Altgriechisch Schreiben mit dem Computer

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Für Schnelleinsteiger: 

So klappt es...

...mit Windows 10...

mit Windows 7...

...so mit Windows XP...                                  

...mit Windows und Linux...

...mit Windows XP bis Windows 10...

...mit Mac und Windows ...            .

..mit Linux...          

...mit Handy und Smartphone

…in eBooks

KALAMOS für Windows

Online Tippen

 

 Und hier noch einmal ausführlich:

Ausgangslage / Problemstellung

Können Sie diesen griechischen Vers auf Ihrem Bildschirm richtig lesen? 

Διπλῶς ὁρῶσιν οἱ μαθόντες γράμματα.

(Doppelt sieht, wer Schreiben gelernt hat)

Ohne leere bzw. schwarze Kästchen oder Fragezeichen oder sonstiges Unkraut?  

Dann beweist das, dass Ihr Computer Unicode versteht und dass eine für Altgriechisch geeignete Schriftart auf ihm installiert ist- für alle neueren Computer eine Selbstverständlichkeit.

Bei dem Versuch, diesen Satz mit Ihrem Textprogramm nachzutippen, mit allen Akzenten und Spiritus, werden Sie vermutlich auf Schwierigkeiten stoßen. 

Egal, ob Sie schon beim Lesen oder erst beim Tippen des Satzes Probleme hatten: Sie sollten sich über einige Grundbegriffe der griechischen Akzentuierung klar werden:

Altgriechisch und Neugriechisch / Polytonisch und Monotonisch 

Die modernen Computer-Betriebssysteme und Textprogramme haben in der Regel eine Sprachunterstützung für die griechische Schrift integriert; damit ist sehr oft nur Neugriechisch gemeint. Im modernen Neugriechischen ist die Zahl der diakritischen Zeichen (Akzente und Spiritus) praktisch auf ein einziges Zeichen reduziert: den Einheitsakzent "Tonos" (τόνος , steht für Akut, Gravis oder Zirkumflex, im Aussehen ähnlich dem Akut). Neugriechische Tastaturen haben also in der Regel keine Spiritus, keinen Zirkumflex und keinen Gravis, auch kein Iota subscriptum, sie sind "monotonisch" (= "einakzentig"), während Altgriechisch "polytonisch" ("vielakzentig") geschrieben wird.
Seit einiger Zeit werden jedoch auch in Standardsystemen die alten diakritischen Zeichen mit berücksichtigt (s.u. zu B.Unicode). Solche Tastaturen werden dann als „polytonische“ bezeichnet.

Tonos und Akut: Der neugriechische Tonos sollte nicht mit dem altgriechischen Akut verwechselt werden, obwohl sich beide Zeichen in den meisten Fonts sehr ähneln. Der Tonos kann unter Windows mit allen griechischen Tastaturen durch die Taste "ö" erzeugt werden (z.B. ergibt die Eingabe "öa" ein "ά"). Der Tonos sollte eigentlich genau senkrecht über dem Vokal stehen (ά), der Akut nach rechts oben geneigt (ά). In Unicode (s.u.) sind es zwei völlig verschiedene Zeichen. Dies wird wichtig z.B. bei der Eingabe griechischer Wörter in Suchmaschinen, die nur in Unicode möglich ist. Da dieser etwas subtile Unterschied aber vielfach missachtet wurde und wird, empfiehlt es sich, bei der Suche nach altgriechischen Wörtern mit Akut auch nach der Schreibvariante mit Tonos zu suchen, also z.B. τέκνον [Kind] (getippt „tqeknon“) auch unter τέκνον (mit Tonos, getippt „töeknon“).

