Der
Beginn der
Apostelgeschichte ist Christi Himmelfahrt mit anschließender
Nachwahl des 12.
Jüngers aus einer Menge von angeblich 120
Jesusanhängern und die Umbenennung
der ehemaligen Jünger zu Aposteln, Gesandten oder
Botschaftern. Shavuot, das
Wochenfest, ist ein Erntefest 50 Tage nach Pessach. Da sind Pilger aus
vielen
jüdischen Diasporagemeinden in Jerusalem. Petrus, der Jesus
(Mk 14,66-72; Mt
26,69-75; Lk 22,54-62; Joh 18,16-27) dreimal verriet, ergreift das
Wort, die
Macht. Er predigt ganz anders als Jesus, der immer fast wortkarg und
knapp
redete.
Der
Fischer Petrus
verteidigt in einer großangelegten Rede die auf iranisch oder
griechisch
predigenden Apostel gegen die Unterstellung, sie seien angetrunken. Er
zitiert
den nachexilischen Joel 3,1-5, der eine verheerende Heuschreckenplage
als
Gerichtstag Jahwes deutet, als Gottes strafend-erzieherische
„Spezialoperation
Heuschrecke“. Die ist im Folgejahr vermutlich ausgestanden,
sodaß Joel ab 2,18 nach
diversen Klage- und Bußfeiern Hoffnungen machen kann auf
Regen und Prosperität.
Und diese Vorankündigung des kommenden Heils deutet der
Fischer Petrus als die
Ankündigung der Seltsamkeiten des Pfingsten.
„Und es soll geschehen in den letzten Tagen,
spricht Gott, ich will ausgießen von meinem Geist auf alles
Fleisch; und eure
Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure
Jünglinge sollen Gesichte
sehen, und eure Ältesten sollen Träume haben. Und auf
meine Knechte und auf
meine Mägde will ich in denselbigen Tagen von meinem Geist
ausgießen, und sie
sollen weissagen. Und ich will Wunder tun oben im Himmel und Zeichen
unten auf
Erden: Blut und Feuer und Rauchdampf. Die Sonne soll sich verkehren in
Finsternis und der Mond in Blut, ehe denn der große und
offenbarliche Tag des
HERRN kommt. Und soll geschehen, wer den Namen des HERRN anrufen wird,
soll
selig werden.“
Es geht
um das Ende
einer vernichtenden Dürre, in der Heuschrecken alles
kahlfressen, was von der
Ernte noch übrig ist, und eine Hungersnot ohnegleichen tritt
ein. Nach genügend
Bußfeiern aber beendet Gott die Not, endlich wieder Regen,
Wachstum, Essen. Wie
Gott Regen ausgießt mit all seinen sättigenden
Folgen, so gießt er Freude in
die Herzen und Köpfe der Menschen, eine Zeit der Wunder, des
guten Lebens.
Petrus
bezieht das
jetzt auf die Situation in Jerusalem: Dürre war Jesu Tod, die
Katastrophe für
die nach Galiläa fliehenden Jünger. Aber jetzt ist
endlich wieder Wachstum und
Ende aller Entbehrung angesagt. Heilszeit eben. Alles das sind komplett
die
Features von Pfingsten. Der Tag Jahwes war bei Joel der Tag der
Sättigung der
Hungernden nach langer ebenfalls von Gott als Strafe gesandter
Leidenszeit. Auf
alles Fleisch, nicht nur auf die Getreuen, auf Israel, gießt
Gott seinen Geist.
Gottes ausgegossener Geist äußert sich in Weissagen,
Visionen, Träumen. Schon
400 v.Chr. zur Zeit Joels ist der Heilige Geist in Derealisationen wie
Visionen, Träumen und Hoffnungsutopien am Werk.
Eine
solcher
Visionen ist die Trauerhalluzination des nach seiner Hinrichtung in
verschiedensten Situationen wieder erschienenen Jesus, die
früheste Bezeugung
bei Paulus 1Kor 15,5-8: kaiì
oÀti wÓfqh
Khf#=, eiåta toiÍj dw¯deka:
eÃpeita wÓfqh e)pa/nw pentakosi¿oij
a)delfoiÍj
e)fa/pac, e)c wÒn oi¸ plei¿onej
me/nousin eÀwj aÃrti, tine\j de\ e)koimh/qhsan:
eÃpeita wÓfqh
¹Iakw¯b%, eiåta
toiÍj
a)posto/loij pa=sin: eÃsxaton de\ pa/ntwn
w¨spereiì t%½ e)ktrw¯mati
wÓfqh
ka)moi¿.
Die
Lichtvision des
Paulus vor Damaskus als Christuserscheinung zu bewerten, zeigt da auch
überdeutlich, welchen Realitätsgehalt alle diese
Visionen hatten. Daß Jünger
überhaupt Visionen bekamen, von Trauer und Verzweiflung
getriggert in ihren
Gehirnen, hat eine sie selbst aufwertende Bedeutung, ist Zeichen ihrer
Erwählung wie die Berufung eines Propheten und autorisiert
damit ihre Sonderstellung
unter den restlichen Anhängern Jesu. Die Auferstehungsvision
wird Zeichen des
Geistes Gottes, der sie ergriffen hat und nun bewegt. Sie verleiht
Macht in der
Christenschar.
