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Dr. Thomas Wesener
Biologe
ACHTUNG! NEUE
ADRESSE:
Field Museum of Natural History,
Zoology
- Insects
1400 S. Lake Shore Drive
IL-60605
Chicago, U.S.A.
E-mail: twesener@uni-bonn.de
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Taxonomische Bearbeitung der Sphaerotheriida
(Riesenkugler) Madagaskars:
Die Riesenkugler Madagaskars waren schon lange
nicht mehr der Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Insbesondere
für biogeographische und ökologische Studien ist eine sichere Bestimmung
der jeweiligen Arten allerdings Grundvoraussetzung.
Der Großteil der bereits in vorigen
Jahrhunderten beschriebenen Arten (34) wird deswegen von mir mit modernen
Methoden (z.B. rasterelektronenmikroskopische Studien) neu beschrieben.
Parallel dazu werden die große Anzahl der noch
unbeschriebenen Arten bearbeitet. Zum jetzigen Zeitpunkt warten noch über
40 madagassische Riesenkugler auf ihre Beschreibung, was bedeutet, daß sie
noch nicht benannt worden sind.
Bedauerlicherweise erfordern solche
taxonomischen Arbeiten viel Zeit.
Phylogenetische Studien, Ursprung madagassischer
Riesenkugler: Wer ist mit wem am nächsten verwandt?
Die aus der taxonomischen Bearbeitung gewonnen
Daten werden zu einer Merkmalsmatrix verarbeitet, welches die Grundlage für
die Rekonstruktion eines Stammbaumes darstellt.
Mit einem solchen Stammbaum können die
nächsten Verwandten madagassischer Arten gefunden werden. Weiterhin liefert
ein Stammbaum wichtige Aufschlüsse über die Verwandtschaftsbeziehungen
verschiedener Riesenkugler in verschiedenen Ökosystemen.
Dieser Stammbaum ist die Grundlage für
biogeographische Studien und Besiedlungshypothesen.
Biogeographie der Riesenkugler: Wie oft
wanderten Tausendfüßler ein?
Tausendfüßler (und Riesenkugler im Besonderen)
eignen sich hervorragend für biogeographische Studien. Sie besitzen wenig
Ausbreitungsmöglichkeiten (wie zum Beispiel Flugfähigkeit oder
Windverdriftung) und besiedeln meist kryptische Habitate. Mit einer
Auswertung der in phylogenetischen Untersuchungen erstellten Stammbäume
lassen sich die nächsten Verwandten der madagassischen Riesenkugler finden.
Daraus läßt sich ableiten, von wo aus, wie oft und eventuell auch wann
Diplopoden nach Madagaskar einwanderten.
Durch Verwandtschaftsanalysen von Arten
verschiedener Ökosysteme läßt sich nachvollziehen, wie die Besiedlung
Madagaskars durch Riesenkugler ablief und in welcher Reihenfolge die
verschiedenen Ökosysteme Madagaskars besiedelt worden sind.
Biodiversitätsstudien: Wie artenreich ist
Madagaskar im Hinblick auf Diplopoda?
Direkt abgeleitet aus der taxonomischen
Erfassung einzelner Arten läßt sich ein Artkatalog madagassischer
Tausendfüßler erstellen, den man mit Artkatalogen anderer Gebiete
vergleichen kann. Beherbergt Madagaskar mehr Tausendfüßlerarten als andere,
vergleichbare Gebiete (Europa, Südafrika, Indien)? Hat Madagaskar mehr
Endemiten, also Arten, die nur auf Madagaskar vorkommen, als andere
Gebiete? Hat Madagaskar mehr Tausendfüßlerarten, welche nur in einem
kleinen Gebiet der Insel (z.B. nur auf einem Berghang, in einem Wald etc.)
vorkommen als andere Gebiete?
Woran könnte das liegen?
Biodiversitätsstudien: Gibt es auf Madagaskar
Ökosysteme oder einzelne Wälder, Gebirge mit besonders vielen Arten, welche
womöglich nur dort vorkommen (sog. 'hotspots')?
Gerade die Beantwortung dieser Frage ist
aufgrund der schnell voranschreitenden Waldzerstörung evident! Viele
Diplopoden dürften ansonsten auf Madagaskar aussterben, ohne daß die
Menschheit Kenntnis von ihnen hatte.
Weiterhin lassen sich Schutzbestrebungen
optimieren, indem Gebiete mit besonders vielen oder nur dort vorkommenden
Arten besonderen Schutz erhalten.
Erfassungen von Invertebraten (insbesondere
Diplopoden) ergänzen Studien an Vertebraten (zum Beispiel Lemuren).
(1)
Invertebraten stellen über 95% der Arten in einem Ökosystem. Es sind viel
fundiertere Aussagen zur Artenvielfalt eines Gebietes möglich, als wenn man
nur Wirbeltiere erfassen würde.
(2)
Invertebraten, besonders Tausendfüßler neigen aufgrund ihrer Lebensweise
und beschränkten Ausbreitungsmechanismen viel stärker zum Endemismus als
viele Vertebratenarten.
(3)
Tausendfüßler spielen als Streuabbauer eine unverzichtbare Rolle im
Ökosystem, ihre Rolle wird vor allem dann bedeutsam, wenn
Wiederaufforstungen mit indigener Vegetation durchgeführt werden sollten.
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