Unicode und Non-Unicode

Von vielen unbemerkt hat sich zu Ende der 1990er-Jahre die Umstellung auf das Unicode-System vollzogen, das die Verwendung mehrerer ganz verschiedener Schriftsysteme (z.B. Lateinisch und Griechisch) mit ein und derselben Schriftart (Font) erlaubt, weil jeder einzelne Unicode-Font (tendenziell) alle Schriftzeichen der Welt enthält. 
Inzwischen (2015) ist das Unicode-System mit allen Betriebssystemen kompatibel (auch Mac, Linux u.a.) und hat sich als Standard für alle Sprachen etabliert. Im Windows-Bereich begann die Umstellung mit Windows 98 bzw. WORD 7. Die alten Non-Unicode-Fonts lassen sich z.T. nicht mehr verwenden und Texte, die mit solchen Fonts geschrieben sind, werden auf dem Bildschirm z.Tl. falsch dargestellt. Dasselbe erlebt man umgekehrt mit Unicode auf älteren Systemen. 

In dieser Übergangssituation will ich auf einige Lösungen hinweisen, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe:

(A: Non-Unicode)

Auf Windows-und Macintosh-Systemen, alt und neu, läuft der kostenlose True-Type-Font „SPIonic", der sehr verbreitet ist. (Download hier).

Wenn dieser Font auf dem Computer installiert ist, kann man Altgriechisch tippen und altgriechische Dateien, die mit diesem Font geschrieben sind, öffnen und lesen. Sein besonderer Vorteil liegt darin, dass das Keyboard-Layout konsequent auf den sehr einfachen so genannten "Beta-Code" ausgerichtet ist, der auf normaler Lateinschrift basiert. 

Sehr gute Übersicht und viele Hilfen für Mac-oder Windows-Nutzer hier.

WICHTIG! Es gibt noch sehr viele andere solcher Fonts (z.B. WP Greek, SGreek, Wingreek, Logos Gramma), die aber alle nicht miteinander kompatibel sind. Deshalb ist es üblich, bei elektronischer Übermittlung altgriechischer Texte in Non-Unicode den Font, in dem sie geschrieben sind, mit zu übermitteln, damit der Empfänger ihn ggf. auf seinem Computer installieren kann. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Empfänger die Texte auch richtig lesen kann. S.unten

(B: Unicode)

Für Systeme ab Windows 98 ist das Unicode-System vorzuziehen. Für die Installierung der altgriechischischen Schrift unter Windows, Mac, Linux finden Sie hier mehrere Anleitungen.

Nicht alle Unicode-Fonts unterstützen auch die altgriechischen Akzente; aus dem Standardvorrat der Windows-Systeme sind es mit Sicherheit immer "Tahoma" und "Palatino Linotype"; ihre Zahl erhöht sich ständig. Eine breite Auswahl von Fonts (mit Schriftmustern und Downloadquellen) finden Sie hier.- Eine sehr ausführliche und detaillierte Darstellung des gesamten Themas (Alt-und Neugriechisch in Unicode) findet man HIER.

 WICHTIG! Es sind vielleicht (noch immer-2016) Computer bzw. Programme im Gebrauch, die aus irgendeinem Grund nicht mit Unicode umgehen können. Um das zu testen, kann z.B. der oben angeführte altgriechische Vers benutzt werden.

ZU BEACHTEN ist auch, dass man beim Arbeiten mit Unicode leicht die Schriftart eines Textes wechseln kann. Es genügt, den gesamten Unicode-Text zu markieren und die gewünschte andere Schriftart einzustellen. Die wichtigsten Fonts finden Sie mitsamt Downloadquellen hier

Mir wurden früher vereinzelt Probleme mit Laser-Druckern gemeldet, dass diese oft gewisse Unicode-Schriften nicht annehmen. Angeblich soll es helfen, die systemeigenen Druckertreiber (z.B. von Windows) zu verwenden; mir fehlen aber dazu eigene Erfahrungen.