Die
Predigt des
Petrus selbst sieht sich schon als eine Manifestation des Heiligen
Geistes,
nicht nur als eine Art Hinweis darauf. So spricht der Heilige Geist
höchstselbst. Petrus sieht sich im Besitz dieses Geistes und
alles, was da in
der Jüngertruppe – sorry: Apostelgruppe - in
Jerusalem passiert, ist bewegt von
diesem Geist. Schon seltsam, daß scheinbar alle 12 in einem
Haus wohnen. Und
oben ein Saal, gab es solche Riesenbauten damals überhaupt?
Hatte die Gemeinde
schon Geld genug, sich ein riesiges Gemeindehaus zu leisten? Petrus
schimpft
die Juden, Jesus getötet zu haben, aber der sei auferstanden,
alles nach
Ratschluß und Vorherbestimmung Gottes, so daß Juden
und Römer hier nur
Marionetten Gottes waren.
Warum
eigentlich in
Jerusalem, der Stadt, über die Jesus geweint hat und in der er
hingerichtet
wurde? Ist das nicht ein schrecklicher Verrat? Vom Wanderradikalismus
zum
Eigenheim. Die ersten Christen etablieren sich in Windeseile. Nichts
mehr
erinnert da noch an Jesus. Petrus verliert kein Wort darüber,
was genau Jesus
gemacht hat. Alles nur Wundertaten, keine Sozialarbeit für die
Mühseligen und
Beladenen. Wichtig ist nur für ihn, daß er
gekreuzigt wurde von den Römern und
Juden und daß Gott ihn auferweckt hat. Mehr zu Jesus zu sagen
ist belanglos.
Der
christliche
Urkommunismus Apg 2,44f, wir haben ihn als junge Theologiestudenten
gefeiert
und gepriesen. Taizé und die Klöster. Aber es ist
von Anbeginn auch schon der
Geist Petri und aus den Wanderradikalen wird schnell die Ansiedlung in
Jerusalem, nicht mehr dieses karge Leben in Galiläa. Scheinbar
wird gewählt und
bald auch gestritten, die Zeit der Flammen über den
Köpfen ist schnell vorbei.
Die Geburt der Kirche mit all ihren Selbstdarstellungen und ihrem
Machtpoker
beginnt und ich
sehne mich zurück nach
Jesus, der ganz anders gelebt hat als diese Apostelschar mit ihren
Streitereien
und Zerwürfnissen.
Weissagen,
Visionen, Träume – das war die Auferstehung des
geliebten Jesus und seine
Auffahrt in den Himmel in ähnlicher Art wie Elia damals, wie
der Menschensohn
auf den Wolken im Danielbuch. Ein kleiner aber gemeiner Unterschied ist
bereits
da: Wollte Gott bei Joel seinen Geist nicht ausgießen auf
ALLES FLEISCH? Bei
Petrus wird aber nur der der Ausgießung des Heiligen Geistes
teilhaftig, der
korrekt getauft ist, nachdem er Buße getan hat, cf Apg 2,38.
An einem Tag
lassen sich 3000 Seelen taufen und werden Christen, cf Apg 2,41. Welche
Lokation braucht man dazu? Es müßte eine riesige
Kathedrale sein, wie wir sie
kennen von den Evangelikalen in den USA. In Jerusalem damals aber kaum
realisierbar, kaum zu glauben. Also noch ein Wunder. Früher
war Pfingsten das
Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes für mich
als kleiner Junge. Heute als
alter Opa sehe ich im Keim schon das beginnen, was die gesamte
Geschichte der
Kirche prägt. Der Blick in die Kulissen zeigt mir jetzt nur
noch das, was
Manfred Josuttis die permanente Passion Jesu Christi in der Kirche
nannte und
die verdammte Macht dieser Kirche ehrfürchtig
geißelte.
Die
grenzenlose
Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden kann ich
teilen, was davon
auf den Synoden noch übrig geblieben ist, enttäuscht
mich. Die Kraft des
Heiligen Geistes ist in homöopathischen Dosen wirksam und da
beginnt der
Glaube: daß aus diesen verschlafenen und konservativen
Betbrüdern eine Kraft wird,
die die Not dieser Welt überhaupt einmal klar in aller
Schärfe sieht und
gemeinsam und synodal die nötigen Konsequenzen sieht und
zieht. Be-geisterung
für eine Welt ohne Waffen, für eine sparsame Welt,
die keine Ressourcen
verschleudert, die die allseits bekannten Klimaziele in ihrem Bereich
realisiert
und für ihre politische Durchsetzung auf die Straße
geht, gemeinsam mit
Greenpeace und Fridays for future. Das ist meine Pfingstvision, eine
aufgeweckte und für Gottes Zukunft begeisterte und
begeisternde Kirche, die
eine Wiedergeburt nach der anderen erlebt und nicht nur Bremser
göttlichen
Heils an die Macht wählt. Amen.