Magdeburgisieren!

Die Stadt Magdeburg war vor dem Dreißigjährigen Krieg eine protestantische Stadt und ein bedeutender Handelsplatz mit etwa 30000 Einwohnern. Sie besitzt ökonomische und politische Unabhängigkeit von den Erzbischöfen, und versucht im Krieg zunächst neutral zu bleiben. Dies wird immer schwieriger, und ab 1625 fängt man an, den Schutz der Stadt zu organisieren. Die endgültige Zuspitzung der Lage, und die Frontbildung gegen den Kaiser erfolgt 1629 in Folge des Restitutonsediktes.
Von nun an wird die Stadt Blockiert, und es gibt immer wieder Überfälle auf das Umland. Die folgende Zeit ist wechselhaft, und es gibt kurzzeitig sogar einen Friedensschluss mit der katholischen Seite, aber 1630 nehmen die Spannungen nach internen Konflikten in Magdeburg wieder zu. Magdeburg wird aktiver Teil des schwedischen Krieges gegen den Kaiser und seinen Verbündeten.
Die letzte Phase der Belagerung, die Schlussendloch zur Tragödie führt wird im September desselben Jahres beschlossen. Im April 1631 stehen 42000 Mann unter dem Kommando des kaiserlichen Befehlshabers Tilly etwa 7000 Verteidigern in der Stadt gegenüber. Der Sturm auf die Stadt beginnt am 10. Mai.
Beim Sturm brechen Feuer aus, die auf Grund der Kämpfe nicht gelöscht werden können, und weite Teile der Stadt brennen nieder, die Zerstörung ist schon jetzt enorm. Nach der Niederlage lässt Tilly die mehrere Tage zur Plünderung frei geben, Tage in denen die Bewohner der Stadt den Soldaten schutzlos ausgeliefert sind, es wird vergewaltigt, geplündert, gemordet und Geld erpresst.
Das Ergebnis war für die Stadt verheerend. Von 30000- 40000 ehemaligen Bewohnern sind nach ersten Zählungen im Jahr 1632 noch ganze 468 verblieben. Schätzungen über die Todesopfer reichen von 20000- 24000.

(vgl. Schneider, Dietmar: Die Alte Stadt Magdeburg zwischen den Fronten 1618 - 1631, in: Puhle, Matthias (Hrsg.): Magdeburg, Die Geschichte der Stadt, Dössel (Saalkreis) 2005, S. 369 - 394)


Blick auf die Katastrophe Magdeburgs, Kupferstich von Daniel Manasser (Abb. in: Puhle, Matthias (Hrsg.): Magdeburg, Die Geschichte der Stadt, Dössel (Saalkreis) 2005, S. 398)

Das Schicksal der Stadt Magdeburg war auch für die damalige Zeit außergewöhnlich. Ist es für uns heute unvorstellbar was sich damals abgespielt hat, so waren die Grausamkeiten sogar für die Zeitgenossen des Dreißigjährigen Krieges bemerkenswert. Ausdruck hierfür ist das Wort „magdeburgisieren“, welches in dieser Zeit Synonym für völlige Vernichtung und Zerstörung war.