 

Der Umweg über Beta Code

Man kann, wenn man Internetzugang hat, Altgriechisch in Unicode auch über den Umweg der Transkription erzeugen. Dafür bietet sich als Standard der Beta-Code an, der auch von vielen Suchmaschinen akzeptiert wird. Das Prinzip dieser Lateinumschrift ist denkbar simpel: die Klammern ( und ) dienen als Spiritus Asper bzw. Lenis, die Schrägstriche / und \ als Akut bzw. Gravis, das Gleichheitszeichen = als Zirkumflex, die Senkrechte | als Jota subscriptum. c,f,q,x,h,u,y,w sind ξ,φ,θ,χ,η,υ,ψ,ω. Stern+Kleinbuchstabe ergibt Großbuchstaben (z.B. *c = Ξ). Oft genügt aber auch die Eingabe des entsprechenden lateinischen Großbuchstabens (C = Ξ). Ein s am Wortende wird automatisch (d.h. vor Leertaste oder Interpunktion) als ς interpretiert. Ein Vokal mit Diakritika wird in folgender Reihenfolge eingegeben: Vokal-Spiritus-Akzent-Subscriptum, z.B. A(/|DHS = ᾅδης . Eine Kurzerklärung gibt es auch im Greek Word Study Tool. Mehr in Wikipedia.

Nachdem man seinen Text in Beta Code getippt hat, kann man ihn online zu Unicode konvertieren, z.B. mit dem Beta Code to Unicode Translator oder dem Greek Text Converter.

Online Tippen mit Type Greek. Am bequemsten geht es wohl mit der Sofort-Konvertierung auf der Seite "Type Greek". Man tippt Beta Code in das Eingabefeld und sieht sofort nur Griechisch auf dem Bildschirm. Dazu ist unterhalb des Eingabefeldes die Option „Convert to Greek“ standardmäßig eingeschaltet. Für alle, die nur selten und wenig Altgriechisch tippen wollen oder müssen, ist dies die ideale Sofortlösung, die auch mit Smartphones und Tablets funktioniert. Mehr Infos HIER.

Der Beta Code ist ein unumgänglicher Notbehelf, wenn man auf einem Gerät tippt, das mit Unicode-Altgriechisch nicht (richtig) umgehen kann. Freilich benötigt man für die Konvertierung Internetzugang.

WICHTIG! Der „Beta Code“ darf nicht mit der Umschriftmethode „B-Greek“ verwechselt werden. Bei dieser letzteren ist x=ξ und c=χ!

 

Tools (kostenlose Zusatzprogramme) für Unicode

(1)Rechtschreibprüfung / Korrekturprogramm

Man ist inzwischen daran gewöhnt, beim Tippen auch immer eine Rechtschreibprüfung zur Hand zu haben, die einen auf dumme Tippfehler hinweist und nicht selten mit unfreiwillig komischen Korrekturvorschlägen auch für Fröhlichkeit sorgt.

Das gibt es nun auch für Altgriechisch, als Extension zum OpenOffice.

Niemand wird vernünftigerweise von so einem Programm Wunder erwarten. Ich war dann aber doch sehr beeindruckt von seiner Leistung; so kann man es empfehlen nicht nur allen, die mit den Akzenten und Formen sowieso ihre Not haben, sondern auch Fortgeschrittenen zur Aufdeckung von Flüchtigkeiten. Unbedingt nötig ist aber zusätzlich die eigene „manuelle“ Kontrolle, vor allem an den Wortenden (Akut oder Gravis?).

(2) Sprachausgabe / Vorleseprogramm

Ja es gibt tatsächlich ein „Text-to-Speech“ - Programm, das altgriechische Texte vorliest, und zwar nicht in neugriechischer, sondern in erasmischer Aussprache. Da das Programm aus England kommt, ist ein englischer Akzent hörbar. Download der Installationsprogramme „espeak“ und „espeakedit“ für Windows HIER. Wichtig ist ferner, dass „altgriechisch“ in diesem Mehrsprachenprogramm mit „grc“ abgekürzt wird. Es gibt auch eine ausführliche Anleitung (inzwischen nicht mehr ganz aktuell) „PC liest Griechisch vor“ von Kai Brodersen.

(3) Texterkennung (OCR)

Wirklich brauchbare OCR-Software für Altgriechisch ist kaum erhältlich. Durch Zufall stieß ich jedoch vor kurzem auf die kostenlose Open-Source-Software „tesseract-OCR“. Mehr Infos dazu HIER.

