RUB » Fakultät für Philologie» Germanistisches Institut » Prof. Dr. Björn Rothstein » Workshop: Synchrone und diachrone Aspekte der Kurzwortbildung

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Organisator/innen:

Zeit & Ort:

  • Freitag, 02.12.2011 - 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr
  • Ruhr-Universität Bochum, Raum GB 5/160

Kontakt:

bjoern.rothstein@rub.de

Veranstaltungsplakat:

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Zusammenfassung:

Kurzwörter wie ZDF, Studi und Reha gehören zu den eher selten untersuchten sprachlichen Phänomenen des Gegenwartsdeutschen. Es verwundert daher nicht, dass viele Fragen bei ihrer Analyse offen geblieben sind. Diese betreffen u.a.

  • ihre Bedeutung im Vergleich zur Semantik der ihnen zugrunde liegenden Langform,
  • die Wahl des Grammatikmodells, das sie adäquat analysiert,
  • die etwaigen Paralellen zwischen Kurzform-Bildung zu Propria und Appellativa,
  • die relevanten sprachlichen Komponenten bei ihrer Bildung (Phonologie vs. Morphologie)
  • und ihre Entstehungsbedingungen sowie Grammatikalisierungspfade.

Die Untersuchung von Kurzwörtern erscheint uns besonders lohnenswert, da zumeist die Analyse scheinbar eher peripherer sprachlicher Phänomene zur Lösung von zentralen Fragestellungen führt. Wir versprechen uns daher tiefgreifende Einsichten in den Bau der menschlichen Sprache, die exemplarisch durch die Analyse von Kurzwörtern gewonnen werden sollen. Die oben genannten Problemfelder der Kurzwortforschung sollen methodisch ausschließlich aus dem Blickwinkel der kontrastiven Linguistik angegangen werden, die aufgrund des Vergleichs mehrerer Sprachen tiefergehende Erkenntnisse hervorbringen kann als die einzelsprachlich orientierte Sprachwissenschaft. Interessanterweise werden Kurzwörter nämlich auch in anderen Sprachen nach zum Teil sehr ähnlichen, zum Teil jedoch auch verschiedenen Prinzipien gebildet. Es ist von der germanistischen Forschung weitgehend versäumt worden, die Analyse von Kurzwörtern in einen detaillierten internationalen Kontext zu stellen. Wir wollen dabei die Methodik der kontrastiven Linguistik nicht nur auf den Sprachvergleich beziehen, sondern auch auf die Diskussion einzelsprachlicher Daten und einzelphilologisch etablierter Theorien vor dem internationalen Forschungskontext. Während nämlich in anderen Bereichen der Wortbildung oder Phonologie die Auseinandersetzung mit der übereinzel-philologischen Forschung schon lange erfolgt ist, gibt es so gut wie keinen Einbezug nicht-germanistischer Arbeiten bei der Analyse der Kurzwörter. Demnach verstehen wir das kontrastive Arbeiten sowohl auf inhaltlicher wie auf der Ebene des Einbezugs internationaler Forschung und versprechen uns daher tiefgreifende Einsichten in die Architektonik der menschlichen Sprache.

English

Abstract:

Short words like ZDF, Studi and Reha are linguistic phenomena that have been rather seldomly investigated. Many questions have therefore remained unanswered:

  • Which semantics do short words have in comparaison to the words they are derived from?
  • In which grammar modell do they fit?
  • Are there parellels in the formation of short words from names and nouns?
  • Is word shortening a phonological or morphological process?
  • The grammaticalisation of short words has not been investigated very much.

We believe that the analysis of marginal linguistic phenomena like word shortening will immediately lead to the central questions of linguistic analysis: the investigation of the marginal will help to solve the central, because it may show us rather hidden evidence for the analysis.
From a methodological point of view, we will only investigate word shortening from a contrastive perspektive. We compare the formation of short words in different languages and therefore expect to gain deeper insights into the architecture of grammar. Interestingly, there are many cross-linguistic parallels of how to shorten words. Unfortunately, there are very few international contrastive investigations in word shortening.
We do not adopt the frequent opinion that only languages are compared to each other within contrastive linguistics. In our point of view, contrastive linguistics is also concerned with the comparaison of national and international linguistic theories. Interestingly, the linguistic research on German word shortening has not considered international work on morphology and phonology. Our workshop will try to fill this important gap.

 

Gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung