency Care Simulator 100 (ECS100), bestehend aus einem lebensgroßen, künstlichen Patienten, der über eine CPU mit Hilfe einer komplexen Computersoftware gesteuert wird. Der künstliche Patient wirkt lebensecht u.a. durch auskultierbare Herz-, Lungen- und Darmgeräusche, palpable Pulse, punktierbare Venen, Spontanatmung mit CO2-Exhalation, Lidschlag, unterschiedliche Pupillenweiten, Sprache, Urinproduktion u.v.m.. In der Software sind verschiedene physiologische Modelle hinsichtlich Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen hinterlegt. Nahezu alle gebräuchlichen Pharmaka können verabreicht werden, wobei Wirkeffekt und Wirkdauer realitätsnah wiedergegeben werden. Atemwege, respiratorisches und kardiovaskuläres System können physiologisch sein oder dem gewünschten Szenario entsprechend pathologisch verändert werden. So lassen sich normale Abläufe der Narkoseeinleitung und Fortführung einüben, und es können jederzeit einfache oder komplexe Zwischenfälle auftreten.

Der Anästhesiesimulator des St. Josef-Hospitals befindet sich in einem Operationsraum und ist mit einem herkömmlichen Anästhesiearbeitsplatz (Narkosegerät, Monitoring) ausgestattet. Durch eine Videokamera wird das Szenario in einen separaten Raum übertragen, von dem aus auch das Instruktorteam die Steuerung vornimmt. Nach Beendigung des Szenarios werden klinische und kommunikative Aspekte anhand der Videoaufzeichnung ausführlich besprochen.

 

Kurse

Im Wintersemester 2005 / 2006 wird erstmals das Praktikum der Anästhesie für Studierende des 7. Semesters der Ruhr-Universität Bochum am Anästhesiesimulator durchgeführt. Zur Organisation des Praktikums s. Ablauf des Anästhesiepraktikums. Im Rahmen dieses Praktikums werden den Studierenden Grundlagen der Allgemeinanästhesie vermittelt. Mit den betreuenden Ärzten gemeinsam wird mit der Anlage des Monitorings und venöser Zugänge begonnen, der Ablauf einer Narkoseeinleitung und Narkoseaufrechterhaltung simuliert sowie schließlich das Erkennen einfacher Komplikationen geschult.

 

Weitere Veranstaltungen für Ärzte und Pflegekräften in den Bereichen Anästhesie und Notfallmedizin werden vorbereitet und gesondert bekannt gegeben.

 

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Stand: 22.10.05 12:46:59