 

(C: ZUSAMMENFASSUNG)

Wer nur einen Weg sucht, altgriechisch zu schreiben, um es auszudrucken, kann sich für Methode A oder B entscheiden. Die alten Non-Unicode-Fonts werden gelegentlich immer noch verwendet; dabei darf nicht übersehen werden, dass Unicode (bislang) für eine Reihe von Sonderzeichen, wie sie für wissenschaftliche Textausgaben oder sprachhistorische Studien gebraucht werden, keine befriedigende Lösung bietet. Dazu gehört z.B. das Digamma sowie die Zahlzeichen Sampi und Koppa, vor allem aber die vielfältigen editorischen Siglen in papyrologischen und epigraphischen Arbeiten. Die alten Non-Unicode-Schriften waren in diesem Punkt besser ausgerüstet.- In neuester Zeit bahnt sich aber auch hier eine deutliche Verbesserung an.

Aufs Ganze gesehen ist aber heute (2016) für Altgriechisch Unicode der Standard, auch wegen seiner Kompatibilität zur neugriechischen Schreibung (s.u.). Zu bedenken ist auch, dass bei Sucheingaben nach altgriechischen Wörtern in den gängigen Suchmaschinen (Google usw.) nur Unicode möglich ist. Alle neueren Programmentwicklungen arbeiten mit Unicode, und es dürfte heute kaum noch ein Gerät in Gebrauch sein, das Unicode-Altgriechisch nicht zumindest richtig lesen und darstellen kann.

Formatierung...: Wer selbst geschriebene Texte elektronisch versenden will –über E-Mail, Datenträger oder Web- oder fremde Texte direkt aus diesen Quellen lesen will, sollte Folgendes beachten:

Man sollte sich möglichst beim potentiellen Empfänger erkundigen, welchen Font und welche Systeme (Betriebssystem; Textverarbeitung) er benutzt, um sich darauf einzustellen. 

...in Dokumenten: Altgriechische Texte sollten elektronisch am besten im RTF- , HTML- oder DOCX-Format übermittelt werden. Es muss sichergestellt sein, dass der Empfänger weiß, in welchem Font das Griechisch geschrieben wurde und mit welchem Textprogramm (Unicode oder Non-Unicode, s.o. zu B). Non-Unicode-Fonts liefert man am besten gleich mit (s.o. zu A).

...in E-Mails: Wenn man Altgriechisch in Plain Text sendet, muss man die gesamte Mail in der Zeichenkodierung Unicode (UTF-8) formatieren, und auch der Empfänger muss diese Mail in der Ansicht (Kodierung) Unicode (UTF-8) lesen. Bei Postdiensten, die grundsätzlich jede ausgehende Mail in Unicode formatieren (z.B. Google Mail), geht das alles automatisch. Wenn man in HTML sendet, kann man auch Non-Unicode-Fonts benutzen, wenn man sicher ist, dass auch der Empfänger diese Fonts bei sich installiert hat.

...in E-Books: s. ausführlich HIER.

Fontwechsel in Unicode: Wenn man weiß, dass man einen altgriechischen Unicode-Text vor sich hat, kann man ihn mit jedem für Altgriechisch geeigneten Font lesen, auch wenn man denjenigen speziellen Font, den der Autor benutzt hat, nicht installiert hat. 

Alt-und Neugriechisch: man kann mit allen altgriechischen Fonts (A und B) auch Neugriechisch schreiben. Beim Lesen ist es anders: im Unicode-Bereich (B) basieren neu-und altgriechische Fonts auf derselben Grundcodierung, so dass man z.B. auch neugriechische Texte im Web ohne weiteres mit allen Unicode- Fonts lesen kann; mit Non-Unicode-Fonts (A) geschriebene Texte können nur mit diesen selben Fonts gelesen werden.

Anregungen und Fragen bitte an: Thomas Ihnken (thomas.ihnken(at)rub.de)

 

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